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Die neue Welt · 1931-07-03 · Heft 198 (3.7.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 198 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 198 JIE NEUE WELT Seite 9 : Pröbleme des religiösen Judentums in der Galuth und in Palästina. Es folgte eine Aussprache über die Ideolo* gie der „Thora waawodah'^Bewegung, wobei die Dele* gierten aus Deutschland dafür eintraten, daß die Misrachi^Jugend den Weltmisrachi verlassen müsse, wenn nicht ein vollkommen neu zusammengesetzter Merkas olami gewählt wird. Redner anderer Länder sprachen sich für die Erhaltung der Einheit der reli«. giösen Front in der zionistischen Bewc* g u n g aus. em? Der Misrachi-Führer zur Präsidentschaftsfrage. Der amerikanische Misrachi-Führer Rabbi Meir Berlin schreibt in einem Artikel „Zum 17. Zionistenkongreß" im New Yorker „Morning Journal" u. a.: „Man muß nicht gerade zu jenen gehören, die Weizmann „Verräter" zurufe«, und man kann mit ganzem Herzen anerkennen, daß objektiv Weizmann dem jüdischen Volk mit Ergebenheit und Talent gedient hat wie wenige Menschen in unserer Epoche, um trotzdem zuzugeben, daß, wie die Dinge jetzt stehen, und insbesondere in letzter Zeit, Weizmann als Präsident und Führer absolut unmöglich ist. Weizmann hat klug und ehrlich gehandelt, als er letztens mehrcremal er- * klärte, daß er für die Präsidentschaft nicht mehr kandidiere. Diejenige«, die glauben, das Rad zurückdrehen zu können, Stimmung zu machen für die Möglichkeit, daß Weizmann im Amt verbleibe, tun Weizmann unrecht, begehen eine Sünde gegen die zionistische Bewegung und bringen unserem Ideal und unserer Tätigkeit Unglück. Weizmann hat es mit allen seinen Fehlern verdient, daß er in allen Ehren Expräsident wird, daß man ihn lobe und rühme öffentlich und privat, und daß er im jüdischen Leben als Symbol großer Fähigkeiten, Beziehungen und Erfolge usw. bleibe. Es ist keine Schande und keine Ehrverletzung, wenn nach lOjähriger Führerschaft eine Situation geschaffen wurde, wo man anderen Menschen die Pflicht und das Verdienst der Führung zuteil werden lassen muß. Bei andern Völkern ist das eine normale Erscheinung. Und man sieht darin kein Malheur. Werden aber die Anhänger Weizmanns beim Kongreß versuchen, um seinen Namen Probierte und Diskussionen zu knüpfen, so wird das zu Auftritten führen, Attacken und Vorwürfen, die den abgetretenen Präsidenten nicht begleiten sollten. Man versündigt sich aber auch an der Bewegung, wenn man in alle Gassen schreit: Entweder Weizmann oder niemand sonst! Es ist unerhört, der größten und stärksten Bewegung einen derart beleidigenden Stempel aufzudrücken, als ob keiner da wäre, der den Platz des einen einnehmen könnte. Das ist eine so tiefe Beleidigung, daß man jedem Fremden, der sie wagte, als Verräter am jüdischen Volk verdammen würde, und das tun unsere eigenen Menschen und fühlen nicht, wie häßlich es ist. Gewiß gibt es nicht viele Kandidaten für die Präsidentschaft und jeder hat gewisse Nachteile. Als Frankreich jüngst einen Präsidenten wählte, so wurde er bestimmt nicht von allen als der idealste anerkannt. Man wählt unter den gegebenen Umständen eben den besten und muß sich damit zufric den geben. Der Kampf gegen Weizmann ist kein persönlicher. Es gibt hunderttausende Zionisten, die in Weizmanns Prinzip nicht das sehen, was sie unter Zionismus verstehen. Und wenn es jemals die Gefahr einer Spaltung in der. zionistischen Bewegung gab, so ist sie jetzt um Weizmann viel drohender... Deshalb muß man nach Basel mit einem festen Entschluß kommen: Nicht mehr Weizmann, sondern ein anderer Präsident 1" Für welche Interessen wird der Zionismus geopfert? Die sidi über Nacht wieder zu Weizmann bekennen Enthüllungen über „Jewish Chronicle" Seit einiger Zeit, genauer gesagt, seit Beginn der Wahlkampagne zum Zionistenkongreß, brachte die Pro-Weizmann-Presse kontinuierlich und" mit sichtlichem Appetit, der sich schon in den Schlagzeilen auslebte, Zitate aus der Londoner Zeitung „Jewish Chronicle". Die pikante Seite dieser Zitate War, daß sie mit dem die „Jewish Chronicle" charakterisierende Temperamten für — Weizmann warben. In der Tat eine Ueberraschurig! Eine Ueberraschung, deren Hintergründe der