Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 194 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite % DIE NEUE WELT rvr. 19« Zahle«: Üitti 1864 Familien und 765 Alleinstehende, zusammen 7556 Seelen landwirtscheitlieh anzusiedeln, hat die zionistische Organisation laut Bericht des K. H. rund 1,300.000 engl. Pfund verwendet. Die notdürftilge, laufende Stützung erfordert weiterhin rund 120.000 Pfund pro Jahr. (Kosten für Gesundheitspflege und Unterricht sind nicht inbegriffen.) Industrie, Handel und Gewerbe haben sich in Palästina ohne jede Hilfe schwer durchgekämpft. Mindesten« 90.000 Seelen leben mittelbar und unmittelbar von den gewerblichen und kommerziellen Unternehmnngen, welche der eingewanderte jüdische Mittelstand in wenigen Jahren geschaffen hat. Tel-Awiw mit seinen 40.000 Einwohnern ist eine Schöpfung jüdischen Gewerbe- und Handelegeistes. Für Förderung von Gewerbe und Handel, die Erforschung , von gewerblichen und industriellen Möglichkeiten, Studium des Marktes, Erschließung von Absatzländern, Propaganda für den Absatz palästinensischer gewerblicher Produkte etc., figurieren sage und schreibe 800 Pfund im Jahresibudget. Genug für einen Beamten, eine Hilfskraft, Papier und Tinte. Also in 10 Jahren rund 8000 Pfund gegenüber rund 1,300.000 Pfund. Folgerung: Die Zionisten-Revisionisten verlangen Förderurig der gewerblichen und kommerziellen Einwanderung, Propaganda für den Absatz von Paläfftinaprodukten, gewerbliche Instruktoren, Anleitung zur Rationalisierung und Modernisierung der Betriebe, Erforschung der Absatzmöglichkeiten. Alles, weil es sich erwiesen hat, daß Gewerbe und Handel vielen tausenden jüdischen Arbeitern und Mittelständlern die Möglichkeit ersprießlicher Arbeit geben . . . Aber man schreit: Bekämpfet die zionistisch - revisionistischen „Phrasenhelden"! Phrase: Die zionistische Leitung und ihre Beamten wirtschaften mit den Geldern der Fonds umsichtig und sparsam. Wenn nicht allen Erfordernissen Palästinas Rechnung getragen werden kann, *o liegt das darin, daß das jüdische 'Volk zn wenig Mittel zur Verfügung gestellt hat. Die Anklagen der Zionistcn-Reviisionisten wegen unökonomißcher, vielfach leichtsinniger Gebarung mit j-üdtefchem Volkegeide und ihre Forderung nach tiefgreifender Kontrolle sind haltlos und d e ra a g o g \ scli. Zahlen: Eine Arbeiterfamilie muß; und kann in Palästina ihr Leiben mit 7 Pfund monatlich fristen. Funktionäre und Beamte der zionistischen Organisation haben ein Jahrzehnt hindurch das Zehn-, Fünfzehn- und Zwanzigfache Einkommen bezogen. Dabei ist der Lebensindex in Palästina laut amtlichen Mitteilungen in den . letzten Jahren um 45 Prozent gesunken. Der Staat Oesterreich mit seinen sechs Millionen Einwohnern hat neun Minister mit einem Monatsbezug von rund 54 Pfund per Person. Unsere Exekutive zahlt 13 Mitglieder mit einem Monatsbezuge von 80 Pfund aufsteigend. Ferner beziehen Beamte der Organisation und Institute ein ähnliches Einkommen. Erst unter dem Drucke der Not und der Forderung der Opposition ist im letzten Monat eine teilweise Reduzierung eingetreten.' Der Schaden von zehn Jahren leichtsinniger Gebarung ist nicht gutzumachen. Folgerung: Das jüdische Volk ist arm. Palästina ist ein armes Land. Die Zionisten-Revisiönisten fordern sparsamste und sorgsamste Gebarung mit jüdischem Voiksgelde. Sie weisen darauf hin, daß der Zionismus eine idealistische Bewegung ist, welche Opfer fordert; kein Unternehmen ist, das Prämien und Reingewinne verteilen kann . . . Trotzdem erschallt der Ruf: Hinaus mit den revisionistischen „Zerstörern" 1 Phrase: Der staaiamännischen Klugheit der zionistischen Leitung ist es gelungen, unter schweren Umständen die politisch-zionistische Sache zu sichern. Der letzte große Sieg ist der Brief MacdonaWs m Weknmum, Die Re*isionieten " EltSOHRANKE Marke „f rigöf»*", ei»te*w*!, ti&M Erieugotig, zahlungttrlttchtehiflg „MMOftA" I. Dominik**» fcV. T«le0fi6n W.f4-4>t< stören diese kluge, erfolgreiche Politik, sind daher von der Leitung