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Die neue Welt · 1931-07-03 · Heft 198 (3.7.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 198 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sefte 2 DIE NEUE WELT Mb» fStl Der 174 Zionisfenkongreß m Basel Kampf kongreß — Spaltung in der Wizo — §diarfe Stellungnahme des Misradu für den Juden§taat Die bisher eingelaufenen Nachrichten aus Basel lassen erkennen, daß der 17. Zionistenkongreß ein Kampfkongreß werden wird. Schon das Präludium der Vorkonferenzen, die Weltkonferenz der „W i z o" und die Weltkonferenz des ,;M i st a c h i", die beide vor dem Kongreß selbst in Basel tagten, trägt den Kampfcharakter'an der Stirn. ' ' In der Zionistischen Frauenweltorganisation „Wizo" hat sich nach den bisherigen Meldungen eine Spaltung vollzogen. Die alte Leitung ist gestürzt, eine neue, ausgesprochen linksgerichtete inthroni* siert, was schließlich zum Exodus, wahrscheinlich zum endgültigen Austritt des tragenden Teils dieser Organisation führen wird. Somit wäre die „Wizo", die es im Verlauf ihres Bestandes wohl zu keiner schlagkräftigen Geschlossenheit zionistischer Frauen ebenso wie auch zu keiner positiven politischen Bedeutung gebracht, immerhin aber manches Beachtenswerte in Palästina in die Wege geleitet hat, zu einem gänzlich unbedeutenden Faktor herabgesunken; dies um so mehr als die gegenwärtige Leitung wohl nicht imstande sein wird, nennenswerte Geldmittel aufzubringen, was ja im ganzen und großen, wie bei der Zionistischen Organisation selbst, in den letzten Jahren das Um und Auf ihrer Arbeit geworden ist. Die Weltkonferenz des Misrachi läßt erkennen, daß ein Mann an die Spitze des Misrachi kommt, dem man echten zionistischen Geist zuerkennen muß, der Warschauer Misrachistenführer H. Farbstein. In einem Interview an die zionistische Presse kündigt Farbstein an, daß der Misrachi auf dem Kongreß nicht gewillt sein wird, mit Leuten zusammenzuarbeiten, deren Beispiel einer zionistischen Politik sich vom Judenstaat entfernt. Auf der Konferenz selbst erklärte Farbstein, Misrachi als religiöse Bewegung habe die Pflicht gehabt, gegen die Lostrennung Transjordanieiis von Palästina scharf - steh Protest zu erheben, auch müßte der Mis-! rachi gegen das ChurchiH--Werft; -? buch, sowie letztens auch gegen Weizmanns Erklärung, daß Palästina ein Land de rNationensei, protestieren, weil all dieses der Thora und der jüdischen Tradition widerspricht. Diesen Standpunkt teilen gewiß auch viele Misrachisfen inDeutschland', die es fühlen, daß ohne das Strebennach einem Judenstaa t in Palästina wir religiösen Juden weder im Misrachi. noch im Zionismus irgendeine Aufgabe zu erfüllen hätten. Rabbi Fishmann schlug vor, daß die Konferenz proklamiere: Der Misrachi erstrebt die Errichtung eines Judenstaates in Palästina auf der Grundlage der Thora und der jüdischen Tradition. Die meisten Redner der Konferenz schlössen sich dem Vorschlag Rabbi Fishmanns an und billigten die Opposition des Merkas olami gegenüber der Erklärung Dr. Weizmanns, daß in Palästina ein binationaler Staat errichtet werden soll, auch billigten sie den Austritt Rabbi Berlins aus der zion. Exekutive. *Die Eröffnungssitzung Indessen wurde Dienstag, den 30. Juni, 8 Uhr abends, der 17. Kongreß eröffnet. Es waren belanglose Stunden. Die präliminierte Tagesordnung des Kongresses wurde abgeändert. Das Zionistische Aktionskomitee hat in seiner am 29. Juni abgehaltenen Sitzung mit Stimmenmehrheit beschlossen, daß der Kongreß bloß eine Woche tagen soll. Dieser Entschluß ist auf eine Anregung R ichard Lichtheims zurückzuführen, der namens der Revisionisten den Antrag eingebracht hatte, das Aktionskomitee solle das Kongreßprogramm kürzen, die Verhandlungen straffen unddafürsorgen, daß wenigerZeit auf Reden und Diskussionen und mehr Zeit auf konzentrierte Arbeit verwandt werde, Die Eröffnungsrede hielt der Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum S o k o 1 o w. Es war eine Rede, die nichts, aber schon gar nichts erkennen ließ vom Willen und von der Wegrichtung des heutigen Zionismus. Nicht ein Wort des Protestes, nicht eine mannhafte Geste gegen die Front der Widersacher, die heute den Zionismus an der Gurgel halten, Farblos, in jener nichtssagenden