Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 195 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 195 DIE NEUE WELT * Seite r ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich S-Uhr-Tee SEMMERING H#K£r JtBIS?»43 Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kallwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 haben eine Konferenz einberufen, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen, durch die das Gesetz vor dem Obersten Gerichtshof des Staates Michigan zu Fall gebracht werden soll. An den Gouverneur wurde der dringende Appell gerichtet, sein Veto gegen das Gesetz einzulegen. Allerdings besteht wenigHoffnung, daß der Gouverneur diesem Appell Folge leisten wird. Detroit, 31. Mai. (J. T. A.) Gouverneur Bruckor hat das vom Parlament von Michigan beschlossene Gesetz zur Zwangsregistrierung der Auslander sanktioniert. Die Opposition beabsichtigt, eine gerichtliche Verfügung zu erwirken, durch die die Verfassungswidrigkeit des Gesetzes dargetan und den Verwaltungsbehörden untersagt wird, das Gesetz in Kraft treten zu lassen. Einige patriotische Organisationen, die im Hinblick darauf, daß über 20 andere Staaten ähnliche Gesetze erlassen wallen, an der Schaffung eines Präzedenzfalles interessiert sind, haben darauf bestanden, daß der Gouverneur ungeachtet des beim Bundesgericht anhängigen Rechtsstreites das Gesetz unterzeichne. Der Evangelische Bund für das Hakenkreuz. Berlin, 6. Juni. (J. T. A.) Da« offizielle Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes (Nachrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsblätter) und die vom Evangelischen Bund herausgegebene „Deutsch- Evangelische Korrespondenz" verbreitet eine Erklärung des Landesbischofs von Mecklenburg- Schwerin, Dr. Rendtorff, die dieser auf zahlreiche Anfragen nach der Stellung der evangelischen Kirche zur nationalsozialistischen Bewegung in der „Mecklenburgischen Zeitung" veröffentlicht hat. Der Evangelische Bund bezeichnet diese Erklärung, die ein klares Bekenntnis zum Nationalsozialismus enthält, als eine „geradezu vorbildliche" Klärung der Frage des Verhältnisses der evangelischen Kirche zum Nationalsozialismus. Die Erklärung des Landesibischafs Dr. Rendtorff lautet u.a.: „Viele Glieder der evangelischen Kirche leben heute mit ihrem ganzen Denken und Fühlen in der nationalsozialistischen Bewegung. Dieevangelische Kirche ist also durch ihren Beruf, den einzelnen zu suchen und ihm zu dienen, ' verpflichtet, sie in ihrem Lebenskreis zu suchen, das heißt, eben in der nationalsozialistischen Bewegung. So ist die •evangelische Kirch« verpflichtet, um ihres Berufs willen die nationalsozialistische Bewegung in ihrem Wollen zu würdigen. Wahrend andere politische Bewegungen sich offen gegen das Christentum oder ihm gleaohigül'fcig gegenüberstellen, bekundet sie ihren Willen, sich auf den Boden eines positiven Christentums zu stellen. Die Kirche ist durch ihren Beruf verpflichtet, diese Willenserklärung der nationalsozialistischen Bewegung ernst zu nehmen . . . Die nationalsozialistische Bewegung bejaht mit Leidenschaft den sozialen Gedanken, den Brudergedanken. Damit vertritt sie ein Anliegen, das auch ein solches der evangelischen Kirehe ist. Es ist für die nationalsozialistische Bewegung eine Lebensfrage, ob sie ihre soziale Förderung bis au der Tiefe durchführt, wo sie zum Angriff auf die innerste Haltung des Menschen wird. Die evangelische Kirche muß um ihres Berufs willen aus der nationalsozdalistischen Bewegung das große Wollen heraushören* und dankbar ibegriißen, muß aber zugleich über dieses Wollen als ein menschliches, d. h. unvollkommenes und gebFoehenes, den