Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 198 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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EiMMiwugswegBoe (Waad Hacfciaucb) ein« fahrt. ..... Ffchceode Fetaortüchkehen des palästinensischen Misrachi haben sich geäußert, daß Dr. Berksens Entwurf eines neue« Plans für die Führung des Erziehungs* wesens durch folgende Bestimmungen die Autonomie der Misracbi'Schulen gefährdet: Nach dem n^nen Plan »oiien künftighin Auf* nahmen und Entlassungen von Lehrern an Misrachi* Schulen durch den Waad Hachintich vorgenommen wer* den, während dies gegenwärtig durch den misrachisti* sehen Beratungsausschuß geschieht; ferner soll der Lehi» plan für die MistJachuSchulen von eiriem eigenen päd* agogischen Komitee entworfen und vom Direktor des Waad Hachitinch bestätigt werden, während er gegen* wärtig vom misrachistischen Beratungsausschuß he» stimmt wird; schließlich werde durch den neuen Plan auch die administrative Autonomie der Misrachi"» Schulen beseitigt. Was geht m Saloniki vor? (Fortsetzung von Seite 1.) füllt, sie haben nicht genügend Voraussicht gezeigt. Hätten sie energischer eingegriffen, als die Studenten Aufrufe zum Boykott der jüdischen Bevölkerung zu ven> teilen begannen, so wäre es nicht zu den so tief betrüblichen späteren VorfäHen gekommen. Bei der geringsten kommunistischen Kundgebung wird sofort die gesamte Gendarmerie mobilisiert. Aber hier, wo es, sich um den Friedeneiner ganzen Bevölkerungsklasse handelt, ließ man die Dinge ihren Lauf nehmen. Der jüdischen Bevöl* kerung Salonikis muß die Gewißheit wiedergegeben wer* den, daß die Regierung über ihre Sicherheit wacht und daß sie entschlossen ist, jeden Angriff gegen ihre Exi* Stenz und ihr Eigentum zu unterdrücken. Wir verlangen die rasche Bestrafung der unmittelbar Schuldigen, nicht nur der Studenten, sondern auch der moralischen Ur* hßber der Unruhen», Es muß ein Exempel statuiert wer* den, damit nicht ein gefährlicher Präzedenzfall ge* schaffen werde. Es gibt in Saloniki eine gewisse Presse, die den Haß gegen :,die , jüdisch^ .Bevölkerung züchtet, indem sie sich unedle Empfindungen und gewisse Umstände zunutze .machte inr der kleinlichen Spekulation, es würde dadurch eine EVJiohung der Auflagenziffer erzielt werden können; Gegen diese Zeitungen müsse rücksichts* los durchgegriffen werden. Ich bedauere, hier mitteilen zu müssen, daß ein Funktionär des Staates, der, Di.r ektor des P^r e s s einr p s in Sa 1 o.n iki, m i t a n ti s e m.i ti s c hte n Elementen zusam* menarbeitet und die gegen die Juden gerichtete Propaganda, earontigt. Er ist es, der den Judengegnern Material' liefert, in dem die wahren .Tatbestände. ent# stellt sind." f. ."'. b Abgeordneter Bessantchai steift sodann die For« derohg nach A b b e r mf u n g des Pressechefs von Saloniki sowie nach Entschädigung des Sportklus Makkabi und der übrigen Be* troffenen auf, Die Vorgeschichte der Ausschreitungen •Auf der. .vor etwa zehn. Monaten abgehaltenen Makkabiade m Bulgarien, hatte sich der jüdische Sport* klub Makkabi in Saloniki durch Herrn Isaac Cohen, der siefi damals' gerade in Sofia aufhielt, wo er mit Doktor Alexander Rosenfeld aus Berlin über die Be* dingungen eines Anschlusses des Salonikier Makkabi an den ' MakkabisiWeltverband verhandeln sollte, vertreten _ EHE WBOC VTIiLT ' i , lassen. Ungefähr zur selben Zeit fand m Sofia ein Kon* greß der mazedonischen Jugend statt. Nach seiner Rückkehr nach Saloniki wurde Herr Cohen einem politischen