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Die neue Welt · 1931-06-19 · Heft 196 (19.6.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 196 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1% DIE NEUE WELT Seite 5 waren darunter. Das ließ die deutsche Tennisschläger» fabrik Hammer nicht ruhen, die ihren Vertreter beauf« tragte, den Rot*Weiß*Meister für den Stall Hammer ein* zufangen. Als man sich nicht einigen konnte, da Prenn wirklich die Absicht hatte, die Vertretung der Firma ar* beitend — und nicht nur mit dem Schläger in der Hand — zu übernehmen, unternahm Hammer jenen vorbereiteten FeWzug gegen Prenn, der, wie aus den Akten des Pro* zesses Hammer»Prenn ersichtlich, das süddeutsche Haus Hammer in keinem sympathischen Licht erscheinen läßt. Der Tennismetster, der eine Behauptung, „er habe für Schlägerspielen ein paar tausend Mark verlangt", als er* logen bezeichnete, mußte wegen Beleidigung formal vor Gericht bestraft werden, weil der Eid eines Angestellten der Firma Hammer es nicht anders zuließ. Ein Disziplinar* gericht des Tennisbundes hatte längst Prenn im Punkte Amateurfrage glatt freigesprochen und ihm einen Verweis erteilt. Im Laufe der Berufungsmonate hatte aber ein wahres Kesseltreiben eingesetzt, das von einigen Pro* vinzen und einem Teil des Bundesvorstandes ausging. Man wollte Prenn, den Halb*Ausländer, den erfolgreichen *,R assefremden" (Daniel Prenn wurde als Kind po!nisch*jüdischer Eltern geboren und ist dem Judentum treu geblieben. Anm. der Red. der J. T. A.), sportlich unschädlich machen. Und das Unglaubliche geschah. Ohne den Entscheid der letzten Instanz abzuwarten, wurde Prenn durch einen Ukas des Bundespräsidenten Dr. W e* her (Hamburg) plötzlichvom internationalen Tennis ausgeschlossen. Man wartete Tage, Wochen, Monate darauf, daß die Vorwürfe gegen den Tennismeister vor einem Disziplinargericht abgehandelt werden. Ergebnis! So soll nun alles vor die Hunde gehen: das deutsche Tennisansehen, die bürgerliche Ehre eines guten Sportmannes, der Wert deutscher Ländermann* schaften. Prenn hat, fährt das „Berliner Tageblatt" fort, ge* tan, was mit Wissen der Tennis verbände und Verantwortlichen aller Länder Champions vor ihm und nach ihm taten. Warum soll gerade hier ein einzelner für ein System leiden, das die hohen Herren sonst gerne gestatten? Gut genug war Prenn, um glänzende Davis* Pokal»Siege zu erringen, dem Schatzmeister des Bundes .Zehntausende zu verdienen und den Ruhm des deutschen Tennis zu stärken. Bei den Cochets, Froitz* heims, Cilly Aussems, Wills und Morpurgos wagte man nicht, nach den Dingen des Edelamateurismus zu fragen, nur Prenn soll endgültig zu Fall kommen. Jabotinsky und Soskin übet» Palä§finafragen 'A'üs Genf wird uns 'geschrieben: Aus Anlaß der am 9. d. M. (begonnenen 20. Tagung der Ständigen Mandate-Kommission des Völkerbundes fand hier am 8. d. M. ein Empfang der internationalen . Presse durch die Herren Wl. Jabotinsky und Dr. S. E. Soskin 6tatt. Es war das erstemal, daß berufene Vertreter des Zionismus sdcli in Genf an die interna t io na 1 e,P r ess e wandten, um sie über die Lage des Zionismus zu unterrichten. Die offizielle zionistische Vertretung hat es nicht für erforderlich gehalten, öffentlich die Presse über die Lage im Zionismus auf dem laufenden zu erhalten, sondern zog die Methode' der privaten persönlichen „Bearbeitung" der einzelnen Pressevertreter vor. Wl. Jabotinsky wies auf die ernste Gefahr für den Zionismus durch den Ma c D o n a 1 d's c h e n Brief an Dr. Weiizmann hin, der zu den schon bestehenden Interpr^tationien des Mandats eine neue, noch viel folgens<?h'wer«re, hinzufügt. Waren schon die Weißbücher, von J922 und 1930 darauf gerichtet, die jüdischen Ansprüche auf