Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 193 (29.5.1931)
- Date
- 1931-05-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 195 briickbarc Scliwicrigkeitcn gestellt. Sie ist zwar die einzige Privatanstat der Stadt überhaupt, die sämtiche Rechte einer staatlichen Vollschule übertragen bekommen hat — es studieren gegenwärtig etwa vierzig ihrer Schüler an der Stambuler Universität — aber der ökonomische Niedergang der türkischen Judenheit und die Türkisierungsmaßn ahmen der Regierung ergreifen jetzt auch diejenigen Kreise und Institutionen, die bisher von ihnen nicht direkt berührt worden waren. Aehnlich wie in Konstantinopel liegen auch die "Verhältnisse in der Provinz. Die Alliance-Schule in Adrianopel, die vorher t200 Zöglinge hatte, unterrichtet 1931 nur noch 320. Weil sie sich den Maßnahmen der Tiirkisierung widersetzte, war diese Anstalt sogar ein volles Jahr geschlossen. Selbst die Schulen in Smyrno, die bisher, dank der guten Beziehungen zwischen Juden und Behörden, von den Türkisierungsmaßnahmen verschont geblieben sind, und die nach wie vor an der französischen Unterrichtssprache festhielten, werden jetzt drangsaliert. Es ist ihnen neuerdings verboten worden, aus den biblischen Prophetenbüchern zu unterrichten. Diese Verordnung trifft auch die große Talmud-Thora-Schule von Smyrna, Noch immer verweigert die Regierung den jüdi-, sehen Schulen das Recht der freien Lehrerwahl, sie zwingt sie, von ihr bestimmte muselmanische Halbintellektuelle zu den doppelten als den festgesetzten Tarifen zu beschäftigen, und hat den jüdischen Schulen nicht einen einzigen seminaristisch gebildeten Lehrer zugewiesen. Sie duldet auch den Unterricht von Fremdsprachen nicht und gestattet nur zwei Wochenstunden jüdischen Unterrichts. Dem geistigen Niedergang, den so die jüdischen Schulen erleiden mußten, ist es zuzuschreiben, daß die jüdischen Schüler einer nach dem andern in die öffentlichen Schulen überwechselten. In den meisten- Städten der Türkei, in denen es früher jüdische Zöglinge nichtjüdischer Schulen überhaupt nicht gab, besuchen jetzt, nach der eben beendeten Zählung, mindestens :ebensoviele jüdische Kinder die fremden wie die jüdischen Schulen. Da aber in der ganzen Türkei die Erziehungsanstalten der Regierung eine systematische Hetze gegen die Minderheiten treiben, führt das Eindringen der jüdischen Schüler in diese nationalistisch eingestellten Anstalten zu immer, häufigeren Zusammenstößen. Ein zweiter Grund für den Niedergang des jüdischen Erziehungswesens ist die zunehmende Abwanderung der Juden aus dem Lande. Nach zuverlässigen Schätzungen darf angenommen .werden, daß die jüdische Bevölkerung in der Türkei während der letzten zehn Jahre von 140.000 auf 80.000 gesunken ist. Den türkischen Juden, die seit langer Zeit unter behördlicher. Unduldsamkeit und wirtschaftlichen Nöten sehr zu leiden haben, stehen jetzt gar keine Mittel zur Verfügung, mit denen sie von innen heraus dem absoluten Verfall ihres Erziehungswesens entgegentreten könnten. Konstantinopel, 22. Mai. (J. T. A.) Nach einer Pause von acht Jahren trat gestern wiederum der Verbandstag der Einheitsgemeinden Konstantinopels und der Umgebung zusammen. An der Beratung beteiligten sich etwa 60 gewählte Delegierte der Gemeinden. Den Vorsitz führte Dr. Gad Franco. Die Beratung wählte . einen neungliedrigen Rat (Medjlis djismani), dem die Führung der Gemeindeangelegenheiten und des Chefrabbinats obliegt und der auch nach außen die Judenschaft Konstantionopels und der Umgebung vertritt. Dem Rate gehören an: H. G. Reisner, Josef Niego, s Henri Sorianu, Crespi,. Barocas, V. Algrante, Farchi, Kordova und Refik Habib. Dieser Rat wird die bisherige Leitung durch den „Rat der Gemeindenotab ein" ersetzen. Der Verbandstag konnte bis jetzt nicht zusammentreten, weil seiner Tagung seitens der Behörden Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden. Die Berichte über die materielle Lage der Verbandsgemeinden und des Chefrabbinats lauteten äußerst pessimistisch. Dem neugewählten Rat wurde aufgetragen, eine Sanierung der Gemeinden und des Chefrabbinats in die Wege zu leiten. Bankett zu Ehren Dizengoffs Paris, 22. Mai. (J. T. A.) Am Mittwoch, den 