Verhör unterzogen. Er teilte den Zweck seiner Reise nach Sofia mit. Vor wenigen Tagen hat die Salonikier antisemitische Zeitung „Make* donia" die Angelegenheit aufgegriffen und berichtet, der Makkabi in Saloniki stehe im Einvernehmen mit den buU garischen Komitatschis und dem Lazaristen-Orden in Saloniki, die die Autonomie Mazedoniens proklamieren wollen. Isaac Cohen sei der Delegierte Salonikis auf dem Kongreß der bulgarischen Komitatschis gewesen. Diese Mitteilung wurde dann auch von anderen Zeitungen wiederholt und zum Anlaß heftiger Angriffe gegen die Juden,, die. angeblich gegen den Staat arbeiten, ge* nommen. Am 23. Juni wurden von .Hörern der Univer* sität in Saloniki Flugzettel verteilt, in denen es hieß, die Juden hätten im Jahre 1821 den (Patriarchen Gregor durch die Straßen Konstantinopels geschleift; die Juden arbeiteten im Einvernehmen mit den Kommunisten und den Komitatschis daran, Griechenland das Grab zu gra* ben. In dem in tausenden Exemplaren verteilten Flug* blatt wurde zum Boykott der Juden als Vorspiel für spätere „größere Kämpfe" aufgefordert. Zehn Tote und über 50 Verwundete in einer Straßenschlacht Saloniki, 30. Juni. (J. T. A.) Die Leiden der Juden* schaft von Saloniki, die von den griechischen Nationale sten auf Grund erfundener Legenden der Sympathien für Bei fahler, graugelber Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemütsstimmung; schwe* ren Träumen ist es ratsam, einige Tage hindurch früh nüchtern ein Glos natürliches rtFranz*JosefM*Bitterwasser zu trinken. In allen Drogerien u. Apotheken erhältlich. Bulgarien und die bulgaro*mazedonische Bewegung bezieh« tigt wird, nehmen kein Ende. Nachdem in den letzten Tagen in Saloniki verhältnismäßige Ruhe geherrscht hat, haben die nationalistischen Agitatoren, hauptsächlich Sl u d'e n t e n, am Montag ynederun> xsdie Bevölkerung . gegen die Juden aufgehetzt; Es wurde angekündigt, daß' man die jüdischen Stadtvierteln Salonikis in Brand stecken werde. Der Oberrabbiner von Saloniki sandte ein Tele* gramm an den Ministerj^ä^lde^n^^V^^eÜs. 'nach - Äfften, in welchem er in auf die drohende Gefahr aufmerksam machte und um Schutz bat. . Rie t^rphnng der Brand« legung wurde noch in der Nacht zuni Dienstag, den 30. Juni, wahrgemacht. Um Mitternacht begann es im jüdischen Teil Salonikis an mehreren Stellen zugleich zu bfenneh. Bis l Ühr nachtf^'Varen ubei 200 kleine Häuser im ärmsten^^ Teili'de,s:':jüdischen äal^ki vcilko'rjQ^en nieder* gebrannt: 'Mehrere VßMSit?fjfuäiscfie'Familieh sind ob* dachlos und des AHernotwehdigsten beraubt. » Wahrend der Feuersbrunst wm*den die Juden;VÖn Nationalisten an* gegriffen, dabei wurden zahlreiche jfuden verletzt. Sechs jüdische Einwohner erlitten schwere Brandwunden. Am Morgen des 30. Juni durchzogen Militärpatrouillen die Straßen, um einen weiteren Ausbruch'de* Unruhen zu ver* hindern. Trotzdem entwickelte" sich schon m den" Vor* mittagsstunden nach heftigen Angriffen der Nationalisten auf die jüdische Einwohnerschaft eine regelrechte Straßenschlacht; bei der auch heftig geschossen wurde. Man zahlt bis jetzt etwa zehn Tote und über 50 Ver* letzte. Der Zustand des beim Sturm auf das Makkabi* Lokal verletzten Isaac Errera ist besorgniserregend. ' ' \ ' mm \ ■ . . .......