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Die neue Welt · 1931-06-05 · Heft 194 (5.6.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 194 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nf. 194 DIE NEUE WELT 8c^?v % wird in Regierungskrisen behauptet, es bestehe kein Grund zu übertriebener Besorgnis seitens der Juden (1). Es sei unwahrscheinlich, daß es zu Unruhen kommen werde; Störungen der öffentlichen Ordnung würden, falls sie sich doch ereignen sollten, von den Behörden mit aller Strenge unterdrückt werden. Dem JTA.«Vertreter gegen* über wurde die Versicherung abgegeben, daß das mexi* kanische Volk nicht antisemitisch gesinnt sei und . daß die antisemitische Kampagne ausschließlich auf ökonomische Ursachen ohne jeglichen religiösen oder kulturellen Hinter« grund zurückzuführen sei. Andererseits stehen die leiten» den Beamten der antijüdischen Propaganda völlig passiv gegenüber und lehnen es strikte ab, das jüdische Problem und die Frage der behördlichen Duldung der judenfeindlichen Propaganda zu erörtern. Die italienischen Zionisten für die Beobachtung des jüdischen Religionsgesetzes in Palästinn. Rom, 30. Mai in Ferra ra fand die Jaihreskonferenz der Zionistischen Föderation für Italien statt. Der bisherige Präsident der Föderation, Dr. Dante Lattes, hielt eine Ansprache über die ewiggn Grundlagen des Zionismus, die ihn mit der meisekiinisehen Hoffniunig des jüdischen Volkes ver- Kjiüp'f&n. Alts Nachfolger von Prof. Dante Lattes, dessen Name von der Föderation in Anerkennung der hervorragenden Verdienste, die er sich in langjähriger zionistischer Tätigkeit um die Bewegung erworben hat, in das Goldene Buch des Nationalfonds eingetragen wurde, wurde Adv. V i t e r b o zum Präsidenten der Zionistischen Föderation Italiens gewählt. Nachdem lla.bbi.ner Dr. Castel (Bodog.nese) einen Aufruf des palästinensischem Oberrabbiners Rabbi Kook verlesen hatte, in dem .gefordert wird, daß zum mindesten der Sa b"ib a t, das Peesachfest und der Gründsatz der K a s c h r iu t h in Palästina öffentlich beachtet weiden und daß die jüdische Erziehung in den jüdi sehen Scihulen Palästinas nicht nach Grundsätzen geleitet werde, die im Widerspruch zu den j üd i seih - religiöse n Leihren .stehen, wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, in der den Delegierten Itaiiiens auf dem 17. Zionistenko.ngreß die Weisung erteilt wird, sich auf dem Kongreß für die in dem Aufruf Rabbi Kooks erhobenen Forderungen einzusetzen. * Jerusalem, 30. Mai. In orthodoxen Kreisen Jerusalems 'herrscht Empörung darüber, daß in letzter Zeit die Uefoung, Fußballspiele am Sabbat tagen zu veranstalten, wieder Platz gegriffen hat. Eine Gruppe von 2500 Agudisten hat öffentiMöh gedroht, sie würde den Verkauf von Eintrittskarten zu dem Wettspiel am nächsten Sonnabend auf dem Makkaibi-Platz in Jerusalem verhindern. Am letzten Sabbat ging der Kartenverkauf unter polizeilichem Schutz vor sich. Oberrabbiner Kook hat den Versuchunternommen, die jüdischen Fußballer zur Einhadtuing ihres Versprechens, am Sabbat keine Wettspiele auszutragen, z.u bewegen. Erste internationale Konferenz jüdischer Taubstummer in Prag. Prag, 29. Mai. Vom 24. bis 26. Mai fand in Prag die erste Weltkonferenz der jüdischen Gehörlosen statt, an der sich Delegierte aus Belgien, Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei be* teiligten. Die provisorische Leitung des 1930 in Krakau Begründeten Bundes isra e 1 itischer Gehörloser in Europa legte dem Kongreß einen ausführlichen Tätig« keitsbericht vor hinsichtlich Stellenf'ürsofge, Erschließung neuer Arbeitsgebiete für Taubstumme, Schutz gegen falsche Diagnosen, die zur Ueberführung Gehörloser in Geistes» kranken<Anstalten führen, Förderung von' jüdischen Taub» stummenbeimen .usw. Aus