20. Mai, fand zu Ehren des Bürgermeisters von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, ein vom französischen Keren-Hajessod- Komitee, dessen Vorsitzender der sozialistische Abgeordnete Leon Blum ist, veranstaltetes Bankett statt, auf dem u. a. Wladimir Jabotinsky, Sohalom As c h und Dr. Alexander Goldstein Ansprachen hielten. Auf dem Bankett wurden Fr. 35.000 ftlr„den Keren Hajessod aufgebracht. i ii m—»—— Pension ,Atistrla' Kinderheim Vöslati (OLGA KADI9CH) J§8«rmay«r«tr«B« lö . Telephon Nr. t41 Für Dauer" und Erholungsaufenthalt Jede/ Unterricht Im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lebitflo.»» Erstklassige Verköstigung. 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SEEBAD GRADO ■HHnV(lTALIEN)MnnnVn TO PENSION CONTINENTAL TO KOMFORTABLES HAUS FLIESSENDES WASSER WARME SÜSSWASSER-BÄDER WIENER KÜCHE/MÄSSIGE PREISE VRRLANGF.N SIE PROSPEKTE! ..• ■ J ■■ . Der §panisdie AußenniinBSler . über die jüd|i$che Frage Bürgerrechte für die marokkanischen Juden. Erklärung über das Edikt von 1492, — Frage der jüdischen Einwanderung nach Spanien — Sympathie für den Zionismus Der Außenminister der sparnscheh Republik Herr Lerroüx, der gegenwärtig in'- Genf zur Teilnahme .an den Verhandlungen des Völkerbundrätes weilt, empfing dpn Vertreter der Jüdischen Telegraphen* Agentür und äußerte sich ihm gegenüber über die Stellung der Regierung der spanischen Republik zu den jüdischen Fragen. Minister Lerroux gab zunächst seiner Zufriedenheit Ausdruckdaß ihm Gelegenheit geboten ist, mit einem ' Vertreter der jüdischen Presse über seine Stellung zur Judenfrage zu sprechen, Spanien, das mit allen Spanisch Redenden sympathisiert, hege eine besondere J5^mp'athie^für>:v die »spaniolischen Juden, die, obwohl fern von Spanien lebend, durch Jahr* hunderte sich ihre spanische Muttersprache bewahrt haben. Der' Fall der sp ani b Iis che n Juden erinnere die heutigen Spanier an das g r o ß e JJ n r echt, welches das einstige Spanien gegen ein arbeitsfemes* Volk begangen hat, ein Volk, das yjele Jahrhunderte; in v Spanien gelebt, zum Rühme Spaniens im Mittelalter ' und zur spanischen Zivilisation beigetragen hat. Die spanische, republikanische Regierung, sagte Minister Lerroux weiter, hat sich-bereits mit der Frage der Naturalisierung derin großer Zahl in Mar o k k ö'i e b en deh Jude n vbefaßt. Die Sache steht jetzt so, daß irgend welche Hindernisse gegen die Naturalisation dieser Juden nicht bestehen, da die Edikte der katholischen Könige nicht mehr als gültig angesehen werden können. Minister Lerroux gab seiner persönlichen Meinung dahin Ausdruck, daß die spanische Regierung schon in naher Zeit die Frage der Naturalisation der spaniolischen Juden erledigen müsse. Diese Juden sollten' bald vollberechtigte spanische Bürger werden. Auf die Frage des J. T. A.*Vertreters, ob die, spani* sehe Regierung nicht das Edikt von 1492 über die Austreibung der Juden aus Spanien formell an« nullieren wolle, eine Maßnahme, die einen großen morali» sehen Wert haben würde, erwiderte Minister Lerroux, die Regierung habe noch nicht Gelegenheit gehabt, sich mit der Frage zu befassen. Er, als Chef der radikaUrepubli* kanischen Partei, sei aber der Meinung, daß Spanien einen radikalen Schritt nach dieser Richtung hin tun und vor der ganzen Welt erklären müsse, daß das Gesetz von 1492 abgeschafft ist. Durch eine solche Erklärung würde die wirkliehe Gleichberechtigung aller Bürger dargetan sein. Auf die Frage des J. T. A.* Vertreters, ,wie sich die Regierung zu der Frage einer jüdischen Einwanderung nach Spanien stellt, erwiderte Minister Lerroux, irgend welche gesetzlichen Hindernisse gegen eine jüdische Ein» Wanderung bestehen nicht; die Frage hängt davon ab, wie weit die neuen Einwanderer Aussicht haben, sich im Lande einzurichten. Zum Schluß der Unterredung erklärte Minister Lerroux, er hege.großes Interesse für die zioniis:ti« «eben Ziele und stehe der zionistischen Bewegung mit Sympathie gegenüber. Das Palästina*Problem, welches den Völkerbund und England so viel beschäftigt, stelle eine delikate politische Frage dar. Er aber wolle seine uneingeschränkte Sympathie aussprechen für die Bemü* hungen der Juden, ihre alte Heimat in Palästina