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Die neue Welt · 1931-06-19 · Heft 196 (19.6.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 196 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 196 einer g e an e i ai s a m e ,n allgemedneoti Studenten korporatdon vereinigt wären, erscheint atummehr der Ausschluß derr Juden aus den potitisahen Studenten verbänden r e s 11 os durchgeführt. Im Himbliek darauf, daß die Lemibenger Univcrsitätsbehörden den statutenäadennden Beschluß der Lemiberger Studentenschaft zur- Kenntnis genommen haben, beab sichtigem die jüdischen Studenten der Lembenger U<ni versität, eine Klage auf Rück er statt tun ig ihrer für die Eprichitiing des studentischen Venbandeheims geleisteten Beiträge einzubringen. Friedhofsschändung in Altona. Hamburg, 12. Juni. Die Anlagen des Friedhofs Bismarckstraße der Altonaer Jüdischen Gemeinde sind beschädigt und ein Grabdenkmal vollkommen zertrüm* mert worden. Die Kriminalpolizei hat eine Bekannt* machung erlassen, in der sie unter Zusicherung strengster Verschwiegenheit um Mitteilungen, die zur Ergreifung der Täter führen können, bittet. Bisher fehlt von ihnen jede Spur. Geänderte Zeileii Die Amerikaner — nicht willkommen. Bei den früheren Zionistenkongressen bildete die Delegation der amerikanischen Zionisten den Gegenstand stürmischesten Liebeswerbens, das Zentrum des Interesses der zionistischen Leitung und aller Gruppen. Sie war der verhätschelte „Goldonkel". Weizmann stützte sich auf diese Delegation. Die Erlangung eines Gesprächs mit einem amerikanischen Zionisten bildete den Zielpunkt des Strebens' aller, nackensteife zionistische Arbeiterführer mitinbegriffen. 1 ... "Jetzt; tönt den amerikanischen Zionisten ein Schimpfkönzert entgegen. Die regierungstreuen Blätter überhäufen die unglücklichen Amerikaner mit Schmähungen, entwerfen von der zu erwartenden Delega* tiön ein Bild, als ob sie der Abschaum der amerikanischen Menschheit wäre. Einige Proben: New York, 10. Juni. Die jiddischen Tages« Zeitungen „Mörning Journal" und „Tog" befassen sich' in Leitartikeln mit der Wahl der amerikanischen Dele« gierten zum 17. Zionistenkongreß. Beide Blätter er* klären! daß die amerikanische Delegation in dieser Zu« sammensetzung nicht den amerikanischen Z i ö n ismus repräsentiere! Der „Tog" wendet sich dagegen, daß die Delegation zum größten Teil aus Gegnern Weizma nn s besteht, was dem Stand« punkt der zionistischen Gesamtorganisation Amerikas widerspreche. Die kleine Gruppe, die gegenwärtig an den Spitze der Zionistischen Organisation Amerikas steht,' habe Leute aus ihrer eigenen Mitte gewählt und* •' die Empfindungen und U e b e r 2 e u gu n g e n der zionistischen Massen mit Füßen ge*. treten.' Im Leitartikel von „M.orning Journal" wird u. a. ausgeführt: Sicherlich kann die Liste der amerika« nischen Delegierten nicht als w i r k I i c h e R e p r ä«, seh t an z der zionistischen Massen Amerikas be« trachtet werden. Die Tatsache bleibt bestehen, daß ihre Auswahl -vori niemandem außer einem Min jan von Leutep getroffen wurde, die 20 Delegierte und 20 Ersatzdelegierte „wählten". Die Leitung hat von dem - Privileg, das die'Kongreßwahlordnung für den Fall einer Vereinbarung über eine Einheitsliste vorsieht, Gebrauch gemachtf Wir sind der Ansicht, daß das gesamte Pro* blem der-Köngreßwahlordnung einer Revision bedürf« tig ist. , *! 1 New York, 12. Juni. Die jiddische Tageszeitung ,;Der Tog" greift in ihrem Leitartikel vom 5. Juni die Leitung der Zionistischen Organisation Amerikas wegen der vqh'ihr' getroffenen Auswahl der Delegierten zum 17. Zionistenkongreß abermals sc ha r f an. Die Leitung der Organisation, schreibt das Blatt, sendet ihre Emissäre nach Europa; um die europäischen Zionisten zu'.veranlassen, der Fahne des offiziellen amerikanischen - Zioftiisfiius -zu folgen, und um ihnen die Ueberzeugung beizubringen, daß Weizmann an allen Schwie« r*gleiten des Zionismus schuld ist. Wenn die Osteuropäischen Zionisten mit den Emissären un« serer t-eityng verhandeln und Vereinbarungen mit ihnen treffen wollen, mögen Sie wissen, daß sie nicht mit de,mAmerikanischen Zionismus verhandeln unä Vereinbarungen treffen, sondern mit Einzel« Personen, die nicht den Erfolg des Zionismus, son« dern die Befriedigung persönlicher Ambi« t i öne n a n s t r,e b e n. .