Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 198 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18? iWitffefe»*. ec f^dft um ivmvs^ sieei ** ■<•**■■ iwi Webe b* TiH* ÜBl^tthWbllflt|| BEZÜQSHEDlNOüNOENvp««t«rrHdi monatlich S 1,80, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 4—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: RtraiKnien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—i Ddntachlund monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bauarten monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Urt 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz and die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4J0 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a. VerwaHtmg: Wien IX, Vntu*rsUäfs*tr. 6»8t Tei. B-48-S04 — Erscheint Jeden Freiing REVU E ± Der 17» Se4^c 2 Was gehl in Saloniki vor? Pogrom! Pogrom! Als die ersten Nachrichten über antisemitische Ausschreitungen aus Saloniki kamen, war man zwar erstaunt darüber, daß so etwas in dem freien, republikanischen Griechenland möglich sei, maß aber diesem „Zwischenfall" keine weitere Bedeutung bei. Nun aber lüftet sich allmählich der Schleier. Man erfährt, daß es sich um regelrechte Pogrome handelt und daß sich deren Anstifter aus nationalsozialistischen Studentenkreisen rekrutieren. Also, Hakenkreuz auch aiif dem Balkan! Aber noch ein weiteres Symptom ist zu verzeichnen. Die Angriffe gelten nicht den wohlhabenden, in komfortablen Häusern wohnenden spaniolischon Familien, Sondern den bettelarmen Juden im Barackenviertel, den Aermsten der Armen im Salonikier Whitecbapel. Es ist noch nicht lange her, daß die Juden Salonikis die Mehrheit der Stadtbevölkerung bildeteu. Die allgemeine wirtschaftliche Lage und' die Rückwanderung der kleinasiatischen Griechen brachte eine jüdische Abwanderung in Gang, so" daß heute das jüdische Element dort eine Minorität bildet. Aus der großen" Judenstadt Saloniki ist «Bf jfidMCfie's \Gtietiö~ geworden. Und die Antwort läßt >'ni&M?iaSge''ä:äi> sich -warten, Sie heißt :. Mord. ' * Amerika, Australien, Südafrika haben ihre Tore geschlossen, in Rumänien und Polen herrscht unbeschreibliches Elend, das russische Judentum wird systematisch vernichtet, in Deutschland will man die Juden wirtschaftlich untergraben, in Paris rufen die Camelots du Roi: „Nieder mit den Juden" und nun Pogrome auch in Griechenland: 200 niedergebrannte Häuser. Schulen und Synagogen, mißhandelte und getötete Juden! . Judennot" in der ganzen Welt! Sie pocht an die Tür derjenigen, .die das Schicksal der jüdischen Zukunft lenken, sollen* Zionismus als Erlösung von der Judennot, auf di esefifinzigen Zionismus haben unsere Führer .vergessen. :.... Blutige Ueberfalle . In Saloniki, ham es aan 23. amd 24. Juni zu j u d e n f e i n d 1 i c h en , Ausschreitungen ecikweier N.atiur, die mit einer scharfen anii jüdischen .Hetze yeribuaidcn waren." Griechische Studenten verteilten unter der BevöLkeruittg F,k©zettel, in denen die Christen zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott der Juden aufgefordert vvurden. In den FJugizetteln wurde behauptet, daß der.Saloniker jüdische Sportklub Makkabi antigriechische Propaganda betreibe. Gleichzeitig überfielen Studenten jüdische Passanten im den Straßen und mißhandelten eie schwer. Umter der jüdischen Bevölkerung Salonikis (herrschte wegen dieser Angriffe und falschen Beschüldigiinigeh 'starke Eirregunig. Die jnid.is ohen Abgeordneten von Saloniki" erklärten heute, im Parlament, daß die gegen den Salouiiker . jüdischen Sportklub Matkkaiba und gegen die jüdische Bevölkerumg Salonikis im allgemeinen vorgebrachten Beschuldigungen der Uioyaildtat gegen den Staat .vollkommen grundlos seien. Die Judenschaft . Salonikis weise solche Beschuldigungen mit Entrüstung zurück' und fordere, daß die Regierung gegen d^e Urheber der B es c(h>u Idiguu gem und di e Ve rausta l ter de r .a'iu tds ejmi tds ch;en. S t r ä ß eaia u s s ch r ei t u n ge n" v orgehe. . Die Regierung veröffentlicht einen Aufruf, in welchem die. Bevölkerung aufgefordert" wird, Rulje und Ordnungziu .bewahren _ und die jüdischen Mitbürger, deren Loyalität gegenüber denn Staate außer . allem Zweifel stehe, nicht zu belästigen. . .; : Audi am 24. Juni kann es zwischen Christen und Juden in Saloniki zu kleineren Zusammenstößen. Die Mehrheit der diristlichen Bevölkerung verurteilt die antisemitischen Ausschreitungen. Der Gouverneur von Mazedonien, Gonostas, hat verfügt, daß alle a©tisamitd- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet, sehen