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Die neue Welt · 1931-06-12 · Heft 195 (12.6.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 195 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. »3 Dt« JIM .ikad. Vetbindung „1VRIA" gratuliert herz- Hehst ihrem lieben u. Dr. Dil Wm (in) anläßlich seiner Wahl als Delegierter z.Zionistenkongreß Jüd. akad. Verbindung „IVRIA" f. d Aktivitas DIE NEUE WELT 1 ■ ■ i.... i i ., Ii. ...JÄ..wl—..„ ,,. i ■ Iiii ,....................... reiche Beispiele, deren zwingender Logik sich auch die •anwesenden „Allgemeinen" nicht zu entziehen vermochten. Er sc&roH mit ler Aufforderung, nur jene Richtung zu wählen, die in zwölfter Stunde die Rettung zu bringen vermag: den -Revisionismus. In vorgerückter Stunde schloß der Vorsitzende die Versammlung. Zioui. * f$eite f Nach ÄGYPTEN und PALASTINA mit den Luxusdampfern Rundfahrten im Mitteimeasr Genua — Neapel — Sizilien — Ägypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen •— Neapel — Marseille ~ Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte &ITIU8 A fö*1 Wienl, Kärntnerring 18, Tel. IM5-0-09 B 8VB#«^B^ (Ecke Schwarzenbergplate) schaftlich und politisch ungemein wichtig ist", auszuführen, benötigt er, Rohling, eine entsprechende Geldsumme. Und zwar bittet er den Zaren, ihm für die Dauer von fü nf Jahren eine Subvention van je viertausend Rubel zu gewähren, um den „Schulchan Aruch" und den „Sohar" zu übersetzen. Er verspricht, jährlich Manuskript für zwei Bünde zu liefern, die in der Petersburger Staatsdruckerei erscheinen sollen. Minister Graf Tolstoi hat an Alexander III. Bericht erstattet, denn es ist kaum anzvrehmen, daß der Minister des Innern selbständig einen Beschluß fassen sollte in einer so wichtigen Angelegenheit, an der ein ausländischer Prinz, noch dazu ein Onkel des Zaren, Interesse nahm. Die Stellungnahme Tolstois zu dem Gesuch Rohlings scheint sehr ungünstig gewesen zu sein, denn es wurde abschlägig beschieden. Minister Graf D. Tolstoi war nämlich früher Leiter des Departements, das sich mit den nichtrussischen Religionsgemeinschaften, also auch mit der jüdischen, zu befassen hatte. Er wußte daher sehr genau, welchen Wert die antisemitischen Verleumdungen des jüdischen Glaubens und die mannigfachen „Geheimnisse" hatten. Der Minister selbst war zwar auch reaktionär-judenfeindlich gesinnt; sein Judenhaß entstammte jedoch nicht religiösen, sondern wirtschaftlichen Motiven: er bekämpfte die Juden, nicht, weil sie eine schädliche Religion hatten, sondern weil ihre Konkurrenz unerträglich schien. Der Minister fügte daher dem Gesuch Rohlings ein ungünstiges Begleitschreiben bei. Die Person Rohlings vermöchte bei ihm keinesfalls Vertrauen zu erwecken; diese Angelegenheit spielte sich nämlich noch vor dem Skandalprozeß mit Dr. J. S. Bloch ab, Rohling war noch damals Professor in Prag, jedoch die gegen ihn gerichteten Angriffe seitens ehrlicher christlicher Gelehrter wie Professor Franz Delitzsch und anderer haben sein. Ansehen als „Gelehrter" völlig untergraben. Rohling Geldzuwendungen zu machen, während seine judenhetzerische Tätigkeit allüberall unliebsames Aufsehen hervorrief, hieße daher, vor aller Oef f entlichkeit deklarieren, daß der neue russische Monarch den Ideen des Antisemitismus (huldige. Am 7. Dezember 1883 teilte der Minister Graf D. Tolstoi dem Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt über die Causa Rohling folgendes mit: „Ich erlaube mir, die Aufmerksamkeit Ihrer Durchlaucht