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Die neue Welt · 1931-06-26 · Heft 197 (26.6.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 197 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4 Nr. 197_' kennen? Wozu ist das gut? Was werden dleNichb juden dazu sagen? Nun gibt es aber in Rumänien zwei Arten von Nichtjuden, die in diesem Zusammenhang in Betracht kommen: 1. Die Staatsmänner, für diese sind wir wasch* echte Rumänen, wenn es sich darum handelt, n a t i o n a U jüdische Forderungen abzulehnen, und wir werden wieder verkappte Juden, sobald wir uns als Ru* mänen an der Regierung des Landes beteiligen wollen. 2. Die rumänischen Nationalisten guten Glau* bens. Diese verachten und verfolgen uns gerade dann, wenn wir uns ihnen assimilieren wollen, d. h. uns £hs Rumänen bekennen, sie achten uns auf« ri ch,tig, wenn wir uns zum Judentum bekennen und nichts als Juden sein wollen. Der Opportunis* mus und die dem jüdischen Renaissance*Gedanken so wenig gemäße Taktik der Union rumänischer Juden stellen sich somit auch rein praktisch als Fehl« schlage dat. Der Systemwedisel in der Berliner Judengemeinde Die Zionisten im Präsidium nicht vertreten und von den wichtigsten Referaten ausgeschaltet* (Spezialbericht aus Berlin.) Die Herbstwahlen 1930 hatten, wie bereits gemeldet, einen Systemwechsel in der Berliner Judengemeinde bewirkt. Die Jüdische Volkspartei (Zionisten) ist von der Führung abgedrängt worden. An ihre Stelle sind nach vierjähriger Unterbrechung wieder die Liberalen (Assirailationsjuden) getreten. Die durch Erledigung mehrerer AVahlproteste verzögerte Konsituierung des neuen Gemeindevorstandes ist nunmehr erfolgt. Sie hat bewiesen, daß die neue Mehrheit gewillt ist, einen rücksichtslosen Kampf gegen die Zionisten zu führen und alle von den Zionisten in der Gemeinde eingeleiteten Reformen zu beseitigen. Die liberale Mehrheit leitete ihre Aktion gegen die Zionisten mit einer Demonstration gegen den bisherigen Gemeindepräsidenten Direktor Georg K a r e s k i ein. Der Volkspartei als zweitstärkster Partei steht die Besetzung des Postens des ersten Vizepräsidenten zu. Sie präsentierte ihren Führer Kareski, welcher die Gemeinde vier Jahre in vorbildlicher Weise geleitet hat. Entgegen jedem parlamentarischen Brauche erklärten die Liberalen, die Wahl Kareskis nicht zuzulassen. Sie benützten ihre Majorität, um die Zionisten vom Präsidium auszuschließen. Das Präsidium besteht nunmehr aus zwei Liberalen und einem Konservativen. Der Konservative hat überhaupt keine Gruppe hinter sich. „. Bei der Besetzung der Referentenstellen, welche der Wahl des Präsidiums folgte, ging die liberale Majorität in gleicher Weise vor. Die Volkspartei hat von den elf Referaten nur drei erharten nnd kein einziges Referat von größerer Bedeutung. Von der Finanzgebarung, dem Schulwesen, der Jugendfürsorge, dem Wohlfahrtswesen sind die Zionisten völlig ausgeschaltet. So ist beispielsweise dem Direktor Georg Kareski dem Reorganisator des früher ganz verfahrenen Finanzwesens der Gemeinde, das Referat für Bibliothek und Kunstsammlung zugewiesen worden. Das bedeutet, daß die Zionisten jeden Einflusses auf den wichtigsten Gebieten der inneren Verwaltung beraubt sind. Sie werden am diesen Einfluß kämpfen müssen. Ob mit Erfolg, sei dahingestellt. Wie ist es dazu gekommen, defl die Zionisten, welche die Gemeinde einige Jahre in allgemein anerkannter, vorbildlicher Weise verwaltet und zur Höhe gebracht haben, derart zurückgeworfen wurden? Von offizieller zionistischer Seite wird manchmal