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Die neue Welt · 1931-06-05 · Heft 194 (5.6.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 194 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 MS NEUE WELT ■"i-Aif. Vf. m dahin. In der Macht fiel derart viel Schnee, daß am nächsten Morgen die Welt wie ein Stück grenzenloser Weiße aussah. Der: Fuhrmann machte irgendwo bei einer christ« liehen Schenke zur Fütterung halt und die Passagiere be« gaben sich hinein. Die Bauern, Fuhrleute und Dorff ahrer in der Schenke blickten mit Bewunderung auf den einzigen- Juden, der »ich da zu ihnen verirrt hatte, wiewohl schon am Abend der jüdisöhe Passah beginnt. Auf der Weiterfahrt schneite ea weiter. Der Wagen konnte sich kaum vom Fleck rühren und die Pferde hörten nicht das Sausen der Fuhrmannspeitsche. Stege und Wege schienen verwischt. Der Vormittag war dahin, dann die Nachmittag« stunden, die Nacht rückte an, die erste Pessachnacht. Mojsche Gedalje saß zusammengekauert; murmelte irgend* etwas fromm und heiß. Wahrscheinlich, sagte er sich, ist das der Wille des Herrn, daß er, Mojsche Gedalje aus StrykoW, sich in der heiligen Sedernacht irgendwo in einem verlorenen Winkel befinde und daß Weib und Kinder nicht wiisen, was mit ihm geschieht. Plötzlich, mitten in -der Nacht, machte der Wagen halt. Mojsche Gedalje erzitterte das Herz, denn er hörte, daß der ^Wägen in einer Stadt angekommen sei: „Glowno? Soll's Glowno sein, wenn nur unter Juden und nicht' aüf freiem Feld!" Er sprang vom Wagen und lief zum nächsten Haus, in dessen Fenster Feiertagslicht erstrahlte. Er pochte an der Tür; „Wer draußen?" fragten einige Kinderstimmen. „Oeffnet, Juden, habt Mitleid! Ein fremder ver* späteter Judel" Die Kinder öffneten, sprangen erschreckt zurück, als sie einen von oben bis unten in einen Pelz gehüllten Juden sahen mit einem von Schnee weißen Bart, da sie glaubten, es sei Elijahu, der Prophet. Mojsche Gedalje erzählt sein Erlebnis. Man half ihm aus dem Pete, streifte ihm den Schnee ab und lud ihn zum Sedertisch. Er saß betrübt da und sagte die Haggada mit. Plötzlich aber sprang er auf, schloß die Augen und sagte mit großer Hast unter Tränen: „Jetzt verstehe ich's, die Geschichte vom Bösen und vom Einfältigen und dem, der nicht zu fragen versteht", rief er aus und klopfte sich an die Brust. „Das bin ich, Mojsche Gedalje aus Strykow, dem der Böse eingab, in den letzten Tagen vor Pessach eine weite Reise zu unter« nehmen. Wer aber ist der Kluge aus der Haggada?", sang er mit großer Betrübnis hervor., „Das seid ihr, Reb Jud", wandte er sieh an den Herrn des Hauses. „Ihr seid wirk« lieh klug, daß ihr in der heiligen Sedernacht bei euch im Heuse seid, bei Weib und Kindern, beim eigenen Tisch vor den heiligen Kerzen, Und nicht weggereist seid in fremde Städte am Pessach'Vprabend, - in die weite Welt..." Seine Gastgeber saßen am Tisch und blickten den Gast mitleidsvoll an. Seit damals geht durch die Welt das Sprüchlein: Der Kluge aus der Haggada Wohnt in Glowno 1 AUS PALÄSTINA. Für die Rechte der hebräischen Schrift. Herr Israel Amikam aus Haifa hat dem High Commissioner von Palästina ein „M emorandum über die Verletzung der Gleichberechtigung der hebräischen Sprache mit den übrigen offiziellen Sprachen Palästinas durch das Posfc und Telegrapihemdepartem«nt" überreicht zwecke Wedterleitung an die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes, In hebräischer Sprache geschriebene Telegramme werden ebenso wie Telegramme in irgend einer fremden oder nicht offiziellen Sprache nur angenommen, wenn sie in lateinischer Schrift geschrieben sind. Die Araber indessen können Telegramme, die in ihrer eigenen Schrift geschrieben sind, absenden und in Empfang nehmen. Die