Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 197 (26.6.1931)
- Date
- 1931-06-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SeTie ft Dfl: NEWS WELT ^___ Nr. 19? Die Landentwicklungspläne der englischen Regierung haben die zionistische Aufmerksamkeit erneut auf Transjordanien gelenkt. Wir haben darauf 2u bestehen, daß dies Stück von Palästina wieder in das Gebiet einbezogen werde, für welches das Mandat in vollem Umr fang gültig ist und wir haben zu fordern, daß es in demselben Sinne wie das westliche Palästina als jüdisches Siedlungsgebiet anerkannt werde. Es eignet sich ohne Zweifel auch besonders gut zur Aufnahme depossedierter Fellahs aus West-Palästina, aber wir müssen vermeiden, dafl man Trans Jordanien in derselben Weiser wie es schon mit dem Negeb versucht wird, zum arabischen Reservatgebiet erklärt. * ' ■ Schlußbetrachtung Nach der Lage der Dinge können vom 17, Kongreß keine alles umwälzenden Beschlüsse erwartet werden. Mehr als einen Uebergang wird er nicht in die Wege leiten können. Aber dies muß er tun. Wir stehen am Ende , einer zehnjährigen Periode und müssen diese Periode p o 1 i t i s c h e r V e r z i c h t e ü n d "politischer Niederlagen, Demoralisation der Organisation, finanzieller Mißwirtschaft und ko 1 o nis a t o ri schw i r t s c h af 11 ich e r Impotenz abschließen. Der 17. Kongreß kann nicht nach Hause gehen und alles ungefähr so weiter gehen lassen, wie es zehn Jahre lang gegangen ist. Denn in diesem Fall müßte die Prognose für die Zukunft des Zionismus und seiner Arbeit in Palästina erschütternd lauten. — Rotterdam, Siwan 5691. Der Bundes? vorstand des Niederländischen Zionistenbuncles. — F..Bernstein, Präsident. — Dr. M. Levie, Sekretär. Die revisionistischen Mandate' Noch kein endgültiges Ergebnis. Aegypten ........... 1 ' Amerika . . . . . . . . . . . 2..... Belgien............1 Bulgarien........... . 2 Bessarabien..........i China ............ 1 Tschechoslowakei ........ 2„ England............ 1 Deutschland........ . .1 „ Frankreich ... ... . ... i, Lettland . . . .... .... 2 Litauen........... . . . 2 " Oesterreich . ..... . . ' 2 '• •;, Palästina...... Polen......... . . ... •, it Südafrika........... 2 Tunis ... . . . ... . .. .. .-.1,.. ""• ' Transsylväriien . . .' .' v". v 2'r' - '\% }ü <!}Wt: i-'-« ,Prdvisorische'To^ale^8:-%g: g Es fehlen, noch die Resultate,,au§ AltrumaniC&|$ndf $s*l*r?ä,<'fe>heV ftälfenMi^^^ stimmen der WöItwahHiste werden noch eine Reihe;\Voni: Mandaten ergeben, Bisher wurden ohne Australien ündj Kanada und ' natürlich auch, ohne Amerika, wo be$ knhntlich Wahlen nicht ,stattfanden, rund 6 5; 0 0 0 r e v i> s i o n i s t i s c h e Stimm e n abgegeben.;r ,: ' . ■ : . r i Eine Reihe von Faktoren müssen aber die Frage entstehen lassen, ob es möglich ist, ihn wiederum als Präsidenten der Organisation zu nominieren. Dr. Weizmann hat jahrelang ö f f ä n 11 i c h e Reden gegen aktive Mandatspo 1-i't i k gehalten, der englischen Regierung Zufriedenheitszertifikate ausgestellt untl dagegen das jüdische Volk wegen" seiner geringen Leistungen an den Pranger gestellt. Das macht seine Position besonders schwierig, wo es jetzt darauf ankommt, Unter allen Umständen von England aktive Mandatspolitik zu verlangen. Dr. Weizmann hat die Abtrennung Transjordaniens ohne öffentlichen Protest und ohne einen Versuch, die jüdische Masse gegen diese schwere Rechtsverletzung zu aktivieren, hingehen lassen, obwohl Trans Jordanien nicht nur