Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 195 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Pension .Austrla' Kinderheim Vftslau (OLGA KA0I8CH) JägormayeratraD© 13 - TelapHan Mr. 141 Für Dauer- und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. « PäsIagelMh einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - MflOffi« Preise zu agitieren und gleichzeitig gegen die jüdischnationale Liste zu arbeiten. Weder die Agitation der Assimilanten, noch der Terror der offiziellen Wahlmacher noch der Druck der antisemitischen Partei konnte die Juden davon abhalten, den ersten Versuch eines geschlossenen Zusammengehens im ganzen Reich siegreich zu bestehen. Die Wahlresultate ergeben ein höchst erfreuliches Bild. Bis jetzt sind der Jüdischen Nntionalpnrtei vier Mandate zugesprochen. Hiezu berichtet die Jüdische Telegraphenngcntur: Nach dem amtlichen Wahlergebnis wurden bei den Wahlen zum rumänischen Parlament insgesamt 2,927.000 Stimmen abgegeben, von denen 83.000 für ungültig erklärt wurden. Von den gültigen 2,844.000 Stimmen erhielten die Nationale Union (Jorga-Partei und Liberale) 1,390.000 Stimmen und 299 Mandate, die N a t i onale Bauernpartei (Maniu) 439.000 Stimmen und 27 Mandate. Die liberalen Dissidenten (Georg Bratianu) erhielten 11, die Averescn-Partei 9, die Ungarische Nationale Partei 9, die Lupu- Partei 6, die von Cuza geführte antisemitische Partei 7, die Ster e-P artei 5, die Sozialdemokraten 6, die Jüdische Nationale Partei 4, die Kommunisten 4 Mandate. Die von Cuza abgesplitterte „Eiserne Garde" erhielt kein Mandat, weil sie unter der vorgeschriebenen zweiprozentigen Stimmenzahl blieb. Die Jüdische Nationale Partei, die, trotzdem ihr durch die Annullierung ihrer Liste im Bezirk Balti mehrere tausend Stimmen verloren gingen, rund 65.000 Stimmen auf . ihre Listen vereinigte, hatte mit sichere 5, ja sogar 6 Mandaten gerechnet.' In nationalen jüdischen Kreisen Rumäniens herrscht große Freude über diesen Erfolg der ersten selbständigen jüdischen Listen in Rumänien. Man ist aber enttäuscht über die zu gerin ge Zuteilung der Mandate und glaubt, daß die Jüdische Partei ihren Anspruch auf mindestens noch ein weiteres Mandat kräftig vertreten wird. Vorläufig erscheinen von Kandidaten der Jüdischen Partei als gewählt: Dr. Mayer Ebner und Doktor Max Diamand in der Bukowina, Michael Landau in Bessarabien und Dr. Josef F i s c h e r in Siebenbürgen. Man hofft, daß sich noch ein Mandat für Dr. Theodor Fischer oder für Dr. S. Singe? ergeben werde. In der Bukowina wurden für die jüdische, Liste mehr als 12.000, in Siebenbürgen 18.il7, in Alt- Rumänien 9455 Stimmen abgegeben, wobei die Resultate aus eigenen Wahlkreisen noch ausstehen. In Bessarabien wurden bisher etwa 17.000 Stimmen für die Jüdische Reichsliste gezählt. Bezeichnend für die Art, wie der jüdische Wähler eingeschüchtert werden sollte, ist die Behandlung des bekannten jüdisch-nationalen Deputierten Dr. Michael Landau aus Kischinew. Er erschien in Begleitung des Prräsidenten der Jüdischen Partei Dr. Mayer Ebner beim Generalstaatsanwalt Alexandru in Czernowitz und brachte die schweren Mißhandlungen zur Anzeige, denen Landau am Wahltag seitens der Polizeiorgane in Chotin ausgesetzt war. Als sich Deputierter Landau am 1. Juni morgens ins Wahllokal begeben wollte, wurde er vor dem Wahllokal vom Polizeikommissär Vasile angehalten und daran gehindert, das Wahllokal zu betreten, obwohl Landau sich als Kandidat legitimiert hat. Der Kommissär erklärte, er müsse ihn im Auftrage des Präfekten