heiligen Willen Gottes verkündigen". * Im Gegensatz zu der Auffassung des Landesbischofs von Mecklenburg-Schwerin Dr. Rendtorff vom Nationalsozialismus steht das Buch des nationalsozialistischen Führers und Theoretikers Alfred Rosenberg „Der Mythos des 20. Jahrhunderts", in welchem Jesus „ein Bastard", ein ,jGem£6ch von Mut und Angst" genannt und der Begriff der Erlösung als ein „Ausdruck physischer Bastardierung" definiert wird. Als der Jenaer Theologe Prof. Faseher gegen Rodenbergs Buch in einem öffentlichen Kolleg über „Rasse und Religion" polemisierte, erhob sich ein nationalsozialistischer Student und begann eine flammende Rede gegen Prof. Fascher. Der nationalsozialistische Studentenbund berief eine Protestversammlung ein, die an den Rektor der Universität das Ersuchen richtete, Prof. Fascher wegen Mißbrauch des Amtes einen Verweis zu erteilen. In der Versammlung wurde Fascher «Js „Idiot" beschimpft, er wurde ein „K a t ih e d e v >g e i s t" genannt, der versucht habe, „das tiefe seeMsche Ringen von Millionen deutscher Menschen um die höchsten deutschen .und christlichen Werte verächtlich zu machen". Wieder zwei FfiedhofsschändüHgelf« Berlin, 4. Juni. In den letzten Tagen sind, wie das „Isr. Familienblatt" meldet, wieder zwei Friedhofs* Schändungen bekanntgeworden. In Echzell (Ober* hessen) wurden Grabsteine mit Hakenkreuzen bemalt und auch der Eingang des Friedhofs mit diesen Abzeichen be# sudelt. Die Täter sind noch nicht festgestellt. Auf dem jüdischen Friedhof in Fliesteden, in der Nähe von Aachen, wurden vier Grabsteine umge* worfen und die darauf befindlichen Marmorplatten teil* weise zerbrochen. Die Steine wurden mit großer Gewalt aus der Erde gerissen. Die Tat muß etwa acht Tage vor Pfingsten geschehen sein und wUtde erst in den Pfingst* tagen von Besuchern des Friedhofs entdeckt. In Fliesteden besteht heute keine jüdische Gemeinde mehr. Von der Bürgermeisterei wurden 200 Mark Belohnung für die Namhaftmachung der Täter ausgesetzt, jedoch waren alle Nachforschungen bisher noch nicht von Erfolg be* gleitet. Deutsche Hakenkreuzler provozieren in Amsterdam. Amsterdam, 4. Juni. Ein von deutschen Hakenkreuzlern in den letzten Tagen in Amsterdam verübter Exzeß hat in weiten Kreisen der Stadt unliebsames Aufsehen erregt. Vor einem Restaurant auf dem belebten Rembrandtplein, einem der zwölf großen historischen Plätze Amsterdams, stand ein mit Hakenkreuzfahnen geschmücktes deutsches Auto. Seine Insassen, die ostentativ große Hakenkreuze trugen, provozierten durch Zurufe, wie „Sa u j u de n," und „Juda verrecke", Streitigkeiten mit jüdischen Passanten. Es kam zu einer Schlägerei, in deren Verlauf die Hakenkreuzler vom Publikum, unter dem sich auch zahlreiche Nichtjuden befanden, tüchtig verprügelt wurden. Schließlich gelang es ihnen, unter polizeilichem Schutz zu entkommen. Ablehnung eines jüdischen Richters unzulässig. Berlin, 6. Juni. Der nationalsozialistische Kaufmann Franz Binz wurde vom Landgericht Aachen wegen Beschimpfung der republikanischen Staatsform zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Revision beim Reichsgericht ein mit der Begründung, daß seinem Aiblehnungsantrag gegen den Landgerichtsdirektor R. wegen dessen Zugehörigkeit z u d e r jüdischen Religionsgemeinschaft zu Unrecht nicht stattgegeben worden sei. