Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-06-19 · Heft 196 (19.6.1931) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 196 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711815--2568-2715871
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. '!% DIE NETTE WECT Seife 7 hat allzubald erkannt, daß der vielgerftbjirte Brief em Schwindel ist. Vom Macdonald-Brief wird gesagt, daß sein« Interpretation die jüdische Gemeinschaft Palästinas nicht befriedigt, und daß et ohne praktische Wirkung auf die Verwaltungs praxis in Palästina geblieben ist Es sei duroh ihn die Hoffnung auf baldige Erfüllung des Ver Sprechens, in Palästina würden „solche politisch«, administrative und wirtschaftliche Bedingungen geschaffen worden, durch die die Errichtung des Jüdischen NationaWicims gesichert wird", nicht gestärkt werden. Die Politik der Palästina-Verwaltung biete nicht die Gewähr dafür, daß die Regierung ernsthaft beabsichtige, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu fördern und zu ermutigen. Trotz des Macdonakl-Briefes diene der verlogene Simpson- Bericht der Regierung auch weiterhin als Richtschnur in ihrer Palästina-Pol'rtnik. Zum Schluß werden die Forderungen des Wa«d Leumi an die Mandatskommission folgendermaßen xur sammengefaßt: „Indem wir dieses Memorandum der Permanenten Mandatskommission unterbreiten, erbeben wir die Forderung, daß da:s Versprechen bezüglich der E rriebtung des Jüdischen Nation alheims in Wirklichkeit umgesetzt werde. Wir fordern, daß die Mandatarmacht die der Sicherung einer Entfaltung der schöpferischen Bemühung des jüdischen Volkes angemessenen Bedingungen sohaffe und die Gewähr dafür biete, daß jeder Jude, der seine Mittel und seine Tatkraft dem Auf bau des Landes widmen will oder der in ihm Zuflucht und Asyl vor den Verfolgungen der Diaspora sucht, ohne jegliche Einschränkung nach Palästina kommen kann. Im Hinblick auf die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina, im Hinblick darauf, daß diese Verbundenheit von allen Kulturstaaten offiziell anerkannt worden ist, fordert die organisierte Judenheit Palästinas, die zu vertreten wir die Ehre haben, daß die Tore des Landes den jüdischen Einwanderern, die nicht als ausländische Immigranten, sondern als repatriierte Söhne des Landes gelten sollen, geöffnet werden. Es ist unsere feste und aufrichtige Ueberzeugung, daß dieses Recht des jüdischen Volkes auf Palästina das Recht der Araber auf volle wirtschaftliche und kulturelle Entwickhing nicht im mindesten beeinträchtigt" pudisdiei» Studenten Der revisionistische Studentenklub in Wien beginnt mit dem Sammeln von 10.000 Unterschriften jüdischer Studenten, die für die Umwandlung des Forschungsinstituts in eine wirkliche Universität, in eine Lehranstalt, eintreten. Die Bogen zur Einholung der Unterschriften sind im revisionistischen Studentenkhrb, Wien, H., Obere Donaustraße 101/103, zu beheben. Vor einigen Jahren fanden Protestversammlungen statt, Resolutionen wurden angenommen, nichts änderte sich: die hebräische Universität in Jerusalem bfieb ein „Forschungsinstitut". Die Grundsteinlegung der Jerusalemer U^üversität erfolgte im Jahre 1918 und die Eröffnung im April 1925. Ein herrliches Gebäude, schöne Institute und Laboratorien. Festversammlungen und feierliche Gottesdienste wurden veranstaltet, Festschriften sind erschienen. Endlich die hebräische Universität 1 Und mit Stolz verkündete man zur Zeit, als europäische Universitäten