Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 196 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sf ffe 6 DFB NEUE WELT Nr. m Pension ,Austria' Kinderheim Vöslau (OUOA KADftCH) Jlgcratayarfttraft« 1» - falte*«« Nr. f 41 Dauern und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. PäslagelHh einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. * Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - MBftlfje Preise von mir gehnndhabte System der Stadtverwaltung konstatierte." Dizengoff benützt seinen Aufenthalt in Europa, um für seine jüngste Schöpfung, das jüdische Museum in Tel-Awiw, Propaganda zu machen. Die Museumsräume selbst hat Dizengoff bekanntlich in seinem eigenen Tel-Awiwer Haus zur Verfügung gestellt. Die Materialsammlung (Bilder, Plastiken, historisch-künstlerische, ethnographische und folkloristische Gegenstände) ist im Gange. Komiteegründungen für diesen Zweck bestehen bereits in Paris und Rom, wo Dizengoff durch persönliches Wirken ihre Gründung in Szene setzte. In Wien selbst ist ein Museumskomitee im Entstehen begriffen. Dizengoff hat sich zu einer mehrwöchigen Kur nach Karlsbad begeben und wird auf »einer Rückreise Wien abermals besuchen, um für seine Museumspläne die nötigen Vorarbeiten fortzusetzen. Berichterstattung! •Das offizielle Organ der österreichi9ch*zionistischen Partei, „Die Stimme", hat den Wahlerfolg der von ihm bekämpften Revisionisten mit mehrspaltigen persönlichen Ausfällen und Beschimpfungen quittiert. Gegnern, die mit Argumenten aufwarten, zu entgegnen, ist Pflicht, und keine unangenehme. Menschen, die in ihrer Hilflosigkeit wild um sich herumschlagen, kratzen und spucken, läßt man besser links Hegen. Diesen Grundsatz'hat die „Neue Welt" befolgt, hat ihre Leser mit Erwiderungen wenig be* lästigt und es den österreichischen Zionisten überlassen, ihr Geld und ihren guten Ruf durch die Artikelverfasser der „Stimme" aufbrauchen zu lassen. Die „Neue Welt" hat sich darauf beschränkt, zu warnen. Auch diesmal sollen die Auslassungen des „offi* ziellen" Parteiorgans nicht erörtert werden. Nichts vom „guten Geschmack" der „Stimme". Nur etwas von ihrer Wahrheitsliebe. Der Herausgeber der „Neuen Welt", Ro* bert Stricker, hatte vor der Wahl einige polnische Städte' bereist und Versammlungen abgehalten. Eine auch in Warschau. Die „Stimme" berichtet aus Warschau: „Wie überall haben auch in Warschau die Revi* sionisten eine wüsteParteihetze vor den Kongreß* wählen begonnen und suchten durchTerror und Radau* mach er ei die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der für den Vorabend des Wahltages angesetzte Vor» trag Robert Strickers hat wenig inter«; e s s i e r t. Der Besuch war gering, da gleichzeitig auch Versammlungen aller anderen Gruppen abgehalten wurden. Der Presseempfang Strickers hat am wenig» sten Begeister ung i u e r wecken v e r* m o c h t." ' Die „Neue Welt" hat über diese Versammlung nichts berichtet. Jetzt sei einiges gesagt. Tatsache ist, daß von gegnerischer Seite Versammlungen einberufen *wur* den,. um Besucher von der Strickerschen Versammlung ab* zuhalten. Aber diese Versammlungen waren leer, die re* visionistische mit Stricker, in einem der größten Säle Warschaus und bei ziemlich hohen Eintrittspreisen, war übervoll. Der Saal mußte gesperrt werden. Tatsache ist, daß die Vertreter aller polnisch*jüdischen Tageszeitungen und Korrespondenzen Stricker aufsuchten und tags dar« auf in allen