Palästina zu annullieren, so ist der MecDonaWeche Brief, der dem Passfieldschen Weißbuch den Charaki»r als „dominierendes Dokument" bestätigt, durch seine konziliante Form besonders gefährlich. Aber geradezu verhängnisvoll wird dieses Dokument für unsere Sache durch die Aufstellung einer .gänzHch neuen Maxime für die Durchführung des Mandats: der Bedingung, daß jeder den Zionismus fördernden Maßnahme eine Verständigung mit den Arabern vorausgehen müsse. Diese Forderung ist mit einer Ermunterung der Araber, bei jeder GeJegeaheat ihr Veto einzulegen, gleichbedeutend. Es gibt keinen Zionisten, der nicht eine Verständigung mit den Arabern wünscht. Diese kann aber nur auf der Basis der arabischen Anerkennung des Mandats erfolgen, Wa6 aber noch schBmmer ist — die englische Verwaltung setzt sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln'; ein er Verständigung der Juden mit den Arabern entgegen. Der Vorfall, der durch das Eingreifen des Zaviteekretärs der Palästina-Regier rung, Mr. Yojwjg, verhinderten Zusammenkunft Doktor WeizmaiMW* mit dem Emir Abdallah, beweise dies deutr lieh. Die Administration, die angeblieh für die Sicherheit des Landes besorgit sein will, fördert den religiösen Fanatismus dadurch, daß sie es sich zum Ziele setfft, au* Jerusalem zum erstenmal in der Gens ob lichte des. Islam eine islamische heilige Stätte zu machen: mit ihrer Sanktion, ja auf ihre Anregung hin, wurde der indische mohammedanische Führer Mohammed Ali in Jerusalem feierlich bestattet und $uch der Ex-König von Hedechas, Hussein, fand seine, lejtote Jluhestätte ebenfalls in Jerusalem. Bs geht ,au6 diesen Schritten klar hervor, daß England sich anschickt, in Palästina einen panarabiechen, ja panislamiechen Brandherd zu schaffen, dessen Einfluß, mit demjenigen der Sowjetpropaganda rivalisierend, bald alle Kolonialmächte bedrohen werde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der kommende Zidnieten-Kongreß fast einstimmig den Brief MacDonalds als eine Basis der Kooperation zwischen dem Zionismus und der Mandatsregierung ablehnen wird. Zwischen dem gegenwärtigen britischen Kabinett und dem Zionismus besteht jetzt eine Spannung wie noch nie zuvor. Jabotinsky schloß mit dem Hinweis darauf, daß große Massen des jüdischen Volkes gegenwärtig ökonomisch und moralisch derart leiden, daß für sie keine andere Hoffnung der Erleichterung existiert, a-ls die zionistische Lösung — die Repatriierung in Palästina. Die euglische Regierung hat durch die Uebernahme des Mandats sich verpflichtet, alle Maßnahmen zu treffen, um die Einwanderung nach Palästina zu erleichtern. Diese Verpflichtung kann nicht durch „Ersatzmittel" erfüllt werden, wie etwa daß „geistige Z e n t r u >m", welches die jüdischen Massen in den Ländern des aggressiven Antisemitismus du einer Verzweiflung ohne Hoffnung auf Erlös u ai g belassen würde. * Dr. Soskdn wies einleitend darauf hin, daß die Mandats-Kommdssion in ihrer außerordentlichen Tagung vom Juni vorigen Jahres sich in der Hauptsache mit den politischen und administrativen Fragen des Mandutsge- Blut«, Haut« und Nervenkranke erreichen durch den Gebrauch des natürlichen „Franz« Josef'SBitterwassers geordnete Verdauungsverhältnisse. In Apotheken erhältlich. bietes Palästina beschäftigt habe, während sie die ökonomischen Fragen bis zum Erscheinen des Simpson-Bericht6 zurückgestellt hat, da ihr von Doktor Shiels ausdrücklich versprochen wurde, daß ihr Gelegenheit gegeben werde, zum Bericht Simpsons Stellung zu nehmen, und dies, wie es dem Protokoll dieser Tagung zu entnehmen ist, noch bevor die englische Regierung entscheidende Maßnahmen in der Verwaltung Palästinas trifft. Wie bekannt, hat aber die Mandatarmacht unverzüglich, noch bevor die Mandate-Kommission