Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 196 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 196 DIE NEUE WELT Seite 3 URLAUB? Kamera nicht vergessen! Ein Blick in das Album eines guten Bekannten genügt und Sie denken beim Packen Ihres Reisegepäcks zunächst an die Kamera und dann erst an die anderen Sachen Die VOIGTLÄNDER-BESSA, die automatische und billige 6X9 Schnellkamera wäre für Sie das richtige Modell. Jeder kann damit gleich photographieren, weil man durch die praktische Dreipunkteinstellung (man stellt einfach auf Landschaft-Gruppe-Porträt) automatisch scharfe Bilder erhält Oeffnen, einstellen und knipsen, alles ist so kinderleicht, daß es jeder kann Die „Bessa" erhalten Sie in jeder Photohandlung Der I6seltige illustrierte Bessa-Prospekt unterrichtet Sie genau über die Vorzüge dieser Kamera. Ver laugen Sie diesen kostenlos von Schering-Kahlbaum A. O. Repr. Wien VI, Webg.2a, Abt.30 Die revisionistischen Mandate Verteilung nach Ländern Aegypten........... 1 Amerika ........... 2 Belgien............ J Bulgarien........... 2 China............ 1 Tschechoslowakei ....... 2 Deutschland . : . ,....., 1 England........, . . 1 Frankreich .......... 1 Lettland........... 2 Litauen ........... 2 Oesterreich.......... 2 Palästina ........... 7 Polen ............ 16 .Südafrika ........... 2 Tunis............ 1 Vorläufiges Totale 44 Die Resultate von Rumänien, Bessarabicn, Sieben« bürgen und Australien sind noch ausständig. Die Rest* stimmen für die WeltsWahlliste dürften weitere fünf bi3 sechs revisionistische Mandate bringen. Da§ Attentat gegen jüdische Bodenkäufer Wie die „regierungstreuen" Zionisten über die neue Verordnung urteilen Um ein Auwachsen der zionistischen Opposition hintanzuhalten, hat man den Zionistenkongreß verschoben, vom Februar auf den Juli. Erst sagte man, es müsse in Amerika Geld gesammelt werden. Man hat aber kein Geld gesammelt Dann erklärte man, es müssen vor dem Kongreß wichtige Verhandlungen mit der englischen Regierung geführt und zum Abschluß gebracht werden. Man hat zu diesem Zweck eine politische Kommission eingesetzt und hat es den Zionisten-Revisionisten sehr verargt, daß sie das Gerede von Verhandlungen als Komödie bezeichneten und die Kommission nicht beschickten, weil sie dem Antizionisien MaoDonald bei seinem Bestrehen, die ganze Welt zu täuschen, keine Dienste leisten wollten. Richtig hat auch die englische Regierung die Verhandlungen resultatlos abgebrochen. MacDonald schrieb einen liebenswürdigen Brief an Weizmann and duldete gleichzeitig die Herausgabe von Verordnungen, welche jede Möglichkeit jüdischer K o 1 o n i s a t io ns a r b e i t in Palästina aus der Welt schaffen. Zuerst die Einwanderungssperre, jetzt die Verordnung über Bodenkauf und den Schutz der arabischen Pächter. Um die Stimmung bei der Wahl nicht zu verderben, hat die offizielle zionistische Presse die Verordnung totgeschwiegen oder gar gelobt. Jetzt, nach den Wahlen, öffnet sie ihr Herz. Jetzt klagt sie über Verrat, über den heuchlerischen MacDonald-Brief, tuit das, was man der revisionistischen Opposition vor einer Woche als Sünde angekreidet hat, sagt die Wahrheit, die bittere, traurige Wahrheit. Die regierungstreue palästinensische Arbeiterzeitung „Davar" stellt fest, daß ein neues Verbrechen am jüdischen Volke verübt wurde, und zwar von „ihrer" vielgeliebten Londoner Arbeiterregierung, von ihrem vielgeliebten Genossen MacDonald. * Jernsalem, 10. Juni. „Davar" diskutiert im Leitartikel vom 4. Juni die Verordnung zum Schutze der Pächter, die die Regierung diese Woche in einer besonderen Nummer der „Official Gazette" veröffentlicht hat, und die sofort in Kraft getreten ist. Seit den Tagen Simpsons und des Weißbuches hat sich die Regierung bemüht, eine Mauer von Gesetzengegen die jüdische Kolonisation zu errichten. Verschiedene Gesetzentwürfe machten ihren Weg von Jerusalem nach London und endeten schließlich in den Akten. Die vorliegende Verordnung, Jüdische Bauern Von meiner PalästinaxReise Von Tunkeier Habe das Land Palästina von einem Ende zum an» dem durchreist, in der Länge und in der Breite, von Dan — wie man sagt — bis Berscheba: von Transjorda* nien bis zum Mittelmeer; von Jehuda bis Saron; von Saron bis zum Ephraimgebirge; von Obergaliläa bis Unter« galiläa; hinauf bis an die Grenze