dem. Tätigkeitsbericht, den.Erwin Kaiser, Berlin, erstattete,. war zu ersehen,- daß die mate« riellert' Lasten der Bundesarbeit fast ausschließlich von den Gehörlosen selbst getragen wordenwaren. - Der Kongreß beschloß einstimmig die Gründung eines „Weltbundes j ü d is c h e r G ehör 1 oser", dessen Ziel die Zusani« menfassung jüdischer Gehörlösenverbände und Vereine in allen Ländern, gegenseitige Beratung und Austäusch der Erfahrungen, Rechtsschutz, 'Wanderfürsorge' " und Heim» fürsorge für alle Mitglieder' ist. Zum Präsidenten des Weltbundes wurde Erwin Kaiser, Berlin,,zum Ehren* Präsidenten Dr. Felix Reich, Berlin, Direktor der israeli* tischen Taubstummenanstalt Berlin»Weißensee, zu Vize» Präsidenten Bogumil Liban, Krakau, Adolf Lederer, Wien, gewählt. Der nächste Kongreß findet 1934 in Berlin statt. Mercurbank. Der Verwaltungsrat der Mercurbank genehmigte in. seiner Sitzung vom 29. Mai 1931 die Bilanz und Gewinu- und Verlustrechnung per 31. Dezember 1930 und beschloß, der für den 26. Juni 1931 anberaumten ordentlichen Generalversammlung aus einem Gewinn von S 1,157.981.05 die Verteilung einer Dividende von S 1 per Aktie vorzuschlagen. E f miiolelieo oef Graz billige Pauschalpreise .Chefarst: Dr. S. Weiss .....«MMIM.......»h<........MMM.......IM;; Die Z* A* V* Bar Kodibo — Wien r gratuliert herzlichst ihrem 1. A. H. Dr» Zwi Wieselberg anläßlich seiner Vermählung mit Frl. Sonja Reich HMIIIIIIIMIIMWHHimillllllllllllllKIMIHIIHM' Zionisten I Glaubt nicht den Verleumdern! Was ist Faschismus? Was ist Reaktion? Will man unter .Juden eine Bewegung diskreditieren, so erscheint hiezu als bestes Mittel der Ruf „Reaktionär!" and in neuester Zeit das Schlaffwort vom „Faschismus!" Man weiß sehr wohl, daß von Assimilanten aller Schattierungen, den sozialistischen und den großkapitalistischen, beim Auftreten des politischen Zionismus und Theodor Herzls versucht wurde, durch den Ruf „Jüdische Reaktion" die Bewegung im Keim zu ersticken. Die Zionisten wurden als Bundesgenossen der Antisemiten hingestellt, als Leute, die die Juden ins finstere Mittelalter zurückführen wollen. Genau dieselbe Methode wird jetzt gegenüber der revisionistischen Bewegung angewendet. Genau dieselbe Methode. Diesmal fühlen sich die Vertreter der assimilatorischen Erbschaft von einer neuen Bewegung bedroht, jene Zionisten, die den Herzischen Gedanken vom Judenstaat verraten haben: Mit der Parole „Faschisten" wollen sie den Juden das Gruseln beibringen. Da die Juden Angst haben vor den Hakenkreuzlern, so müssen die Revisionisten als jüdische Hitleristen hingestellt werden, als Feinde des sozialen Fortschritts, als Menschen, die Gewalt predigen; wohl die dümmste und gemeinste Art des Kampfes! Was ist Faschismus? Wenn in einem Lande normale soziale Schichtung vorhanden ist, eine legale Staatsgewalt die Macht ausübt und diese beiden Komponenten einer Staatsgemeinschaft auf revolutionärem Wege von einer diktatorischen Prinzipien huldigenden Volksgruppe durch Terror und Waffengewalt, durch blutigen Umsturz, unter dem Diktat eines einzelnen Führers (wie in Italien etwa Mussolini) beseitigt werden sollen! Weil der Revisionismus der Ansicht ist, daß Klassenkampf in Palästina den Staatsaufbau unmöglich macht, daß weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber im Stadium des Aufbaus sich den Luxus von Streiks und Aussperrungen erlauben dürfen, daß ein nationales Schiedsgericht beide in Schranken zu halten hat, weil der Revisionismus der Ansicht ist, daß die einseitige Met ho de einer nur auf Landwirtschaft basierenden Kolonisation, wie die Erfahrung lehrte, im Sinne des Auf baus Schiffbruch gelitten hat und in gleicher Weise für Industrie, Handel und städtische Siedlung eintritt; weil der Revisionismus der Ansicht ist, daß die bisherige Ausschaltung