die Möglichkeit hatte, sich zum Simpson-Bericht zu äußern, das Weißbuch vom Oktober 1 930 herausgegeben. Zweifelsohne werde nun die Mandate-Kommission sich ausführlich mit dem Simpson-Bericht beschäftigen. Es sei daher von Belang, diesen Bericht sich etwas näher anzusehen. Dr. Soskin faßte die wichtigsten Fehler dieses Berichtes in folgenden vier Punkten zusammen: 1. Simpson bezeichnet alle nicht angebauten Flächen als unkultivier bar; 2. er zieht nicht den Einfluß der jüdischen Arbeit (ebensowenig wie denjenigen der Wissenschaft und Technik) auf die Entwicklung des Landes an Betracht; 3. er unterläßt es völlig, Trans Jordanien in das Bereich des Kolonisationsplanes zu ziehen, einen Landesteil, der ökonomisch von Palästina untrennbar ist und große Kolonisationsmöglicbkedten bietet; 4. er weiß anscheinend nichts von der Existenz des Mandats und den daraus folgenden Obliegenheiten. Simpson spricht zwar von intensiver Die Lese* und Redehaiie jüdischer Hochschüler gratuliert herzl. ihrem A. H. Dr. ehem. 0SIAS KOHLBERG dzt. am S. Canings Childs Spital u. Forschungsinstitut anläßlich seiner Sponsion zum Magister der Pharmazie Wien, Juni 1931 Landwirtschaft, führte Dr. Soskin weiter aus, aber er spricht nur oben davon: Er beachtet weder ihre Wirkung, noch die aller anderen Maßnahmen, die einer schnellen Entwicklung des Landes dienen sollen, und gelangt so zum Ergebnis, daß nach vielen Jahren der von ihm empfohlenen „Entwicklung" das Land in der Lage sein wird, etwa 20.000 Familien, d. i. etwa 100.000 Menschen, als ländliche Siedler aufzunehmen. Wir dagegen, schloß Dr. Soskin, sehen die durch glaubhafte Berechnungen begründete Möglichkeit der Ansiedlung von mehr als 200.000 Familien auf dem Lande, d. h. von mehr als 1 Million Menschen, wenn alle die erforderlichen Maßnahmen der Landerschließung, in erster Linie Bewässerung, u nd die erforderlichen gesetzlichen Grundlagen, insbesondere eine entsprechende Agrargesetzgebung, in schneller Aufeinanderfolge durchgeführt werden. Darum sind wir auch gegen einen Anleiheplan, der nur der arabischen Bevölkerung förderlich sein könne. Dagegen fordern war eine Anleihe, die so groß sein muß, daß sie in erster Linie, dem Sinn des Mandats entsprechend, eine Massensiedlung der jüdischen Einwanderer ermöglicht und daneben auch die Ansiedlung der wenigen etwa landlosen Araber gestattet. Den anwesenden Journalisten wurden kurze Exposes mit den Referaten der beiden Berichterstatter zur Verfügung gestellt. Diese Exposes wurden auch den Mitgliedern der jetzt zur Tagung versammelten Mandats-Kommission geschickt. * Das Ergebnis der Wahlen zum Zionisien-Kongreß in der Schweiz In der Schweiz kandidierten zum 17. Kongreß S. Kaplans ky für die Linke, Dr. Marcus Cohn (Misrachist) für die vereinigten Allgemeinen und Misrachisten (die Vereinigung erfolgte in allerletzter Stunde zur Abwehr der revisionistischen „Gefahr"!) und Dr. S. E. Soskin für die Revisionisten. Es erhiedten: die Linke 107 Stimmen, die vereinigten Allg. und Misrachi 568 und die Revisionisten 483. Gewählt wurde der „vereinigte" Dr. Cohn. Bei den Wahlen zum 16. Kongreß erhielten die nunmehr gegen den Revisionisten vereinigten, damals feindlichen Gruppen zusammen etwa 680, die Linke etwa 20, die Revisionisten 43 Stimmen. Der Zuwachs für die Revisionisten in der Schweiz beträgt daher 440 Stämmen. Meir Dizengoff in Wien Oespradi mit dem Bürgernieaster von TeKAwiw — TehAwnv als jüdisches Zentrum Die Pariser Kolomalausstellung — Politische Fragen — Das werdende Kunstmuseum Die Persönlichkeit Meir Dizengoffs, des Bürgermeisters von Tel-Awiw, ist erst kürzlich wieder anläßlich seines 70. Geburtstages im Mittelpunkt des Interesses und der Freude gestanden. Die Wärme, mit welcher