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts hat am 22. Mai die Revision verworfen und ausgeführt, daß nach der reichsgeriethlichen Rechtsprechung die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei oder zu einer Religionsgemeinschaft noch nicht einen AMehnungsantrag rechtfertige, es sei denn, daß ganz besondere Umstände. yorliegen, die aber hier nicht gegeben sind, n ••>: .. . Ein Monat Gefängnis für Synagogenschändung. Frankfurt a. M., 5, Juni. (J. T. A.) Das Schöffengericht in Biebrich bei Wiesbaden verurteilte einen Arbeiter zu einem Monat Gefängnis, weil er die Synagogentür mit Hakenkreuzen in .Oelfarbe bemalt hatte. Wegen ähnlicher Vergehen waren kürzlich schon einmal drei Arbeiter verurteilt worden. Ritualmordlegenden und Pogrompropaganda in Astrachan- Moskau, 4. Juni. (J. Ti A.) In der letzten Zeit; wurde du Astrachan von ehemaligen Mitgliedern der „Schwarzen Hundert" eine intensive P o g r o m p r o p aganda getrieben. Es wurde das Gerücht verbreitet, die Juden hätten C h r i,s t e n k i n d e r gestohlen und ihre zerstückelten Leiber in großen Kesseln gekocht. Seitens der Sowjet'behörden wird verlautbart, daß Maßnahmen zur Unterdrückung dieser Propaganda ergriffen wurden und daß gegen die Schuldigen eine' Untersuchung eingeleitet worden ist. In der Verlautbarung heißt es, ehemalige Käufleute und andere a n tisemitische Elemente hätten Woqhen hindurch die Bevölkerung durch Erzählungen über angeblich von Juden verübte Greueltaten an nichtjüdischen Kindern auf gewiegelt. Als vor einiger Zeit ein taubstummer Knaibe und sein Freund vermißt wurden (die offenbar von jugendlichem Wandertrieb erfaßten Kinder kehrten übrigens nach einigen Tagen zu ihren Eltern zurück), wurde das Märchen verbreitet, die Juden hätten diese Kinder gestohlen. Die Folge davon war, daß Jüdische Mütter, die mit ihren Kindern spazierengingen, wiederholt in den Straßen von Astrachan von Passanten' angehalten wurden, die den Nachweis forderten,\ daß es sich nicht um gestohlene Christenkinder handle. . Sine jüdische Mutter, deren Kind zufällig aus irgend* einem Grunde schrie, wurde von einer a<*rfge*egten Menge schwer bedroht. Die Behörden kündigen ei« Verfahren gegen «Ue,; die an dieser Propaganda teilgenommen haben, an und werden die Agitatoren veranlassen, öffentlich z» er-v klären, daß sie als Konterrevolutionäre'versuch^ ha<ben,| unter Anwendung der alten zaristischen Methode, die einzelnen Nationalitäten gegenednj&/i*d»r arrfaunetizen,; tJnrube und Verwirrung zu stifte«. * Die Jhtden in die russische fo&tatri». Moskau, 31. Mai. (J. T. A.) Der Z u s t r oa* d* r Juden in die Industrie hält mit unverminderter StSrfce ' an.. So arbeiten z. B., wie au» eiuer soeben ahgeeaaloS'7 Oeslerreldiifdies Ctediulmtkui fftr ftffeittlidie Unfeftiehmungen und Äffbellen Dem Verwaltungsrat des Oesterreichischen CreditJnstituts für öffentliche Unternehmungen und Ar? beiten wurde in der am 8. Juni 1931 abgehaltenen Sitzung Bilanz und Gewinn* und Verlustkonto für das Geschäfts* jähr 1930 vorgelegt. Die Bilanzsumme ist von S 92,86 Mill. im Jahre 1929 auf S 175,71 Milk, also um 82,85 Mill., gestiegen. Diese nahezu 90% ige Steigerung erklärt sich fast zur Gänze (mit ca. S 75 Mill.) durch die Mitwirkung des Instituts an der Wohnbauförderungsaktion und die Erweiterung des Emissionsgeschäftes* Die Summe der in Umlauf be* findlichen eigenen Pfandbriefe und Obligationen wurde von S 6,29 Mill. auf S 12,68 Mill. gesteigert und erhöhte sich also im Berichtsjahre auf das Doppelte. Die „Bar* bestände" zeigen eine Erhöhung von S 5,82 Mill. auf S 12,02 Mill., das ist um mehr als 100%. In der Position „Effekten und Beteiligungen", die mit S 12,39 Mill. gegen S 19,17 Mill. per Ende des Jahres 1929, also um S 6,78 Mill. weniger zu Buche stehen, sind auch die Ende 1929 über Wunsch des Bundes erworbenen 375.000 Stück Aktien der Oesterreichischen Credit<Anstalt für Handel und Ge* werbe enthalten, die mit Rücksicht auf die seit dem