Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 194 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' Seit*v4_ ■!• , einen neuen Vorstand zu wählen, das Budget für dar Jahr 1931 und die anderen laufenden Agenden der Ge# meinde zu erledigen. Die neue Repräsentantenversamm* lung zählt 41 Mitglieder und keine Ersatzmitglieder, wäh« rend die bisherigen Gemeindeparlamente. 21 Mitglieder und eine entsprechende Zahl Ersatzmitglieder zu zählen pflegten. Unter den Gewählten befinden sich drei Frauen. Während die bisherige Repräsentantenversammluftg 10 Liberale, 7 Volksparteiler, 1 Poale Zion, 2 Mittel* parteiler, 1 Konservativen zählte, verteilen sich die 41 Sitze der neuen Repräsentanz auf die einzelnen Parteien wie folgt: 2 4 Liberale: Direktor Dr. h. c. Wilhelm Klee* niann, Rechtsanwalt Heinrich Stern, Bertha Ftlkenberg, Wilhelm Marcus, Moritz Rosenthal, Wilhelm Graetz, Landgerichtsrat Dr. Martin Lesser, Studiendir. Doktor Josef Gutmann, Karl Fuchsi Dr. Sally London, Bruno Woyda, Martin Sobotker, Dr. Kurt Fleischner, Amts* gerichtsrat Walter Michaelis, Alfred Jaulus, EHeser Ehren* reich, Dr. Hans Sachs, Max Eisenkrämer, Louis Wolff, Benno Salinger, Hedwig Witkowski, Eitel Rockmacher, Landgerichtsrat Dr. Joachim Seligsohn, Rechtsanwalt Dok* tor'Max Meyer. Da einige der Gewählten wohl in den Vorstand delegiert werden dürften, kämen für die Repräsentanz noch in Betracht Studienrat Dr.'Kürt Lewin, Dr. Hans Lewenz, Dr. Eugen Pinner, Moses Gottfeldt. - 14 Volksparteiler: Rechtsanwalt 'und Notar Dr.. Alf red Klee, Dir. Georg Kareski, Oberbibliothekar an der Universitätsbibliothek Prof. Dr. Heinrich Loewe, Ministerialrat Hans Goslar, Marcus Hornstein, Lina WagnersTauber, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Moses, Biblio» thekar Prof. ,Dr. Hermann Pick, Rechtsanwalt und Notar Dr. .Hermann Lelewer, Sozialsekretär Alfred Berger, Land* gerichtsrat Artur Rau, Dr. Oskar Wolfsberg, Moses Gold* mann, Philipp Grünbaum. .Als Repräsentanten-kämen, da einige der Genannten in den Vorstand delegiert werden dürften, noch in Betracht: Redakteur Moses Waldmann, Bruno Dobrczynski, Rechtsanwalt und Notar, Philipp Kozöwer. '. . \, . " " Religiöse Mittelpartei: 1 Mandat: Syndikus Doktor Alfred Wiener. •Poale Zion: 1 Mandat: Rechtsanwalt■', Dr. Oskar Cohn. ■ Ueberparteiliche Vereinigung: 1 Mandat: Dr. Isinar Freund. Die Sorgen der Nationalsozialisten. — Bismarck, der Judenstämmling. Berlinj 31. Mai. Der 1014 im Kyffhäuser-Verlag, München, erschienene"S e mi- G ö t h a hat bekanntlich eine Ahnentafel der Familie Bismarck aufgestellt, aus der hervorgeht, daß die 1851 zu/Triest geborene Ehefrau des Grafen Georg Hoyos, Alice,. geb. Whitehead, die Schwiegermutter des Fürsten Herbert Bismarck und mütterliche Großmutter des früheren deutschnationalen Abgeordneten und jetzigen Förderers der Nationalsozialistischen Partei, Fürsten Otto, der Avegen seiner 'antistaatlichen Betätigung von seinem Posten als Landrat enthöben worden war, einer englischen Familie entstamme, „deren Chef. Sir James Whitehead die Stelle eines K u 11 u s v.o r s t a n d e s der israe1itischen Gemeinde in London diesen offenen Androhungen amerikanischer Repressalien wagte Djemal nichts mehr gegen Aaronsohn. (Aaronsohn stand - als Leiter der Versuchsstation In Athlit, einer von amerikanisch-jüdischer Seite finanzierter - Institution, gewissermaßen unter amerikanischem Schutz.) Das Land ist blockiert von allen Seiten. und steht außer-Verkehr mit der übrigen Welt; Aaron erhält keine Mittel mehr für die Versuchsstation. Die Not ist groß und die Gefahr von-Massakers wird immer drohender. Nadi langem innerem Kampf fäält Aarons. Entscheidung. Er beruft seine zwei nächsten Mitarbeiter' — seihen Bruder Alex und seinen Assistenten und