ihm die gesamte jüdische Welt für seine große Tat, die Schöpfung der einzigartigen jüdischen Stadt, Tel-Awiw, dankte, war ein Zeugnis für die Popularität des Bürgermeisters und Führers Dizengoff. Seine letzte Arbeit war die Vorbereitung des Palästina-Pavillons auf der Internationalen Koloriialaussfellung in Paris, der kürzlich feierlich eröffnet wurde. Während der wenigen Stünden, die Dizengoff auf der Durchreise von Paris nach Karlsbad als Gast seines alten zionistischen Freundes Johann K r e in e ti e z k y in Wien weilte, hatten wir Gelegenheit, Dizengoff in seinem vollen Schaffenstemperament zu sehen und zu sprechen. Dizengoff erzählte naturgemäß von " seinem Scbmerzens- und Herzenskind Tel-Awiw, dessen gegenwärtige wirtschaftliche Lage er als durchaus' befriedigend bezeichnete/ „Es wird weitergeschaffen, weitergearbeitet. Die seinerzeitigen Anleihen für die Stadt, sind im großen und ganzen getilgt, Tel-Awiw als Stadt der jüdischen Produktion geht unbeirrt seinen Vf&g und man kann ohne Uebertreibung sagen, daß es das Leipzig und Manchester des Nahen Orients werden will. Als Verlags- und B uch p r od u k ti ons zen t rum nimmt es heute schon den ersten Rang ein, ejne jährlich sich wiederholende Mustermesse, deren erste sich bei der Makkabiade zu Pessach 1932 auf tun soll, wird gewiß für die Manufaktur und Industrie der bereits rund 50,000 Einwohner zählenden Stadt ein Zentralpunkt werden, der die bereits bestehenden Handelsbeziehungen mit Europa und den orientalischen Ländern auszubauen befähigt ist." Auf die Frage, wie sich die Geschäftsführung der Linken, die ihn zum Rücktritt bewogen und zu zweijährigem Beiseitestehen veranlaßt©, ausgewirkt habe, erwiderte Dizengoff: „Tel-Awiw geriet in eine . ernste Krise. Es wurden teils überstürzt, teils an und für sich unzweckmäßig Anleihen gemacht, Unternehmungen gegründet und Investitionen vorgenommen, die, bisweilen unter dem Aspekt von Parteiinteressen getätigt, die Lage ungünstig beeinflussen mußten. Als ich wieder das Bürgermeisteramt antrat, widmete ich mich zunächst der Sanierung der Finanzen und konnte sie in kurzer Zeit zu einem gedeihlichen Ende führen." Dizengoff sagte weitere: „Ich komme aus Paris, wo ich bei der Eröffnung unseres Palästina-Pavillons durch den Senator Justin Godard anwesend war. Es war ein unvergeßliches Erlebnis. Der greise Baron Rothschild, die Ansprache des französischen Innenministers, der seinen Respekt vor unserer und Rothschilds .Leistung in. Erez Jerael ausdrückte, gab dier Feier das Gepräge. Wir hatten das Gefühl, daß wir überall in der Welt, wo unser. Werk bekannt ist, Freunde haben, und mir persöplich drängte sich wieder einmal der Gedanke auf, daß wir in unserer politischen Orientier u n g bis he r etwas zu einseitig waren. In Genf, als der Stätte des Völkerbundes, müßte die Sache des jüdischen Nationalheims vor a II en Völkern vertreten werden. Das sollte meiner Ansicht nach der Kongreß entsprechend in Erwägung ziehen. Von nicht minderer Wichtigkeit erscheint mir ein radikaler Wechsel der Führung in dem Sinne, daß die bisherigen Leiter der Geschäfte in de<n Hintergrund treten und neuen, jungen Menschen den Vortritt überlassen. Von großem Vorteil könnte eine Teilung der Machtbefugnisse sein, so daß vor allem eine völlige Trennung von politischer und ökonomischer Führung bewirkt wäre. Ich glaube übrigens, daß jeder Politiker die Pflicht hat, der jeweiligen Konstellation Rechnung zu tragen. Wenn ein System keinen Erfolg zeitigt, so muß dessen Träger daraus die Konsequenzen ziehen und auTÜcktreten. Ich bin sogar seinerzeit aus meinem Amt als Bürgermeister geschieden, schon als ich .Widerstände ernster Natur gegen das i

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