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Die neue Welt · 1931-06-12 · Heft 195 (12.6.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 195 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT In Biro-Bidschan ist die Ernte zwar kleiner, doch herrscht auch dort ein ebenso fühlbarer Mangel an Saisonarbeitern. Nr. m Die jüdischen Handwerker Rußlands trauen der Regierung nicht. Moskau, 5. Juni. (J. T. A.) Die jiddisch-kommunistische Zeitung „Emess" richtet einen Appell an die jüdischen Handwerker der Sowjetunion, auf Grund des jüngst von der Sowjetregierung erlassenen Steuerdekrets, durch das die den Handwerkern auferlegten Steuern um ein Drittel ermäßigt werden, sofort an den Aufbau einerHandwerksindustrie zu schreiten, um so die Produktion an Handwerksgiitern in der Sowjetunion zu steigern. In der Vergangenheit hat die Sowjetregierung wiederholt den Handwerkern Zugeständnisse gemacht, sie aber bald nachher, in der Befürchtung, daß sie zu einem Nep-System führen könnten, widerrufen. Viele jüdische Handwerker stehen daher der neuen Steuerverordnung skeptisch gegenüber. „Emess" bemüht sich, ihre Befürchtungen zu zerstreuen, und weist darauf hin, daß die Sowjetregierung nunmehr zwischen wirklichen Handwerkern und „spekulierenden Nep- Leutcn", die die Möglichkeit des Eintritts in den Handwerkerstand nur zur Durchführung illegaler geschäftlicher Transaktionen benützen, klar zu unterscheiden verstehe. Sie stehe den ehrlichen Handwerkern durchaus sympathisch gegenüber. Die jüdischen Frauen in Polen fordern Wahlrecht zu den Kultusgemeinden- Warschau, 5. Juni. Eine Abordnung der jüdischen Frauenveredne Polens erschien im Kultusministerium und überreichte ein Memorandum, in welchem für die jüdische Frau das aktive und passive Wahl- / recht zu den . jüdischen Gemeinden gefordert wird. Die Abordnung wies darauf hin, daß in mehreren Ländern, z. B. auch in Deutschland, die Frauen bereits das Wahlrecht zu den jüdischen Gemeinden und Genieindeverbänden besitzen. Der Direktor des Kultusministeriums Pomocki erklärte, er werde das ihm überreichte Material studieren und der Angelegenheit sein Interesse zuwenden. Keine rituelle Kost für die jüdischen Häftlinge in Ungarn Die Präsidien der Landeskanzleien der orthodoxen und der neologen jüdischen Religionsgemeinden haben sich an den Justizminister mit der Bitte gewendet, zu gestatten, daß die Häftlinge mosaischer Konfession einer rituellen Kost teilhaftig werden. Das Justizministerium hat nun beide Kanzleien in einer Zuschrift verständigt, daß ihre Bitte aus administrativen Gründen nicht erfüllt weiden könne. Doch gestattete das Justizministerium auch weiterhin, daß anläßlich der jüdischen Oster.feiertage diejenigen Häftlinge, die hierauf Anspruch erheben, acht Tage hindurch rituelle Verköstigung erhalten. „Wahrhaft christliche Gesinnung/' Unter „Wahrhaft cJiristlj che Gesinnung" bringt „Welt am Montag" die folgende Meldung: :,Jn einer hessischen Gemeinde gab es etwa dreißig jüdische, Familien. Für diese war jedoch kein' Friedhof vorhanden. Die Hergabe des oftmals beantragten Geländes war stets verweigert worden, weil jüdische Friedhöfe als ewiger Besitz dauernd erhalten. werden müssen. Deshalb mußten die Toten dieser, kleinen Gemeinde zu dem nächsten etwa 12 Kilometer entfernten Friedhof transportieut werden. Ate dann in einer Woche zwei Mitglieder dieser jüdischen Gemeinde starben, versuchte man nochmals an der höchsten . Siaajsstelle, durch eine Eingabe, einen Begräbnisplatz zu bekommen. Aber der Gemeindevorsteher, der sich auf seine Dickköpfigkeit etwas zugute^ tat, schrieb auf das Gesuch, das ihm zur Rückäußerung vorgelegt wurde: „Kurzerhand mit dem Bemerken zurückgereicht, daß die Gemeinde gern bereit ist, ein geeignetes Gelände kostenlos herzugeben, wenn sich die jüdische Gemeinde verpflichtet, an Zukunft wöchentlich zwei Beerdigungen vorzunehmen". AUS PALÄSTINA. Einwanderung und Reiseverkehr in Palästina im Jahre 1930» Die finanzielle Depression in Europa und Amerika bat sich auch auf den palästinensischen Touristenverkehr ungunstig ausgewirkt, Es kamen im vergangenen Jahre bloß 28 Schiffsreisegesellschaften mit insgesamt 5817 Tqurdsten in Palästdna an, gegenüber 33 ScXiffabrtßgeseUschaften mit 7687 Passagieren im Jahre 1939. Die Einwände mingsbehörden unterscheiden zwischen „Reisenden und Tou ris t e n", wobei unter' Tomaten solche Personen verstanden werden, die »ich bloß 2 bis 3 Tage laug im Lande aufhalten. Aus den Aufzeichnungen des Immigration Department ist zu ersehen, daß im Jahre 1930 58.832 Reisende in Palästina angekonjrnen sind und 56.450 Reisende das Land yerlassen A*^efli Im Jahre 4939 sind 60.313 Redende angekommen und 57.365 abgereist. Die Differenz zwischen deu Ein- und Ausreisezahlen ist darauf z-urttckaulüiren, daß Personen, die auf Grund von Touristenvieen jnß lunger Akademiker, geschulter, erfahrener Herrenfahrer, führt kostenlos fremdes Aüto nach Basel. Veipflegt sich selbst, also keinerlei Mehrkosten. Zuschriften an Erich Kohn, VI., Stutnpergasse 29 Land gekommen sind, später die . Bewilligung zum dauernden Aufenthalt erhalten haben. Das Immigration Department faßt einen solchen Vorgang in den meisten Fällen als V e r 1 e t z u n g d e r gesetzlichen Bestdmmun g e n auf, denen zufolge jeder Einwanderun-gsanwärter in eine der Immigrantenkategorien eingereiht werden muß, bevor er die Erlaubnis zur Niederlassung erhalten kann. Im Jahre 1930 wurden 6433 Personen, darunter 4944 Juden, zur Einwanderung nach Palästina zugelassen. In dieser Zahl sind 1306 Personen inbegriffen, die sich in Palästina ,41 legal" aufgehalten hatten, denen jedoch nachträglich die Erlaubnis, als Einwanderer im Lande zu bleiben, erteilt wurde. Zu dieser Zahl fügt das Einwaiulorunigsdepartment weitere 3000 Personen hinzu, die entweder auf Grund von Touristenvisen oder durch Umgehung der Paßkontrolle nach Palästina gekommen sind. Von den Einwanderern des letzten Jahres sind 3563 oder 55,4 Prozent aus Osteuropa über Dauzig und Triest gekommen, 1187 oder 18,5 Prozent aus Nordafrika und Westasien, einschließlich Irak, Persien und. Afghanistan, 411 aus Mitteleuropa, 286 aus den Vereinigten Staaten und 695, unter ihnen 404 britische Polizisten und sonstige Beamte, aus dem Britischen Reich. Infolge der von anderen Ländern wegen der Wirtschaftskrise verfügten Einschränkung der Einwanderung ist die Auswanderung aus Palästina gesunken. Einige südamerikanische Republiken sind gegenwärtig die einzigen Länder, die der Einwanderung von Palästinenser,n offen stehen. , An der Pilgerfahrt nach Mekka haben sich im Jahre 1930 513 Palästinenser und 28 Transjordanier beteiligt. Von den palästinensischen. Pilgern sind 5 im Hedschas gestorben. 