den Numerus clausus offiziell einzuführen begannen: „An unserer Universität werden Jaden und ISöchtjuden studieren'" Und als zur selben Zeit eine Bewegung mit der Parole „Errichtet auch eine jüdische Universität in Europa" entstand, da trat die jüdische Studentenschaft einmütig dagegen auf: „Schaffet keine Konkurrenz! Unsere Universität ist — die hebräische Universität in Jerusalem!" Sechs Jahre sind verstrichen. Gibt es eine Universität in Jerusalem? Nein! Ein Forschungsinstitut, aber keine Lehranstalt, keine Universität. Nach dem Weltkrieg sind gegen 50 Universitäten eröffnet worden, wirkliche Universitäten, die nach erfolgreichen Studienprüfungen akademische Grade verleihen, so ist es überall, nur nicht in Palästina. Die hebräische Universität begann ihr Wirken als Forschungsinstitut, und wenn dieser Zustand beibehalten wird, so wird das Gebäude am Skopus-Berg niemals eine Universität werden. Es ist keine Geldangelegenheit. Gibt es doch sehr viele Universitäten, die mit einem kleineren Budget auskommen — wiewohl die Zahl der Hörer vielfach größer ist als in Jerusalem. Die hebräische Universität (6 Jahre nach der Eröffnung): 1. 2 Forschungsinstitute; 2. Zahl der Studenten und der Zuhörer: 177; 3. 62 Professoren, Lektoren und Assistenten; 4. Budget: 51.000 Pfund; \ 5. Erteilt keine Diplome. Universität w. Kowao Jahre nach der Eröffnung)': L 7 Fakultäten; 2. Zahl der Studenten: 4004; 3. 153 Professoren, Dozenten »od Lektoren: 4. Budget: 85.000 Pfund; 5. Erteilt Diplome. Also in Kowno, wie auch an den anderen Hochschulen inskribieren Studenten, machen Prüfungen, erhalten Diplome und finden eine Existenz. In Jerusalem aber sind kaum 80 Studenten (die anderen sind keine Hochschüler, sondern Zuhörer), welche forschen und geheimnisvolle Zweige der Wissenschaft entdecken wollen. Sie erhalten keine Diplome, können ewig forschen und niemals den Grundstein zu einem Lebensberuf legen. Der Kanzler der hebräischen Universität erklärte: Die Universität ist ein Forschungsinstitut und keine „Doktorenfabrik", und wenn ein Student einen Lebensberuf sucht, so kann er ja auswandern und an einer anderen Universität studieren. Man stelle sich vor: Der Rektor einer deutschen (oder polnischen etc.) Universität gibt die Erklärung ab: Wenn ein Student dieses Landes studieren will, so kann er nicht an der hiesigen Universität inskritbaeren, sonder n e r m u ß a u s w a n d e r n ... Und jüdische Studenten verlassen Palästina. Jüdische Abiturienten hebräischer Gymnasien wandern aus Palästina aus, und schon heute findet man in den großen Universitätsstädten zwei jüdische Studententypen: Numerus-clansus-Studenten aus dem Osten und Ahasver-Studenten ans Palästina. In Berlin studieren heute 300 Numerus-clausus-Studenten aus dem Osten und 100 Ahasver-Studenten aus Palästina (in ganz Deutschland über 200 aus Palästina). Noch größer ist die Zahl in Frankreich, viele in England, Schweiz, Belgien, Tschechoslowakei, Oesterreich usw. Zumindest 70 0 palästinensische Abiturienten, welche durchschnittlich 5 Pf und (die hohen Studientaxen — Ausländer zahlen dreifache Studientaxen — nicht eingerechnet) im Monat verbrauchen. 