auf den Umstand zu lenken, daß die jüdisch-religiösen Gesetzbestimmungen dank den, genauen Auszügen, die bereits in verschiedenen Werken in französischer und deutscher Sprache vorliegen, zur Genüge bekannt sind. Infolgedessen hat unsere Regierung keinen Anlaß, auf den Vorschlag Dr. Rohlings einzugehen, der mit bedeutenden Geldausgaben, die sich bei Drucklegung der Uebersetzungen noch erhöhen würden, verbunden ist." Die hohe Protektion des Prinzen hat also Rohling auch nichts genützt und die erbetenen Geldzuwendungen wurden dem Antisemitenprofessor vom Zaren Alexander dem Dritten nicht bewilligt. Wer weiß, wieviele iF&lsdiungen und Pasquills Rohling mit Hilfe des russischen Geldes unter den finsteren Volksmassen verbreitet hättel („iNeues Wiener Journal.") Sieg der Jüdischen Nationalen Partei Die in der Vorwoche durchgeführten rumänischen Parlaräentswahlen standen im Zeichen erbittertster Parteikämpfe. Die Purtei der Regierung J o v g a, die sogenannte Nationale Union, die aus Anhängern Jorgas und der Liberalen besteht, ging mit einer starken Majorität aus dem Wahlkampf hervor. Sie erhielt 299 Mandate und sicherte sich damit ein mehr oder minder arbeitsfähiges Parlament. Zum erstenmal seit Bestehen Großiumäuiens ging eine Jüdische Nationalpartei in ganz Rumänien geschlossen zur Urne. Die jüdischen Assimilanten suchten zunächst um Aufnahme in die Regierungsliste an, die Verhandlungen zerschlugen sich aber, was sie allerdings nicht hinderte, nichtsdestoweniger für die Regierungeliste heftig unter den Juden oand. med. Hermann Birnberg dzt. xxFxf oand. jur Josef Fränkel dzt. >XXt Flucht auf das Gebiet des Persönlichen gezwungen waren. Eine Flucht, diexallerdings immer traurig ausfällt. * Viele Allgemeine Zionisten in Oesterreich haben mit ihrer Entrüstung über die Haltung der oben genannten Organe nicht zurückgehalten. Das muß lobend anerkannt werden. Aber das ist nicht ausreichend, um eine Möglichkeit der Wiederaufrichtung der Organisation zu schaffen. Solange dieser Geist, oder Ungeist, bei der Landesleitung und ihren Organen maßgebend bleibt, ist der Weg zu gemeinsamer Arbeit ungangbar gemacht. Verntählungsanzelge Frletfo Homnrotii Dr.lnUE.Koffler Przemysl Zaleszczyki-Wien Przemysl, im Juni 1931 Aus der Ssforceidhasdfaem Prownz Aus Linz wird uns geschrieben: Linz hat zum Zionistenkongreß gewählt. 39 Stimmen galten der Renaissancebewegung im Zionismus, dem Revisionismus, 49 Stimmen votierten fürs „Fortwurschteln", d., h. für die allgemeinen Zionisten. Zur Ehrenrettung der 49 sei festgestellt, daß die. meisten von ihnen nicht wußten, was sie taten, denn — wie wurde gewählt? Vorerst wurde schon mal ein Wahlaufruf der „Allgemeinen Zionisten" erlassen, der als Spitzenuntersehrift den Namen des Kultuspräsidenten trug, der ein prominentes Mitglied der assimilatorischen „Union" ist und überall of%n erklärt, daß er kein Zionist ist. Welch ein Tiefstand, wenn zur Kongreßwahl ein antizionistischer Kowedmann herhalten muß! Aber auch der Obmann der unionistischen Kultusgemeindefraktion, ein bekannter „Zionistenfresserwurde zur Wahlurne gebracht, gleich anderen Leuten, die weitab vom Zionismus stehen und die eich immer entschieden weigerten, nur einen Knopf für unsere Fonds zu geben. Man muß mit den Ortsverhältnissen vertraut sein, um beurteilen zu können, wer alles herangeschleift wurde! Lauter Gefälligkeits- und Verbindlichkeitswähler!! Zionistische Moral, zionistisches Selbstbewußtsein? Wohin seid ihr entschwunden! „Professor