Freund Absalom Feinberg.'Er erklärt ihnen zuerst seine Gedankengänge: Wenn die Engländer noch nacht in Palästina'eingedrungen sind, so doch wohl aus dem Grunde; daß ihnen die tatsächlichen Verhältnisse in der türkischen Armee nicht bekannt sind, der „Intelligence Service" (der englische Spionagedienst) verdient nicht seinen Ruf.:Beweis: dde Ueberraschung der Engländer durch den türkischen Angriff auf den Suez-Kanal, der den Türken beinahe die Herrschaft über diese Lebensarterie verschaffte. Man müsse daher die englischen Behörden erreichen, um sie aufzuklären und sie zu überzeugen, daß früher oder später England gezwungen sein werdenden Krieg nach Palästina selbst zu tragen und daß jeder ' versäumte Tag den Sieg der-Alliierten schwieriger mache. Um aber zu den Engländern zu gelangen) muß man enst aus Palästina heraus, das'heißt: der scharfen Aufsicht der Türken zu entwischen. Alex Aaronsohn und Absalom Feinberg unternehmen diesen schwierigen, fast unmöglichen Versuch. Mit äußerster Gefahr gelangen sie > nacfi Aegypten, wo sie aber bei dem verdachtvollen Charakter der Engländer und bei ihrer Langsamkeit nichts erreichen. Aaron verliert die Geduld und begibt sich nach Konstantinopel und von dort über Berlin nach Skandinavien. Dort setzt er sich mit den englischen Gesandten in Verbindung und sucht sie von der Wichtig- DIE NEUE WELT ^u§Hit9mmmmmmmimmm9mmmmtmm9tm$mmm jflK SEEBAD GR ADO HHHMH(ITALIEN)HMBHHi -m PENSION CONTINENTAL ytn KOMFORTABLES HAUS FLIESSENDES WASSER WARME SÜSS WASSER-BÄDER WIENER KÜCHE/MÄSSIGE PREISE j VERL AN Q E K S IE PROJEKTE] %mmmt9mm9iam***9999*******9*********9**™****** bekleidete". Auch von mütterlicher Seite floß der Gräfin Hoyos jüdisches Blut zu. ... <■ Die Hitler-Presse und'der. von.Dr. Goebbels redigierte „An g r i f f" nehmen nun gegen den, Semi-Gotha Stellung, und werfen ihm vor, daß er mehrere deutsche Adelsfamilien geschädigt habe, indem er ihnen nachsagt, daß jüdisches Blut in ihren Adern fließt. Sie sprechen den Wunsch nach einer Neuredigier ung des Semi-Gotha zugunsten vieler Adelsfamilien; die jetzt im Hitler-Lager stehen oder die Hitler-Bewegung unterstützen, aus. „Angriff" erklärt, Sie James "Whitehead sei. nicht Jude gewesen, sondern er hatte infolge seiner Amtswürde-als Lordinayor von ■ Lohdon. (1888/1889) die gesetzliche Aufsicht über alle Religionsgesellschaften und.: ihre ^Einrichtungen, also - auchr alle Synagogen' in London, inne. Fürst Qtto Bismarck hätte also kein jüdisches Blut in den Adern. Er habe auf Grund genealogischer Nachweise, unter schriftlicher Abgabe des Blütsbekenntnisses seine Eintragung in die zum Schutze des deutschen Adels - gegen - den Mißbrauch adeliger Namen, zur Wahrung altüberkommener Rechte, zur Reinigung und Reinhaltung.-von fremdrassiger Blutmischung geschaffene, durcl den Buchungsausschuß, bezw. die Buchuhgshauptstelle Berlin, als Arbeitsabteilung IV.. der deutschen .Adelsgenossenschaft geführte fortlaufende Stammrolle „Eisernes Buch deuts ohen Adels deut s che r Ar t" (abgekürzt „Edda") beantragt -und nach Prüfung der Unterlagen auch erwirkt. Es .ist damit. urkundlich und . öffentlich nachgewiesen, daß in den heutigen Bismarcks kein Tropfen jüdischen Blutes fließt. Zionismus und bridsdte Orientpohtik - •> '?Vön D£.:Saiomon^Wolf;;(Wien). \. . : Verständigung' mit -den Arabern ' ist, "crie le'rtnhfe der herrschenden 'zionistischen' Ideologie;' 'Verständigung mit. den Arabern, heuchelt der MäcDonald-Briöf, ist die'• Voraussetzung für die-Durchführung der Mandatsbestimmungenhinsichtlich, eines jüdischen Nationalheims; bis dahin soll der Inhalt der englischen Palästinapolitik' die Aufrechterhaltung des .Gleichgewichtes in Palästina bleiben. , •. .. Ein glatter Manda.tsbr-uch. Die' englische-Regierung pfeift: Verständigung, mit' den: Arabern, .;die „Realpolitiker" im .Zionismus tanzen nach dieser Pfeife. .Weizmann; schreibt die. „Jüdiadie .'Rundsdiau" vom 20. März 1951» will einen Ausgleich .init der arabischen Welt, zu seiner Vorbereitung habe er auf der Berliner Tagung njpnnrimiiiiii'iiri' m «Iii" yrmm"'"'^^mmä^M™ai^^ k.eit .der*Infö/rmatiqhen zu überzeugen,, die, er für die AUierter) besitzt. Gewohnheitsmäßig vorsichtig, verlieren sie kostbare 'Zeit! Endlich1 erhält Aaron die Erlaubnis, sich auf einem englischen Schiff nach Amerika zu begeben. In-Kirkwall, an der irischen Küste, wird das Schiff vonden Engländern durchsucht und Aaron nach London gebracht.1;'! <'■■••■• Endlich erreicht er: sein Ziel: Nach zahllosen Schwierigkeiten wird er vor;den Kriegsminister vorgelassen. Er wird nach Aegypten zum Generalstab der britischen Armee geschickt; 'Er' erklärt '• den Chefs ' der Armeeseinen -Plan der Organisation eines Informationsdienstes in Palästina.' Zunächst ist "man'."mißtrauisch gegen diesen Mahn, der nichts' verlangt und der eine so schätzenswerte Arbeit'anbietet." Ein kleines Schiff bringt ihn "geheim W 'den Strand von Athlit, wo er nachts an Land geht, um sich einige Augenblicke mit seiner Schwester- Sarah zu verständigen, die es übernimmt, den Spionagedienst zu organisieren, während er zum englischen Hauptquartier nach^e^ypten zurückkehrt.' Sehr bald gewinnt die von ihm geschaffene' Organisation an" Ausdehnung. Seine Schwester leitet in Palästina die;,Nili", den von getreuen Mitarbeitern gebildeten Spionagedienst. Die türkische Armee 'kann nunmehr keine Bewegung machen, ohne daß die „Njli" da-, von weiß. General Alleniby, Generalissimus der ägyptischen Expeditionsarmee, sieht 'endlich den Nutzen,, den Aaron bringt, und schenkt ihm das größte Vertrauen. Tag und Nacht werden seine unerschöpfliehen Kenntnisse des Landes in Anspruch genommen.Mehrere Male begibt er sich in wichtiger Mission nadi Amerika. . . Aaron und ' seine Gruppe leisten unschätzbare Dienste, die das Leben von Tausenden englischer Soldaten retten.\General Allenby, der in'genialer Weise'.diese Dienste verwendet hat, bewies später seine Seelejhgröße, indem er erklärte,; daß seiri Sieg über die Türken den unvergleichlichen Diensten von Aaron Aaronsohn zu verdanken war. _ _ Ifa ifi . des Aktionskomitees dem Juden«iaatsgedankea entsagt. Der Plan einer Panarabischen Föderation (zunächst Irak, Syrien und Transjordanien) unter freundschaftlichen Bezdehiungen zum Wahhabitenreach Ibu Sauds nehme konkrete Formen. an, die Einordnung des jüdischen Nationalheims in die vorderorientalische Welt sei notwendig und das Zie! des Zionismus sei in diesen Rähmen hineinzustellen. Ein Jahrzehnt lang ging der Grundsatz englischer Orientpolitik dahin, jeden Teil des gahzen gebgraphischen Orientkomplexes gesondert zu behandeln, um der Gefahr der Verselbständigun'g der orientalischen (arabischen) Welt zu begegnen. Deshalb wurzle Aegypten für sich, Indien für sich, Irak für sich (jedes nach anderen Richtlinien) behandelt, deshalb Transjördanien - von Palästina losgeschält und einem . besonderen Regime unterstellt. : 1 ' ' England zeigte zWar keine Eile hei der Verwirklichung der Mandatsbestimmungen hinsichtlich des j tidischen NationaThei ins. 