-.'.•>>; ., ' * Die .weizmanntreue palästinensische Tageszeitung .^H^aretV', welche sich sonst in Lobpreisungen des g o U denen Amerika erschöpfte, bezeichnet jetzt die ameri« kanisch>zionjstische Organisation als eine „Fiktion", als nicht bestehend, und schreibt: Die Zionistische Organisation in Amerika hat* jetzt ihre „W a h l e n" zum Kongreß im amerikanischen StiJ abgehalten, d. h. die leitenden Organe der Organi«, sation haben die Rechnung gemacht, wieviel Mandate ihnen ^.zustehen", haben dann die Mandate unter die einzelnen Parteien einem Einvernehmen gemäß aufge* teilLund schließlich die Delegierten bestimmt. Daß diese. Handhabung gegen die Gesetze und Statuten ver« stößt; durch die jede andere zionistische Föderation am. die Weltorganisation und an den Kongreß gebunden ist,' wacht der amerikanischen Organisation nights aus. Stöndlse unentgeltliche Stellenuermittlung Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art u.ailer Branchen benötigt» wende sich an „Hakoah", Ii, Wictfngerstr. tl, Tel. R-23-0-10 Dieses Privileg steht ihnen zu, weil sie die Hauptträger der „f i na'n zi eilen Ver an t w or 11 i chkei t" der zionistischen Bestrebungen sindi Aus demselben Grunde fühlen sie sich berechtigt, j e d e m or a 1 i s c he H i 1 f e seitens der übrigen Teile der Bewegung bei "den Geldsammlungen abzulehnen. Nichtsdestotrotz haben sie ihre finanzielle Verantwort« ' Hchkeit weniger ernst genommen als alle übrigen Föde« rationen. In den beiden letzten Jahren sind die euro« päischen Länder aus bestimmten Gründen ihren Ver« pflichtungen dem Keren Hajessod gegenüber nicht nach« j gekommen, aber Amerika hat vollständig ver« sagt. Und das ist die Hauptursache unserer finanziellen Schwierigkeiten. Die B r a n d e i s i s t e n, die jetzt in Amerika am Ruder sind, tun so, als ob sie eine b e a b< sichtige Sabotage trieben gegenüber den Budgets und Fonds, die sie nicht billigen. Aber sie haben auch für ihr eigenes System nichts getan; sie haben nichts getan, um Anhänger für den Zionismus und die zionistischen Bestrebungen zu gewinnen. Es ist die höchste Zeit, die Fabel der „besonderen Bedingungen" in Amerika und der Erfordernis besonderer Privilegien zu vernichten und eine neue zionistische Bewegung in Amerika zu schaffen, sogar wenn dadurch die Führer von demokratischen Wahlen abhängig gemacht werden." * Die von der regierungstreuen zionistischen Presse so übel hergenommene amerikanische Delegation der all* gemeinen. Zionisten hat folgende Zusammensetzung: Ju« lian Mack, Louis Lipsky, Robert Szold, Stephen S. Wise, Pearl Franklin, Morris Rothenberg, Israel Brodie, Jacob de Haas, Mrs. David Greenberg, Abe Goldberg, Richter William Lewis, Mrs. Schulzinger, Emanuel Neumann, Silverman, Mrs. Nathan Rome, Jacob Fishman, David Abraham Tulin, Mrs. William Lewis, Mrs. Archibald Podölsky, Elihu Stone. Ehemals lauter Lieblinge des Präsidenten Weizmann und seiner Freunde. Jetzt schwarze Schafe. Warum?' Weil sie keine Dollarmilliönen und keine Reso« lutionen für die derzeitige Leitung mitbringen. Man hat Amerika als Melkkuh behandelt,1 hat immer und immer wieder Geld verlangt und' nichts dafür gegeben. „Alles steht prächtig. Kümmert euch um . nichts. Gebt nur Geld, Geld, Geld!" Das war die Parole, wenn Weizmann nach Amerika kam. Dieses System mußte eines Tages zusam« menbrechen und mit ihm der amerikanische Zionismus. Das ist geschehen. Und darum sind die ehemaligen Lieb« linge Räuber und Mörder... Misrachi-Weltkonferenz in Basel- Jerusalem, 14. Juni.