verhaften. Landau wurde dann von einer Anzahl uniformierter Polizisten geschlagen und mit Gewalt in das Gefängnis abgeführt. Der Spitalsarzt stellte bei dem Mißhandelten erhebliche Verletzungen fest, Da Landau iin Gefängnis erfuhr, daß man ihn außerhalb der Stadt entführen wolle, weigerte er sich, mit dem Polizisten das Gefängnis zu verlassen. Der Kommissär Smadu ließ ihn. hierauf von dem Polizisten am Kopfe, an den Händen und Füßen ergreifen und unter fortwährenden Schlägen und Mißhandlungen und unter Knebelung des Mundes in den Wagen werfen. Der Wagen nahm dann die Richtung zum Walde von Chotin und nicht, wie man ihm sagte, zum Tribunal. Das herbeigeeilte Publikum nahm empört gegen die Polizeiorgane Stellung. In dem entstandeneu Rummel gelang es Landau, die Zügel zu ergreifen und den Wagen zurück zur Polizeistation zu lenken. Von hier wurde er mit verstärkter Polizeiassistenz in ein sieben Kilometer von Chotin entferntes Dorf gebracht. Dort wurde er den ganzen Tag in Haft behalten und erst nach Beendigung der Wahlen freigelassen. Die Gewalttätigkeiten geschahen direkt im Auftrag des Chotiner Polizeidirektors Todoroff. Vier jüdische Abgeordnete, auf streng jüdisch. na&Qn«te», Programm gewählt, werden die Interessen der ru»ünj«chen Judenheit zu wahren haben. Dieser Umstand wird für die Entwicklung des nationalen jüdischen Lebens in Rumänien gewiß von Bedeutung sein. Traurige Chronik Die Zusammenfassung der Meldungen von einer Woche genügt, um die Verelendung der Juden zu illustrieren. In der Heimat wird die Lage der Juden unhaltbar. Ein Land nach dem anderen sperrt die jüdische Einwanderung. Die Lage der ausgewanderten Juden verschlechtert sich. Länder, die bisher frei vtm Antisemitismus waren, treffen antisemitische Maßnahmen, insbesondere wirtschaftlicher Natur. Die schwierige Lage der jüdischen Ausländer in Frankreich- Paris, 5. Juni. In den letzten Tagen fand in Paris eine Sitzung des Zentralhilfskomitees für jüdische Emigranten unter dem Vorsitz seines Präsidenten M. Oualid statt. Aus dem Bericht über die Tätigkeit des Komitees während der ersten vier Monate des Jahres 1931 ging hervor, daß die Lage der jüdischen Emigranten durch die herrschende Arbeitslosigkeit eine weitem Verschärfung erfahren hat. Das Komitee wurde in den ersten vier Monaten des Jahres von 5186 Personen gegenüber 4013 Personen im gleichen Zeitraum des Vorjahres in Ansprüch genommen. Trotz der intensiven Tätigkeit des Komitees auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung, an der auch die in diesem Jahre geschaffenen Zweigstellen in Lille und Marseille hervorragenden Anteil hatten, mußten von Jänner bis April bereits 217 Immigranten gegenüber 169 im gleichen Zeitraum des Vorjahres in ihre Herkunftsländer zurückbefördert werden, weil es nicht gelang, ihnen Arbeit oder dauernde Aufenthaltsbewilligung zu verschaffen. Kritische ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung an! Kuba Paris, 4. Juni. (J. T. A.) Der Direktion von HIAS- JCA-EMIGDIRECT (HJCEM) ist seitens des „Centro Israelite de Cuba" nachstehende Information zugegangen: Die wirtschaftliche Lage der Juden auf Kuba ist gegenwärtig äußerst schwierig. Die einzige Industrie, die sich bisher in jüdischen Händen befand, war die Schuhindustrie. Im Verlauf der letzten Wochen haben jedoch fünf Schuhfabriken den Betrieb einstellen müssen. Die zahlreichen, dadurch erwerblos gewordenen Arbeiter sind, da sie keinerlei Aussicht haben^ wieder Arbeit zu finden, von tiefstem Elend bedroht. Beim Komitee in Kuba laufen