Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 194 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 194 DIE NEUE WELT Seite 5 nung „Bestehende nichtjüdische Gemeinschaften" beschäftigt es sich mit den Arabern Palästinas und sagt ihnen lediglich die Wahrung ihres Status quo ante hinsichtlich ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte im Zeitpunkt der Mandatsschaffung zu, nicht aber in bezüg auf ihre politische Stellung. Es besteht nicht der geringste Zweisei, daß das Mandat dem jiu dischen -Volk die Wiedererrichtung eines jüdischen Nationalheims mit dem Ziel p o 1 i t i s c h - d o m i n i e r e nder Stellung zusichert, wobei es eingehend die Verpflichtungen der Mandatarmacht zur Verwirklichung dieses Mandatszweckes festlegt. Der Zweck des Mandats ist die landeswirtschaftliche und landespolitische Judaisierung Palästinas: statisch in-'beziig auf die arabische Gemeinschaft in Paläzu.den Arabern und zu England fest. Unter der Bezeichstina, dynamisch in bezug auf das jüdische Volk. Die Stellung Englands in Palästina ist zeitlich begrenzt, Palastina als A-Mandatsgebiet kein integrierender .Bestandteil des britischen Reiches. Der Absicht Englands, den Mandatsinhalt nicht zu verwirklichen, sondern - Palästina dem britischen Reich einzugliedern, dienen: Weifibuch 1922, Weißbuch 1930, MacDonald-Brief 1931, Und die Technik zur Durchführung dieser Absicht arbeitet mit der Hebung der arabischen Gemeinschaft aus der geringen, ihr nach dem Mandat . zukommenden Stellung (Arab Agency, Parlament, Vereitlung einer Verständigung auf dem - Boden des Mandats, Schüren des arabischen Widerstandes gegen den Mandatsinhalt) um unter Berufung auf diesen Widerstand sich der Durchführung der Mandatsverpflichtungen zu entziehen. Will die zionistische Politik am Mandatsinhalt und am Z^el des Zionismus festhalten, so muß sie mit allen Mitteln der britischen Palästinapolitik entgegenwirken, die.: sich -- im Weißbuch 1922, im Weißbuch 1930, im MacDonald-Brief 1931 und in der Praxis der Palästinaadministration dokumentiert, um England solcherart zu einer Aenderung seiner Politik in der Richtung der tatsächlichen Mandatsverwirklichung zu drängen. Betrachten wir die arabische Frage. In der Periode der; isolierten Behandlung Palästinas kam bloß eine Verständigung "der J u d e n' mit der arabischen Gemeinsehalt Palästinas in Betracht, während es heute scheint, daß --maneinen Ausgleich mit der arabischen W.eli anstrebe. Verständigung mit den Arabern Palästinas', beinhaltet im Sinne zionistischer Politik bloß die Forderung der Anerkennung des'Mandatsinhaltes. Dte: Araber hätten sich mit der aus dem Mandat sich ergeben/ten, Situation abgefunden, wenn '■ England jene Eäm^nderunge--' und Bodenpolitik getrieben hätte-, die 'das*-Mandat iVorsiehtj und nicht eine Politik der ' A'ü f- ' r ech t;«i rh a 11 irn g, d e s G1 e i e hg e w i cht e s z'wiscHeit;den* 2jüdfecheuv .Volk- und; der ••siehtjüdischen Bevöük%rtöig MSfcfön'äV - >■:■■■■ -'' '-' ■ ■ '■ ••;- «..:.•:** <:-'-> v"i IJntetf Solchem "'Aspekt" haben die Araber keine: Veranlassung» das Mandat und ihre mändatsmäßig fixierte' Stellung'zu akzeptieren; Der 'Kernpunkt des MäcDonald- Biiefete Jtehrt vorsätzlich Wirkung und Ursache um. Nicht die Verständigungzwischen' dem jüdischen Volk und der .nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas kann die Bedingung; für das Aufhören der englischen Gleichgewichtstaktik sein. Vielmehr entspringt diese dem Zweck, «ine Verständigung auf dem Boden des Mandats zu ver hindern. Und eine Verständigung in englischarabischem Sinne, d. ^h.