Zeitungen ausführliche Berichte über die Unterredung zu lesen waren. Zur Illustration sei der Be« rieht der polnisch»zionistischen Tageszeitung „Chw u I ah", welche antirevisionistisch' ist und Stricker oft und heftig bekämpft, also einwandfrei ist,: wörtlich wieder» gegeben: ' 1 „Durch eine Reihe von ' Jahren hat Grtinbauni gegen Weizmann gekämpft und dadurch den Boden für den Revisionismus vorbereitet. Noch, vor einem Jahr hat er zusammen mit Strickey sibh , als natürlicher Ver« bündeter Jabotinskys ausgegeben! Plötzlich kam ein Saltomortale. Das Abschwenken zu Weizmann yeru» sachte e\ne Spaltung der Radikalen, S tri c-k er ver» kündete seinen Anschluß an die Revisionisten und en* gagierte sich persönlich im Wahlkampf auf dem Gebiete Kongreßpolens. Sein Auftreten in Warschau war ein einzig großer Anklageakt gegen die Schaukel» Politik des „AI Hamischmar", Pie Versammlung im Saale des Konservatoriums versarrimelte riesige Volksmassen („tlumy publiczenosci"). unter weU chen auch viele, Anhänger Grünbaums waren. Ea ge* lang Stricker, die Opponenten zu erit* waffnen, welche sieb bemühten, ihn mit Zwischen» rufen zu bombardieren. Der große Effekt der Aus» führungen Strickers beruhte darauf,, ,daß er der Platt* form, treu bHeb, wekhe Grünbaum verlassen hatte." („Chwila" vom 12. Juni 1931.) * So sieht die Berichtersta^tqittg aus, mit weicher die offizielle „Stimme" ihren Lesern dient. Die, österreichische Parteileitung der Zionisten und alle, die hinter ihr stehen, haben wenig Anlaß, auf ihr Organ stolz zu sein. In Heiratsangelegenheiten wenden Sie sich mit Vertrauen an M. L Schlesinger, Wien, II., Gr. Mohrengaese 28/27 Seriös, diskret, Beziehungen zu den besten Kreisen. Logik der Tatsachen Dr. Osins Thon über den revisionistischen Sieg bei den Kongrefiwahlen in Polen Der Präsident des polnisch-jüdischen Parlamentsklubs und der westgalizisohen Zionistischen Organisation Dr. Osias Thon bespricht unter dem Titel «Logik der Tatsachen" im Krakauer Tagblatt „Nowy dziennik" die Ursachen und Wirkungen des Wahlsieges der Revisionisten in Kongreßpolen, welche die größte Stirmnenzahl erlangten. Dr. Thon stellt fest, daß gegen die Revisionisten mit Terror, Beschimpfungen und Verhöhnungen gekämpft wurde, mit „faschistischen" Methoden, von denselben Gruppen, welche auf die Revisionisten die Bezeichnung „Faschisten" anwenden. „Nicht der Faschismus hat gesiegt, sondern der Faschismus wurde besiegt," sagt Dr. Thon. Der Erfolg der Revisionisten hat nicht nur innerzionistische Bedeutung. Dieser Erfolg, schreibt Dr. Thon, ist auch eine Antwort an die niohtjüdisehe Außenwelt, an den Völkerbund, an die Kulturnationen. Diese Antwort lautet: „Wir Juden resignieren nicht, wir geben unser Recht nicht preis, trotz alledem!" Aius dem Erfolge der Zionistenrevisionisten ergibt sich die Konsequenz, die Revisionisten zur Regierung im Zionismus heranzuziehen. Jene, die glauben und Wiener Kinderheim in Lignano Villa „EMILIA" am Strande / Mückenfrei / Heilkräftigster Sandstrand / Standige ärztliche Aufsicht / Wiener Küche / Billigste Preise / Gemeinsame Ab- und Rückfahrt Erster rarnaa: 21. Mal 14 Tage Lignono bei Ueneüig 170 $ Schönst«? Urlaubtaufenthalf für Erwachsene Grand Hotel „D'irALIA", fließendes Wasser / Vier Mahlzeiten / Wiener Küche / Bahnfahrt, Strand und Abgaben inbegriffen / Gemeinsame Abreise alle 14 Tage ab St. IMal . Berta Taubes, I, Wollzeile 9 . Tel. R-22-1-66 Von 12 bis 5 Uhr segen, man