fernzuhalten, Tatsache: Nach dem „Sieg", nach dem Macdonald-Brief hat die britische Arbeiterregierung die Einwanderung, nach Palästina völlig gesperrt und der zionistischen Leitung jeden Einfluß auf die Gestaltung der Einwanderung genommen. Kein Chaluz darf ins Land. Folgerung: Trotz alledem und alledem: Weg mit den Revisionisten! Zionisten! Ihr habt zu wählen. Zwischen Phrasen einerseits und Ziffern und Tatsachen anderseits. Entscheidet! Ussisdikfa spricht zu den Ja* und AmemSagern £}{e Manöver der „Allgemeinen" Zionisten. — Es gibt keine Araberfrage. — Der feindliche Verwaltungsapparat. Knapp vor Torschluß, vor den Wahlen zum 17. Kon* greß, wird ein Galvanisierungsversuch unternommen, unter dem Schlagwort: Zusammenschluß des Allge* meinen Zionismus — als der -Partei de raus* gleichenden Mitte.. Wie unsinnig ein solches Be< ginnen und wie unmöglich ein solches Konglomerat heute ist, nämlich die Gegensätze innerhalb des Lagers der söge« nannten Allgemeinen Zionisten vertuschert zu wollen, bei weist eine Rede, die M. M. U s s i s c h k i n. unlängst auf der Konferenz der Allgemeinen Zionisten Palästinas hielt. Ussischkin begründete seine Kandidatur auf der Liste der Allgemeinen Zionisten Palästinas zum Kongreß damit, daß gerade die Allgemeinen Zionisten Palästinas nichts gemein haben mit jenen außerhalb Palästinas, die sich diesen Namen beilegen. Er sagte, daß die Parolen der Allgemeinen Zionisten Deutschlands mit denen der palästinensischen Aligemeinen Zionisten nichts gemein haben. Unter diesem Gesichtswinkel muß er sich fragen, was er eigentlich in dieser Mitte suche, zumal es scheine, daß etwas künstlich geschaffen werden solle. ' Sogar in diesem kleinen Saal, unter diesen wenigen Menschen, herrsche' die 'größte' Verwirrung. (Ussischkin meint' wohl Progfammlösigfceit:) ll ' V 'Ussis'chkiri legte ein persönliches Bekenntnis ab, indem er auf die Ereignisse der letzten acht Jahre zurück» griff. Nach vier Jahren qualvollen seelischen Leidens in der Zionistischen Exekutive müßte er in die Einsamkeit gehen und mehr leiden als in den fünfzig Jahren seiner zionistischen Tätigkeit. Die Allgemeinen Zionisten waren es, die ihn im Stiche ließen, als er vor acht Jahren vor der Permanenzkommission des Kongresses Uber die schreckliche Situation klagte. Am einsamsten fühlte er sich auf der letzten Sitzung des Aktionskomitees in Berlin, wo W e i z nva n n seinen Binationalismus verkündete und den Judenstaat verleugnete. Warum der Niedergang der Allgemeinen Zio* nisten? Weil sie in den letzten Jahren zu allem ja und amen sagten. Der Allgemeine Zionismus hat nichts , mehr, was ihn, den alten Zionisten, anziehen könnte. Die arabische Frage wird auf unserem Lücken gelöst, setzte Ussischkin fort, indem er sich den allgemeinen politischen Fragen zuwendete. Die Existenz einer arabischen Frage ist nicht einzusehen. Das Gerede von der Notwendigkeit einer Angleichung an die Araber ist zu vergleichen mit dem Lernen der russischen Sprache im alten Rußland, ohne daß der Antisemitismus sioh auch nur um ein weniges vermindert hätte. Dfe Psychologie des Servilismus lebt wieder auf. Als Beweis diene das würdelose Telegramm Kischs an Schaukat Ali. (Der bekannte Versuch der Zlonisti» sehen Exekutive, sich dem arabischen Hetzer anzu« biedern. Anm. d. Red.) Uebrlgens tat Kiech dies nicht auf eigene Verantwortung, sondern auf Weisung Londons. 90 Prozent der Araber würden auch heute Unruhen veranstalten, mit derselben Gemütsroheit, als sehlachteten sie Schafe ab. Solange wir ein kleines Häuflein in Palästina sind, gibt es keine Verständigung mit den Arabern. Baron Rothschild sagte Ussischkin vor ein paar Monaten: „Gehen Sie und sagen Sie den Juden, sie aollen aufhören, so viel von den Arabern zu sprechen." Hingegen gibt es eine England-Frage. Seit der Eroberung Palästinas ist England gegen uns eingestellt. Der uns feindlich gesinnte Apparat regiert. Man sollte der Welt die wahren Absichten Englands in Palästina aufzeigen. Kongreßwahlen in der Tschechoslowakei Die Revisionisten bisher in der Führung Die bisher bekannten Wahlergebnisse aus den wichtigsten Ortein kaltem: 833 Ravrieiandeteai, 460 Vereinigte Linke, 320 Allgemeine, 127 Radikale, 81 Misrachisten. Einzelresultate: Prag 102 Allgemeine, 98 Revisionisten, 69 Linke, 87 Radikale, 3 Misrachisten. P r o find tz: 82 Revisionisten, alle anderen 60. Nitra: 169 Revisionisten, alle anderen 94. M u n k a c z: 285 Revisionisten, alle anderen 35. M.