'Aber schon zwei Monate nach der Genehmigung des Mandatsdurch den Völkerbund setzte'es in Anwendung der ihm durch Artikel 25 des Palästinamandats erteilten Ermächtigung gewisse Mandatsbestimmungen außer Kraft. Die Ermächtigung bezieht sich auf die Aufschiebung oder Zurückhaltung solcher ^Bestimmungen, die ihm (England) mit den bestehenden lokalen Verhältnissen ..unvereinbar erscheinen, sofern bloß, die Artikel 15, 16 und 18 des Mandats , gewahrt werden. Als solche Bestimmungen empfand England die für T r a n s j o r d a n i e n-in bezüg auf das jüdische Nationalheim und . in bezüg auf die Maßnahmen, zur Sicherung seiner Wiedererreichtuüg., Eis war dies die Aus s cha 1 tung Tr ansjordaniens aus dem Anwendungsbereich jener Mandatsvorschriften, die die Sicherung der Wiedererrichtung des j ü d i s c h e n. N a t i o n a 1 h e i m s beinhalten. Die VerkIeinerung des Territoriums schuf eine Ve r g r öJJ e r u ng.d er Reib u n gs f I äch en zwischen Arabern und Juden. ■>.''' Die Errichtung einer besonderen Abteilung für den mittleren Osten im britischen Kolonialamt (März! 1921) unter Churchills Kojonialministerschaft und die Unterstellung der Länder Palästina, Transjordanien und Irak unter diese Abteilung ließen damals den Gedanken eines arabischen, unter britischer Oberhoheit stehenden Staatenbundes zurücktreten. , . . Die neueste britische Orientpolitik . hingegen scheint das Prinzip des Zusammensch 1 usses der arabische.n Welt zu fördern;~ allerdings:in der Weise, daß sie. die latenten Versejbständiguhgstendenzen selbst in die Hand nimmt und ihnen jene Richtung gibt, die, .mit den britischen Zielen konform^ geht.' Esu^ijnclelt. sibh darum, unter dem S c h e i n der. Förderung der .Zu- -; sammpnschlußbestrebungen im Vorderen Orient, die Erhaltung der Einheit des British Empire zu sichern, zumal die Ausschaltung anderer Kräfte, wie Rußland,, Deutschland, Italien und Türkei,' aus dem Kämpf um diefce Sphäre kaum von Dauer sein keyin. * , * * , : Die isolierte Behandlung. Palästinas,mit dem Ziel der Einreihung Transjordaniens in. dias, von den Mandatsbestimmungen erfaßte Territorium muß die G ru n d l äge . j ede r zionistischen Poli tik bilden.,; Das Palästinamandat ist die Basis der zionistischen Arbeit. Es stellt klar das Verhältnis,des. jüdichen Volkes MltfhlilMtllllgBBaBMBBMBartUtt Der Gpnef al MacDonaugh,'; Infbrmationschef im jCriegsmihisterium '•' in London, erklärte "vor einigen Jähreu in, einem von der Militärschule in Sandhurst gehaltenen, Vo.rtrag', daß während des Krieges der vollkommenste Informationsdienst der von Alleniby in Palästina'Var. . . . ' Wieder ' eirunal li$t Aaronrdchtig' ge£eih'en:: ^. Die Deroute ,der türkischen Armee in1 Palästina hat"' das Debakel yön' Bulgarien und Oesterreich natfh .'sich" gezogen. Der Krieg nahte seinem Ende. Für Aaron war der Sieg von schweren, persönlichen Opfern begleitet, den schwersten, die , einem Menschen auferlegt sind. Seine Schwester Sarah wurde zuletzt von den Türken in Verdacht genommen,, verhaftet und tagelang gefolter.t. Sie gab aber niemanden preis. Um ihre Mitarbeiter standhaft zu machen und um ihren Quaden zu entgehen, verschaffte sie sich einen Revolver und machte ihrem Leben ein Ende. Aarons Vetter Reuben wurde' *u Tode gepeitscht, verriet aber nicht "die „Nili". Absalom würde ' von einer ' Beduinenkugel 'in der Wüste ereilt. Lischansky wurde von den'Türken gefängen und gehängt. Naaman Beikind, ein Vetter Absaloms* wurde ebenfalls gehängt. EM Bruder Aarons,'-Hirsch, wurde den Türken so gemartert, daß er ejwleptiB<da wurde und einige Jahre darauf starb. Sein alter Vater wurde in Ketten gelegt und ins Gefängnis nach Nazarejtb geschleppt, wo er nach schrecklichen Martern a)s vermeifttjHch tot liegengelassen wurde, Der heute 84 Jähre alte Mann hat diese Qualen und den Verlust von drei Kindern überlebt. Aaron setzt nach all den schweren persönlichen Verlusten sein Werk beim Friedenskongreß in Paris fort. Seine Beziehungen, sein Einfluß, se^ne Kenntnisse öffnen ihm alle Türen. Er wirkt für Palästina, für die Armenier, für alle Leidenden, die des Schutzes und der Stütze bedürfen. Und dann geschah es an' einem tag im Mai 1919, als er in einem Flugzeug von London naen Pari« flog: t>a« rilu^zemg verior dich im Neberu^d-fiel