Korrespondent des Warschauer „H a j nt" aufdeckt. Die Enthüllungen kann man ohne Uebertreibung als von sensationeller Substanz [bezeichnen. Zunächst stellt der Korrespondent fest, daß zur allergrößten Verwunderung aus der verbissenen Weizmann-Gegnerin, der „Jewish Chronicle", über'Nacht ein Verteidiger des Weizm'ann-Systems geworden ist. „Jewish Chronicle", führt der Korrespondent aus, ist ein zionistisches Organ in England, dessen Informationen häufig vorzüglich sind. Der sogenannte parlamentarische Korrespondent der Zeitschrift ist immer imstande,%.m ersten Quellen Informationen zu beziehen . . . Der Chefredakteur Leopold Greenberg, der bereits das 70. Lebensjahr überschritten hat, gehört zu den ersten und aktivsten Mitarbeitern Eerzls, ein Mann, der seinerzeit mit der englischen Regierung wegen Uganda verhandelte und während des Weltkrieges seine Beziehungen zur englischen Regierung für den Zionismus ausnützte. Heute widmet er seine Arbeitskraft ausschließlich der „Jewish Chronicle", in welcher er das Weizmann-System scharf angriff, der Exekutive temperamentvoll an den Leib rückte, und dessen Kritik nach den traurigen Ereignissen in Palästina und im letzten Jahr während der Verhandlungen mit der englischen Regierung der Exekutive außerordentlich unangenehm wurde. Und auf einmal, so stellt der Korrespondent fest, da Weizmann demissioniert hat, sich gewissermaßen die Tendenz eines neuen Systems im Zionismus ankündigt, das Ziel des Kampfes also fast erreicht ist, erläßt Greenberg eine neue Parole für Weizmann oder für das Weizmannsche System, und die „Jewish Chronicle" ist nicht mehr %u erkennen. Für diesen Umschwung soll es vor allem die eine Erklärung geben: „Leopold Greenberg soll sich wegen der englischen Interessen der Juden zu einer Richtungsänderung seines Blattes entschlossen haben. Englisch-jüdische Kreise sollen die Befürchtung hegen, daß eine Wendung der zionistischen Politik riskant w«*den könnte. Weizmann wird gestürzt, radikale Elemente können zur Macht gelangen. Wer f kann garantieren, welche Form die<^ Beziehungen zu England annehmen werden? Führende englische Juden sollen im letzten Moment ypr. der Konsequenz einer eventuellen extrem - zionistischen und antienglischen Politik erschrocken sein. Sogar diejenigen, die von der Schädlichkeit des W e i z m a n n - R egimes überzeu g t sind, sagten sich, daß man Vorsicht walten lassen und die Opposition aufgeben müsse, umsoeine weiterepro-englischeOrientierung un d damit zusammen das englischjädisclie Einvernehmen in England selbst zu gewährleisten." Damit das Maß dieser jüdisch-englisch-patriotischen Erwägungen voll sei, sind, wie der Korrespondent erzählt, seitens der Angstmeier vor dem Revisionismus — betitelt sich doch der zitierte Artikel „Die Angst vor den Revisionisten" — Machinationen im Gange, auf dem Kongreß die unmöglichsten Blocks zu schaffen, mir um die starke Oppostion der Revisionisten zu isolieren. * Diese Enthüllungen, am Exempel „Jewish Chronicle" statuiert, charakterisieren besser als alles bisher, vielleicht; aber noch brutaler, den Geist, der sich in der zionistischen Organisation eingef ressen hat. Mit den typischen Merkmalen schlimmsten Assimilantentums Behaftet, will dieser Geist den Zionismus aus seinem autonomen Bereich entwurzeln und ihn Interessen unterordnen, die zwangsläufig zur Preisgabe einer zionistischen Politik führen müssen. Im Augenblick, da jüdische Gentlemen in JLondon es mit der Angst zu tun bekommen, daß ihr britischer Herr, und Gebieter böse werden könnte, schieben sie alle Pflicht, die ihnen die zionistischen Interessen auferlegen, beiseite. Aber diese Enthüllungen verraten noch etwas. Sie sind nichts sehr schmeichelhaft für die jüdisch-patriotische Mentalität jener Kreise, die seit mehr als einem Jahrzehnt die zionistischen Geschäfte besorgen. Die Angst vor den Herzl-Zionisten, sie ist be- PR. HANS KAISER ORDINIERT BAD HALL HAUPTPLATZ Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher (auch antiquatische) für Eure Kinder in der jttdltchen Buchhandlung Herrn. Tuchner Wien II, Gr. Sfadfgufg. 