Gründe, die für diesen Unterschied angeführt werden, sind: a) die Zahl der hebräischen Telegramme ist verhältnismäßig kleiner als die in anderen Sprachen abgesandten. Infolgedessen lohnt es nicht, die bestehende Praxis zu ändern - (dje die Regierung allerdings in ihrer offiziellen Zeitung vom Oktober 1922 als zeitweilige erklärt hat); b) es existieren technische Schwierigkeiten bei der Uebersendung von Telegrammen in hebräischen Schriftzeichen; q) die Einführung von Telegrammen in hebräischen Schriftzeichen würde eine Erhöhung des Budgets zur Folge haben. Der Verfasser des Memorandums antwortet: a) Die (Undeutlichkeit einer hebräischen Mitteilung in lateinischen Lettern führt häufig zum Verzicht einer Absendung eines Telegramms in hebräischer Sprache; b) da die Morsezeichen für die hebräischen Buchstaben dieselben sind wie die arabischen, braucht man nur am Anfang des Telegramms ein Mörsezeicheri, das „hebräisch" bedeutet, wie man es auch für .'„lateinisch" ekler ' „arabisch" telegraphiert; c) die dadurch entstehenden Unkosten sind absolut u n b e d e u t e n d. (JAB.) Einberufung einer Polästinenwaehen Legislative Anfang 1932? London, 28. Mal „Times" melden aus Jerusalem, d*# man. «J in dortigen ein/geweihten Kreisen für höchst unwahrscheinlich hält, daß die Wahlen m einer ge- eif(j«ö«nden Vera am xa 1 u n f f ü r P a J üb t i n a otefc BdenrtifUttg der Volkszählung,' die Ütantnjemiißes geben $ai #M«t4ffe Oftw* ©ejunb^H ob« $ut (Steftiittattg atüfcit Steint ©omrm Sfttwt Stötptt utöglidtfr off ftt Suft — 6ottit€ — fltaff et — tofett. tieften <Ste ftfcten ttttaui aui,.uth fi$ Ieta)t unb ttMutgemtfr 9» .Seiten. Mti für bi« ttt&mtewtfe, ten ÄrnVunfr »öbwmfenthalt Dritten Wit trt rfcßaittet u*b aibUgenex ..KuftfityiiMkg ju foift>i«lfc>3 Mtfleit greifen. Leinen* Spangen *Bad esc hu he, gefuttert/ mit GummifCrepfohle und Absatz i Für Kinder: Größe 24-29 per Paar nur Für Knaben u. Mädchen « « Qr 30-34 5 I.— für Damen e * O0 Gr. Ö5-41 S 1.98 für Herren 0 4 M Gr. 39-46 5 1.98 Gummi- Bade-Sprunghauben, <£q alle Farben, div. Fassonen w«r per Stück nur......... 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Wie der Jüdischen Telegraphenagentur vom Herausgeber des Jerusalemer hebräischen Tagblattes „Doar Hayom", Ben Avi, mitgeteilt wird, hat sich eine Gruppe von Mitgliedern der Bnei Benjamin, einer Organisation von in Palästina geborenen Söhnen jüdischer Kolonisten, maßgebenden Einfluß auf den „Doar Hayom" gesichert. Das Blatt wird infolgedessen von nun an für die Politik der Bnei Benjamin, d. h. für Wahrung der Rechte der in Palästina geborenen Juden, die Einführung einer Kantonalverfassung ifyt Palästina und Uebertragung der Verwaltung des Palästina- Mandats von England an den Völkerbund selbst eintreten. — „Doar Hayom" war zwei Jahre lang das Organ der palästinensischen Zionisten-Revisioniiten. Diese haben jetzt ihr eigenes Tagesorgan mH&mr*« T heafer, Kunff und lllllllllUllflLi'feratiir. Konzert Igor Gorin. Der Konzertabend des jüdischen Sängers Igor Gorin im Mittleren Konüerthanesftäl dürfte , der Auftakt einer großen Karriere sein. Denn die Qualität der Stimme und die Meisterschaft, mit der der junge Bariton die einzelnen Stücke seines Repertoires nuanciert, lassen erkennen, daß hier ein Künstler heranwächst, bei dem die Voraussetzungen eines raschen Aufstieges gegeben sind. Lieder und Arien (in den meisten Kultursprachen) fesselten das Publikum, da« Igor Gorin (bisher unter dem Namen Grünberg bekannt) mit reichem Beifall auszeichnete. Der junge Künstler dürfte vor seiner zweiten amerikanischen Tournee noch einmal in Wien zu hören sein. Jüdische« Volkstheater In Sofia. Das von der Aechkenasischen Jüdischen Jugend vor einiger Zeit gegründete „Jüdische