und zu nichts verpflichtenden Elastizität, so war jene Rede, die den Auftakt für einen so entscheidenden Kongreß bilden sollte. Statt Ch. N. Bialik und Leo Motekin, die auf der Eröffnungssitzung Referate halten sollten, aber absagten, wurde das für einen späteren Zeitpunkt angesetzte Ruppin-Referat gehalten. Damit war die erste Sitzung zu Ende. : r ' Vorher wurde der Kongreß namens der Schweizer Regierung und des Großen Rats der Stadt Basel vom Regierungsrat Im fejof begrüßt. Die englische Regierug war durch ihren Berner Gesandten Sir Kennard vertreten. -.Es sprachen auch ein Vertreter des Völkerbundes^ C u m m i n g s, und M. Weaver vom Internationalen Arbeitsamt des VölkeiJjundeÄ.iiL Geni,., . ^.......................... Für den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und^die Jüj^^e^ew^de.Basels;.^!-; brachte Konsul Lucien Le.Va^llan t (Basel) Grüße. Prof» Weizmanns politisches Referat Mittwoch, den 1. Juli, 10 Uhr vormittags, erstattete Prof. W e i z ma n n sein,politisches Referat. Dieses Referat charakterisiert sich am besten dadurch, daß es in großen Zügen eine Rechtfertigung'nicht nur. des bisher geübten offiziellen Systems darstellte, sondern sich sogar: zu einer. Rechtfertigung Englands: verstieg. .<•••, Ein Generalangriff auf Herzl offenbarte einen pathologischen Mut, der sich; das Rüstzeug aus dem in üblicher Weise mißbrauchten Achad Haamismus holte. Der Totengräber Sir Herbert Samuel ist das Idol dieses zionistischen Epigonen. Die Rede Weizmanns ist. als eine politische Niederläge ersten Ranges Zu werten, unbeschadet dessen, daß Weizmann. in nicht gerade glaubhaft klingender Weise versicherte,, daß seine Demission endgültig sei und er seine Schwanenrede halte. Die Rede, das politische Resümee einer zehnjährigen Führerschaft, hat niederdrückend gewirkt. Ein Bericht aus Basel erzählt sogar, die Erbitterung sei so weit gegangen, daß am Schluß der Rede ein Tumult entstand, der sich gegen Weizniaiiri wendete.1 „ *. -Das Kon^reßgericht^hat rund~ '258 -Delegierte,- darunter zirka 52 revisionistische* bestätigt. •; 'Pätfefeiibe^ "', LeituragskombinaSsoMeBi Innerhalb der Fraktion der Allgemeinen Zionisten b e s t e h t k e i ne .; einheitliche Auf f a ss u n g h i n s i ch t Ii ch" d er Frage der künftigen L e i t u n g> beziehungsweise des Verbleibens Dr. Weizmanns an der1 Spitze der Organisation. Die Mehrzahl der Delegierten, Unter ihnen die meisten Mitglieder der amerikanischen Delegation, auch die der Brancleis-Ricliturig angehörenden Vertreter der gegenwärtigen Leitung des amerikanischen Organisation, treten für eine Koalitionsleitung, die sich aus Vertretern aller Parteien, einschließlich der Revisionisten, aber mit Ausschluß Weizmanns und der Weizmann-Anhänger;'r '^üsammensetzen soll, ein, während Dr. Eder bemüht ist, die allgemeinen Zionisten um die britische Delegation zu sammeln, die das ZieLvor Augen hat, einen Block zu schaffen, der die Fortführung der Politik Weizmanns und das Weiterverbleiben Dr. Weizmanns an der Spitze der Organisation, sofern er sict* hierzu Bereit erklären sollte, ermöglichen soll;..;/' Am Sonntag, den 2a Juni, fand in Basel eine vom Abg. Grünbaum namens der polnischen Zionismen einberufene Konferenz statt, an der die R a d i k a 1 e n, die Delegierten der Palästinensischen Arbeiterpartei, die Vertreter der En g Ii s/h Z i o n i s t F ederat i o n und die südafrikanischen De 1 e g i e rten teilnahmen. Abg. Grünbaum war bemüht, eine einheitliche Stellungnahme dieser Gruppen zur Frage der künftigen Leitung der Zionistischen Organisation herbeizuführen. ~ Ein endgültig e s R e s u 11 a t konnte nicht erzielt werden, nachdem die englischen Delegierten erklärten, sie, betrachten die Frage der Führung durch Dir. Weizmann als noch nicht liquidiert. Die palästinensischen Arbeiterdele- ' gierten erklärten, sich für die Bildung einer a n t irevisionisti sehe nKoalitio nein setzen zu wollen, ohne sich jedoch mit bestimmten Personen zu identifizieren oder eine bestimmte Person als Führer endgültig abzulehnen, da für sie programmatische Grundsätze höher stehen als Personenwagen. Die Radikalen haben sich endgültig gegen Weizmann entschieden. Im allgemeinen ging die Anschauung der Teilnehmer an der Konferenz