307 ausländische Pilger, darunter 150 Perser, 98 Af ghanen,: 23 Irak:rBewoJiner, ( 19 Inder und 17 Syrier passierten Palastina im Jahre 1930 auf dem Wege, nach Mekka. ' v'r; - •-■ * Erste Erfolge der Tote-Meer-Konzession. Die „Palestine Potash Co." hat soeben ihren ersten Tätigkeitsbericht veröffentlicht. Nach dem Zustandekommen des mit den Regierungen von Palästina und Transjordanien am 1. Jänner 1930 abgeschlossenen Konzessionsvertrages wurde niiit ^der.. Einrichtung der Anlagen' begonnen und am Ende des Monats Juli haben die gefüllten VerdunstungSjpfanneii bereits eine Fläche von 48,56 Hektar bedieekt. Nach Absonderung des Köchsalzes begannen sich Ende August einige tauseid Tonnen Ro-hka 1 isa 1 ze niederzuschlagen, deren Einsammeln bis Ende Dezember dauerte. Nach dem ErgcbnisUIps ersten Arbeitsjuhrcs hat sich also die Möglichkeit, Acr Kaligcwinnung aus dem Toten Meer erwiesen, so daß sich die Gesellschaft zu einer Vergrößerung der Anlagen entschlossen hat, die auch bereits in Angriff genörninen wurde. Die ersten Fertigprodukte werden aller Voraussicht nach Ende Dezember dieses Jahres auf den Markt gelangen. Die Preise derselben (Kali, Brom usw.) haben sich trotz des allgemeinen Preissturzes bisher gut gehalten. ■ Eine Gruppe Bucharischer Juden in Jerusalem. Vor einiger Zeit erschien im Bureau der Exekutive in Jerusalem eine Gruppe b u c Ü a r i s c-h e r Juden, die im vorigen Moumt nach Wa.nder-u.ng-. von 13 Monaten in Jerusalem angelangt war. Im April 19,30 flohen sie aus S o w j e t -B'u c h a r n auf dem We,ge nach Palästina nach Afghanistan. Von dort wurden sie durch die Regierung vertrieben und gelaugten nach, Persien. Hier waren sie in Gefahr, nach Sowjetrußland zurückgeschickt zu werden, aber dank den Bernübungen der Exekutive der Jewish Agency bekumen sie die Einreiseerlaiubjids «acih Palästina und gelangten hierher nach einer Reise durch Irak und Wochen-Kalender Juni 1931 ]VD H«jnn ■ Siwan 5691 12 Freitag 27-d Sabbatelngang 7.45 13 Samstag ... ..,.... . Sahbatausgang 8.42 ywim rrw*! iflon ,-]b vfov 14, Sonntag ■ iibn vnn vm aiy 1* Montag $0-* . ,. «nn mm'« 10 Dienstag 1-a vm mn 17 Mittwoch ■ :.*T?- :■.'< ' ••■;-• '■ \ : t« 'Donnerstag 1-i " ', - ' ■ " * Revisloiri§ten-Wahlsie<$ m Bulgarien Aus Sofia wird uns gemeldet: Die Wahlen zum 1?. Zionistenkongreß ergaben einen gewaltigen Sieg der Revisionisten. Von vier Mandaten erhielten die Revisionisten 2, die Allgemeinen und die Linken je 1 Mandat. In Sofia selbst blieben die revisionistischen Stimmen gegenüber der offiziellen Liste mit mehr als 25 Prozent im Vorsprung. ■«■■HHHHHBHHH Syrien. Ihr erster Besuch in Jerusalem galt dem Bureau der Agency-Exekutive, um ihr den Dank für die erwiesene Hilfe abzustatten, die der Mehrzahl von ihnen das Leben gerettet hat. Col.. Kisch empfing sie. Die Kw-uza wurde von Herrn Ascharow dm Namen des Vorstandes der bucharischen Gemeinde in Jerusalem vorgestellt, der dem tiefen Dank der neuen Einwanderer und ihrem Willen Ausdruck gab, zusammen mit dem Jischuw am Aufbau des Landes mitzuarbeiten. Col. Kisch drückte seine Freude darüber aus, daß es der Agency möglich war, den Einwanderern bei ihrer Alijah in Palästina behilflich z>u sein, u>nd wünschte ihnen Erfolg in ihrem neuen Leben. (JAB) Juden in der palästinensischen Polizei. Jerusalem, 2:. Juni. Die palästinensische Landespolizei zählte Mitte Mai 1350 Polizisten. Die Juden waren in der Polizei mit 350 Beamten, unter ihnen 22 Offiziere, vertreten. Der Ortspolizei gehörten 211 Juden, darunter 18 Polizeioffiziere, an. In den verschiedenen Gemeindepolizeikorps dienten 93 Juden, davon 70 in Tel-Awiw. In den Gefängnissen