Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 194 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ffcltt MENEUBWttT MÜM ßeite 3 Was hat eine zioniilfsdte Leitung künftiahi'n %u ton? Die neuen Wege zioirfstfsditt Politik Obwohl das Programm des Revisionismus seit Jahr und Tag offen niedergelegt ist, so wird immer noch der Versuch gemacht, die revisionistischen Ziele zu verdrehen, zu verleumden, zu verdächtigen. Aber dieses Verwirrnngsmnnöver wird nicht mehr verfangen. Die zionistische Welt weiß, was auf dem Spiel steht, sie weiß, daß es nur ein Programm, nur einen Weg gibt zur Rettung der zionistischen Bewegung! Was muß daher jeder Zfonisi fördern f Er muß fordern, daß der Kongreß eine neue Leitung wählt, die den Aufbau Palästinas als Judenstaat sichert, indem sie sich folgende Richtlinien zu eigen macht: Das Verhältnis xu England Der Revisionismus wird eine politische Offensive in dem Sinne in Angriff nehmen, daß er von England die Verwirklichung eines Kolonisationsregimes in Uebereinstimmung mit dem Mandat fordert. Es muß die Aufgabe der englischen Regierung sein, entsprechende Bedingungen für eine Massenkolonisation zu schaffen. Zur Verwaltung Palästinas sollen ausschließlich solche Personen zugelassen werden, die die Schaffung eines jüdischen Nationalheims als die Grundaufgabe einer palästinensischen Administration anerkennen. Alle Fragen der jüdischen Einwanderung sind ausschließlich der Kompetenz der zionistischen Organisation zu übergeben. Die Zoll-, Verkehrs-, Handels- und Steuerpolitik muß derart gehandhabt werden, daß sie allen Bedürfnissen der jüdischen Kolonisationswirtschaft entspricht. Es muß einfür allemal klargestellt werden, ob England gewillt ist, seine Mandatsverpflichtung volliuhalüich zu erfüllen oder ob ein offener Kampf gegen die Mandatarmncht in Palästina und anderwärts sich als notwendig erweisen wird. Das zionistische Endziel In diesem Sinne werden die Revisionisten verlangen, daß der Kongreß beide Weißbücher ablehne und offen erkläre, daß der Zionismus einen jüdischen Staat in Palästina beiderseits des Jordans, gestützt auf eine jüdische Mehrheit, anstrebe. Diese Forderungen sollen der Mandatarmacht und dem Völkerbund übermittelt werden, damit die nötigen Maßnahmen zu deren Verwirklichung ergriffen werden können. Diese Maßnahmen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Das arabische Problem. Die neue Leitung hat klar und offen zu deklarieren, daß sie entschlossen ist, Palästina in ein jüdisches Nationalheim umzuwandeln, wo der Araber als Einzelperson und die arabische Gemeinschaft als Gesamtheit gleiche Rechte wie die jüdische Einzelperson und die judische Gemeinschaft genießen werden. Sie wird Schritte unternehmen müssen, Schichten der arabischen Bevölkerung in die Sphäre jüdischer ökonomischer Tätigkeit derart einzubeziehen, daß sie direktes Interesse am Erfolg der jüdischen Kolonisation haben. Sie wird das Bestreben zeigen müssen, den Komplex gemeinsamer Tätigkeit auf dem Gebiet lokaler und wirtschaftlicher Interessen zu erweitern. Notwendig ist ferner die Schaffung eines speziellen arabischen Departements, das einen Informationsdienst auf den zwei Hauptgebieten (Aufklärung der arabischen Völker über die jüdischen Tendenzen nnd Information über die Pläne unserer Gegner) ausbauen soll. ... Einwanderung. Es ist ein Kampf zu führen für freie Einwanderung ohne Begrenzungen und ohne Zertifikate. Jeder Jude soll da* Recht haben, in seine Heimat, wann und wie er will, zurückzukehren. Schutz. Erforderlich ist, die Schaffung einer jüdischen Polizei, Gendarmerie und militärischer Trupps innerhalb der palästinensischen Garnison anzustreben. Bis zur Erreichung dieses Zieles «triff etat öftfanisierter Selbstschutz Angriffen auf unsere Positionen im Lande begegnen können. Agrarfrage. Die revisionistische Fraktion wird dem Kongreß Vorschläge für eine Agrarreform zur Uebcrmittlung an die Mandatarmacht unterbreiten, wodurch der Spekulation ein Ende gemacht und die Grundlage zur intensiven Bewirtschaftung gelegt werden soll. Tozercth Haarez. Eine intensive Wirtschaft, die einzig passende Form für Palästina, und moderne Industrie können sich nur dann entwickeln, wenn sich die Produzenten Palästinas auf das Weltjudentum als die Konsumenten ihrer Produkte stützen können. Deshalb ist es Aufgabe