Volkstheater" trat am 14. Mai zum erstenmal vor die Oeffentlichkeit. Zur Aufführung gelangte M. Feinmanns Schauspiel „Schabas Kojdesch" in der Regie des Jordan K a r a n o w von der Bulgarischen Nationaloper und der Gesamtleitung dfir Herren Fe 11 er und Silbermann. Die bulgarische Presse konstatierte einmütig den leidenschaftlichen Spielwillen der Schauspieler und die Echtheit der jüdischen Typen. Auf Grund der ersten Vorstellung, die zugunsten des Altersheims „Toni-tuca Moskowics Sofia" im Svöboden-Theater stattfand, wird sich das junge Theater gewiß viele Förderer und Freunde erwerben. Jiddische orthographische Konferenz in Wilna. Im Wilnaer jiddischen Kulturhause tagt gegenwärtig eine Konferenz zur Vervollkommnung de r jiddischen Orthographie und Aussprache, an der etwa 50 Delegierte aus Polen, Lettland, Litauen, Amerika und aus anderen Ländern teilnehmen. Auch die Germanistik-Professoren der Wilnaer Universität beteiligen sich an der Aussprache. Das Präsidium setzt sich aus J. Opatoschu, M. Weinreich, Dr. Silberfarb, S. Niger, G. Pludermacher, N. Prilucki und Salman Reisen zusammen. P r i 1 u c k i forderte, daß das Jiddisch in Polen und der Ukraine als Musteraussprache festgesetzt werden müsse. Ein Vertreter der WiInaer Orthodoxen erklärte, die litauischen Orthodoxen stimmen mit den Vorschlügen Sälomo Birnbaums (Hamburg) betreffend eine orthodoxe Orthographie nicht überein. Der Vertreter der jiddischen Schauspieler, Adler, ersuchte die Konferenz, für die Ausarbeitung eines Bühnen- Ji^d.(d;.j.::SÄc.hi;..zu sqrgen. Der Vertreter des. Zentral Vereins der jiddischen ,Buchdrucker,. W ar s.za w.s k i, ersuchte um die Proklamierung einer einheitlichen jiddischen Orthographie. D. Kalmanovicz forderte, daß die Orthographie der im Jiddischen gebräuchlichen hebräischen Worte hebräisch bleiben solle. N. Prilucki wünschte, daß die hebräischen Worte jiddisch geschrieben werden sollen. S. Niger und Salman Reisen sprachen sich im Sinne von Kalmanovicz aus. Chajim Bloch 50 Jahre alt. Am 27. Juni wird der bekannte Wiener Schriftsteller Chajim Bloch 50 Jahre alt. Bloch ist besonders durch seine Werke „Der Prager Golem", „Die Gemeinde der Chässidim", „Kabbalistische Sagen", „Priester der. Liebe", „Lebenserinnerungen des Kabbalisten Vital", „Das jüdische Volk in der Anekdote" u. a. m. bekannt geworden. Gegenwärtig arbeitet Bloch an einem großen Kulturwerk „Das jüdische Volk im Spiegel eines Jahrtausends" Verlag Josef Brenner, Wien H, i'oeben erscheint Harburg, Dr. Fritz: l)er Aitffceimti§mus m der deutschen Republik steif broschiert...... mit zahlreichen aktuellen 16 Kunstdrucktafeln. .... Mark 2,— Illustrationen auf Vorrätig in allen Buchhandlungen. Wo nicht lagernd, verlange man direkt vom Verlag. Vereinsnadirflditen. Vereinigung'der zionistisch-demokratischen Jugend. Wochenproigramim: Dontnerstaig: Hdbräischtkiurise. Samstag: 5 Uhr Zusammenkunft der Kindergruppen, 6 Uhr Sicboth der Kwuzoth Dmai, Dror, Mädchenkwuzah Beth, 6 Uhr Plenarvers-ammlüng. Sonntag; 8 Uhr früh Wanderung. Montag: HebräieÄ'urse. Dienetag: SActooth der Kwuzoth Hagibor, Deborah, Hatchijah. Mittwoch» halb 7 Ufer Sicbxvth der Kiwnzoiih Dinad, Dror, ihailib 9 Uihr Vortrag im Verband. Revisionistischer Studentenklub. Mittwoch, den 5. Juni, präzise */** Uhr, haben sieh all« Mitglieder in den ihnen angewiesenen Agitationelokalen dnzufinden> Punkt 5 Uhr haben die Mitglieder zur Wahlurne an schreiten und gleichzeitig Freunde und Bekannte zqr Wahl mitzubringen. Werbet und agitiert für dj« «i-onistisch-revisionistische* Liste, führer Robert Strickerl * Donnerstag, den 4. Juni, prjwito halb 9 UJw, Klub« »band in H«im, II., Untere A*»g*rtai«tr«ße 38, An dto-

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