behauptet, daß die Liberalen durch, eine n ungeheuren Aufwand an Geldmitteln die Wahlen zu beeinflussen vermochten. Aber diese Erklärung ist nicht ausreichend. GeM bedeutet bei Wahlen gewiß etwas. Aber den Ausschlag gibt es gewiß nicht. Ganz gewiß nicht bei Berliner Juden. In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß intensivste und erfolgreichste Arbeit der zionistischen Vertreter in der Gemeinde, den allgemeinen Rückgang der zionistischen Organisation in Deutschland nicht wettmachen konnte. Die Führer der deutschen Organisation sind die ausgesprochensten Vertreter des. Geldsammeizionismus, welcher den nationalen Herzl-Zionismus verdrängt hat Diesem verwässerten Zionismus zuliebe haben sie den Kampfgegendie Assimilation preisgegeben und jede nationale Gegenwartsarbeit unter den Juden, als „störend** und: Konflikte schaffend, bewußt verabsäumt. Unter der Parole „Gegen das Nationaljudentum, gegen den Zionismus'* sind die Liberalen in den Wahlkampf gezogen, Sie trafen auf eine innerlich schwache, vornehmlich aufs GeldU sammeln und auf die Diskussion abstrakter, palästinensischer Probleme eingestellte und des Kampfes gegen die Assimilation entwöhnte zionistische Organisation vor und haben gesiegt. Die Assimilanten sind dem Zionismus nicht nähergebracht. Das beweist ihre feindselige Haltung, Dafür ist ein wichtiger, jüdischer und zionistischer Posten, die Repräsentanz der blühendsten Jvdengemeinde der Weit, auf lange Zeit verloren. i Ägudah«Herrschaft in der Warschauer jüdische^ Gemeinde, — Das zionistische Präsidium gestürzt Warschau, 19. Juni, (J. T. A.) Die neugewählte Repräsentantenversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde hielt ihre erste Sitzung ab. Zum' ' DIE NEUE WELT ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION RMlaurMtem KaHaahaus / TlflMh S*Ukr>TM SEMHERING l£6teSr9S£SS*~ Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension 8 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 Präsidenten der Repräsentanz wurde der Agudah-Ftihrer Itsche-Meer Lewin gewählt. Der Agudah ist es gelungen, durch Vereinigung mit den kleineren Gruppen eine Mehrheitskoalition in dieser größten jüdischen Ge- Von Dr. S. E. S Anm. der Redaktion: Das letzte Mal itand England als Angeklagter vor dem Völkerbund. Es hatte sich wegen der blutigen Vorfälle in Palästina, wegen seiner mandats-, widrigen Haltung gegenüber den Juden zu verantworten. Es wurde hart getadelt. Diesmal hat es der Brief mit dem Ausdrucke der Zufriedenheit, den Präsident Weizmann an Mac Donald gesendet hatte, recht leicht gemacht, um alle Anklagen herumzukommen. Der Hinweis auf den Brief genügte, um die zionistische Sache für diesmal verloren zu machen. In der am 9. Juni eröffneten 20. Tagung der Ständigen Mandatskommission wurde für den Beginn der Behandlung der Palästina-Fragen der 15. Juni angesetzt, der Tag, an dem der englische Vertreter Dr. Shiels von seinen parlamentarischen Obliegenheiten frei werden konnte. Die Bedeutung der kommenden Verhandlung war höchstens von der Bemerkung des : stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Van Rees angedeutet, der darauf hinwies, daß die von dem Sekretariat für die Palästina-Sache angesetzten zwei Tage kaum reichen dürften. Bekanntlich ist nur die Eröffnungssitzung der Mandatskommission, die rein formellen Dingen gewidmet zu sein pflegt, öffentlich. Alle darauf folgenden sind geheim. Es pflegen nur jeden Tag kurze Kommuniques über die Hergänge an die Presse herausgegeben zu werden und vereinzelte wichtige Dokumente. Wenige Wochen