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Die neue Welt · 1931-06-12 · Heft 195 (12.6.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 195 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 i-w- DIE NEUE WELT iNr. m Wcltunion M. Gross man lenkte die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die Rückschläge, die die zionistische Bewegung in den letzten Jahren zu erdulden hatte, und erklärte* aus diesen Rückschlägen sei zu ersehen, daß die Initiative stets bei der ^Regierung und bei den Arabern lag, durch deren Haltung die Schritte der Jewish Agcncy bestimmt worden seien.'.; Der Delegierte Airrahanis erklärte, die britische' Regierung besetz'e'älle fieaintenstellen in Palästina mit judenfein d 1 i c Ii e n A r a b e r n. :; Die Konferenz beauftragte die revisionistische Delegation auf dem bevorstehenden Zionistenkongreß, auf die Erlassung einer Proklamation durch den Kongreß zu dringen, wonach das Endziel , des Zionismus die. Errichtung eines durch eine jüdische Mehrheit zu beiden Seiten des Jordans gesicherten freien und sich seihst verwaltenden jüdischen Gemeinwesens sei. Die jüdische Mehrheit soll durch friedliche und geordnete Kolonisationsarbeit, ohne Verdrängung der eingeborenen Bevölkerung und ohne Beeinträchtigung ihrer bürgerlichen Rechte,, erfolgen. Die Konferenz billigte die Schritte des Exekutivkomitees der Weltunion, durch die die Zionistische Exekutive davon abgehalten werden soll, vor Abschluß des 17/ Zionistenkongresses für die Zionistische Organisation bindende Vereinbarungen mit der englischen Regierung zu treffen. Schließlich wurde eine Resolution gefaßt, in der die Verwendung des offiziellen zionistischen. Organs „Haolam" zu Parteizwecken, insbesondere zu-a n t i r e v i s i o n i s ti s c h e r Propaganda, schärfsteiis verurteilt wird. Ein Judenpogrom in ZIoczow bei Lodz Am 4. Juni erhielt der jüdische Nationalrat Polens von der jüdischen Gemeinde der Kreisstadt Sierad«, Wojwodsöhaft Lodz, die telagraphisahe Mitteilung, daß in dem benachbarten Städtchen Zloozow blutige antijüdische Exzesse im Gange sind. Die große jüdische Tageszeitung „Hajini" entsandte Berichterstatter nach ZIoczow, die folgendes feststellten:, Was in ZIoczow, einer Stadt mit 1000 christlichen und 400 jüdischen Familien, vor sieh gegangen ist, war. ein regelrechter Pogrom, durchgeführt von der Bauernschaft der umliegenden Dörfer unter der Leitung des Zloczower natiomaldemotkratisohen Sokol-Vereins. Der Pogrom danerte von 9 bis 12 Uhr abends. Fünfte hin jüdische Einwohmer ' der Stadtt wurden veiw <u .n d e t, anter ihnen sechs sehr schwer. Für drei der Verletzten besteht Lebensgef ah r.. In allen jüdisäheiji Wohnungen und Gesahäftsläden wurden' die Fenster.- schei'ben eingeschlagen. Nicht iwiir alle jüdischen Passanten, die den Huligans in die Hände fielen, wiurden mörderisch geschlagen, sondern die Huligans brachen auch indie Wohnungen ein und mißhandelten die Insassen. Die wenigem Polizisten des Städtchens waren den Exzeden-ten gegenüber machtlos. Der Pogrom nahm den folgenden Verlauf: Am Donnerstag, während des Fronleichnamsfestes, bewegte sich eine große Prozession durch das Städtchen. Gegen 1 Uhr mittags war die Prozession beendigt, die' Baiuermsahaft schickte sich an, in die Dörf er zurückzukehren. Natioaialdemolcra/tasohe Agitatoren, Mitglieder des Sokol-Vereins, begannen aber die Massen nun sich zu sammeln und erzählten ihnen, daß aus den Fenstern eines jüdischen Hauses Vitriol a>uf die Heiligenbilder und auf die Teilnehme* der Prozession gegossen wurde. Dde Agitatoren riefen der Menge zu, man müsse ein für allemal, und zwar sofort, „rnidt den. Juden abrechnen". Andere nationaldemokraiische Agitatoren begaben sich in die benachbarten