von Rechts wegen Mandatsgebiet, sondern auch für die Verwirklichung des Zionismus von vitaler Bedeutung ist. Er hat sich von Zeit zu Zeit der englischen Regierung gegenüber von d e n zionistischen Extremisten in einem anklagenden Sinne; abgegrenzt, andererseits aber selbst manchmal einen, mindestens ebenso extremistischen Standpunkt eingenommen. Schließlich hat er sich gegen die zionistischen Ziele ausgesprochen, die früher nicht nur jed<er Zionist, sondern auch Dr. Weizmann selbst als Bedeutung der Balfour-Deklaratiori propagiert hat, obwohl a\ich damals schon die Balfour-Deklaration die verstümmelte Form hatte, auf die er sich In Berlin berufen hat, um seinen Verzicht zu begründen. Dazu kommt, daß die Keren-rtajessod-Kolonisation und die damit verbundene Finanzwirtschaft, die Dr. Weizmann geführt und seit Jahren gegen Reorganisationsforderungen und -versuche gedeckt hat, gänzlich zusammengebrochen ist. Für die Demoralisation der Zionistisdien Organisation ist Doktor Weizmann in mehr als nur1 formellem Sinn verantwortlich, denn er hat die Wucherung des Fraktionswesens aus Gründen innerzionistischer Politik stimuliert. Es kann unmöglich leicht sein, sich über dies alles hinwegzusetzen, , * Kolonisation Die Mißerfolge der. von dir Zionistischen Organisation geleiteten Kolonisation werden von wechselnden, entschuldigenden .Erklärungen begleitet. Vor fünf. Jahren sprach man vor?, zugsweise von der Diskrepanz zwischen chaluzi^ch^r Be?.. geisterung und finanzieller Möglichkeit. Iii der letzten Zeit zieht man zur Erklärung einer' beispiellos.' schwieri-' gen Lage die allgemeine Finanz- und Wirtschaftskrise heran. Dabei wird gewöhnlich nur die finanzielle Seite unserer schwierigen Lage beleuchtet. Demgegenüber haben wir festzustellen, daß die, , sogenannte Keren-Hajessod-Kolonisation, die seit der Londoner Konferenz unablässig als System verherrlicht und zu einer zionistischen Philosophie erhoben wurde, vollständig zusammengebrochen ist. Schon im Reorganisationsrappbrt 1920-21 war darauf hingewiesen worden, daß die Kolonisation aus einem zentralisierten ' Spendenfönds, welcher : auch* laufende unproduktive Ausgaben decken muß, dazu führen muß, daß für die eigentliche Kolonisation stets weniger Mittel verfügbar sind. Die Kritik hat jahrelang darauf hingewiesen, daß das befolgte System der Schaffung stets neuer Siedlungen, ehe die alten aus eigener Kraft bestehen konnten, zu einem frühzeitigen Stillstand der Kolonisation führen müßte, während es schließlich nicht einmal mehr möglich sein würde, das Vorhandene aufrecht zu erhalten. Die Kritik hat jahrelang darauf hingewiesen, daß eine Kolonisation in dem für uns nötigen Umfang aus Spendengeldern nicht möglich ist, weil sie dazu viel zu teuer ist, so daß es für uns darauf ankommt, den Betriebstyp zu finden, der rentable Wirtschaft ermöglicht, weil dann Mittel auf Kreditbasis zu bekommen sind. In diesem Sinn haben sich seitdem , auch alle Experten ausgesprochen. Wir stellen fest, daß die K o 1 o n i s a ti o n der Zionistischen Organisation seit fünf Jahren s t i 11 s te h t. Was darnach noch geschehen ist, haben amerikanische Gruppen geleistet, die sich bemüht haben, die Folgen der seitens unserer Kolonisationsinstanzen gemachten Fehler zu mildern und, wo wir versagten, helfend einzugreifen. Es ist in der Agrarkolonisation von uns kein Betriebstyp von Wert geschaffen worden, der durch den Beweis der Rentabilität die Basis für eine Agrarkolonisation auf Kreditbasis schaffen könnt«. Die Finanzlage ist so trostlos, daß eigentlich niemand einen Ausweg weiß. Unter diesen Umständen verbietet sich eine Fort- GeskJb^DL CD S 20.