nach Schluß der Tagungen, und zwar mit überraschender Schnelligkeit, erscheinen alsdann die ausführlichen Protokolle, getrennt in französischer und englischer Sprache — technisch eine geradezu staunenswerte Leistung der Mandatssektion des Völkerbundes. Als ein solches wichtiges Pronunziamento der Mandatarmacht Hegt vor uns das Statement ihres akkreditierten V e r t r e t e r s Dr. Shiels vor. Um vorwegzunehmen: Alles ist schön und ruhig in dieser besten aller Welten. Unruhen gab es keine im abgelaufenen Jahre, die Juden sind schon wieder zufrieden, die Araber zwar noch nicht,, aber mit der vorschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung wird sich das wohl geben ... Dr. Shiels beginnt mit dem angenehmen Hinweis darauf, daß er diesmal unter glücklicheren Auspizien erscheinen könne als im vorigen Jahre: damals habe man noch unter dem Gindruck der beklagenswerten Geschehnisse von 1929 gestanden. Wenn auch zugegeben werden muß, daß eine gewisse Spannung in der politischen Atmosphäre Palästinas herrsche, so freue er sich immerhin, feststellen zu können, daß eine „Periode von Ruhe" im Vergleich zu den unordentlichen Verhältnissen des Vorjahres geherrscht habe. Durchaus ohne Wunsch, selbstzufrieden zu erscheinen, beruhigt uns von vornherein Dr. Shiels, müsse 'er* Immerhin sagen, daß das' für die Regierung Seiner Majestät „eine Quelle der Genugtuung" sei: däe unternommenen Maßnahmen erwiesen sich als wirksam zur Verhütung der Wiederkehr von Unordnung. Es sei besonders hervorgehoben, daß in beiden Jahren 1930 und 1931 das Passahfest mit dem Nebi-Mussa-Fest zusammengefallen sei und daß trotzdem mit Ausnahme geringer Vorfälle alles ruhig verlief. Und um gar keine Zweifel bei der Mandatskommission aufkommen zu lassen darüber, daß es sieh um eine selbstverständliche Pflicht der Polizei gehandelt hatte, hält es Dr. Shiels für seine Pflicht, der lokalen Administration das Zeugnis für „elßciency" ihrer Maßnahmen und für den Fortschritt in der Reorganisation der Polizei auszustellen . . . und die Opfer von Yadjur bleiben ungesühnt... ' Schon diese Einleitung zeigt, daß der ganze Ton der gegenwärtigen Tagung auf „Friedensstimmung" eingestellt sein wird. Es gehörte keine große politische Voraussicht dazu, um zu wissen, daß es den Engländern bei .allen den Verhandlungen mit der Jewish Ageaey in erster', l4ß\f darauf ankam, nach Genf den Seite 7 ' meinde des europäischen Kontinents zu schaffen, in der bisher die Zionisten tonangebend waren. Der bisherige Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde war der Misrachist H. Fatbstein. Die Repräsentanz wählte eine Kommission, bestehend aus den Agudisten Trockenheim und Mase, dem Handwerkervertreter Burgin, dem Assimilanten Kohn, dem nichtagudistisehen Chassid Feigenblatt, deren Aufgabe es ist, Vorschläge betreffend die Wahl eijtfes neuen Gemeindevorstandes zu unterbreiten. Herr Df. S z y p e r gab im Namen der Zionistischen Fraktion eine Erklärung ab, daß der Sieg der Agudah in der Gemeinde nur durch den undemokratischen § 20 der Wahlordnung ermöglicht wurde und daß die Zionisten darum die Verantwortung für die weiteren Wahlen nicht tragen wollen. Nach dieser Erklärung verließen die Zionisten und Misrachisten die Sitzung. Sie werden sich an der Wahl des neuen Gemeindepräsidiums nicht beteiligen. oskin (Genf). Oelzweig des Friedens zu bringen, und da es die Juden waren, die die Welt in Aufruhr gebracht hatten, so war es selbstverständlich die Hauptsache, der Mandatskommission vermelden zu können, die Juden seien ja wieder