Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-05-29 · Heft 193 (29.5.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 193 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711812--2528-2715828
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 mar in ■ DIE NEUE WELT Nf. 193 tfmntmttnitrrmtmtmmmtmnmrmrimtiiiimmikw rHHiiwtii»mmctHtmt^mtl?i^ SIEGM. KORNMEHL QROSSFLGISCHHAUEABI Zentrale IX., Bcrg-<r*««e 19. Telephon 17-3-9V u. 16-9-34 Lieferan * »ü r Heilanstalten Abteilungen für ■^■WaUch HBBHRBHHMHMRMBBSBHHHBHHBHHHHHHHHHHHMHHI - unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der isr. Kol*, tusp-emeinde Wien Autoxusteltuitfj keatenfo* IX. Borggass« IS ✓ XVIII., Wlhrtngtrstr. §7 iwniiiimiiimtiiiiimiii.miiii.iimiiiiiiiiwm'i'iimtiiiini.....iwihiiiiiiii—i».....m» tm»iimmi»«nn......»ii.immmmfrttiiiiiiiiiiwiwmi ■»"ffiSSfla meine Partei den diesbezüglichen Antrag , Unterfertigt hat. Ich besitze aber die moralische Kraft, zehn Jahre später gegen das Numerus*clausus*Gesetz, zu kämpfen, während der Herr Minister Graf Klebeisberg sich in liberalen Kreisen als Gegner des Gesetzes, in christlichen Kreisen aber als dessen Freund gibt. Kultusminister Graf K1 e b e 1 s b e r g: Der Herr Abgeordnete Dr. Rassay hat nicht das geringste Recht, mich wegen des Numerus«clausus»Gesetzes anzu* greifen, da ja eben er es war, der seinerzeit ,mit einem seiner Amendements das k o n f e s s i o n,e 11 e Moment in das Gesetz vom Numerus clausus hineingetragen hat, jenes Moment, das uns im Auslande die meisten Unan« n e h m I i c hJc e i t e n bereitet hat.. Ich finde es mithin sehr bedauerlich, daß der Herr Abgeordnete, der einer der Urheber jener Dinge war, jetzt: die Notwendigkeit empfindet, im Kämpfe gegen den Numerus clausus Fahnen* träger zu sein. Man darf seine Ansicht ändern, auch ich habe es oftmals getan, aber dann stellte ich mich nicht an die Spitze des gegnerischen Lagers, sondern zog mich zurück. Es ist besser, vorsichtig zu sein, wenn man mit einem diskutiert, der seinen Standpunkt zum fraglichen Gegenstand nicht geändert hat, Ich war immer für die Politik des Mittelweges und werde .diese auch stets be» folgen. (Zustimmung rechts.) \* ■ Budapest/ 22. Mai: Vor kürzem hat, wie bereits gemeldet, eihe junge jüdische Studentin, Elsa Braver, gegen den ehemaligen ungarischen Kult u s m i n i s t e r Stefan'Hall er, den Schöpfer des Nu'mers*clausus« Gesetzes, Strafanzeige erstattet; Haller hat sich von der Studentin emön größeren G c l d b e t r a g dafür aus* zahlen lassen, daß er ihr, die wegen des Numerus«clausus* Gesetzes in Ungarn nicht studieren konnte, ein Aus» land s Vi sum, beschafft. Erhat* diese Bedingung nicht eingehalten, sich aber geweigert, den erhaltenen Geld« betrag zurückzuzahlen. Die Studentin hat nun die Straf* anzeige zurückgezogen, nachdem Hafler Ihr von dem erhaltenen Betrag 600 Pengö zurückgezahlt hat. „Egyenlöseg" weist darauf hin, daß Haller, der als Schöpfer des Numerus clausus von einem Opfer dieses Gesetzes . Qeld .angenommen•»., hat, t .noch immqr R e i c. hs.t a g s a b ge o"r än e t'e r .i^t.' r 0 * \' Die Niederlage der und die Entscheidung des ■M Von Richard Lidilheiifi, Berlin Statt ihre wahre Aufgabe zu begreifen?, hat die zionistische Leitung sich jahrelang mit/der antizior nistischen Politik der Engländer abgefunden. Als diese ihre unvermeidlichen Folgen zeitigte und eine politische Krise ausbrach, die das Fundament der Bewegung zu erschüttern drohte, hat die Leitung lärmend, dilettantisch und planlos' in raschem Wechsel bald die Politik der starken Faust, bald die des ängstlichen Zurückweicheiis getrieben. Wieder fehlte," was seit zehn Jahren fehlt: Ruhige Stetigkeit,'klare Erkenntnis der Lage und zähes Bemühen in einet.Richtung. - Der schwere politische Kampf, deruns durch das Weißbuch vom 'Oktober ^ifSÖ ^giii^^Pw^äi'^tl w'üirde von Dr. Weizmahh voreilig abgebrocne^.vrh steier Selbsttäuschung befangen, hat . dieser Führer