42.000 Pfund müssen also von Palästina geschickt werden. Das arme Palästina muß 42.000 Pfund ins Ausland schicken für seine Studenten! Wäre die Universität ein Lehrinstitut, eine wirkliche Universtät, würden Studenten nach Palästina kommen. Mindestens 42.000 Pfund würden ins Land gebracht. Die hebräische Universität ist geschaffen worden, damit jüdische Studenten studieren und einen Lebeosberuf finden können. Protestversammlungen fanden statt, Resolutionen wurden gefaßt, in der jüdischen Presse erschienen Artikel gegen das heutige Verwaltungssystem an der Luxusanstalt am Skopus-Berg. AHes ohne Erfolg. Und so bleibt vorläufig (ein Weg: Sammlung von '10.000 Unterschriften jüdischer Studenten, welche deutlich und klar besagen soll: Wir wollen keine Luxusanstalt, kein Forschungainstitut! Wir wollen eine hebräische Universität, eine Lehranstalt für Studenten! Josef Frankel. Zwölf jüdische Parlamentarier in Rumänien Bukarest, 14. Juni Bei den Wahlen ki die Kammer und den Senat Wiarden insgesamt elf jüdisc h e Kandidaten gewählt, und zwar sechs Senatoren (Max Ausschnitt, Wilhelm Dinenmann, Dr. Asra Berlkowitz, Jaincu FAnkelfitein, Isaac Benvenjsiti, M. Rivensohn) und fün/f Kaimmerdepu'tiierte, die Abgeordneten der Jüdischem Nationalen rted Dr. Mayer Ebner, Dr. Theodor Fischer, Dr. Josef Fischer und Dr. Max Diamant und der auf der Liste der Magyarischen Partei gewählte Deputierte Nandor Hegedöis. Als zwölfter jüdischer Parlamentarier kommt Oberrabbiner'Dr. I. Niemirower, der als Vertreter des jüdischen Kultus dem Senat angehört, hinzu. Ihrem prozentuellen Anteil an der Gesaanräbevölkerung entsprechend müßten die Juden im Rumänien in beiden Häusern durch 30 Partlacmentarier vertreten sein. In rumänisch-jüdischen Kreisen wird mit Bedauern festgestellt, daß die jüdische Vertretung in der Kammer, die größere Machtbefugnisse hat als der Senat, schwächer ist als in diesem. Auflösungsprozeß judischer Gemeinden in Böhmen Prag, 9. Juni. (J. T. A.) fen vergangenen Jahr lösten sich in Böhmen elf jüdische Gemeinden auf, die noch vor einem Jahrzehnt blühende Gemeinwesen waren. In vielen dieser Gemeinden wurden die synagogalen Baulichkeiten unter die Obhut des Obersten Rates der jüdischen Gemeinde genommen, um ihre Umwandlung in Turnhallen und Lichtspielhäuser zu ve-rhämdern. Auch in der Slowakei sind im letzten Jahr fünf Kleingemeinden aufgelöst worden. In Böhmen äst der Grund des Absterbens so vieler Gemeinden die Abwamderwag » die Städte und nicht zuletzt die sinkende Geburten- und die steigende Sterbeziffer. Franzosen, Engländer und der Großmufti Aue Jerusalem wird gemeldet: Die französischen Behörden in Syrien haben dem Großmufti von Jerusalem, welcher sich nach Damaskus zu seinem Freund Emir Adel Arslan begeben wollte, die Bewilligung zur Einreise verweigert. * Nach den Judenpogromen in Palästina im Jahre r921 wurde ein junger Araber als Anstifter in Haft genommen und dann zu einer mehrjährigen Kerkerstrafe verwiegt Der damalige jüdieehe Gouverneur ws Faiä- , »rhw, Sit Herbert Samuel, holte den vielversprecltonden Jüngling aus der Haft, begnadigte ihn und ernannte ihn, um da« Maß jüdischer Großmut voll zu machen, zum obersten Geistlichen von Palästina, zum Großmufti von Jerusalem, mit einem hohen Regiertingsgehalt, das aus jüdischen Stenergeldern noch heute bestritten wird. Nun ja, Assimilationsjuden, wie Herbert Samuel, sind gern auf Kosten anderer Juden nobel. Der Großmufti rechtfertigte das in ihm gesetzte Vertrauen und — arbeitete auf einen nenen Judenpogrom hin und brachte ihn auch im Jahre 1929 glücklich zustande. Jetzt ist er der Anführer aller Hetzereien gegen die Juden und hochgeehrt bei allen englischen Behörden. Merkwürdigerweise scheint das den Franzosen wenig zu imponieren. Für sie bleibt