■ ...... ■■! -1 Mkradii^Wellkonlerenz m Basel In der am 26. Juni vormittags abgehaltenen Sitzung der Misrachi*Weltkonferenz erstattete Rabbi Meir Berlin, Mitglied des Merkas olami, einen Be* rieht über die Tätigkeit des MisrachiAVeltverbandes im Laufe der letzten zwei Jahre auf den Gebieten des Erziehungswesens, religiöser Angelegenheiten, Einwände* rnug und Kolonisation, aus dem hervorging, daß in der Berichtsperiode ungeachtet finanzieller Schwierigkeiten auf allen diesen Gebieten Bedeutendes geleistet wurde. Rabbi Berlin forderte die Konferenz auf, die ver* schiedehen Spezialprobleme des Misrachi unabhängig von ihrem Zusammenhang mit den Problemen des Zionisten« kongresses, mit denen sich die Misrachi*Fraktion nach Schluß der Konferenz in einer besonderen Sitzung be* fassen werde, zu behandeln. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen ins Prä* sidium wurden H. Farbstein, Rabbi Ostrowski, Gedalja B u b 1 i k, Lazarus Barth, Dr. Federbuseh und Wassermann gewählt. Nach Uebernahme des Präsidiums erteilte H. Farbstein dem Mitglied des Merkas olami Rabbi J. L. F i s h m a n das Wort zu einem Referat über „Unsere Organisationsarbeit und ihre Wege in der Zukunft*4. Rabbi Fishman forderte die Konferenz auf, die Ziele des Misrachi klar zu formulieren. Die jüngste Ent* wicklung der polit sehen Lage in Erez Israel mache es notwendig, zu erklären, daß der Misrachi die Errichtung des Judenstaates in Erez Israel auf den Grundlagen der Thora erstrebe. In der am 28. Juni abgehaltenen Sitzung ist der gesamte Merkas olami, bestehend aus Rabbi Meir Berlin, Rabbi J. L. Fishman (Tel*Awiw) und Rabbi Teitelbaum (New York) zurückgetreten. Die Demission der Leitung des Weltverbandes ist darauf zurückzuführen, daß die Delegation des deutschen Misrachi, die geschlossen für Weizmann eintritt, den. Standpunkt einnahm^ Rabbi Berlin habe nicht das JRecht . gehabt, als Mitglied d^T Zionistischen Exekutive zu demissionieren, und die mit ihrem Austritt aus dem Misrachi .für den Fall, daß die Konferenz Rabbi Berlins Vorgehen billigen sollte, drohte. Um eine Spaltung des Verbandes zu vermeiden, haben Rabbi Berlin und die übrigen Mitglieder des Merkas olami ihre Demission gegeben, .obwohl die über* wiegende Mehrzahl der Delegierten den Standpunkt der deutschen Misraehisten nicht teilt. Bei der Abgabe seiner Rü<*trittserklärurtg schlug Rabbi BerBn vor, den Präsidenten der Konferenz, Heschel Fa"rbste>in, zum standigen. -Mlfgiied-j des Merkas ofemi mit dem Sitz m, Palästina zu wählen* Konferenz der „Thora Yfaawväaiä'* $q Basel End« JPnm fand in Basel dSe srw eifce W e&p b-e-ratung der Bewegung ^hc*ra »••a^w-o* dah" (Lehre und Arbeit) unter Teilnahme von Dele* gierten der Zeir e*Misra-ehi, des Hfrehak-z hamisrachi ttnd des Hapoel ha misrachi 30s Palastina, Amerika, Deutschland, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Rumänien, Belgien, Polen, Hofland und anderen Landern statt. Die erschienenen Delegierten vertraten 20.000 Mitglieder. Das Mitglied der Leitung M. Sehapiro gab einen Ueberbfick über die Lage im Zionismus und fcn PalastinaWWerk und behandelte die Und weiter: , „Sch . . . sch ... Ruhet Vollständige Ruhe! Niemand wage ach zu rühren! Ihr alle seid verhaftet! Ruhig sitzenbleiben!" Es ist der bewaffnete Unglücksbote, der das sagt. Aller Blut bleibt starr. Die Versammelten bleiben in Angst sitzen, Schreck hat sie erfaßt, und sie warten. Der Mann in Uniform geht auf den Vortragstisch zu. In seiner Hand — ein Revolver. Ich stehe auf und übergebe ihm das Maottekopt, aus dem ich gelesen habe. „Bitte." Er nimmt es strahlenden Auges and sagte »Fernes Material.** „Ein Irrtum, Genosse. Es ist schöne Lfterafor., sonet nichts." »Ja, ja, wir wissen schon.** Er betrachtet das Manuskript «od sagte „Hebräiseh?!