7 (EtM Trtmte §2) Leihbibliothek Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! Für Anfragen Telephon R-41-4-20 mmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmm jammmmmmm gründet. Für sie gibt es weder englische, noch amerikanische, noch andersstaatliche Belange, sondern nur das Interesse am jüdischen Nationalheim. Für sie ist der Zionismus eine interterritoriale Angelegenheit, die die Interessen keines Volkes einschnürt für sie ist der Zionismus ein internationales Problem, an dessen Losung zu arbeiten alle Staaten ingleicher Weise sich verpflichtet fühlen müssen; für sie ist der Zionismus kein Terrain, auf dem Handlangerdienste für den einen oder andern gedeihen dürfen. Dieser Geist, am Exempel „Jewish Chronicle" statuiert, ist Assimilantenart, die noch immer nicht begriffen hat, daß der Zionismus gerade jene jüdische Politik ist, die die Judenfrage 'aus den widerstreitenden Tendenzen fremd nationaler Bind u n gen herausreiße n uad international lösen will. Der Zionismus kann in den Dienst keiner anderen Interessen gestellt werden als in den des jüdischen Volkes. Als solcher und nur als solcher hat er die Anerkennung der Kulturwelt errungen. Der Zionismus ist keines anderen Volkes Feind, aber auch keines anderen Volkes Knecht oder Agent. Sonst verliert er seinen Sinn als Erlöserwerk am jüdischen Volk. Nachrichten aus Rumänien Cuza fordert Ausschluß der Juden aus der rumänischen Armee Bukarest, 28. Juni. (J. T. A.) In der am 27. Juni in der rumänischen Kammer stattgefundenen Ausspräche über die Thronrede ergriff auch der Führer der antisemiti* sehen Partei, Prof. Cuza, das Wort und erinnerte unter stürmischem Beifall der Regierungsmehrheit an die Zeit, in "der der gegenwärtige "Ministerpräsident Prof. Jörga^gemeinsam mit ihm in der antisemitischen Bewegung tätig war. Als der jüdische Abgeordnete Dr. Theodor Fischer gegen die Forderung Prof. Cuzas, die Juden als illoyales Element aus der Armee auszuschließen, protestierte, wurde er durch fortwährende Zwischenrufe Cuzas, in denen dieser die jüdischen Abgeordneten persönlich be« leidigte, unterbrochen. Cuza erklärte bei dieser Gelegen* heit nochmals, die Stellung des Ministerpräsidenten zur Judenfrage unterscheide sich nicht von seiner eigenen.. Freispruch eines antisemitischen Terroristen in Rumänien Bukarest, 28. Juni. (J. T. A.) Das Bukarestcr Gericht hat am 27. Juni den Studenten Beza, der vor einem Jahre einen Mordversuch, an dem Unterstaatssekretär im Innenministerium M. Anghelescu verübt hatte, freige« sprochen. Als das Urteil verkündet wurde, stimmten die als Zuhörer anwesenden antisemitischen Studen« ten nationalistische Lieder an. Förderung der jüdischen Landwirtschaft in der Bukowina Paris, 29. Juni. (J. T. A.) Die Jewish Coioni* sation Association (JCA), die sejt vielen Jahren in Bessarabien eine großzügige Tätigkeit in der För* derung der jüdischen Landwirtschaft' entfaltet (ihre Fürsorge umfaßt über 3800 Kolonistenfamilien mit ungefähr 18.000 Seelen) und in diesem Lande außerdem gemeinsam mit dem Joint Distribution Comittee ein aus« gebreitetes Netz von Darlehenskassen erhält, hat zu Be* ginn dieses Jahres beschlossen, ihre landwirtschaftliche Tätigkeit auch auf eine andere rumänische Provinz, die B u k o w i n a, auszudehnen. Schulprüfungen in hebräischer Sprache in Rumänien Bukarest, 29. Juni. (J. T. A.) Infolge der vom Ministerpräsidenten JoTga getroffenen Anordnung, daß Schulprüfungen auch in den Sprachen der nationalen Minderheiten vor sich gehen sollen, sind diesmal Härten, wie sie in früheren Jahren vorkamen, vermieden worden. In den staatlich anerkannten hebräischen Gymnasien und Lyzeen in Bessarabien wurden zum erstenmal in einem weiten Ausmaße die Staatsexamina in hebräischer Sprache gehalten. Die Regierung ernannte Lehrer* kommissionen, die in den Fächern Jüdische und AUges meine Geschichte, Geographie, Mathematik, Natur» Wissenschaften usw. die Schüler in hebräischer Sprache prüften. Landesgeschichte und Geographie, rumänische Sprache und Literatur wurden in der Landessprache ge* prüft. Die Prüfungen sind glänzend verlaufen, die hebräische Sprache hat sich als Schulsprache wiederum sehr bewährt. Auch hat sich erwiesen, daß es genügend Lehrkräfte gibt, die Hebräisch können und dabei die Qua« lifikation als staatlich soefkarmte Lehrer besitzen.

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