müsse die Revisionisten isolieren, handeln gegen den Willen der zionistischen Organisation und verlangen Unmögliches. In Polen gibt der revisionistische Sieg die Antwort auf ungesunde Kompromißlerei. Wir alle, sagt Dr. Thon, glauben an den endgültigen Sieg unserer Sache. Aber wir halben uns vielleicht zu rasch und zu tief verbeugt, als die Völker unser Recht anerkannten. Die Revisionisten wollen diesem Glauben an die zionistische Sache den stärksten Ausdruck geben, und das ist gut umd notwendig. Auf die Person Jabotinskys übergehend, bemerkt Dr. Thon, daß er das Programm Jabotinskys nicht in allen seinen Teilen akzeptiert, daß er gewichtige Bedenken gegen gewisse Programmpunkte hegt, a<ber Jabotinsky ist zum Führer berufen. Nicht zum Alleinherrscher, denn Alleinherrschaft bedeutet ein Unglück für den Zionismus, aber zum Führer, der in der vordersten Reihe seinen Platz hat. Anklagen! Freundliche Haltung der Palästuia'Regievung Der Waad Leumi (Jüdische Nationalrat in Palästina) hat als gesetzlich anerkannte Repräsentanz der Judenheit Palästinas der Mandatskommißsion des Völkerbundes ei« Memorandum überreicht, das die Verwaltungspraxis und die politische Einstellung der Palästina-Regierung einer scharfen Kritik unterzieht. In dem Memorandum wird an der Hand von Tatsachen nachdrücklich auf die Zurücksetzung der palästinensischen Judenheit bei der Arbeit der Palästina-Verwaltung auf den Gebieten des Erziehungs- und des öffentlichen Gesundheitswesens sowie auf den ungenügenden Schutz der jüdischen Siedlungen hingewiesen. Nach einer Besprechung des Simpson-Berichtes und des Weißbuches wird die Feststellung gemacht, daß der Maodonald-Brief von der palästinensischen Judenheit nicht als befriedigende Interpretation des Weißbuches betrachtet wird. Das Memorandum gipfelt in der Forderung nach freier jüdischer Einwanderung. In der Einleitung zum Memorandum wird darüber Beschwerde geführt, daß die Politik der Palästina-, Regierung seit der Ueberreichung des letzten Memorandums des Waad Leumi ah die Mandatskommission im Jahre 1930 keine Aenderu ng erfahren hat. Schon damals sei betont worden, daß die Palästina- Regierung, weit entfernt davon, die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims zu fördern, häufig sogar Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft jene bürgerliche Gleichstellung verweigert hat, die natio-f nalen Minoritäten auch in den Ländern, in denen Deklarationen zugunsten der Errichtung eines Nationalheims nicht Bestandteil der offiziellen Landespölitik sind, garantiert ist. Schon damals sei auf die Benachteiligung der Juden bei der Verwendung der öffentlichen.Gelder, die Zurücksetzung der hebräischen Sprache im behördlichen Verkehr, die Maßnahmen zur Erschwerung von Naturalisierung und Einwanderung hingewiesen worden. Schließlich sei in jenem Memorandum auch die Haltung der Palästina- Regierung während der Unruhen im August 1929 und der tendenziöse Versuch des Berichtes der Shaw-Kommißjsdon, die Anstifter dieser Unruhen zu entlasten, als unvermeidliche Folge der von der »Palästina-Verwaltung gegenüber der Errichtung des Jüdischen Nationalheims Jahre hinduroh befolgten Oppositionspolitik gekennzeichnet worden. Im neuen Memorandum des Waad Leumi wird dem Immigratdonsdepartement der Palästina- Regierung der Vorwurf gemacht, auch im abgelaufenen Jahre nicht als Departement zur Ermutigung der Einwanderung, sondern zn ihrer Entmutigung