Flugschriften zu tbeschJaginaihmen seien und. daß gegen die Verfasser ein Verfahren einigeleitet weande. Gespannte Lage Die Zeitungen bringen ausiführHche Nachriditen über die seit einigen Tagen andauernden antisemitischen Unnuhen in Saloniki. Gef ä-h rldch cn Chair akter nahmen die Unruhen am 24. Juni abends aoi4, als die nationalistischen Demo ins t rangen die Büa'o räume des Sportklubs Makkaibi stürmten, die Imoiene in r i cht um ig deimo He r t eoi und die Räume in Brand steckten. Als die Demonstranten in das Büro eindrangen, hielt' efer Makkabivorstand gerade eine Sitzung ab. Die Vorstandsmitglieder flüchteten, a'ber einige von ihnen wurden ergriffen und grausam geschlagen, so daß. „sie aus mehreren Runden bluteten. .Die Polizei, zerstreute' die ^enic^traraten und ' veranlaßt«, daß der Brand gelöscht werde. Die Nationalisteu durdvzogen darauf die. Stadt «jlhkL iächiu@en in 'zahlreichen, jüdischen Geschäftsläden fLnd Wdhnunigen die Fensterscheiben ein. Seitdem ist die Atmosphäre andauernd" ge~ .....•. - rii-Kilfi'».;'! v.'V i-,.-- i tsüa Alles wieder billiger! SPORTVATTE R 498 Panama-Hemden in Weiß *885 Herren-Knie- . u. Ecru, prima Qualität |. Unterhosen I, WIPPLIN GER STRASSE 20 hörden und Gesellschaftskreise Salonikis nicht versucht wird, wenigstens einen moralischen Druck auf die Exzedenten auszuüben. Die Führer der jüdischen Organisationen haben eine Sondersitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, eine Protestschrift der Judenschaft Salonikis an die Regierung abzusenden. Der Direktor des staatlichen Presseamtes ermutigt offen die antisemitischen Agitatoren. Die Polizei trifft auf dem Schauplatz, der Unruhen immer verspätet ein, wenn die Huligans ihr Zerstörungswerk vollendet und. das Weite gesucht haben. Auf die Rede des jüdischen Abgeordneten für Saloniki, Bessantchi, in der griechischen Kammer erwiderte der Ministerpräsident Venizelos, er, wie alle patriotischen Griechen^ verurteile auf. das schärfste die Exzesse^ die Griechenland entehren. Man. müsse, fuhr Veniz^ids fort, der tage der Juden Salonikis Verstandi DIE KURANSTALT HÖCHSTER KOMFORT BILLIGE P R E IS E DIANABAD — WIEN Die größte und vielseitigste aller physiotherapeutischen Heilanstalten der Welt bietet vollwertigen Ersatz für Kuren in Badeorten, daher M A. i A9$ A t Mit modernsten Heilbehelfen erfolgreiche Behandlung von Rheumatismus, Gicht, Ischias, allen Formen von Gelenkserkrankungen, s Lähmungen usw.; organischen und funktionellen Nervenerkrankungen: Neurasthenie, chronisch-nervöse Erschöpfung, Nervenentzündungen, Erkrankungen desGeläOsystems und des Hersens: Erhöhter Blutdruck, Gefäßverkalkungen, Herzschwäche usw. Neuralgien usw. Alle Erkrankungen der Atmungsorgane, Erkrankungen des Magen» und Darmtraktes; Frauenkrankheiten: Myome, Sterilität usw. Folgexusfünde nach, chirurgischen Erkrankungen, bezw. Verletzungen (Frakturen), Cjelenksversteifungen usw. 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Nachdem am Donnerstag abends die Huligans zwei jüdische Stadtviertel abgegriffen und durch, Steinbo.mB'ardements starke Verwüstungen angerichtet hatten, bildete sich ein - besonderes j ü.d i sches Wachkorps zum Sc hu t z e der G ebäude,, in denen jtidis/ehe Iastitutiön.en u n t e r g e b r a c h t s i n d. Die lokale» Behörden verhalten s^h gegenüber den Exzedenten auch weiterhin passiv. Es wurde noch nichts unternommen, um die Exzedenten und die Agitatoren einer ' Bestrafung zuzuführen. Die verantwortlichen jüdischen Kreise sind empört darüber, daß seitens der verantwortlichen Benis entgegenbringen. Unter der türkischen Herrschaft sei es ihnen besser gegangen als jetzt; man habe von ihnen nicht erwarten können, daß sie die Griechen mit offenen Armen empfangen würden. Heute aber seien die Juden Salonikis durchaus patriotisch und den Griechen loyal gesinnt; sie sind jetzt auf dem Wege allmählicher Anpassung an Griechenland und das griechische Volk. Die gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen hätten keinerlei Grundlage. Rede des jüdischen Abgeordneten in der Kammer Der jüdische Abgeordnete von Saloniki M. Bes* sant chi hat in der* griechischen Kammer eine " große Rede über die antisemitischen Unruhen in Saloniki ' und ihre Ursachen gehalten, in der er das Versagen der Behörde sowie die Hetzpropaganda der antisemitischen Presse in Saloniki scharf geißelte. Abgeordneter Bessantchi führte u. a. aus: „Die Behörden haben ihre Pficht nicht vollständig er« (Fortsetzung auf Seite 4)