Dörfer, wiegelten die Bauernschaft gegen .die Juden, auf. und führten sie gesdilossen in die Stadt. Eine jüdische Abordnung meldete diese Vor-' fälle dem Polizeik onimandant en. Dieser versicherte, er werde die energischesten •'Maßnahmen , gegen die Aufwiegler engreifen, die Bevölkerung möge ruhig sein. Aber schon als die Abordnung das Polizeigebäude verließ, zogen Gruppen von Bauern, geführt von den Zloozower Schiullehrern und Mitgliedern des Sokol- Vereines, durch das Städtchen und stieße» „iRache"-R.ufe. aus. Gegen 9 Ohr albends ging, wie auf ein Signal, der Pogrom los. Unter Pfeifen und ungeheurem Lärm schlugen die Exaedemten auf jeden Juden, der ihnen in die Hände fiel los, zerschlugen mit Stöcken alle Fenstersoheiben, demolierten alle Läden, dirangen in die Wohnungen ein und mißhandelten alle Familienangehörigen. Eine Frau Groß mann wurde durch einen Revolverschuß tödlich verletzt, zwei andere schwerverletzte jüdische Einwohner ringen mit dem Tode. Die jiddische Tageszeitung . „Moan;e.nt" gibt ähnliche Schilderungen der Ereignisse in Zloozow und fügt hinzu, daß kn ganzen Kreise eine schwere Panik herrsdvt und daß die jüdischen Einwohner von Zloozow und Umgebung ihre Kinder, aus Furcht vor weiteren Ausschreitungen, «ach Lodz weggesdvickt halben. Die Panik ist um so größer, als diese Gegend in'früheren Jahren oft der Schauplate schwerer an ti jüdisch er Exzesse war und vor etwa zwei Jahren in der ,Nähe von ZIoczow das Haue einer kopfreiohen jüdischen Famile von Exzedanten angezündet wurde, wo alle Familienangehörigen, die am VerWseh des Hauses verhindert wurden, in d e^Fl * m m en um käme n. Isidor Schall! 60 Jahre alt In diesen Tagen ist Isidor Schallt sechzig Jahre alt geworden. Eir ist, nicht< an Lebensjahren, sondern an zionistischen Dienst jähren gemessen, der älteste Freund und M i t a i b ei ter Theodor Herzlß. Daserste Jahrzehnt des piölitisohen Zionismus ist untrennbar mit Schallts Arbeit verbunden gewesen. Seit deim Jahre 1890,;'also lange vor Herzils Auftreten, gehörte Schalit der■'■ ,,Kadimah" als führendes Mitglied an. Er führte die jüdische Studentenschaft aus dem' Lager der Assimilation', wo sie eine erniedrigende Rolle spielte, zu ihrem Volk und machte sie stolz und wehrhaft. In den wütenden--Kämpfen, welche der Antisemitismus in den 90er Jähren . an den Hochschulen eröffnete, ragte immer die. Führergesta.lt Scifoalits hervor. Den Höhepunkt seiner Arbeit erreichte er, als H e r z 1 erschien. Heral erwählte den jungen Schalit zu seinem intimsten Mitarbeiter und. ersten Sekretär. Er vertraute ihm die schweren, und heikelsten politischen Missionen an. Die Organisierung, der ersten Kongresse oblag Schalit. Im |ahre 1897 stellte Schalit im Auftrage Heiizls ein ä riztiLic.ih es. Hi.lf s k o rpe zur sannmen und führte, es .jim.((i^kasA^rdechischen Kriege den Türken zu. ■ Um die Judensoha/ft des alten. Oesterreich hatte sieh Schalit unvergängliche (.Verdienste ' erworben. Seit dem Jaiihre 1905 wirkte e,r» zusammen mit.;dem jetzige^ tschechischen Staatsobenha^ijp'te,, , Präsidenten H a s a* r y k, im Ausschuß für .nationale. .Autonomie. und, Ver? söhnung der .. röterreieh^ohen .Völker. Die politische Tätigkeit für ..die,.