der GroßrmifHä ein tunwülkommener Hetzer. Andere Völker, .andere Lieder. Die Verfolgung des Zionismus in Sowjetruillond. Jerusalem, 12. Juni. Nach zweitägiger Dauer wurde soeben in Tel*Awiw die seit dem Jahre 1926 zum erstenmal ztisammengetretene Konferenz der jüdi* sehen L and ar b e i t er gewer k s c haf t Palästi« nas geschlossen. Anläßlich dieser Tagung hatte die Aus* landsdelegation der zionistisch*sozialistischen Arbeiter« partei Rußlands ein Memorandum veröffentlicht, in dem traf das tragische Schicksal tausender Parteigenossen hingewiesen wird, die in der letzten Zeit in Sowjetrußland verhaftet und m die entferntesten Winkel Sibiriens und Zentralasiens verbannt wurden. Eine große Reihe besonders krasser Fälle von politischer Verfolgung sozia* listischer Zionisten wird im einzelnen geschildert. Htm* derte Fälle von Folterungen in den Isolierungs* gefängnissen für politische Verbrecher, in den Konzentrat tionslagern und im sogenannten „Minus", einem entlegenen Verbannungsort, wohin „politische Verbrecher" aus huhu striellen Zentren und Orten mit starker jüdischer Bevölke* rung gebracht werden, werden angeführt. Das Memoran* dum enthält ferner eine Anzahl beglaubigter Abschriften von Dokumenten und Briefen, m denen die schreck* liehen Leiden geschildert werden, die die SozialistensZionisten um ihrer Ideale willen in Sowjetrußland zu erdulden haben. Nach Verlesung dieses Memorandums lehnte die Konferenz eine von den Linken (der Zweiten Internationale nicht angehörenden Poale Zion) eingebrachte Resolution, in der die Sowjets i zum Erfolg der Kollektivierung in Ruß* j land beglückwünscht werden, ab. „Erschlagt die Juden, rettet Rußland!" Moskau, 8. Juni. (J. T- A.) Wie aus Nowo- I sibi r s k gemeldet wird, kam es in einer Rekratenabtealung der dort stationierten Norddivdsioa wäh- ■ j rend einer Marschübung zu antisemitischen Kundi gebaingen. Einer der neu eingezogenen Soldaten namens | Iwlew, der neben einem jüdischen Kameraden namens | Cherchess marschierte, brach plötzlich in den Ruf | „Erschlaget die Juden, rettet Rußland4'! ans. Ein zweiter Soldart names Fodarenko erging sich in wilden antisemitischen Beschimpf nagen und nahm gegenüber dem jftdisöhen Rekruten Schmster eine drohende Haltung ein. Die beiden antisemitischen Sakktfen wenden auf Anordnung ihrer Vorgesetzten vor ein Volksgericht gestellt werden. Es ist bemerkenswert, daß hier zum erstenmal der alte Losungspuf der Schwatrseen Hundert aus zaristischen Zeiten im Kreise junger Angehöriger der Roten Armee, die bereits unter dem Sowjet regime | aufgewachsen sind, gehört wurde. Das Organ der Roten : Armee .yKrasno Armejskajsa Zwezda" fordert im Leitartikel die Ausrottung jeder Spur von Antisemitismus '■ aus der Roten Armee und behauptet, der Antisemitismus in der Roten Armee sei einzig und aBein atd konterrevolutionäre Einflüsse zurückzuführen. Jndenrein . . , Lemberg, 12. Juni In der GenerafoeasamanAas^? der Studentenschaft der Lemberger Universität wurde der Beschluß gefaßt, daß nur Christen oder Mohammedaner, nielrt wb-eT Jude n und Jradems tämmllnge Mitglieder der Studentenschaft sein können. Da Lemberg bäsber die einzige Stadt war, in der Juden und Polen noch in Wochen-Kalender Juni 1931 ron tvwn Tamus 5691 19 Freitag 4-1 . Sabfratelngang 8.50 20 Samstag fr—n Sabbatansgang 8.50 t7tmv td« i wi, mp 21 Sonntag 6-^ 22 Montag 7-1 23 Dienstag (Hfl 24 Mittwoch 9—B DoJiU HM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.