der neuen Leitung, eine zentrale Exportbank zu schaffen, einen Zentralrat für Tozereth Haarez in der ganzen Welt zu gründen und die Kaufmannschaft für diese aktive Arbeit zu organisieren. Zu dieser Propaganda sollen auch die jüdische Jugend und die jüdische Frau herangezogen werden. * Die Revisionisten glauben, in der Durchführung dieses kurz zusammengefaßten Arbeitsprogramms die wesentliche Grundlage für das Gedeihen des zionistischen Werkes zu sehen. Zionismen I Wählet diesen Weg und dieses Ziell Sysieraiwedisel in der Berliner Judengememde Die Assimilation wieder in Führung. — Das jüdische Schulwerk, das Jugendwerk und das Palästina*Werk bedroht. Ueber vier Jahre hat die Jüdische Volkspartei (Zionisten) die Berliner Judengemeinde geführt. Sie hat den Präsidenten Direktor Georg K a r e s k i gestellt. Unter der Führung dieses Mannes hat die Gemeinde einen ungeheuren Aufschwung genommen und ist zum wirklichen. Zentrum des jüdischen Lebens in Deutschland geworden. Es war zu erwarten, daß eine neuerliche Wahl die Stellung der Volkspartei nur stärken würde. Aber bei den Wahlen im November 1930 ist das Gegenteil ein* getreten. Den liberalen Assimilationsjuden ist es gelungen, die Majorität wieder zu erobern. Nicht Kareski und seine Freunde sind schuld daran. Sie haben in der Gemeinde, ihr Bestes hergegeben. Die Schwächung des zionistischen Gedankens in Deutschland ist die Ursache. Deutschland ist das Land des zionisti« Nur diese Schwedenkliuge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke URLAUB? Kamera nicht versessen! Ein Blick in das Album eines guten Bekannten genügt und Sie denken beim Packen Ihres eisegepäcks zunächst an die Kamera und dann erst an die anderen Sachen Die VOIGTLÄNDER-BESSA, die automatische und billige 6X9 Schnellkamera wäre für Sie das richtige Modell. 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Sie hat auf dem Gebiete der nationalen Gegen* wartsarbeit nichts getan, im Gegenteil, dieser von einer Gruppe von Zionisten geleiteten Arbeit Hindernisse in den Weg gelegt, an dem Schicksal der schwer be* drohten deutschen Judenschaft keinen Anteil genommen und dieses Kampffeld den Assimilationsjuden überlassen. Das sind die wahren Ursachen des für die Zionisten un* glücklichen Wahlausganges. Die Prachtarbeit Kareskis und ' seiner Freunde konnte unter solchen Umständen nicht voll zur Geltung kommen. Die Liberale Partei, welche nunmehr das Regime übernimmt^ hat bereits den Abbau des jüdischen Schul* wesens, Abbau der jüdischen Jugendarbeit, der Förderung des Palästinawerkes usw. angekündigt. Den Zionisten stehen schwere Kämpfe bevor. * Der Polizeipräsident von Berlin hat die am 30, No* vember 1930 durchgeführten Wahlen zur Repräsentanten* Versammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, gegen die von verschiedenen Seiten Proteste erhoben wurden, endgültig bestätigt. Die neue Repräsentantenversammlung wird demnach in kurzer Zeit zusammentreten, um sich zu konstituieren, Aaron Aaron§ohn Gin Gedenkblatt Von Dr. S. E. Soskia (Genf) Zwölf Jahre nach Aaronsohns jähem Dahinscheiden läßt seine Familie endlich das von uns, seinen Freunden, >umd von der wis'seaisdiaftilichen Wedt iaing erwartete Werk über seine Lebensleistung erscheinen. Es geschieht dies durch die jetzt beginnende Veröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeiten Aaronsohns im „Bulletin de la Soci6te Botanique de Geneve", Band XXII, 1930, unter dem Gesamttitel „Reliquiae Aaronsohnianae". Die .Familie übertrug die Durchsicht und die Verarbeitung des Aaronsohnschen Nachlasses dem Botaniker Dr. H. R. Oppenheim er, der mit großer Hingabe und Sachkenntnis sich seiner Aufgabe entledigte. Die erste ,$erie der Arbeiten führt den Titeil „Floruia Traflsdordanioa" wnd entihäilt Auszüge aus den Reisejournalen Aaronsohns, denen eine kritische Revision der im Aaronsohnschen Herbarium vorhandenen Pflanzen folgt. Diesem 284 Seiten umfassenden Teil schließt sich auf 29 Druckseiten eine Monographie Qppenheimers „Esquisse de Geographie Botanique de la Transjordanie" a>n, die das Ergdmis »einer fleißigen Studien der Sammlungen und Journale Aaronsohns darstellt. Das hiemit beginnende Wenk ist ein wertvoller Beitrag für die Wissenschaft und wird nach Gebühr von der wissenschaftlichen Welt gewertet werden. Was aber die Allgemeinheit, die