^Wr.eif^$« Jvdenschaft und ihre notwendige . Eman«^fltiQn)jn4ajnd, ...unter der Fülh/rung Schaidts. Auf der wichtigsten^^ kunft.naoh dem Kriege^ auf [der, .entscheidenden .Lonvdpner. iJahresko^ ' 'Schalit _ wieder m^t einer der. s^wersyen^"'Au^|abek getraut.!Er' wirkt auf ihr als YcVrsitzeiid^ cl^r' jpplitisonen^ 'v; So stelltdasLeb^en' Schaiifs eine ununterbrochene Reihe zionisti^oher und nätiona 1 jijjd isaner Aktionen dar. Er ist sich treu geblieben f Aridere aus seiner Zeit verr schwanden?'Die Kraft üncl' der Giaübe''haben sie ver? lassen. Schallt ist geblieben^ treu bei der Fahne seines Führers <ümd Freundes Theodor Henzl; Exkönig Hussein von Hedschas in Amman gesiorlien. Jerusalem, 8.. Juni. (j< T. A.) Der frühere König Hussein von Hedschas, de.r in den letzten Jahren auf Cypern in der. Verbannung gelebt hat und vor einige* Zeit zu Besuch seines Sohnes, des Emirs Abdullah von Transjordanien, nach Amman gekommen war,, ist dort gestorben. Er erkrankte vor einigen Monaten sehr schwer, die Presse meldete bereits seinen Tod. Diese Nachricht erwies sich'als falsch; Hussein erholte sich wieder. Vor einigen Tagen hatte er in Amman einen schweren Rückfall;'er verfiel in Bewußtlosigkeit, heute morgen trat der Tod ein. Mit Hussein von Hedschas ist einer der hartnäckigsten Feinde der ziö* •histds ch-en B eiw.e gjl^g'undj de^ Jdee 4er, Errich* tung eines j ü d i s.Q.&je n Nationalheims in Palästina dahingegangen. Seine Leiche ist nach Jerü; salem gebracht und dort bestattet worden. | Hussein dbn Ali, aus dem .Geschlecht der . Haschianiten, hat ein Alter von 78 Jahren erreicht;. Jahrzehntelang war er unter der türkischen Regierung Emir und Großscherif vo/i Mekka.' Im Kriege war er Parteigänger Englands und schloß mit Engr land ein Freundschaftsabkommen betreffend ErrichL tung eines arabis'c'hen Reiches.' 1919 bis 192^ war er König von Hedschas. Sein Sohri F e i s u 1 nahm ah der Friedenskonferenz teil und wurde später König von, Irak. Der zweite Sohn, A b d ii 11 ah, würde Emir von f ransjordariien. Der Versuch einer auf der Dynastie der Haschimiteh aufgebauten arabischen Konföderation mißlang. Als die Türkei 1923 das Kalifat ab- ' schaffte, ' proklamierte sich Hussein zum Kalifen aller Mösle m s. Seine Hoffnung, von der gesamten islamischen Welt anerkannt zu werden, erfüllte sich jedoch nicht. Hussein bekämpfte später die Politik d es e ng 1 isc h en Mandats i n Palästina und die Errichtung eines jüdischen Nationalheirn6 in diesem Lande. Er weigerte sich, den ihm von'England vorgelegten Ahglö-Hedschas-Vertrag zu unterzeichnen, weil in diesem Vertrage die Anerkenuug des Palästina- Mandats und also auch' der Bai f o u r-D e k 1 a r a t i o n •gefordert war. Er behaupteter die ihm von England während des Krieges gemachten Versprechungen veribUrpteii" fcin> rUr*arl[vk:i»:4giig ee P a,i äs t i n a. Von autoritativer englischer Seite wurde dieser Behauptung wiederholt 6churf widersprochen. Als 1924 die alten Gegner der Haschimiten-Dynastie, die Wahabiten, unter Führung Ibn Saude, des Sultans,von Nedschd, in das Reich Husseins einfielen, erklärte England seine N e u t r a 1 i t ä t. Hussein unterlag und mußte Hedschas räumen, sein Entschluß, den Anglo-Hedschas-Vertrag . tiun doch zu unterzeichnen, kam zu spät. Im Oktober 1924 mußt* er abdanken, er ging nach Cypern in die Verbannung. Da auch sein Sohn Ali eich gegen die Wahabiten nicht halten konnte, ging das Königreich ..^edschasin die Herrschaft Ibn Sauds über. ' < .. '* '■"■'' .. \' Jerusalem, 5. Juni. (J. T. A.) Am 4. Juni fand in Jerusalem unter außerordentlich starker Beteiligung die Beerdigung des Exkönigs Hussein von Hedschas j-staft.'An der Spitze des Trauergefolges, das noch größer gewesen sein dürfte als das beim Begräbnis des indischen Mohammedancrf iihrers M o h a m m e d Ali, schritten die Söhne des Exkönigs, Abdullah, Ali und Said, ihnen folgten die Mitglieder der Palästina - Re g i e r u n g-'und der transjordanischen Regierung, das Konsularkorps, die führenden arabischen Persönlichkeiten Palästinas, ferner von jüdischer Seite Colonel Kisch als Vertreter der Jewish Agency, David Yellin, M. Kalwarisky und Vertreter dos. Rabbinats. Beim Damaskustor leistete eine Abteilung englischer Militärs vor dem Trauerzug die Ehrenbezeigung. Der Sarg wurde in die-Omar-Moschee