wieder aufzubauen, um einen Zufluchtsort für das in allen Ländern zerstreut lebende jüdische Volk zu schaffen. Ef habe Mitgefühl mit allen Unterdrückten, und das jüdische Volk ist stärker unterdrückt als alle. Panarabische Ritterorden gegen den Zionismus. Die „R e i c h s p o s t", das Zentralorgan der Christ* lichsozialen Partei Oesterreichs, veröffentlicht nach* stehende Meldung ihres Jerusalemer Korrespondenten Dr. M o m b e 11 i über eine neue panarabische Kampf* Organisation gegen die Alliierten und den Völkerbund sowie gegen die Balfour^Deklaration und das Palästina* Mandat. „Eine Gruppe arabischer Studenten, welche die Universitäten der Vereinigten Staaten be* suchten, haben eine politische Bewegung zugunsten des Panarabismus eingeleitet. Sie haben einen Aufruf an die ganze arabische Welt gerichtet, überall Vereine der „Ritter der arabischen Einheit" zu gründen. Wer in einen solchen Verein eintritt, muß einen Eid ablegen. Die Eides* formell enthält den Passus: ,Ich schwöre bei Gott, für die Einheit und Unabhängigkeit der Araber zu arbeiten. leb l kenne keine' durch die Alliierten Vollzogene Teilung' der arabischen Länder, keine durch den Völker* b u nd geschaffene Ma nd a t e und .keine B ä 1 f o u r * D e k 1 a r a tlo n a n. Ich bekunde feierlichst, daß alle arabischen Länder eine unteilbare Einheit bilden und daß die Besetzung meines Vaterlandes durch fremde Mächte unrecht sowie ein Hindernis der Unabhängigkeit 1 und Freiheit meiner Nation sei." Dr. Modi belli, ein einflußreicher Vertrauens* mann des Vatikans, berichtet gleichzeitig auch über ein« scharfe Kampagne der mohammedanischen Presse Pa* lästinas gegen die christlichen Verwaltungsniächte m ' Tripolitanien, Syrien und Marokko. Der Antisemitismus der Deutschen Adelsgenossenschaft. Berlin, 24. Mai. (J. t. A.) Das „Deutsche Ä d e 1 is ib 1 a t.t", Orgam der Deutschen Adelegenossen- und führte dann aus, das neue schalt für die Aufgaben des christlichen Adels, setzt im iden zwei ersten Aoitfsäitzeri seiner Nummer 19 seine antisemitische Propaganda fort. Heinrich L. Weiß bemüht sich in dem ersten, „Die Juden von und nach der Emanzipation" übersch-rieibeinen Aufsatz nachiauweiisen, daß die Julden „die Träger derjenigen materialistischen Weiltams<hamiuing vom jeher . (gewesen ßi/iud, die zum Unteay gaug ums er es Vater tl and es am stärksten beigetragen hat". Der Verfasser tritt düir die ,E.chJb.edt der „Protokolle der Weisem von Ziom" ein und fähr fort: „Sie (die Juden) vernichtetem iihren eigenem Staat mmd zersetztem alle Staats- ,wesem der Natöomen, die ihinen GasitfriQumdschaift gewährten. Sie saihen im sich das aiusariwäihlte Volk, au dessen Herrschaft die Zersetziuinig aller anderen Völlker Vorbedinguinig war. So samik ein Volk mach dem amderen dahin, sobald der Jude in ihm sich eingenistet hatte... Das deutsche Volk ist physisch nimd seelisch machtlos den äußeren Feinden und den emanzipierten Juden zum Opfer gefallen". Bichard vom Schauikal wünscht in dem „Antisemitismius" üfoerschriebeinen zweiten. Aufsatz' „klaren, geradeaiusfblMckenden, stetigen, zielsicheren Antisemitismus, d. h. waches Vallkslbewufi'tßein, üibenzeugte Rassen - politik". Die Juden, schireaJbt er weiter, müssen dorthin zurückgedrängt werden, woher sie aufgebrochen sind. Nicht ins „Ghetto", aber, da man sie micht ein für allemal verabschieden kämm — zu stark, wnitoberwdmdlidh. ist ihre die Weilt (Amerika 1) luanspammende Organisation, der das zetrspaltene, brüchige Gefiüige der Nichtjuden niemals etwas Aehnliches auch nur im Traum gegenüberzustellen umternommen »hat —, dm ihre Schrämten - d. h., das vom den Juden der aibendlämdiischen Gesellschaft aufgenötigte geistig-sittliche Unwesen ist in seinem gesamten Uaniftang aitoaubauen. Judenmission in den. Vereinigten Staaten New York, 24. Mai. In dem soeben erschienenen Bericht jtfes :Ausschusses der Presbyterianischen Landesmissionen über die Missionstätigkeit unter den Juden wird angegeben, daß etwa 2000 Juden von den presbyterianischen Kirphen Amerika« bekehrt wurden. Die große Zahl von Mitgliedern jüdischer Abstam* mung in unseren Kirchen, wird in dem Bericht ausgeführt, ist ein Beweis für den Wert der unter den Juden ge»