(J. T. A:) Die Leitung des Welt« misrachi teilte allen Landesorganisationen mit, daß die zuerst nach Danzig' einberufene Misrachi«Weltkonferenz nicht in Danzig, sondern vom 25. bis 29. Juni in Basel stattfinden wird. Bekanntlich hatte sich der polnische Misrachi im Hinblick auf die Ueberfälle von Haken« kreuzlern auf polnische Juden in Danzig geweigert, seine Delegierten nach Danzig zu entsenden. Verband der Sabbatfreunde „Schomre Schabbos", Wien, IL, . Leopoldsgasse 16. Tel. A-48-4-.15. Offene S teilen: 4 Praktikanten, Schneklergehilfen, Schneiderin',.'- t;i''Schneider oder Schneiderin für Damen- und Herrenwäsche, 1 Verkäuferin ins Burgenland, Vertreter für Strickwaren, Vertreter für Grabsteiue, 1 Köchin, 1 Dienstmädchen. — S t e 11 e n ge suche: Kontoristen, Verkäufer, Vertreter, Hilfsarbeiter, Hauslehrer, Kontoristinnen, Verkäuferinnen, Hilfsarbeiterinnen, Zeichnerin, Kinderfrüuloin, Stubenmädchen, Lehrmädchen usw. Wir vermitteln tüchtige und verläßliche Angestellte und-Arbeiter jeder Art für Handel, Gewerbe und Industrie, sowie Ha. u s h a 11 e. Die Vermittlung erfolgt kostenlos. Auskünfte erteilt und Anmeldungen nimmt entgegen der Verein „Schomre-Sehahbos'\ Wien IL, Leopoldsgasse 16. Telephon A-48-4-15. Jahrhundertfeier Lektor Meir Friedmann Am 14. d. veranstaltete das Wiener Beth Hamidrasch gemeinsam mit der Isr.sTheologischen, Lehranstalt im kleinen Tempel in der Tempelgasse eine Zentenarfeier für Lektor M.;Fried mann (geb. 15. Juni 1831, gest. 23. No< verober 1908 in Wien). Zahlreiche Schüler, Mitarbeiter und die Familie des Verewigten waren erschienen. Nach den Einleitungsworten des Präsidenten Dr. O r n s t e i n feierte Rabbiner Dr. Kosenmann und Prof. Dr. Krauß von der Isr.«Theol.4 Lehranstalt den genialen Editor und Kom« mentator alter midraschischer Ausgaben (zum Teil nach vatikanischen:Handschriften) ebenso wie den tiefschürten« den "und lebensnahen Homiletiker. Für Wien war der „letzte M a g g i d" in erster Reihe der geistliche Erneue3 rer der Bibelexegese, für di jüdische und allgemeine Ge* lehrtenwelt ein Pionier auf neuen Wegen der Forschung, der noch heute im besten Sinne des Wortes modern wirkt. (Ich berufe mich hiebe! auch auf Ch. N. Bialik.) Die Redner gedachten auch;'de? Broschüre; die der Söhn des Verstorbenen, ■ Bankdirektor Friedmann, anläßlich der Zentenarfeier der Öffentlichkeit übergab, und bedauerten mit ihm den Verlust eines Teiles des Manuskripts des letzten Werkes Friedmanns „Sifra debe Rab" bei der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Juden* tums", die es somit nur als Torso veröffentlichte. Am Freitag, den 19. Juni, abends, wird im großen Tempel, IL, Tempelgasse, Herr Rabb. Dr. Taglicht aus gleichem Anlaß predigen. Nechad. Kämpft gegen den §ahbaf Der Direktor der internationalen Liga für Kalenderreform bezeichnete ihn als ein Unglück Wir haben wiederholt über den Kampf berichtet, welchen die traditionstreuen Juden gegen die vom Völker* bund geplante Kalenderreform führen, weil die Reform die Einhaltung des Sabbat fast unmöglich machen würde. Nun wendet sich der Direktor der „Internationalen Liga für die Einführung eines festen Ka« 1 e n d e r s", der Engländer Herr Moses B. Cotsworth, heftig gegen die Juden, denen er blinden Fanatis« m u s und Rückständigkeit vorwirft. Er bezeichnet die Beibehaltung des Sabbats als ein Unglück und gibt seinen Ausführungen einen antisemitischen Beiklang. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Tele* graphen«Agentur in Genf behauptet Cotsworth, die Ka« lenderreform werde den Juden viele Vorteile bringen; der von den Rabbinern und weltlichen Führern des Juden« tums gegen das Kalenderreformprojekt geführte Kampf sei verfehlt und ein Erfolg dieses Kampfes unwahr« s c h e i n 1 i c h. Er sei überzeugt, daß der Plan der Ka« lenderreform, einschließlich der Einführung eines Blanko* tages, durchgeführt werden wird. Die Durchführung der Kalenderreform würde den Juden nicht nur jene 24 Vorteile sichern, die die Reform auch der nichtjüdischen Bevölkerung bietet, sondern sie darüber hinaus von vielen Nachteilen befreien und vor finanziellen Verlusten bewahren, die durch die Beibehaltung des komplizierten und veralteten jüdischen Kalenders bedingt sind. Der Uebcrgang zum feststehenden Kalender würde den durch den jüdischen Kalender verursachten Interessenwiderstreit /.wischen den Juden und der überwiegenden Mehrheit der nichtjüdi« sehen Bevölkerung beseitigen. So rufe z. B. die gesonderte Abhaltung des Pessach* festes durch die Juden in jedem Frühjahr in Aegypten, der. .Tür k e ä. und allen. Ländern um Palästina starke Beunruhigung bei der viel zahlreicheren und nicht minder frommen mohammedanischen Bevölkerung hervor, deren Koran zwar Moses als großen Patriarchen ehrt, aber jede Erinnerung an das Pessachfest vermeidet, weil weder Aegypter noch Mohammedaner glauben können, daß der unparteiische und gerechte Schöpfer „alle Erstgeburten in Aegypten, Mensch undTier, geschlagen und die Häuser der Kinder Israels in Aegypten überschrit« t e n h a b e", was ja die Grundlage des Pessachfestes darstellt. Ein gemeinsames Frühjahrsfest nach dem Aequinoktium für alle Religionen würde Juden, Christen : und Mohammedaner zu gegenseitigem Respekt vor wahrer 1 Verehrung des gemeinsamen Schöpfers ermutigen. Die Erfahrungen, fuhr Herr Cotsworth fort, die wir bei unseren Untersuchungen in 60 Ländern gemacht haben, haben uns davon überzeugt, daß in fast allen Ländern die Regierungen und andere Behörden, die wir befragt haben, der Ansicht sind, daß die orthodoxen Rabbiner dadurch, daß sie auf Einhaltung des Sabbats durch ihre Gläubigen in der Zeit vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenuntergang am Sonnabend be« stehen, immer größere Teile der fortschrittlichen Judenheit der Synagoge entfremden und daß durch das Festhalten an solchen Besonderheiten sowie durch die Weigerung der Rabbiner, der Tatsache, daß der Sabbat für den Menschen, nicht aber der Mensch für den Sabbat geschaffen wurde, Rechnung zu tragen, antijüdische Empfindungen bei der nichtjüdischen Bevölkerung ausgelöst werden. Im Alter« tum haben auch die Christen ursprünglich den Sabbat vom Sonnenuntergang1 am Freitag an gefeiert; später aber haben sie ihn mit Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Zeit auf Sonntag verlegt und zu Mitternacht beginnen lassen. Wir sind davon überzeugt, daß die Annahme des vor« geschlagenen kalendarischen Wochenruhetages allen Juden zum Wohle gereichen wird und daß auch der Blankotag den Juden größere Vorteile bringen wird als allen übrigen Völkern. Durch einen feststehenden Kalender würden die Juden viele Verluste, die sie durch das Nebeneinander« bestehen von fünf einander widersprechenden Zeitrech« nungen in den Balkanländern, der Türkei, Aegypten und anderen afrikanischen Ländern, sowie von 17 verschie* denen Kalendern in Indien zu erleiden haben, vermeiden. Weite Kreise der amerikanischen und eng* tischen Juden würden, wenn ihnen die Vorteile, die die Reform bringen würde, bekannt wären, die Opposition der Rabbiner nicht stützen. Die Behauptung, daß 'der 365. Tag (Jahrestag) nicht als Tag eines Monats oder einer Woche gerechnet werden soll, ist unrichtig. Er würde den 29. Tag des Monats und den 8. Tag der letzten Woche bilden. Es ist auch falsch, daß eine starke Minorität des Komitees der Handelskam« mern in den Vereinigten Staaten sich gegen jede Aende* rung des Kalenders ausgesprochen habe. In Wirklichkeit handelt es sich nur um die k 1 e i n e Minderheit von zwei Mitgliedern in dem 15 Mitglieder umfassenden Komitee.

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