* unter .Preisgabe des Mandats, hieße das zionistische Ziel aufgeben. * - * * Nun zupi' zweiten Teil unserer Betrachtung: zur Einordnung des jüdischen Natiönalheinis in die vorder orientalische Welt. Diese Einofdnungstendenz paßt sich durchaus der neuesten Wendung der englischen Orientpdlitik an. Sie'ist es, die sowohl die Negierung der Mandatsverpflichtungen als auch die scheinbare Förderurig panarabischer Pläne bedingt. Die englischen Manöver, durch Drosselung des jüdischenPälästina-Aufbaues das Vertrauen der Araber zu gewinnen und ihnen die Hoffnung zu erwecken, England meine , es ehrlich mit seinen panarabischen Plänen, haben nur den einen Zweck: die britische Oberhoheit in der arabischen Welt zu sichern. Der Gefahr eines künftigen , un abhän gige n Panarabien opfert «England das jüdische Nationalheim selbst im embryonalen Sinne des Churchillschen Weißbuches vom Jahre 1922. Weder im kleineren Rahmen Palästinas noch im größeren der vorderor.ientalitehen Welt ist ein Ausgleich ohne Preisgabe des zionistischen Zieies möglich. In jedem Falle würde er die englische Politik und die Araber von den Fesseln des Mandats befreien. Beharrt der Zionismus nicht-auf der unbedingten mandatgemäßen Sonderbehandlung Palästinas," so hat er-sich'zum letzten Opfer, entschlossen, das bisher. England selbst zu fordern nicht gewagt hat. ' Bei Menschen mit unregelmäßiger 'Herztätigkeit schafft ein Glas natürliches „Franz*Josef"*Bitterwasser, täglich früh nüchtern genommen, mühelosen, leichten Stuhlgang. In Apotheken u. Drogerien erhältlich. Allgemeine Zionisten! Wer für die Liste Dr. Oskar Grünbaum stimmt, stimmt gleichzeitig für die Liste derer, die den K1 a s s e n k a m-p f i n P a 1 ä s t i n a predigen. Denn die Liste Dr. Qskar Grünbaum ist mit jener sozialistischen Liste gekoppelt, die sich „Arbeitendes Palästina" nennt. '\ < Darum m Keine, Stimme der Liste Orünbauin! Viereinhalb Millionen Juden;ini%n^ka.: .New Yorkv26. Mai. (J.-T. A.) Das Amedoan Jewish Committee verÖffentHcKt;ne^ über die Zahl: der Juden'in , Ämeraka'.^' Diesen Aufstellungen zufolge lebten Ün"'yfclen -V$ed.flfj^'n* Sfe&ten •EnÜe. 1927 k,22"8,Q00i.Juden, -. -\yas;. :einem.' 'A^Mfeil von.;.5,4 > Prozent an der- Gesaantbevöilikeriung?:. desi(X4ndes; entspricht;. ■ Vor-. 50 . Jahren, . vor dem ■Einsetzen der Massenauswande-, rungsbewegung arus Rußland.!nach Amerika :-nach den Pogromen und.den Maigese$zer^-voh: i$8t, gab es in den- Vereinigten Staaten bloß 230.000 Juden. Von .1881 bis 1950 sirid 2,483.944■> Juden als Immigranten nach ■ Aimeinjika gekommen, während 113.099 Juden in*dem gleichen. Zeitraum .aus Amerika auswanr derten. . Im Jahre 1930, sind 11;526 Juden, zum größten. Teil. Angehörige der ini .Lande bere.it« ansässigen >jüdv~ S 20.- S 24.- S 28.- Vil., Rniserstraße 1Z3 IX., Alserstraße 6 sahen Bevölkerung, in die Vereinigten Staate; eingewandert. 85 Prozent der jüdischen Bevölkerung .Amerikas, lebt in Städten mit einer Einwohnerzahl von über 100.000. . Die statistischen Daten des American Jewish Camimittee stammen annähernd mit den Aufstellungen, die von anderer Seite gemacht wurden, überedn. Anläßlich der von der Hebirew Immigrant Aid Society (Hias) im März dieses Jahres veranstalteten 50-Jährfeier des Beginns der Masseneinwanderung aus Osteuropa nach Amerika erklärte der Präsident von Hias, Abraham Hennan,. die jüdische Bevölkerung habe zur Zeit des. Beginns der Masseneinwanderung 250.000 bei einer allgemeinen Bevölkerung von 45 Millionen betragen, während gegenwärtig unter einer Gesamtbevölkerung von 120 Millionen annähernd 4V2 Millionen Juden in Amerika leben. Das Büro -für Jüdisch-soziale Forschung veröffentlichte im Jahre 1928 eine Statistik über die Resultate einer im Jabre 1926 unter Leitung eines Komitees, an dessen Spitze Richter Otto A. Rosalsky und Dr. Lee K. Frankel standen, durchgeführten Zählung der jüdi: sehen Bevölkerung von Groß-New York. Auf Grund dieser Zählung war die jüdische Bevölkerung von Groß-New York mit 1,728.000 Seelen festgestellt worden, was etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt entsprach. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in der Zeit von 1915 bis 1925 betrug ebenso wie bei der allgemeinen Bevölkerung 16,4 Prozent. Sterbe- und Gebuntenrate, waren hei den Juden New Yorks niedriger als bei der übrigen Bevölkerung. Die amerikanische Vertretung auf dem XVII. Ziönistenkongreß. , New York, 29. Mai. In den Vereinigten Staaten wurden im Laufe der diesjährigen Sehekelkampagne 114.000 Schekplim abgesetzt. Die Vereinigten Staaten werden;£Ojnit 3 8 De.Legierte zum Zionistenkongreß entsenden. Auf Grun-d..ß.ijPter^Verejuiba'rung zwischen den einzelnen . zjphißtisc'heii.vGr,uppen , werden , in ..A^e^rika ke|ne .KongreßwaMen stattfinden. Die Mandate werden nach ^folgendem Schlüssel, verteilt werden: Allgemeine Zitraisten .20,, Misrachi 8, Poale Zion 5, Zeite Zion 3 und Revisionisten 2 Mandate. Statt eines Präsidenten — ein Kollegium. New York, 29. Mai. Der Führer der amerikanischen Zkmisten, Richter Julian W., Mac.k, hat sich an Bord der „Paris" nach Europa zur Teilnahme am 17.' Zionistenkongreß begeben. Vor seiner Abreise erim Kanal ins Meer^ Nichts kam wieder zum Vorschein: weder vom Flugzeug noch vom Piloten -noch van Aaron Aarohsühh.." ■ " ' ■ ' ' "■ ""'.'"■""■ '."'" Ich habe: es für eine Pf licht gehalten, möglichst wortgetreu. die Schilderung Alex Aaronsohns von dem letzten; so..bedeutungsvollen Abschinitt des Lebens seines Bruders, ' meines lieben Freundes Aaron Aaronsohn' wiederzugeben. Ich sah ihn zum letztenmal, als er' auf seiner Reise von Konstantinopel über Hamburg nach Skandinavien'fahl'.- Er -'berichtete mir über seine Pläne. Es gab und es gibt wohl, noch heute Menschen in den zionistischen Kreisen, die es wagen, Aaroiisohn nach •Jen landläufigen Begriffen als Spion zu werten: Spion, Spionage-. . . Es ist etwas Anrüchiges hierbei. Ohne Apologet der gewöhnlichen käuflichen Spionage sein zu wollen, hin ich der Ansicht» daß die höhere Gattung Mersch wcihl zu unterscheiden verstehen wird, zwischen Spionage und dem Dienst an seinem Volk, den die 'Engländer mit der richtigen Bezeichnung „Intelligence Service" belegt' haben. Es ist die Verstandesleistung, die höhere Form der Kriegsleistung. Zu einer Zeit; da der Krieg das Ritterliche, das er noch besessen haben1 mag, als es einen Kampf von Männern gab, völlig verloren hat, da er' zu einem Kampf der Maschine, der Technik, der Chemie wurde, ist der Verstand die' baüb'erere Waffengattung: er hilft den Krieg abzukürzen, die Zahl Üer Opfer zu verkleinern. Für uns war der Dienst Aaronsohns an seinem Volk 'ein notwendiger, ein von den edelsten Motivea diktierter. Diejenigen, die ihn anders beurteilen,' verdienen es nicht, daß er für'sie gewirkt und gelitten hat. Alex Aaronsohn veröffentlicht, gleichsam als Einleitung zu der Biographie seines Bruders, einen 'Brief eines Freundes, des Mr. William C. Bullitf. Ich wußte vqn. den guten, ja oft glänzenden Beziehungen Aaron-. sohns zu den verschiedenen Personen seiner zahlreichen Begegnungen. Er hatte Freunde unter den Wissenschaftlöra in Amerika, aber, was für uns .besonders politisch. wichtig war, unsere besten Freunde, ich meine die ehrlichen' Freunde unserer Sache, waren auch seine persönlichen Freunde: ' Sir Mark^Sykes, .Colone! ' Mdhejrtz--' nagen,-der vor kurzem mit-, einem mutigen-Brief in der „Times", auftrat, Wyndham Deede,_ Orniisby-Gorc, waren seine -Freunde. Es ist "daher. ..von Inte re-s-se, zu hörein, wie ein bedeutender njehtjüdischer Zeitgenosse Aaronsohn beurteilte. William C. B'ujlitt war ein sehr einflußreicher amerikanischer; Pplitjker, einer der Ratgeber von- Präsident Wilson ' während .der ( Friedenskonferenz. 