jüdische und nicht jüdische, interessieren muß, ist die dem Werk vörangesebickte Biographie Aaronsohns aus der Feder seines Bruders Alex Aaronsohn. Es sind erst zwölf Jahre nach dem Tod «dieses große» Juden und Menschen verstrichen und schon haben sich Legenden um ihn gebildet, die das Wesentliche mit Nebensächlichem und oft mit Erfundenem vermengen. Eine authentische Schilderung seine« Lehens und Wirkern, itwbefündere des Abschnittes, in dem er für die Verwirklichung seines Lebenszieles — Schaffung unseres Nationalheimes — entscheidend mit eingegriffen hat, .beansprucht das vollste Interesise der Allgemeinheit. Er ist doppelt vom Interesse im gegenwärtigen Moment, da unfähige und mutlose Zeitgenossen dieses großen, leider so früh dahingeschiedenen, Patrioten, denen er bei der Erlangung unserer Freiheit mit Hingabe seiner großen Fähigkeiten, ja seines ganzen Lebens geholfen hat, sich anschicken, das gemeinsam geschaffene Werk zu zerstören. Liest man den Abschnitt seiner Biographie, der auf seine Arbeit am Hauptquartier Allenibye Bezug tnlmmi, -und im Anschluß daran William C. Bullitts Zeugnis über die Rolle, die Aaronsohn bei den Friedensverhandlungen in Versailles spielte, so bedauert man erst recht aufs tiefste und ibittenste, daß dieser Mann 'nicht mehr unter uns weilt. Ich lasse nunmehr den Abschnitt aus Aaronsohns Leben folgen, in dem er in die Geschicke unseres Landes und Volkes so entscheidend eingriff. Ich selbst bin im Besitz verschiedener Korrespondenzen und Schriftstücke, die die Schilderung Alex Aaronsohns in ihren wesentlichen Teilen bestätigen. Der Krieg überraschte Aaron 1914 in voüe» Arbeit in Atlith. Die Türkei, der Palästina gehört«, schloß, sich den Zentralmachten an. Die türkische Regierung behandelte von Anfang an Palästina als Feindesland. Die Mobilisation und Requisitionen entziehen Menschen und Arbeitstiere der Feldarbeit. Die Lage wird noch verschlechtert durch eine1 Heuschreckeninvasion. Das Land beginnt zu hungern. Djemal Pasche, Generalissimus und despotischer Chef der türkischen Streitkräfte in Palästina, begreift schließlich die drohende Gefahr. Er beruft Aaron und erteilt ihm den Auftrag, die Bekämpfung der Heuschreckenplage zu organisieren. Trotz mangelhafter Hilfe, trotz Schikanen der subalternen türkischen Beamten, mit unzureichenden Geldmitteln versehen, unternimmt Aaren. d«a heroischen. Kampf. Er organisiert Brigaden, die den Heuschrecken voran bis in die Wüste gehen, während er gleichzeitig in Palästina alle Maßnahmen gegen die junge Brut trifft. Angesichts der Apathie und des bösen Willens der Regierung, sieht er sich gezwungen, den Kampf aufzugeben, und reicht Dijemail Pascha sein« Demission ein, Schreckliche Tage brechen nun iüber Palästina herein. Der Tyrann wird mit jedem Tag blutgieriger* Täglich werden Unschuldige gehängt. Verfolgungen beginnen. Jüdische und christliche Notabein werden ausgewiesen. Eine Atmosphäre drohender Maseaikens drrtidet auf das Land. In Armenien wurden eine Million) Menschen wie Schafe abgeschlachtet Im Iibaawm fasut Djemail Patscba zweihunderttausend christliche Marouitea verhungern lassen,. Die gaooe palästinische BewöJikeriiiinig ofcoe Ausnahme setzt ihre Hoffnung auf Befreiung In die englische Armee. Man will nicht verstehen, warum die Alliierten ihre Köpfe gegen die uneinnehmbaren Dardanellenforts einrennen, wenn sie leiohter die Türken zerdrücken könnten, indem sie Konstantinopel über Palästina er* reichen würden. Inzwischen konzentriert sich die türkische Armee, geführt von deutschen Offizieren, an der Grenze der ägyptischen Wüste. Und die palästinische Bevölkerung, ausgehungert und terrorisiert, erwartet vergeMich die Befreier, Von allen Seiten gelangen au Aaron verzweifelte Rufe. Er ist der einzige, der es wagt» sich Djemal Pascha zu nähern und über die Ueberfälle der Banditen, die Räubereien der Armee, die Misere der Bevölkerung vor Augen zu führen, Djemal Pasoha, wütend über diesen Mut, möchte den unbequemen und zu populären Mahner loswerden und sagte eimmail plötaMdi g>u ihm: „Ich flr«ge mich, Aaronsohn, was Sie sagen würden, wenn ich' Sie aufhängen würde?" Worauf Aaron ihm antwortetet „Ich könnte nichts sagen, Exzellenz, aber mein schweres Körpergewicht würde das Holz so krachen lassen, daß du Geräusch bis nach Amerika hörb« würdet afato