gebracht, um in der Nähe der Gruft Mohammed Alis beigesetzt zu werden. Am Tage des Begräbnisses hatten alle Konsulate auf Halbmast geflaggt. Das Unterrichtsdepartement der Regierung hatte alle für diesen Tag angesetzten Sportmeetings der Schulen abgesagt. Die Vorbereitungen zum Begräbnis Exkönigs Husseins würden bereits anfangs der Woche, sobald es bekannt geworden war, daß die Krankheit des Königs wahrscheinlich tödlich verlaufen werde, getroffen. ' Die Beisetzung Exkönig' Husseins ' in Jerusalem wird allgemein als ein' Beweis für die f o r t g e s e t z t e n Bemühungen des G r o ß m ü f t i' angesehen, Jerusalem zü einein H e i 1 i g t u in der mohammedanischen Welt vom Range M e k k a s zu' ma'ch'en: Sdialom Mediemi Der edile Pazifismus Nach dem Muster anderer 'Friedensligen,' die kon* fessionell betont sind, haben auch'iü Deutschland Juden eineri „J ü d i s che n F r i e d e n s b ifn d" "gegründet/ eine Art Gesellschaft gegen den Krieg.' Inder *£schecho« Slowakei besteht bekanntlich:'eine-Jüdische Ffauenliga für Frieden und Freiheit«/ mit;,;denselbeti: pazifisüscher*>Tfcn« denzen. ■ ' ' ,.,•;.■:.-.•'!:" Der deutsche Friedensbund' Hat sfch-in; Funktion gesetzt. Er erläßt an die jüdische Bevölkerung Deutsch* lands einen Aufruf zum Beitritt' zwecks Organisierung jüdischer Friedensarbeit und Kampfes gegen, den Krieg, worin es u. a. heißt: „Die Bekenner aller anderen Religionen haben sieh zusammengeschlossen. Laßt uns nicht zurückstehen!" Jedes Mitglied soll eine jährliche Friedenssteuer von mindestens T Mark entrichten und dadurch einon Propagandafonds schaffen. Wir haben also glücklich eine Gesellschaft mehr, die zu den Juden für eine erhabene Idee schnorren geht; schnorren mit den Namen des Präsi* diums des Bundes, dem u. a. die Herren Albert Ein« stein, Oskar .Wassermann und Rabb. Dr. Bäck angehören, und. mit den Namen weiterer Ausschußmit* glieder wie der Zionisten Dr. Alfred K1 ee; Kurt Blumenfeld usw. Die Juden der Welt und die deutschen Juden im besonderen haben wirklich keine anderen Sorgen. Es geht ihnen bekanntlich überall ausgezeichnet. Es gibt keine br ennenderen. jUdj.sch.qn. Fragen...... als Ejnrej[hung, in, den aktiven Pazifismus, der 'im Handumdrehen das ver* heißende Ideal vom Schaf neben dem Wolf verwirklicht. Es gibt keine jüdisehe Pogromnot, kein Wirtschaftselend, kein Ringen um dup^Lejb,ensexist,enz des. jüdischen Volkes, dem man das 'Plätzchen unter' der Sorirte1 Palästinas blutig streitig macht wir sind eine Religiöa änd haben Friedenspfennige .zu sammeln. Sq sagen Zionisten, Kurt Blumenfeld u. a. „Die Bekenner aller anderen Religionen haben sich zusammengeschlossen . . ." Sie wünschen natürlich nichts sehnsüchtiger als den Frieden. Wer weiß das nicht? Die Mohammedaner und Katholiken in Palästina zum Beispiel tun von früh bis nachts nichts anderes als den Juden Frieden predigen und ihn an ihnen üben, ebenso die Protestanten Deutschlands, wo im Zeichen des Hakenkreuzes für die Ziele «des Friedens geworben wird. Das Friedensideal bei den Juden predigen? Ziem* lieh überflüssig. Wir haben niemals Krieg gepredigt, wir haben keine Heere, keine Waffen, keine imperialistischen Tendenzen. Wir sind zufrieden, wenn man uns hier nicht überfällt, wenn man uns in Palästina friedlich bauen läßt. Die Welt zu beglücken, haben wir vorläu* fig keine Zeit. Die liberalen Missionsideen, wieder auferstanden in allerlei Formen, drohen, wieder einmal das-Bewußtsein des gehetzten jüdischen Volkes von seinem Ziel abzulenken: Der Behebung der grausamen Judennot duroh das Heim in Palästina. Man muß das jüdische Volk wajnen vor der wiederauferstandenen Ge« Schuftigkeit jüdischer Herren und Damen,, 4i<s mitte« in

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