des Mittelstandes dem Aufbauwerk unendlichen Abbruch getan hat, die künstliche Züchtung einer ausschließlich sozialistischen Richtung in Palästina politische Korruption erzeugen mußte; weil der Revisionismus der Ansicht ist, daß sein einseitiges System, daß die Finanzierung des Aufbaus nur auf dem Wege der Schnorrbüehse zum Mißlingen verurteilt ist und daher die Methoden geändert werden müssen durch starkes Heranziehen drs Privatkapitals, durch Errichtung von Banken für Einwanderung, Handel, Gewerbe, Industrie und Absatzmarkt der Landespi'odukte, werden die Revisionisten als Arbeiterrehide rcvlciimdcf. Zionisten! Laßt euch nicht irreführen* Die Revisionisten sind nicht gegen die Arbeiter. In ihren Reihen stehen selbst lausende Arbeiter. Die Revision5sten sind nur gegen die schrankenlose Willkür der pulitHchen Arbeiterorganisation in Palästina, die mit allen Mitteln das unterdrückt, was ihren Parteizielen iii-hl Zionisten! Es ist nicht wahr, daß die Revisionisten die besleuiittden Arbeitersiedlungen auflösen wollen. Im Gegenteil. Sie wollen die Arbeitersiedlungen konsolidieren, befestigen, verselbständigen. Weil die Revisionisten der Ansicht sind, daß, wie die Erfahrung gelehrt hat, eine Kolonisation ohne Schutz Raub und Mord ausgesetzt ist und daher wirksamen polizeilichen und militärischen Schlitz verlangen, werden sie als Feinde des Friedens, als Befürworter der Gewalt hingestellt. Zionisten! Es ist nicht währ, daß die Revisionisten mehr wollen als die Sicherheit des Landes und die Möglichkeit der Abwehr. Zionisten! Wie einst die Assimilanten Herzl und seinen Zionismus als Reaktionäre hinstellten, so versuchen die neuen Assimilanten, die Schmäher des Herzl- Zionismus, die Revisionisten als Faschisten zu verschreien. Zionisten! Laßt euch nicht täuschen! Verbesserung des Schnellzugsverkehrs von Baden. Ab 15. Mai d. J. halten in Baden folgende Fern- und Schnellzuge: von Wien kommend: D 181 um 8,37 Uhr, S 283 um 11,22 Uhr, S 185 um 14,13 Uhr, D 285 um 15,22 Uhr, D 187 um 19,47 Uhr, D 189 um 21,52 Uhr, ES 411 wn 22,33 Uhr: vom Gra;z kamanemd: D 288 um 7,28 Uhr, ES 420 um 8,20 Uhr, D 188 um 8,47 Uilir, D 286 um 14,25 Uhr, S 186 um 17 Uhr, S 184 um 19,48 Uhr, S 182 um 21,13 Uhr. Der Feinzugsverkehr ist um acht Züge vermehrt worden. Die Züge D 188 und D 189 führen direkte Kurswagen :über Oderberg—Breslau—Berlin. Der Zug D 187 führt direkte Kurswagen bis Abbazia—Fiume, D 186 direkte Wagen von Rom—Tarvis bis Wien, bzw. [limim— und Ancona—Tarvis bis 'Wien, der Zuig D 182 direkte Kurswagen Triest—Graz—Wien und Belgrad- Graz—Wien. Der Kluge aus der Haggada Eine Volksgeschichte von H. L. Scbitnitzky, Es war in jenen alten Zeiten, da man in Polen noch nichts wußte von einer Eisenbahn, sondern von einer Stadt zur anderen Tage und Nächte fuhr und manchmal auch wochenlang in den gedeckten Lastwagen und Leiterwagen oder mit der Post. In jenen Jahren fuhr einmal der Kaufmann Mojsche Gedalje vonStrykow ungefähr eine Woche vor Pessach nach Warschauern dort eine geschäftliche Angelegenheit zu erledigen. Der;Weg führte über eine große Strecke, die von Lodz über Sgirsch, Strykow, Glowno, Lowitsch, Sochaczow und dann weiter über einige kleinere Städtchen und Ortschaften bis Warschau ging. Bis Lowitsch absolvierte Mojsche Gedalje den Weg mit der Postkutsche, die mit flinken, kräftigen, gut» genährten und gutgepflegten Pferden bespannt war, welche in jeder Stadt ausgewechselt wurden. Man fuhr wie über einen Spiegel. Die Sonne des Vorfrühlings zer« schmolz alle Krusten von Schnee und Eis und sie sind eingesogen und weggebürstet worden von den Winden, die fächelnd über das Land wehten. Die Wege waren trocken, das Wetter lind, der Himmel blau, die Wässer* chen auf den Feldern schimmerten und eine Frische, war in der Luft, als ob