-Weißkirchen: 48 Revisionisten, 6 Allgemeine, 3 Linke. Koädeej 32 Revisionisten. Brünn: 215 Aligemeine, 317 Linke, 119 Revisionisten, 40 Radikale, 58 Misrachisten. Zionistisch-revisionistischer Erfolg in Südafrika. Bei den Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß wurden unter acht Delegierten drei revisionistische gewählt. Fünf fielen allen anderen Gruppen zu. Bei dem vorigen Kongreß hatten die Revisionisten nur ein Mandat. Die Tagesordnung des XVII» Ziomstenkongresse* Die Tagesordnung des XVII. Zibnistenkongresses, der am Dienstag, den 30. Juni, abends in Basel eröffnet und voraussichtlich bis Freitag, den 10. Juli» dauern wird, ist folgende: Eröffnungssitzung, Dienstag, 30. Juni« 8 Uhr abends. 1. Eröffnung des Kongresses durch den Präsidenten der Exekutive, Herrn Nahum S o k © 1 o w. 2, Ansprache des'tHer^n Ch. ft. B i a 1. i k; „Palästina und seine Bedeutung itir die Diaspora". 3. Begrüßungen: 4. Ansprache des Präsidenten des Aktionskomitees, Herrn Leo M o t z k i n: „Der Zionismus und die jüdische Gegenwart." 2. Sitzung, Mittwoch, 1. Juli, 10 Uhr vormittags. 5. Wahl des Kongreßpräsidiums. 6. Bericht des Kongreßgerichts über die Prüfung der Rechtmäßigkeit der Kongreß wählen. Berichterstatter: Vorsitzender des Kongreßgerichts Herr S. Gronemann. 7. Bericht von Herrn Dr. Chaim Welzin an n Über „Die politische Lage". 3. Sitzung, Mittwoch, 1. Juli, 3 Uhr nachmittags. 8. Ergänzender Bericht des Herrn Prof, Dr. S. B r od e t z k y über „Die politische Arbeit". 9. Referat: „Probleme der Palästina-Arbeit" von Dr. Artur Ruppin. 10. Wahl des Resolutionsausschusses. 11. Eröffnung der Generaldebatte. 4. Sitzung, Mittwoch, 1. Juli, 9 Uhr abends. 12. Fortsetzung der Generaldebatte. 5. Sitzung, Donnerstag, 2. Juli, 10 Uhr vormittags, 13. Referat: „Lage der Zionistischen Organisation und ihre Probleme" von Herrn Felix Rosenblüth. 14. Fortsetzung der Generaldebatte. 6. Sitzung, Donnerstag, 2. Juli, 3 Uhr nachmittags. 15. Wahl der Kongreßkommissionen. 16. Fortsetzung der Generaldebatte. 7. Sitzung, Freitag, 3. Jwli, 10 Uhr morgens. 17. Fortsetzung der Generaldebatte. 8. Sitzung, Freitag, 3. Juli, 3 Uhr nachmittags. 18. Fortsetzung und Schluß der Generaldebatte. 9. Sitzung, Sonntag, 5. Juli, 10 Uhr vormittags; 19. Referat des Vorsitzenden des Direktoriums des Keren Kajemeth Lejisrael, M. M. Ussischkin: „Die Arbeit des Keren Kajemeth Lejisrael". 20. Referat des geschäftsführenden Direktors de» Keren Hajessod- Dr. Artur Hantke: „Leistungen und Aufgaben des Keren Hajessod". 21. Referat Über „Probleme der Finanzierung des Palästina-Aufbaues" von Dr. Chaim Arlotoroff. (Sonntag nachmittags finden Sitzungen der Kommissionen statt.) 10. Sitzung, Montag, 6. Juli, 10 Uhr vormittags. 21 Debatte über die Referate zu 19, 20, 21. (Montag, den 6. Juli, nachmittags, und Dienstag, den 7. Juli, finden Sitzungen der Kommissionen statt) 11. Sitaung, Mittwoch, 8. Juli, 10 Uhr Vormittags. 23. Berichte von Kommissionen, Debatte und Abstimmung. 13. Sitzung, Donnenstaf, 9. Juli, 10 Uhr vormittags. 24. Berichte von Kommissionen, Debatte und Abstimmung. 13. Sitzung, Donnerstag, 9. Juli, 3 Uhr nachmittags. 25. Berichte von Koinmdssionen, Debatte und Abstimmung. 14. Sitzung, Freitag, 10. Juli, 10 Uhr vormittags. 26. Berichte von Kommissionen, Debatte und Abstimmung. 15. Sitzung, Freitag, 10. Juli, 3 Uhr nachmittags. 27. Wahl der Exekutive, de« Aktionskomitees, der zionistischen Vertreter in den Organen der Jewish Agency, des Kongreßgerichtes, des Ehrengerichtes und der Heäisoren. 28. Schluß des Kongresses.