- S 24.- S 28.- vil., KfllseßtraBe 123 IX., Alserstrofie 6 Setzung der befolgten Methoden von selbst. Leider kann man sie jedoch nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt wechseln,*-da" die* zn -erwartenden" Mittel für lange Zeit' hinaus zur Erledigung der angehäuften Verbindlich^ keiten nötig sind und "4en geschaffenen Kolonien mindestens nodh!das1' vbi^sen^nV fnvestierungskäpital ausgezahlt werden muß. In dieser Hinsicht kann, also der kommende Kongreß bestenfalls eine Wandlung vorbereiten. Die Möglichkeiten neuer Kolonisation seitens der JeWiSh Agency liegen unter allen Umständen hoch in' weiter Ferne, v Ein um so größeres Interesse konzentriert sich darum auf die Landenfwicklurigspläne der englischen Regierung. Hier zeigt sich in handgreiflicher Weise der bei uns so oft verkannte Zusammenhang zwischen Politik Und Kolonisation. Wir haben eingangs darauf hingewiesen und möchten es in diesem Zusammenhang unterstreichen, daß. uns die rein privatwirtschaftliche Kolonisation nicht zum Ziele führen kann. Wir bedürfen der Regierungshilfe; in dem Sinn, welchen das Mandat vorschreibt. Die Regierung muß darauf hinwirken, daß die Produktivität und damit die Aufnahmefähigkeit des Landes zunimmt;' I sie muß darauf hinwirken, daß die zunehmende Fassungskraft dem zu kolonisierenden Bevölkerungselement, nämlich den Juden, zugute kommt. Was dies bedeutet, zeigt ,der Landentwicklüngsplan. Seine Durchführung wird sicher die Lage der vbrhandenen arabischen Bevölkerung''bessern, und das Soll er. Man kann ein Land nicht für einen begrenzten Teil der Bevölkerung zur Entwicklung-bringen und wir sind an einer Besserung der; Position' des arabischen. Fellah ' in; verschiedener Hinsicht interessiert. 'Wenn aber das durch Boden- . Verbesserung und Irrigation freikommende Land zu einer arabischen. Inneükoloriisätion vverwendet wird, und eine dadurch; stlrfrulierte Arabische ' Immigration ' aus den« , Grenzendem .jucht .verhindert;. wrädb-dann, bedeutet ,dex. ^Landentwicklüngsplan: das Verschließen . weiterer jüdi-; scher Kolonisatiohsmöglichkejten : inj. kleinen Palästina in einem Umfang,- der, die Balfour-Deklaration und das Mandat auf . unabsehbare Zeit, gänzlich illusorisch machen könnte. . \ y. .. (. V Darum halten..wir es für verfehlt, daß wir an die Unterhandlungen über diesen Plan mit Vorschlägen herangegangen sind, die sich hauptsächlich'auf die Verteilung, des von,. der englischen Regierung zu leihenden Geldes beziehen. Vorerst sind unsere diesbezüglichen Vorschläge abgelehnt worden, aber es ist bedauerlich, dafl "sie überhaupt gemächt Wurden. Ein Landentwicklungsplan im Sinne des Mandats kann nur bedeuten, daß die -Regierung mittels der Anleihe neuen Boden kolonU sationsreif macht, auf dem dann die. wenigen wirklich durch jüdische .Bodenkäufe deppssedierten Fellahs angesiedelt werden können, während jedoch der übrige Boden der jüdischen, Kolonisation zugänglich gemacht werden muß. Auch wenn durch die Einführung von Irrigation und Bodenverbesserung die Produktionskraft der Böden sich so erhöht, daß die jetzigen Bearbeiter des Bodens von, einem kleinen . Areal besser existieren können als jetzt von einem großen,'"ist , es . Aufgabe einer Landentwicklungspolitik im Sinne des Mandats,, die freikommenden Böden im