in großer Anzahl Gesuche um Rückbeförderung in die frühere Heimat - ein. Diesen Ansuchen kann nicht in. vollem Umfang entsprochen werden, da die nach Europa 'abgehenden Schiffe nur eine sehr beschränkte Zahl von Rückwanderern zu ermäßigtem Tarif aufnehmen. Viele jüdische Arbeiter, die nach Europa zurückzukehren beabsichtigen, besitzen nicht einmal das Minimum der für die Ueberf ahrt notwendigen Mittel. Dazu kommt, daß jedes im Hafen von Kuba landende Schiff neue Einwanderer bringt, die die^Zahl dieser Unglücklichen vermehren und so /,z$£ Verschärfung der allgemeinen Wirtschaftslage der jüdischen Bevölkerung beitragen. Im Hinblick auf die "geschilderten Verhälthisse muß vor jeglicher jüdischen Auswanderung nach Kuba in diesem Augenblick dringend gewarnt werden. Die jüdische Einwanderung nach Kanada gesperrt Die Einwanderung nach Kanada ist während des am 31. März abgelaufenen Finanzjahres gegenüber dem Finanzjahr 1929/30 um ungefähr 45 Prozent gesunken. Im letzten Finanzjahr sind 88.223 Einwanderer gegen 163.288 im Finanzjahr 1929/30 nach Kanada gekommen. Der Einwanderungsminister W. A. G o r d o n veröffentlicht eine Uebersicht über die Einwanderungsbewegung, aus der zu ersehen ist, daß in den letzten Monaten auf Grund der neuen Einwanderungspolitik der Regierung ein weiteres starkes Sinken der Einwanderung zu verzeichnen war. •— Auf der vor kurzem stattgefundenen Jahresversammlung der Jewish Immigrant Aid Society von Kanada wurde berichtet, daß vom April 1930 bis April 1931 2695 jüdische Einwanderer nach Kanada gekommen sind. Das jüdische Mitglied des kanadischen Parlaments S. W. Jacobs erklärte in der Versammlung, es bestehe keine Hoffnung auf eine Milderung der Ein wander ungsbes ehr ä nkungen in nächster Zeit, da sowohl Regierung wie Opposition aus Furcht vor einer Verschärfung der Wirtschaftskrise Gegner der Einwanderung seien. Er selbst sei zwar davon Überzeugt, daß die Politik der verschlossenen Tür Kanada mehr schade als nütaw, die politischen Parteien seien aber bisher noch nicht a* dieser Erkenntnis gelangt *r, . . 290 jüdische Markttiändler in Oberschfesien brotlos gemacht Kattowita, 5. Juni. (J, T. A.) Dw polnischen Behörden haben auf Grund eines angeblichen deutsche* Gesetzes vom Jahre 1907 2QQ jüdisch*» Markthändlern in Königihütte, die seit mehreren •Jahren auf den Märkten des Kreises Königshütte Kleider, Schuhwaren und Trikotagen vertrieben haben, den Bestich dW MBrlcte verboten. Dadurch sind 200 ffidische Familien brotlos gemacht worden. * Juden werden in Südafrika nicht ate Staatsbeamte angestellt Johannisburg, 1. Juni. (J. T. A.) Tn einer Sitzung des Rates für Jugendangelegenheiten in Capetown wies Berman darauf hin, daß die Regierungskommission für Personalangelegenheiten antisemitisch versencht sei. und daß darum kein Jude Chancen hat, Staatsbeamter zu werden. Der Rat beschloß, von der Regierung zu fordern, daß bei Ernennung von Staatsbeamten nur die persönliche Qualifikation und das Examen maßgebend sein dürfen. * Keine Hilfe für die jüdischen Opfer der Ueberschwemmung in Litauen Kowno, 7. Juni. Eine Regierungskommission begann mit der Verteilung von Unterstützungen an die Opfer der letzten Ueberschwemmungskatastrophe in Litauen. Man schätzt den Gesamtschaden auf über 5 Millionen Lit (500.000 Dollar). Die große Mehrheit der Geschädigten sind Juden. Für das Unterstützungswerk stehen lediglich 48.000 Lit (4800 Dollar) zur Verfügung. Somit werden Hunderte durch die Katastrophe verarmte jüdische Familien ohne Hilfe bleiben. * Aus Mexiko