Bilan2stichtag eingetretenen Ereignisse entsprechend be* wertet wurden. In der Gewinn« und Verlustrechnung weisen die Positionen „Spesen" und „Steuern und Gebühren" im Verhältnis zur Erweiterung des Geschäftsumfanges, ins* besondere des Emissionsgeschäftes, nur unwesentliche Veränderungen auf. Die durchgeführte Kapitalserhöhung bewirkte eine Vermehrung der dem Institute zur Ver* fügung stehenden Eigenmittel um S 10 Mill. Auch die übrigen Erträgnisse, mit Ausnahme der aus den Kon* sortial*, Effekten* und Valutengeschäften, die eine kleine Verminderung um ca. S 43.000 zeigen, weisen nicht un* beträchtliche Stelgerungen aus. Nichtsdestoweniger hat der Verwaltungsrat in An* betracht der im Jahre 1931 eingetretenen Ereignisse be* schlössen, der für den 18. Juni 1931 einzuberufenden 35. ordentlichen Generalversammlung vorzuschlagen, von der Ausschüttung einer Dividende Abstand zu nehmen. E senen Zählung hervorgeht, in den Fabriken der Stadt Odessa gegenwärtig 42.000 Juden, während vor einem Jahre erst 19.000 Juden als Fabriksarbeiter in Odessa beschäftigt waren. Hand in Hand mit dieser Industrialisierung geht eine rapide Russifizierung vor . sich. Obwohl der Gebrauch der jiddischen Sprache in Fabriken nicht verboten ist, bedienen sich die jüdischen Arbeiter der russischen Sprache, assimilieren eich den russischen Arbeitern und nehmen russische Gebräuche an. * Antisemitismus in den Fabriken. Moskau, 31. Mai. (J. T. A.) Angesichts der Verstärkung der antisemitischen Strömung in den sowjet russischen Fabriken, die besonders darin zum Ausdruck kommt, daß immer häufiger Mitglieder der kommunistischen Partei oder der Jungkomniumistenliga an antisemitischen Verfolgungen uod Ausschreitungen teilnahmen, beginnen die jüdischen Arbeiter aus eigenem, Abwehrmaßnahmen zu treffen. In vielen Fällen verfassen sie ihre Afflbeätsplätoce, um anderwärts Arbeit zu suchen. Damit wollen säe erreichen, daß eine Anklage wegen „industrieller Desertion" gegen sie erhoben wird und sie aarl^ßlich des Prozesses Gelegenheit haben, öffentlich über die Gründe, die sie zum Verlassen ihrer Arbeiteete^eo bewogen halben, zu sprechen und gegen die Faforüksbehörden Beschwerde zu fuhren. Diese Methode wurde z. B. von einer Reibe qualifizierter jüdischer Arbeiter der Polimia Revolutsii- F a b r i k i n M i n s k angewandt. Als die Fabriksleittrog, die in letzter Zeit unverhüllt antisemitische Tendenzen an den Tag gelegt hatte, diese Arbeiter aus antisemitischen Motiven zu minder qualifizierten Arbeiten heranziehen wollte, verließen sie ihre Arbeitsplätze. In de* dar^ttjiin gegen^ die ||disohen Arbeiter . eingefetteten Unt^b^u-Ög wurden <fte antisemitischen ttogänge in der Fabrik in vollem Umfang aufgedeckt. * Die Juden wotieu nicht tu die jättösefaeu Kolonien Moskau, 5. J*ni. (J. T. A-) Der j^isch-fco«nm*M*istische Fthrer Meresehin richtet in der Tagesaettu-ng „Eines«" an aöe Organisationen, die sich mit der Aneiedlung von Juden auf dem Lande befassen, den Appell, alle Anstrengungen au machen, um zumindest 3 5 0 0 erwaensene Juden aar Teilnahme an der Erntekampagne in der Krim au veranlassen. Der Mißerfolg der letzten Auswanderungskampa g n e in die Krim, führt Moraschin a«e, höbe zu einem starken Mangel au Arbeitskräften geführt, so daß die Jüdischen Landwirte geawttugau sind, Kinder im Alter von 10b 1*12 Jahren zu schweren landwirtschaftliehen Arbeiten twwajtvzuaiehen. In der Krim mIMse <me smn Batpc** bestimmte Getreideernte von 5 big 6 Millionen Pnd in möglichst kurzer Zeit h«NWBgefo»a*i*t wesden, Aaeh in der Ukraine muß bis zum Ände der Saison ein annähernd gleich große Menge von E»port|etreide eingeem+et werden. -/ •<