die Welt erst am heutigen Tag ge* boren worden wäre, und alles ist noch neu und blank und strahlend. Den Weg von Lowitsch an legte Mojsche Gedalje schon in einer offenen Riskarre (ein großer Landwagen) zurück, der mit etwa zwanzig Personen bepackt war, Juden und Nichtjuden, Alten und Jungen, Männern und Frauen, Bauern und Stadtieuten, mit ihren Bündeln und Säcken. Der unbequemen Lage zum Trotz war die Reise« gesellschaft in guter Laune, weil die Luft warm war und man mit voller Brust den Hauch des Frühlings einatmete. Mojsche Gedalje warf den Pelz von sich, welchen er vor« sichtigerweise auf die Reise mitgenommen hatte, und blieb im bloßen Kaftan sitzen. Er glättete mit Be« dacht seinen breiten Kaufmannsbart und sagte zu seinem Nachbarn, neben dem er gepreßt auf dem Wagen saß: „Oh*wa, man wird heuer scheint's einenschönen Pessach haben ..." Dabei streifte sein Blick, der voll Dankbarkeit zu Gott dem Schöpfer war, den weiten Himmel bis dorthin zum letzten Ende, wo bloß Licht und Lauterkeit war ohne die Spur eines Wolkenfleckens. Die Angelegenheit, in. Warschau erledigte er inner« halb eines Tages, und da wirklich Pessach schon vor der Tür stand, blieb er nicht lange,'sondern machte , sich auf den Weg nach seiner Heimatstadt Strykow. Diesmal bekam er bloß den Postwagen bis Sochaczow, und 'von da ab mußte er schon die Reise in Leiterwagen und Rümpel« kästen zurücklegen oder was ihm sonst unter die Hände kam. Als er auf den Heimweg zurücksah, kam es ihm zum Bewußtsein, daß es vielleicht von seiner Seite ein Fehler war, sich knapp vor Pessach auf eine so weite Reise einzulassen, und daß er sich gottbehüte verspäten und nicht rechtzeitig zum Feiertag bei Weib und Kindern eintreffen, sondern irgendwo unterwegs steckenbleiben könnte. Zu seinem Pech begann das Wetter , sich ungün« stig zu verändern. Von Sochaczow fuhr er noch in offener Droschke ab, da die Sonne warm war und die Luft lind. Als er aber ins offene Feld kam, begann er eine Ver« änderung der Luft zu bemerken. Die kahlen Bäume an den Wegseiten summten schon und über die. Felder her erhob sich ein schneidender Wind. Die; Sonne versteckte sich zeitweise hinter zerrissenen Wolkenfetzen, weißen und schwarzen, dann verschwand sie gänzlich und der Himmel überzog sich von einem Rand zum andern mit einer bleiernen Decke. Aller Glanz erlosch und das bißchen Wärme, das noch in der Luft atmete, zerrann unter dem kalten Windhauch. Am Nachmittag fiel Schnee, zuerst in groben, ein* zelnen Flocken, wie zur Probe, hierauf schon etwas dichter, und im Verlauf einer halben Stunde waren Felder und die Fahrstraße mit einer weißen Decke bedeckt« Auch in Lowitsch konnte er nicht dl« Postkutsobe bekommen und er mußte in einer geschlossenen; JKari*e weiterfahren. Die Passagiere saßen eingezwängt' <wjs. Gänse, in Decken vergraben, die Köpfe iri Tücher gehüllt, daß man kaum irgend eines Auge sehen konnte. Mojsche Gedalje muschelte sich tief ins Pelzfutter, ließ den; Kopf herabsinken und saß schwertütig in langer Nachdenklich'* keit da. Er saß da allein zwischen Nichtjuden, da es schon einen Tag vor Pessach«Abend war und Juden aus ihren Städtchen nicht mehr hinausfahren in die »Welt, „Wohin fährt das der .kupiec'?" fragte ihn, sein' nächster Nachbar auf dem Wagen, ein altet, Baueis an* getan in einen Pelz wie ein Walfischfell. „Nach Strykow", antwortete MoJscKe, Gedalje zjer« brochen. „Nach Strykow ... hm i s s £U0d£ J^eib, zu; den Kindern, auf Passah, ha?" „Ja, ja, auf Passahr „Hm, wenn's nicht weitersohtieit", könnt ihr. noch nach Hause kommen. Aber es sieht nicht danach aus," „Wie konnte ich das wissen, Väterchen?. Ate ich mich auf den Weg machte, wa,r*s wie im Hochsommer," Sie schwiegen. Der tastwagca lütt iöhwerfäliig

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