Weizmann, Sie brauchen keine Agency mehr, Sie haben auch schon zum Kongreß die Stimmen der Antizionisten!" Nach gewissenhafter Schätzung kann man als Resultat der Wahl feststellen: 39 Revisionisten, 25 Allgemeine und 24 Nichtzionisten, welche aus „Gefälligkeit" zum Zionistenkongreß gewählt haben. Zionistisches Meeting in Graz. Aus Graz wird uns geschrieben: Unsere Ortsgruppe veranstaltete am 25. d. M. ein Meeting. Die Herren Dr. Grünbaum, Präsident des österreichischen Landeskomitees, und David Nebenzahl aus Wien waren als Sprecher angekündigt. In einstündiger Rede entwickelte Herr Dr. Grünbaum das Programm des — Revisionismus, gesehen aus der „allgemeinen" Perspektive. Vom Programm der „Allgemeinen" bekam man nur recht Spärliches zu hören. Immerhin verdient die Erklärung des Gastes, seine Gruppe lege sich durchaus nicht auf die Person Professor Weizmanns fest und lehne den Brith Schalom unzweideutig ab, Beachtung. Herr Dr. Grünbaum sprach von v e r g i fteter Atmosphäre und der Einigkeit, die gerade auf diesem Kongreß Lebensbedingung für die Weltorganisation sei. Aber Herr Dr. Grünbaum selbst hat durch seine Rede manches dazu beigetragen, das dieser Entgiftung der Atmosphäre nicht eben dienlich war. So, wenn er mit dem alten Schreckgespenst, der „Armene" Jabotinsky kommt, so, wenn er voii der gesprengten Versammlung Jitzchak Grünbaums in Warschau spricht und seinen Zuhörern verschweigt, was dieser Versammlung in Baris vorausging, so, wenn er zu verstehen gibt, Jabotinsky sei ein Störenfried, Jabotinsky, der unser unveräußerliches Anrecht auf Erez-Israel mit dem Blute seiner „Legion" hesiegelt hat, Jabotinsky, der zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilte und dann* „begnadigte" Schützer unseres Volkes. In seiner Erwiderung betonte Herr Neben zahl, daß der Revisionismus in Dr. Weizmann die Verkörperung eines Systems erblicke und mit der Demission Dr. Weizmanns noch nichts geschehen sei, wenn das System bleibt. Von Mißerfolg zu Mißerfolg, von Niederlage zu Niederlage ist die Leitung der Bewegung geschritten. Und warum es so kommen mußte, bewies er durch zahl- Kongreßwahlen in Kaftowitz (Oberschlesien). Der 7. Juni war ein zionistischer Feiertag in Kattowitz. Dieser Sonntag erwies am besten, wie die revisionistische Idee zu begeistern vermag. Das Interesse aller war wieder groß, jeder eilte zur Wahlurne, um sein Bekenntnis zum Zionismus, zur großen Her zischen Idee abzulegen. Der Kongreß wurde wieder ein großes Ereignis, die Wahlen interessieren jeden. Wer wird siegen, die alte Gesellschaft oder der zielbewußte, reine Zionismus? Das war die Hauptfrage des Tages. Tn Katowitz hat der Revisionismus auf der ganzen Linie gesiegt, und das trotz aller Schikanen, welche die offizielle Leitung in Szene setzte. 50 Prozent aller Stimmen haben die Revisionisten formell erreicht, und zwar t 6 1 Stimmen von 337 abgegebenen. Der Revisionismus marschiert, mit ihm der reine "Herzl-Zionismus. Die Zukunft ist-unser, das beweisen auch die Wahlen in Kattowitz. August Rohling und Zar Der Nestor der österreichischen Antisemiten bittet den russischen Zaren um Geldstütze zwecks Herausgabe seiner judenhetzerischen Schriften — Ein bisher unbekanntes Dokument aus den russischen Archiven Der unlängst in Graz verstorbene Professor der Theologie an der Prager Universität Dr. August Rohling, dessen antisemitisch-verleumderische Tätigkeit, hauptsächlich als Verbreiter und Theoretiker des Blutmärchens, anläßlich seines Todes im „Neuen Wiener Journal" des ausführlichen geschildert wurde, hat, wie neuentdeckte russische Archivdokumente beweisen, auch die Hilfe des russischen Zaren angerufen, um in Muße und jeder materiellen Sorge bar seinen „a n t i- Bei Erkältungen, Grippe; Halsentzündung, Mandel« Schwellung sowie Nervenschmerzen und Gliederreißen tut man gut, mit einem halben Glas natürlichen „Franz* Josef "«Bitterwassers für ''tägliche Darmentleerung zu sorgen. Es ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. semitisch-wiss e n s c h af 11 i c h e n" Forschungen obliegen zu können. Es1 ist hiebei interessant zu bemerken, daß Rohling in den jüdischen Kreisen Rußlands bereits seit vielen Jahren als tot galt; die R u s s is chj ü d i s c h e E h z y k l ö p'ü-d i e" bezeichnet sogar genau sein Todesjahr als l1912M '<fost! anläßlich der Todesnachricht Rohlings erinnerte man'sich wiederum dieses traurigen Judenverfolgers. ■ Der bekannte russisch-jüdische Geschichtsforscher Saul Ginsburg veröffentlicht, nun zum erstenmal interessante Dokumente aus einem „Diele" (Atenfaszikel), das er im Archiv des l-iussischeai Ministeriums des Innern vorfand, aus denen hervorgeht, daß sich Rohling bemühte, von Zar Alexander III. eine Subvention zwecks Herausgabe eines großangelegten „Judenwerkes" zu erlangen, wobei er sich der Vermittlung des Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt, eines Onkels des Zaren, bediente. Es war Ende 1883. August Rohling war als Verteidiger und Vorkämpfer des Blutmärchens „berühmt" und stand im Mittelpunkt einer heftigen Debatte. Zwar war sein Ruf als Mann der Wissenschaft bereits einigermaßen ramponiert, aber noch ist er von Dr. J. S. Bloch nicht entlarvt worden und er holte zu neuen Schlägen gegen das Judentum aus. ' ' ' :r In einem Briefe vom 27. November 1883 schreibt Prinz Alexander von Hessen-Darmstadt an den damaligen russischen Minister des Innern Grafen D. Tolstoi, daß der „Gelehrte, Professor und Doktor der Theoloigie" August Roihling ihn .gebete-n habe, sein schriftliches Gesuch dem Zaren zu übermitteln. „Jedoch anstatt das Bittgesuch direkt an Seine Majestät, meinem Neffen, zu senden," schreibt der Prinz weiter, „finde ich es für richtiger, diese Angelegenheit Eurer Exzellenz vorzulegen . . . Und ich bitte ergebenst, mir den Bescheid der kaiserlichen Regierung bekanntzugeben." In dem beigefügten schriftlichen Gesuch August Rohlinigs, am den Zaren Alexander III. gerichtet, das der Prinz an Minister Grafen Tolstoi sandte, wird darauf hingewiesen, daß es sich um die Edierung einer „richtigen" Uebersetzung der jüdischen Gesetzbücher handelt. „Es sind bereits Uebersetzungen anderer heiliger Schriften vorhanden," schreibt Rohling in seinem Gesuch an den Zaren, „des islamitischen K oran, der brahmanischen Weda, es fehlt aber eine Uebersetzung der talmudischen Bestimmungen; die t almiidischen Gesetze sind jedoch von größter Wichtigkeit für alle Völker, zwischen denen Juden wohnen. Deshalb halbe ich mich entschlossen", fährt Rohliang in seinem Bittgesuch fort, „eine wissenschaftliche Uebersetzung der jüdischen Gesetzgebung fertigzustellen, die in dem „Schulchan Aruch" und seinen Kommentairen enthalten ist und ein Material von acht Bänden darstellt. Gleichzeitig bin ich auch bereit, eine Uebersetzung des berühmten Buches „S o h a r" zu4 liefern, das bei den Juden noch heiliger ist als der Talmud(!)." Um also seine Arbeit, die „wissenschaftlich, gesell-

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