** „Ja." „Na, und dieses ganze Publikum**, fragt er mich mit triumphierenden Spott, „dieses ganze Publikum ist hergekommen, hebräische Literatur zu hören?** Die letzten Worte betont er ironisch and fährt fort: „Dieses ganze Publikum versteht Heör&scb?** „Gewiß." . Er lächelte spöttisch. »Ja» ja, wir kennen schon die „schöne Literatur-* der Zionisten.** „Bitte sehr, Genosse, das hat mit Zionismus nichts zu tun. Die hebräischen Schriftsteller als Schriftsteller veranstalten die Vorlesung und die Verantwortung fällt auf die SchnftsteHer.** „Woher sind Sie?" „Aus Ungarn." „Ah, aus Ungarn. Und wuea sind Sie hergekommen, zum Agitieren?" Jka. Jahre t9&6 bin ich als Gefangener vom Schlachtfeld hergekommen. Euer. General,Brossilow hat mich hierhergebracht." f f. Er schaut mich an, versteht die Anspielung. „Na, genug." . . > ünd zu den anderen gewendet: JHünansl Geordnet hinausgehen! Niemand wage 2» entffieben! Wer ohne Erlaubnis davongeht, wird's mit seinem Kopf büßen. An Ort und Stelle wird er hingemacht." . Ww stehen im. Hof. M Viererreihen. Ungefähr tSO Personen. Zwei Mann sind am Eingang postiert und verhaften diejenigen, die jetzt verspätet zum ^animei* buch" kommen. „Bitte, bitte", rufen sie spöttisch den verspätet Gekommenen zu, Jbxtte, sich dort in die Reihe zu stellen." Unsere Leute ersehrecken im ersten Augenblick, finden sich aber bald zurecht und erwidern« „Ah, bitte schön f" tfed( schließen sieh Hneerer „Re3»eM an. Durchs Tor kommt ein junges Mädchen in abgeschabtem, zerschlissenem Kleid, barfaß; nein, noch schlimmer als barfuß: ihre Schuhe sind erbärmheh zerfetzt. Die „Genossen" im Tor lassen das MSdchen angesiebts ihres proletarischen Aussehens nicht m den Hof hroon. „Man darf nicht in den Hol hinein." „Weshalb? Eine Revision?** fjfagte das Mädchen' vmA setzt, ohne eine Antwort abzuwarten, fort: „loh hab* nichts zu tun mit 'diesem - Hof. Ich gehe nur zum .Mündlichen hebräischen Sammelbuch* .** ,^Vh, also auch Sie?" Die; Genossen betrachten sie von oben bis unten. „Dann gehen Sie auch dorthin in cfie Reihe!*' ' . Des iu»ge Mädchen.erfaßt im Nu die Situation und ihr Gesicht wird lustig und voll Heiterkeit; „Bitte sehr", sagt sie mit fast singender Stimme, „heraensgeto, Oenossen, sehr angenehm, dank» schooP Und sie scWfeöt slehi zaseh unsecer „Reihe" an. Gefangen. HbK nocti etof^e Bfinoien und die Siadt — ein Hessenkessei. „Die Zkm&iext sind verhaftet", geh€s wie ein Lauffeuer über die Straße, die voller Menschen ist. Die Leute drängen sieh auf dem Gehsteig und Wieken uns an. Mit Angst, Mitleid und Schreck. Wir gehen. Zur Tscheka. 2um farcfaierlichen, von schaurigen Sagen umhüllten Totenhaus. Eine lange Reihe; jungen, Mädei, w^effiköpfige Greise und einige Kindes. Um uns herum saust der Lärm durch die Luft: das Geschrei der Gardesoldaten, die uns wie eine Eisenkette einschnüren; sie sitzen zu Roß, Revolver in den Händen und rufen in die Menge: „Vorwärts! Auf den Gehsteig! Niemand daef nahekommen T Und dann zu UOM : „Niemand wog© die „Reihe" zu v+rinseeaf Sonst krepiert er hier auf der Stelle*** Die Menge auf der Straße tritt zurück. Schüsse io die Luft. Und danach.«- Stille. Wir marschieren , . . Plötzlich hört man im Getrampel unserer FUÖe und im Getrapp der Hufschläge Gesang ... Zuerst'—- einer. Hierauf noch einer und noch zwei und dann Stimmen junger Frauen. Der Gesang wird allmählich ein Chor, der sich leise, ernst aus dem Innern ergießt: Kol od balewav penimah* Nefesch jehudit homiah ... fjAutorisierte Uebertragung aus dem Hebräischen' von S. D.)