'Er'; war Chef der ' von Wilson nach Rußland geschickten' Delegation. Der an Alex Aaronsohn Von W. G. Bullitt gerichtete Brief ist aus Wind^or, .Venno-unt, U. S. A., geschrieben und mit dem 9. April 19^0 datiert. Er lautet: „Felix Frankfurter erzählte mir, daß Sie zu Aarons Gedenken ein Buch vorbereiten und daß Sie mich mit dem Wunsch ejjreh, ein Wort von mir in dem Gedächtniswerk haben zu wallen. Ich ka/nn nicht anders zum Gedenken Aarons schreiben, als indem ich Uber Aaron schreibe. Meine'Erinnerung an. ihn ist zu lebendig. Er war, glaube1 ich,' der Größte unter den Männern, die ich kennengelernt hätte. Er schien mir e.ine Art Riese der vergangenen Zeiten zu sein — wie Prometheus. Es ist nicht leicht, seine' Größe in leblösen Worten auszudrücken, denn'er war die Quintessenz von Leben: vcvn :'eiiriieihi hinreißend strömenden, reichen und freudvollen Leben. Viele Menschen sind ohne- Z/weifel geistig so groß,'.'wie er es 'war,.obgleich . ich niemanden seinesgleichen kannte. Abert wenn sie auch ebenso -groß intellektuell sein mögen, sie besaßen nicht ein so großes GeniütVevi war groß in'Courage, in Sympathie, in --Wollen, in-Zärtlichkeit, in menschlichem Verstehen, größ sowohl ihr Verkehr mit. Staatsmännern wie 'mit',.Kindern, rnjt Gelehrten wie mit . Künstlern, groß zuig'jQich im .Humor wie' in konstruktiver Imagination.': " : ' ' Aaron war für .^i'ch n}cht allein die leidenschaftliche Verkörperung der Bestimmung der , jüdi-. sdien' Rasse, ein Heim zu haben und wieder eine Nation zu werden, sondern vielmehr ein Hauptmann in der vordersten Kompagnie der kleinen Armee von Menschen, die immer gegen Unwissenheit, Vorurteil und Haß marschiert. Würde er weitergelebt haben, so würde er, so glaube ich, ein Weltführer geworden sein, in den Jahren der Not, die die Menscheit heute befallen hat. Ich erinnere mich seiner in Washington — wie saßen dort die Diplomaten mit offenem Mund, verblüfft durch seine Kenntnisse und durch seinen Scharfblick und erwärmt durch sein Bild des zukünftigen Zion.. Ich erinnere mich seiner bei der Friedenskonferenz in Paris — wie er vom Anbeginn an das Ende dieses tragischen Dramas voraussah, wie erun-.. tri^glioh seinen Weg durch tausend diplomatische Fälle hieb, wie klug er war im Rat und stark in Freundschaft. Und zugleich wie menschlich. Wohl meine letzte Erinnerung an ihn ist ein Gespräch im Hotel Crillon, als er mir erzählte, daß er vor, dem Rate der Vier für Zion zu plädieren hätte, und fragte um meine Meinung, obwohl Clemenceau, Orlando, Lloyd Georges und Wilson dafür Verständnis haben würden, wenn er verlangen würde, daß eine Fläche von bestimmten 5 Acres Land in den zionistischen Staat eingeschlossen sein sollte, da dort eine besondere Art einer wilden Pflanze vorkommt, die im Dienste der Wissenschaft erhalten werden sollte und von den Juden gepflegt, von den Arabern dagegen vernachlässigt werden könnte! . Nichts in der Natur oder im Menschen war ihm fremd oder außerhalb des Kreises seiner rasch erwachenden Sympathie. Die jüdische Rasse hat viele glänzende Führer* als aber Aaaron hinschied, so verlor sie, .scheint mir, den Mann, der vor allen anderen es verstand,' den Geist und die Herzen von Männern anderer Völker zu aktiver Sympathie zu entwenden. Und nicht Zion allein leidet durch seinen Verlust. Die Welt ist ärmer geworden." So .war Aaronsohn.