Die Vertreibung der Juden von allen Märkten Mexikos, über welche die „Neue Welt" berichtet hat, fand nunmehr ihren feierlichen Abschluß. In der Hauptstadt veranstalteten die mexikanischen Händler ein Riesenmeeting, auf welchem die Sperre jeder jüdischen Einwanderung und die Vertreibung der im Lande befindlichen jüdischen Erwerbstätigen gefordert wurde. Nach Schluß des Meetings begaben sich die Teilnehmer zum antisemitischen Staatspräsidenten, um ihm die beschlossenen Resolutionen feierlich zu überreichen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Regierung sich willfährig erweisen wird. Interventionen ausländischer diplomatischer Vertreter, unter ihnen die Vertreter der Vereinigten Staaten und Polens, haben bisnun keinen Erfolg erzielt. Ueber den Verlauf der Demonstration wird aus Mexico City gemeldet: Die fremden- und j u d e n feindliche Massendemonstration mexikanischer Kleinhändler am 1. Juni ist bis auf kleine Zwischenfälle ruhig verlaufen. Schon frühmorgens begannen sich Tausende von T e i 1 n e h m e r n an der Demonstration vor dem Gebäude des Konsulats der Vereinigten Sta,a,ten.,zu sammeln. Der Demonstrationszug, in dem mehrere Musikkapellen eingeteilt waren und zahlreiche Fahnen mitgeführt wurden, bewegte sich langsam durch die inneren Stadtteile zum Nationalpalast, wo er vom P r äsidenten der mexi k a nischen Republik, Ortiz Rubio, und den Ministern erwartet wurde. Einige der im Zuge mitgeführten Tafeln und Transparente trugen ausgesprochen judenfeindliche Losungen. Die Aufschriften waren im allgemeinen gegen die Konkurrenz der ausländischen Kauf- 1 e u t e gerichtet. . Die Behörden hatten außerordentliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung getroffen. Die Stadt glich einem Heerlager. Ungeheure Mengen von Polizei zu Fuß und Pferd standen, mit Karabinern bewaffnet, in verschiedenen Teilen der Stadt in Bereitschaft. # Und in den Vereinigten Staaten Während der Vertreter der Vereinigten Staaten in Mexiko dort gegen die Juden- und Ausländerhetze protestiert, wird bei ihm zu Hause eine solche Hetze durchgeführt. Der Staat Michigan (Hauptstadt Detroit) hat die Ausweisung aller „illegal" im Lande weilenden Ausländer, vor allem der Juden, beschlossen. Detroit, 31. Mai. (J. T. A.) Das Parlament des Staates Michigan hat ein Gesetz angenommen, demzufolge alle Ausländer verpflichtet sind, sich polizeilich' registrieren zu lassen und die Rechtmäßigkeit ihres Aufenthalts im Lande nachzuweisen. Das Immigration Department hat sich für das Gesetz eingesetzt, um bei der Deportierung illegal eingewanderter Personen staatliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Das Department für öffentliche Wohlfahrt hat eine Verordnung erlassen, durch die die Anstellung von Ausländern, die nicht im Besitze einer Registrierungskarte sind, untersagt wird. Die jüdischen Organisationen, die an der Gesetzmäßigkeit der Registrierungsmaßnahmen zweifeln, haben den Gouveir neur aufgefordert, gegen das Gesetz, durch das in Detroit allein über 100.000 Ausländer betroffen werden, sein Veto einzulegen. , Staatsgoüverneur Wilbur Bruck er hat es abgelehnt, eine Delegation der in Detroit ansässigen Aiisländer, - die beim Gouverneur wegen des vom Parlament von Michigan angenommenen Ausländerregistrierungsgesetzes Vorstellungen erheben wollte», zu empfangen. Diese Weigerung des Gouverneurs hat in den Kreisen der ausländischen Bevölkerung von Detroit lebhaften Unwillen hervorgerufen. Vertreter, des .Juden, Polen, Deutsohen, Italiener und anderer Nationalitäten