dahin, daß . eine Koalitionsleitung ohne Revisionisten und ohne Weizmann gebildet werden solle. Obwohl Grünbaum alle Fraktionen mit Ausnahme der Revisionisten eingeladen hatte, war die Konferenz nur schwach besucht. Insbesondere fiel das Fehlen der Allgemeinen Zionisten Palästinas auf. Am Montag, den 29. Juni, abends,; hielt die amerikanische Kongreßdelegatiori eine Sitzung ab, an der sowohl die Brändeis- Gruppe als auch Parteigänger Dp. Weizmanns teilnahmen. Es wurde beschlossen, auf der für Dienstag, den 30. Juni, von Dr; Schwarzbart (Krakau) einberufenen Konferenz der Allgemeinen;'Zionisten d'i e Annä-h m e d e s F r b.gr a}min# des P r ä s i d i ü m g d e # ZTd ni s t is^cI eÄi^Bfiisation Amerikas zu beantragen, wonach an Stelle des bisherigen Einzelpräsidenten der Zionistischen Organisation e i n K ö 11 e g i u m -zu treten habe. Sollten die Allgemeinen Zionisten der übrigen Länder diesen Vorschlag annehmen, so -wird die amerikanische Delegation detailliertere ^Anträge formulieren. Die Anhänger Louis Lipskys, unter rihnfen Fishman und Margosches, stehen auf dem■■< Standpunkt, daß das Programm der gegenwärtigen Leitung der amerikanischen Zionisten undurchführbar '.--■> sei und daß sich die einzelnen Delegierten an/dasselbe nicht gebunden fühlen müssen, während die Anhänger der Brandeis-Richtung unter der Führung von Richter Julian Mack, Robert Szold und Jacob, de.Haas an diesem Programm festhalten. Obwohl das Gerücht, Jacob de Haas und Tulin seien in offizielle Verhandlungen mit Jabotinsky eingetreten, in der Sitzung kategorisch dementiert wurde,' erklärte Fishman, „der Geist deß Revisionismus schwebe über der Mehrheit der amerikanischen Delegation". -ii Brith $dialoimFa$dii$Hnu§ Für die Herren' vdm Brith Schalem und die deutschen Binationalisten''ist der Revisionismus bekanntlich reinster Faschismus. Man weiß, daß Faschismus Diktatur bedeutet,; Ausschaltung des Parlaments oder zumindest Beherrschung der parlamentarischen Maschinerie durch', diktatorische Zwangsmittel. Faschismus ist also vor allem nichtparlamentarisches, aniiipiaj^lamentarischeis Regieren. Und Demokratie —r - das entgegengesetzte System, beruhend auf einer freigewählten Volksvertretung. Nun sollte man erwarten, daß diejenigen, die dem Revisionismus Faschismus vorwerfen, geschworene Demokraten, leidenschaftliche Verfechter der parlamentarischen Regierungsform sind. Man sollte also von diesen Zionisten erwarten, daß ihnen nichts heiliger ist als unser Parlament, unser Kongreß. Schon seit den Tagen der Erweiterung der Jewish Agency glaubten wir wahrzunehmen, daß dem nicht so ist; 'daß die Herren, die mit allerlei ethischen Phrasen, mit Pazifismus, Völkerverständigung,' sozialer Gerechtigkeit usw. dicktun; im Gegenteil, das demokratische Prinäip des Kongresses nicht sehr mögen, da sie doch dessen Souveränität durch-die Hinzuziehung von durch nie-; maad gewählten Notabein aufs schwerste erschütterten. Wir sind heute älter und die Dinge reifer. So reif, daß wir uns nicht mehr über sie.eise ftö^ple «erbrechen müssen. Sie entlarven sich selbsVj' Die „Jüdische Rundschau" macht sabbt solche Sorgen um den Kongreß, daß sie einfach und brutal gesteht, sie möchte ihn loswerden. .Bat schon ein Biedermann des deutschen Zionismus, namens Dr. Moses, in einer der letzten Nummern dieser „Rundschan" vorgeschlagen, man möge den Kongreß, wenn schon nicht anders, so zumindest doch nur alle fünf Jahre einberufen, so geht der Berliner Wurmfortsatz aller B-inationalisten;. Robert Wel tsch noch um ein gut Stück weiter. Er ärgert sich blaß über „Basel", über den Baseler Kongreß, und meint schlicht und fromm, man hätte 'ihn suspendieren müssen, „Es ist ein seltsames Paradox", seufzt er wehmütig, „der Zionismus veranstaltet das Schauspiel eines Kongresses, während, wir in der übrigen Welt — wenigstens soweit der Kontinent in Betracht kommt — heute sehen, daß. in kritischen Situationen die Parlamente überall ausgeschaltet werden." Ein zionistischer Patriot! Und ein Demokrat, dieser Brith Schalom-Mann! Seit Jahr und Tag wetzt er sich Zunge und Feder wund, wie undemokratisch, wie unehrlich es ist, daß man den Arabern kein Parlament gibt. Der Wunsch, es ihnen zu

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