zufrieden. Mit der Unzufriedenheit der Araber sei man ja schon bekannt und sie wird man schon zufriedenzustellen suchen. Dies ist leicht, viel leichter, als die so viel Aufsehen erregenden Juden zur Beruhigung zu bringen. Diese Taktik ist scheinbar den Engländern vollkommen gelungen, wenigstens für die gegenwärtige Tagung der Mandatskommission, die leider v e r dem Kongreß schließen wird. Dr. Shiels gab nunmehr eine Uebersicht über die in der abgelaufenen Periode erfolgten Untersuchungen und publizierten Rapporte: Zunächst kam Dowbiggin, um die Reorganisation der Polizei einzuleiten. Sein Bericht war im Mai 1930 erschienen. Dann setzte der Oberkommfesär selbst eine Kommission zum Studium der ökonomischen Bedingungen in der Landwirtschaft ein — die Johnson-Crobie-Kommissio.n — deren Bericht im April 1950 erschien. Darauf folgte der Bericht von Hope Simpson, im August der Regierung unterbreitet und im Oktober 1930 publiziert. Um die gleiche Zeit etwa erscMen der Rapport von G. F. Strickland über die Einführung von Genossenschaften bei den Arabern. Und schließlich erschien kürzlich der Bericht der Klagemauerkomraission. Nach gründlicher Bearbeitung des ihr zur Verfügung stehenden Materials, erzählt weiter Dr. Shiels, erließ die Regierung im Oktober vorigen Jahres das „Statement of Policy" — das Weißbuch — welches er schon bei der letzten Sitzung der Mandatskommission angekündigt halbe. „Eine beträchtliche Polemik entstand über dieses Dokument und der Regierung Seiner Majestät. wurde es klar, daß ihre Intentionen in gewissen Kreisen in bedeutendem Maße falsch verstanden und falsch gedeutet wurden." Die Regierung unternahm nun Schritte, um die Atmosphäre des Mißtrauens und des Mißverständnisses zu bekämpfen, mit welchen ihre Verlautbarkeiten in den jüdischen Kreisen aufgenommen wurden. Am 17. November v. J. fand im Parlament die bekannte Debatte Über das Weißbuch statt und bald darauf begannen die Unterredungen zwischen den jüdischen Führern und Vertretern der Regierung. Diese Unterredungen hatten zum Ergebnis den Brief des Premierministers vom 13.. Februar an Dr. Weizmann, der zum Zweck hatte, einige falsche Auffassungen und Mißverständnisse zu beseitigen, die betreffs der in dem Weißbuch vom Oktober 1930 festgelegten Politik der Regierung aufgekommen waren, und der als eine „autoritative Interpretation" des Weißbuches in den Fragen, die der Brief behandelt, dienen soll. Nach Erhalt dieses Briefes, berichtet weiter Dr. Shiels, hat Dr. Weizmann ein Statement veröffentlicht, welches er in Begleitung des Memorandums über das jüdische Nationaliheim während des Jahres 1930 dem Oberkommissär am 30. April d. J. überreicht hat. Diese Dokumente Idegen der Kommission vor. Dr. Shiels fordert die Mandatskommission auf, sich mit dem Inhalt dieses Weizmannsohen Statements vertraut zu machen und sagt dann wörtlich: „Im Hinblick auf die Art und Weise, wie der Brief des Premierministers von Dr. Weismann aufgenommen wurde, glaube ich nicht, daß es für mich erforderlich ist, irgend welche weitere Erklärungen über die Gegensätze zu machen, die ihm vorangegangen waren.** (I do not think, in view of the manner in which the Prime Minister*» letter hns been reeeived by Dr. Weizmann, that I need make any further eonunenis upen the controversy whieh preceded it.) Unsere schlimmsten Befärchtuugen über Palästina vor der MandatS'Komimssion Der englisch« Staatssekretär Dr Shiels hat leichtes Spiel« — Er braucht sich nur auf den Brief Weizmann* zu berufen»

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