Syriens. War in den Kolonien, sah alle Siedlungen, Kwuzoth, Wirtschaften, Berge und Täler, alte, festgewurzelte Kolo* nien und auch die neuen frisch vom Zapfen, Getreide» anlagen, Viehzüchterei, Weingärten, wo man allein arbeitet und wo man mit Arabern arbeitet, und wo man mit jüdi* sehen Arbeitern arbeitet und wo jüdische Arbeiter für sich allein arbeiten; Unternehmerkolonien, Kooperative und Kollektive, wo man allein speist und wo man zu» sammen aus einem Topf speist. Kolonien, die sich selbst erhalten, und Kolonien, die „auf Kost" sind. Ich habe chassidische Kolonien gesehen (B'ne Ba* rak), wo man einen Kolonisten sieht, einen schlafe» gelockten JarmulkeJuden, barfüßig und mit Schaufäden, die wie ein Segeltuch im Wind flattern; einen Kolonisten mit einem „Sohar" in der Tasche und mit einem „Chok die dasselbe zum Ziel hat unter der Maske von Humanität und Fortschritt, hatte mehr Glück und wurde in großer Eile und mit Hilfe einer außergewöhnlichen Prozedur herausgebracht. Sie überläßt alles dem Gutdünken des High Commissioners. in Wirklichkeit also der Bodendiktatur der PalävStina- Administration. Er kann jeden Land verkauf verbieten „n ach seinem Gutdünke n". Es genügt, sich auf einem Stück Land zwei Jahre niederzulassen, sei es im Einvernehmen mit dem Eigentümer oder sonstwie — wie das bei der Art des Verfahrens unserer Regierung möglich i*t — um das Recht zu haben, für das ganze Leben „eingeordnet" zu sein. Denn man kann solch ein Land nicht veräußern, s olange die Palästina-Regierung sich nicht davon überzeugt hat, daß der Pächter eine mindestens ebenso gesicherte Existenz hat, wie er sie vordem hatte. Und dasselbe gilt für den, der — gleich, unter welchen Bedingungen — Bäume gefällt oder Gras abgeweidet hat. Als im Parlament über die neue Verfügung Fragen gestellt wurden, antwortete Doktor Shiels unschuldig, daß sie in Uebercinstimmung mit einer gewissen Stelle im MacDonald- 13 rief erlassen wurde. Es scheint ulso vom Mac Donald-Brief nur der eine fatale Satz übriggelassen worden zu sein über die absolute Berechtigung des High-Commissioners — bis zur Einrichtung einer zentralen Ueberwachung — „alle notwendigen Maßregeln zum Schutze der Pächter zu ergreifen". Bei der heutigen Palästina-Regierung bedeutet das das Aufhören jedweden Bodenerwerbes durch die Juden. Und das ist in der Tat alles, was vom Macdonald-Brief übriggeblieben ist. Dos bedeutet ferner, daß der Pächter weder in sozialer, noch in ökonomischer Hinsicht vorwärtskommen kann, und daß die palästinensische Landwirtschaft für immer unentwickelt zurückbleiben muß. Der am 8. Jaini veröffentlichte Bericht der Klageima/uer-Koornmission enthält eine genaue Beschreibung der Kkigemauer und ihrer Umgebung sowie einen geschichtlichen Ueberblick, in deim nachgewiesen wird, daß die Juden von den ällftesten Zeiten an an den Ueberresten des Tempels Gebete zu verrichten pflegten. Nach einer ausführlichen Darstellung der vor der Kommission von jüdischer und arabischer Seite vorgebrachten Ansprüche bezüglich der KlagemaTier werden die Ansichten •und SchJüsse folgendermaßen':* kiurfc zusammengefaß-t: ' Den Moslems steht das alleinige Eigentumsrecht auf die Wesimaaier (Klagemauer) zu. Eigentum der Moslems ist a/uch der gepflasterte Platz vor der Mauer •und das einschließende sogenannte Mogihraibi (marokkanische) Viertel, Aus der den Juden aiuif Gnund des vorliegenden Verdikts oder eines eventuellen Abkommens zwischen den Parteien zustehenden Berechtigung zur Aufstellung von Kultgeräten oder anderen Gegenständen an der Manier darf keinesfalls irgendein Eigentumsrediit an der Mauer oder an dem angrenzenden Platz abgeleitet werden. Andererseits sollen die Mohammedaner verpflichtet sein, innerhalb des an die Mauer angrenzenden Gebietes keine Gebäude z>u errichten oder zu demolieren oder Reparaturen an solchen Gebäuden in solcher Weise vorzunehmen, daß sich diese Arbeiten auf den Platz vor der Klagemauer erstrecken, den Zugang der Juden zur Mauer hindern oder die Juden fifö ^, Nur diese B mg %4iAJijßlLd& Schwedenklinge MM %J&WWW*jr^ macht Rasieren §^4* (r zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke TJisrael" in der Brusttasche; und auch solche (in Na« balal) mit Bialik und Achad Haam in der Westentasche; und auch solche (in Daganja) mit Marx und Lenin hinter dem