gab es 14 jüdische Justizwaehleute und 5 jüdische Polizeioffiziere. Verurteilung von Teilnelunern an den Ausschreitungen in Moza. Jerusalem, 2. Juni. In dem Prozeß gegen die Teilnehmer an dem Ueberfall auf das Haus des Kolonisten Broza in Moza im August 1929 wurde am Montag, den 1. Juni, vom Richter Plunkett das Urteil gefällt. Der Angeklagte Saleh Zier wurde zu fünf Jahren, die Angeklagten Mohammed Khader und Mahamoud Assad wurden zu je drei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die elf übrigen Angeklagten wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. In' der Urteilsbegründung erklärte Richter Plunkett; die Familie Broza wäre, wenn sie nicht bewaffnet gewesen wäre, von dem gleichen SchicksaL erreicht worden wie die Familie Macleff, dessen sämtliche Mitglieder in den Augustunruhen 1929 niedergemetzelt wurden. Erkennen Sie echte Juwelen auf den ersten Blick? Das ist wohl schwer für den Laien. Aber ob Sie beim Einkauf tatsächlich „Fyffes"-Bananen erhalten, das sehen Sie auf den ersten Blick — an der blauen „Fyffes"-Marke. E Jüdische Aerzte'in Polen- — Sie geben sich nicht zu erkennen! . Im April-Heft der Wilnaer „J. W. O.-Blätter" veröffentlicht Jakob L e s t s c h i n 6 k y, wissenschaftlicher Sekretär der Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen Wis$enschaftlichen Instituts, interessantes Material über die Zahl der jüdischen Aerzte in Polen und ihre Verteilung auf die einzelnen Gebiete der Republik. , Im, Jahre 1926/27 sind in Polen insgesamt 7510 Aerzte gezählt worden, von denen, nur 5775 Angaben über ihr Religionsbekenntnis gemacht haben; von diesen 5775 Aerzten bekannten sich 1965 oder 33,5 Prozent zur jüdischeu Religion. Es liegt aber auf der Hand, daß es sich bei den 1535 Aerzten, die über ihre Zugehörigkeit zu einem Religionsbekenntnis keine Angaben.gemacht haben, in der Mehrzahl um Juden handelt, so daß sich der Anteil der Juden unter den Aerzten Polens auf weit mehr als 33 Prozent stejlen dürfte. Von den jüdischen Aerzten hat sieh bloß ein kleiner Teil zur jüdischen Nationalität bekannt —- nur 673 von 1965, d. \. nicht mehr als 34,2 Prozent; zwei Drittel der jüdischen Aerzte, die, zwar ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Religion zugeben, wollen sich nicht zur jüdischen Nationalität bekennen. Berücksichtigen wir noch die 1505 Aerzte, die die Frage nach Nationalität überhaupt nicht beantworten und unter denen ein bedeutender Teil sicher Juden sind, so erhöht sich der Prozentsatz der assimilierten Juden unter den jüdischen Aerzten noch, bedeutend. Das Zentrum, der Assimilation ist Kongreßpolen. . In den vier Wojwodschafteu Warschau, Lodz, Kielcc und Lublin allein Jenen 95 Prozent sämtlicher Aerzte, die keine Angaben über ihr Religionsbekenntnis gemacht haben, und von denen sicher zweiDrittel Juden sind. i( Den größten Prozentsatz von Juden unter den Aerzten weist Galizieq auf; in manchen Wojwodschaften Galiziens bilden die Juden die Mehrheit unter den Aerzten: in der Wojwodschaft Stanislawow 76,3 Prozent und in der Wojwodschaft Tarnopal 65,5 Prozent. Den geringsten, Prozentsatz bilden die' Juden in den ejiemals, reichsdeutschen Gebieten: in Pomerelleu 4,11 Prozent und in Posen 8,8 Prozent. In Kongreßpolen weist die grpßtp Zahl jüdischer Aerzte die'Wojwodschaft Lodz auf — 55,5 Prozent der Gesamtzahl; in allen übrigen Woiwodschaften Kongreßpolens ist der Prozent- \

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