Wege der Gesetzgebung der jüdischen Kolonisation zugänglich zu . machen. Aktive Mandatspolitik ist. also eine, politische. Angelegenheit, aber für die Aussichten und Möglichkeiten unserer Kolonisation von entscheidender praktischer Bedeutung. Es ist vielleicht nicht überflüssig, in Erinnerung zu bringen, daß uns -auch'-eine-wirklich aktive Mandatspolitik nicht von der Notwendigkeit befreien würde, unsere finanzielle Mißwirtschaft abzustellen und nach anderen.Methoden zu kolonisieren. Bei Berücksichtigung nationaler Lebensinteressen, die < das Prinzip jüdischer Arbeit in^dpu jüdischen. Kolonien zur Selbstverständlichkeit machen, muß . bei der Kolonisation die unbedingte Priorität der. technisch-wirtschaftlichen Gesichtspunkte anerkannt werden. Kolonisation bedeutet nicht Installation^ ves bedeutet die Schaffung von Möglichkeiten, auf Grund; deren sich, der jüdische Immigrant. durch die Bearbeitung des Bodens eine Existenz aufbauen, kann. Samstag, am Z7. Junf, um y29 Uhr abend« veranstaltet che Exekutive des Ver- . bandes jüdischer Hochschüler Oe sterrelcha im Hotel Post, I., Fief schmarkt; eine GROSSE PROTESTVERS AMMLUNCi wegen der VorfftDe an den Wiener Hochschul.n. Erscheinet in Massen! um Die..Desorganisation der jüdischen.Akademiker^ >■ i V»?Der;Versüch .des Wienör Rektorats' UnterrBrc]f.esäor Gleispach, eine Studentenordnung im Sinne von _auto« nomeri Student © ri n a t i o n e ri zu schaf f «tfV/Jjftijjmiß* glückt. Der zur Entscheidung angerufene Verfasiüngss gerichtshof hat das Erkenntnis gefällt, wonach die von Prof. Gleispach getroffene Neuordnung verfassungswidrig und daher aufzuheben sei. >• Wir sind niemals in Reih und Glied gestanden mit jenen Kämpen, die aus Angst, man könnte sie,;bei:der Tatsache ihres Jüde*Seins ertappen, Zeter und Mordiö über Sinn und Inhalt einer Studentenorganisatiön nach Nationen geschrien haben, Es sei aber auuh. gleich jetzt vermerkt, daß wir den Richterspruch der - pberisteri Entscheidungsbehörde für das Eigenleben einer jüdischen. Studentennation nicht für nachteilig betrachten, da. j*. der heute herrschende Geist an den Wiener Hochschulen eine Gleichberechtigung eventueller Studentennaüoneri. — und das und nur das kann ihr Sinn sein — keineswegs verbürgt. ' ' V .Ueber das ganze Problem einer Studentenordn.ung an den österreichischen Hochschulen wird noch manches zu sagen sein. Was uns aber im gegenwärtigen Stadium der Dinge überaus charakteristisch erscheint, ist die Art, wie hier von Presse und Behörde eine Angelegenheit be* handelt wird, die auch ins Jüdische hineinschlägt, pa ist zunächst eine ebenso skrupellose wie feige Assimtlanten« presse, der es das Maul verschlägt, wenn es um eine echte jüdische Sache geht, frech und draufgängerisch wirdt wenn eine Sensation winkt. Als seinerzeit die Studenten oxdnung erlassen wurde, ist das ihr zugrunde liegende Problem von. dieser Presse mit wohlerwogener Absicht derart heillos verwirrt und von einer sachlichen Diskussion .^entfernt worden, daß der gesunde Sinn einer. akademischen Neu? Ordnung erschlagen und em Tummelplatz geschaffen wurde für eine wüste, selbstverständlich ant i j ü d is c h e Hetze. Diese wächst sich jetzt^ vollends aus, wiederum veranlaßt von denselben Elementen. Im Zuge eines Prozesses gegen ein liberales Blatt .wurde der Ver* fassungsgerichtshof bezüglich der .Legalität: ' der Studentenordnung angerufen. Der, von unberufenen Elementen besorgte „IntereaaerH und Ehrenschutz'- zeigte