Gürtel; und auch solche, die bei sich Achad Haam und Marx (in Kfar Jecheskei), den „Sohar" und Otto Bauer (in Kwuzoth*Brenner), Bibel und Lenin (in En Charoth) tragen, und auch solche, die alles zusammen bei sich tragen. Und sie tun alle höchst sonderbare Dinge — sie bearbeiten den Boden, trocknen Sümpfe, graben Kanäle, pflanzen Bäume und bauen ein Land. Ob mir das ge* fällt? Ich weiß nicht. Ich bin kein Fachmann in Sachen wie ein Land bauen. Ich habe noch niemals gesehen, wie man ein Land zu bauen beginnt. Ich habe noch nicht ein« mal gesehen, wie man eine Stadt von aller Anfang an zu bauen beginnt. Möglicherweise gut, möglicherweise schlecht. Wenn Gott will und es sit fertigt, dann werden wir sehen. Inzwischen interessiert es mich sehr, aber schon sehr. .r * Man kann nicht behaupten, ich sei ein großer Fach» mann in Kolonisation und Landarbeit. Bei mir könnt ihr's haben, wenn ihr mir's einredet, daß ich ein mit Kraut be* .wachsenes Feld für Johannisbrot halte und daß Linsen auf Birnbäumen wachsen. Aber etwas sonderbar und merk* würdig ist die ganze Geschichte. Es ist nicht der geringste soziale Fortschritt oder auch nur eine Spur von wahrem Schutz für die Pächter in dieser Verfügung enthalten. während des Betens vor der Mauer stören, wem dies irgendwie vermieden werden kann. Die Juden sollen jedenzeit zu Andachtsizwecken freien Zugang iziw Mauer unter folgenden Bedingungen besitzen: Die von der Palästina-Verwaltung Ende September 1929 erlassenen zeitweiligen Verordnungen bezüglich „gottesdienstlicher Geräte" werden in definitive Verordmiungen uimgewandeslt und n<ur insofern modifiziert, a>ls es zulässig sein i soll, vor der Mauer einen die Thorärollen enthaltenen Thorasehrein, einen Tisch, auf dem der Schreiin stöht, und eim Pult, aiuf das die Thorarolle bei der Vorlesung gelegt ward, aufzustellen, jedoch nur anläßlich außerordentlicher Fasttage oder öffentlicher Gebete, am Neujahrstag und am Versöhnungstag sowie an am deren Feiertagen, au denen nach Ansicht der Regierung herkömimlicheriweise der die Tihorarollen ' enthaltende Schrein zur Mauer gebracht wird. Außer den in den Antikelm dieses Verdikts angeführten Gegenständen dürfen k e i n e r 1 e d Kultgeräte bei der Klageanauer aufgestellt werden. Einzelne Juden sollen nicht daran gebindert werden, Handbücher oder andere bei besonderen GeAeigeiibeiten benutzte Gegenstände mitzubringen. Das zeitweilig erlassene Verbot, Bänke, Teppiche oder Matten, Stühle, Vorhänge .und Wandschirme zur Mauer zu bringen, sowie Tdere zu bestimmten Stunden über den Platz vor der Kilaigeonauer zii treiben, wird zu einem dauernden Verbot gemacht. Es wird verboten, irgendein Zelt oder einen Vorgang oder einen ähnlichen Gegenstand zur Mauer zum Zwecke der Aufstellumg zu bringen. Den Juden wird es nicht erlaubt sein, Schofar vor der Mauer zu blasen oder irgendeine venmeidbare Störung für die Moslems zu verursachen. Im Hinblick auf Es ist seltsam anzusehen, wie ein alter Jude, kein bös Auge, der nach aller Vernunft mit einem anständigen Hütchen in Cafehaus sitzen und über Provisionsgeschäfte sitzen sollte, bloßfüßig dasteht, in Leinenhosen, mit einer Sense in der Hand, und Heu schneidet. Es ist seltsam zu sehen, wie sich auf der Spitze der wundersamen Bergketten, die von Gold und Violett über« gössen sind* die Silhouette eines Juden aus Bobrisk, So« chaczbw, Kolomea und Kojdenow abzeichnet; wie er das Ackereisen in den Boden stößt und die Schollen aufreißt. Und diesen Juden, den ich mit dem Stöckchen hoch oben in den Nalewki zu sehen' gewöhnt bin mit dem Sprüchlein: „Haben Sie was zum wechseln?'" oder im Hintergrund eines Heringladens oder beim Drillen mit kleinen Chederjungen —- ihn zu sehen dort oben auf dem Berg Karmel, wie er sein eigenes Haus bautl Und diesen Juden mit dem Gesicht eines Philosophie*Doktors oder Professors, wie er dasteht und eine Henne abfühlt, ob sie ein Ei hat.-., Schönes Geschäft! Mit einem solchen Mem sehen ist nicht zu reden. Ich will mit ihm ein Gespräch anfangen über Farbstein*Grünbaum*Politik, über Aguda« Wahlen, über Politik überhaupt, und er —? glotzt in den Himmel. „Was glaubt ihr? Wird's Regen geben? Ich muß nämlich morgen Heu mähen!" Na, und wie empfängt ep dich, der jüdische Kolo» Der Spruch in der Kla«jemauer*Frage Kultische Bestimmungen für luden und Araber