fungiert zu haben. Jüdische Touristen, die mit ausreichenden Mitteln ins Land gekommen waren und sich nach Prüfung der Verhältnasse zur Niederlassung entschlossen hatten, begegneten bei der Erlangung der Aufenthaltsbewilligung großen Schwierigkeiten. Angehörigen freier Berufe, denen von lokalen Institutionen feste Engagementsanträge gemacht worden waren, wurde die Bewilligung, im Lande zu verbleiben, verweigert Der leitende Immigratiöusbeämte sei bei der Erteilung von Einwauderuugsbewilligungen und dauernden AufenthaltabewiUligiungen für Touristen völlig willkürlich vorgegangen. Mangelnder Schutz. — Die Juden entwaffnet Anschließend werden im Memorandum die Verhältnisse in der Verwaltung und im Sicher heitswesen Palästinas dargestellt und kritisiert. Nach den Unruhen im August 1929 war eine R eorganisation der palüstinensdschen Sicherheitspolizei in Aussicht gestellt worden, bei der die Zahl der britischen und jüdischen Mitglieder des Poläzeikorps vermehrt werden sollte. Eine Vermehrung des jüdischen Personals hat bis heute nicht s tat t g e f u n d e n» ■ »0; daß das VfA^eiikoxpS; auch heute noch, wie vor den Unruhen von 1929, hauptsächlich aus Arabern besteht, von denen viele nach dem Urteil britischer Richter ihre Pflicht nicht vollständig und loyal erfüllt haben. Das transjordanische Grenzkorps, das zum großen Teä aus palästinensischen Steuermitteln erhalten wird, ist ebenso judenrein wie früher. Die unmittelbar vor dem Ausbruch der Unruhen im Jahre 1929 aus den jüdischen Kolonien entfernten versiegelten Waffenlager wurden bis zum heutigen Tage nicht zurückgestellt. Vor kurzem wurden sie von der Polizei durch andere Lager ersetzt, die Schußwaffen enthalten, welche in jeder Hinsicht minderwertiger sind als die der arabisehen Marodeure und Mörder. Den jüdischen Siedlungen wird in der Tat das Recht der Selbstverteidigung verweigert. Andererseits haben .die palästinensischen Araber unbegrenzte Möglichkeiten, sich Waffen in großen Mengen zu verschaffen., In Trans jordanden und in Südpalästina geht ein uneingeschränkter Waffenhandel vor sich. Unter solchen Umständen erscheint das Gefühl der Unsicherheit unter den Juden Palästinas erklärlich und gerechtfertigt. Wirtschaftliche Folgen der politischen Unsicherheit. Während die , palästinensische Judenheit <fie wirtschaftlichen Folgen der Unruhen des Jahres 1929 und des nachfolgenden arabischen Boykotts dank den Hilfsmaßnahmen und dem Wiederaufbarawerk des Welt judentums vollständig überwinden konnte, haben der S'haw-Bericht und die Erklärungen der englischen Regierungsvertreter vor der Mandatskommission, in, denen sie sich mit den Ansichten der Majorität der Shaw-Kommission identifizierten, im Verein mit der Suspendier ung der jüdischen Airbeitereinwandeirung das Vertrauen der Juden zur Politik der englischen Regierung ernsthaft erschüttert. Die politischen Enttäuschungen und die Unsicherheit bezüglich der künftigen politischen Entwicklung haben sich auf das Einströmen ne>uen Kapitals und auf die wirtschaftliche Lage im allgemeinen überaus ungünstig ausgewirkt Die ersten Anzeichen wirtschaftlicher Schwierigkeiten traten im Mai 1930, unmittelbar nach der Einstellung der jüdischen Einwanderung, auf. Der Macdonald-Brief — ein Schwindel Eingehend beschäftigt sich das Memorandum mit dem Briefe Maedonalds an Weizmann. Dieser Brief ist von Weizmann und seinen Freunden ate Sieg hingestellt worden. Die palästinensische judeneohaft