den M a c D o n a 1 d - B r j e f, ein höchst zweifelhaftes und ungenügendes .Resultat monätelariger Verhandlungen, als politischen Erfolg erster Ordnung betrachtet;,und daraufhin proklamiert, daß das Vertrauen zui England wiederhergestellt sei. Dieser voreilige F r i e den ss c h 1 u ß hat s i c h b i 11 e r g e r ä c h t. In Wirklichkeit blieben alle wesentlichen Fragen unerledigt. Aber sie sollten. — so wurde versichert — im „z w e i t e n Teil" der Verhandlungen zur . günstigen. Erledigung kommen. Bald jedoch erfuhr man, daß dieser zweite Teil der Verhandlungen nicht mehr mit dem Kabinettskomitee, sondern, nur mit einigen. Beamten ,der Ministerien geführt werden sollte, was. ihren Charakter wesentlich verändern mußte. Dann stellte sich heraus, daß es sich gar nicht mehr darum handle, die durch das Weißbuch geschaffene unerträgliche Situation zu beseitigen, d. h. zunächst einmal ein Einverständnis zwischen Regierung und Jewish Agency über die Grundlagen, der zionistischen Kolonisationsarbeit herbeizuführen, sondern daß schon in diesem Stadium die Araber mit ihren Wünschen und Beschwerden zu den Verhandlungen zugezogen werden sollten. •Es war klar, daß diese Verhandlungen unter solchen Umständen kein Resultat brigen konnten. Die Araber verweigerten die Teilnahme, worauf der"HigK* IG^o^mtofssiöne'r "in jerW hingen'mit ihnen begann. SohließlicKJ mußte die zionisti- EISSCHRANKE Marke „Frlgofor", eissparend, eigene Erzeugung, zaHlüngfeerleichtorung :' ' vMw*HORA":-^u' ,£;t- J.. BomlnHranapbartai J|liv22^ ^*ele£hoit'. R'-24«4*1B . , - it* nt r.« . sehe Führung bei ihren ersten Besprechungen mit den Regierungsvertretern feststellen, daß sie wieder einmal viel zu optimistisch gewesen War : dachte gar * nicht daran,' aus den * vagen Züsicherüngen des MacDohald-Briefes, praktische Konsequenzen zu ziehen. Dieser voreilig b e j u b e, 1 f e. Brief h a f t e seine Schuldigkeit getan. Mit seiner und Doktor Weizmanns Hilfe, war es England gelungen, die Juden zu beruhigen und dem Völkerbund die Zufrieden-' heit der Zionisten zu beweisen. Nun triumphieren wieder j Passfield und Chancellor. Das Weißbuch — schon von MacDonald als „d#ninierendes> Öoktäiient" bezeichnet -e bleibt in Kraft. Der Landentwidkluiigsplan und. die Anleihe sollen nicht den Juden, /' Sündern /den Arabern dienen. Das Parlament .Yon? .älleni zionistischen .Instanzen abgelehnt, aber von Dr; Weizmann -öffentlich als unvermeidlich erklärt t—• droht im Hintergründe. Wieder hat sieh,, die. Leitung, täuschen lassen, wieder hat sie. die Lage falsch beurteilt und ihr Publikum irregeführt. Wir wollen die Haltung der englischen Politiker und Beamten nicht entschuldigen; die es gewiß an Ernst tferzl'Grabgang Sonntag, am 31. Mai 1931 Die Mitglieder; des Verbandes, demokratischer Zionisten und alle angeschlossenen Jugendgruppen nehmen um 9 Uhr, vormittags bei der landwirtschaftlichen Hochschule, , Peter-Jordan-Straße, Aufstellung. Alle befreundeten .Zionisten und Gruppen können sich dort anschließen. üAd Aufrichtigkeit fehlen ließen. Aber ihre Handlungsweise ist mitbestimmt durch die Unfähigkeit und ewige Selbsttäuschung d e r zi o n is tischen Führung, die stets den Schein der Wirklichkeit vorzieht. Schließlich wollte doch Englands Regierung nach dem Entrüstungststurm, den das Weißbuch verursacht hatte, einlenken, um die erregte Judenheit zu beruhigen. Damit war die Möglichkeit eines politischen Erfolges gegeben — aber er wurde wiederum vertan, weil ein rascher, ein sensationeller Erfolg erzielt werden sollte. So entstand der unselige Briefwechsel zwischen MacDonald" und" Dr. Weizmann. Auf den Scheinerfolg, kam die — von dennun doppelt wachsamen Gegenkräften bewirkte >-*• meue Niederlage. Der zweite Teil. der Verhandlungen ist zu Ende,s bevor er noch ^begann ^—: die Krise dauert fort : > ' Nicht genüg : damit, unternahm Dr. Weizmann einen weiteren sehr gefährlichen Schritt, vor dem er privät und öffentlich gewarnt wurde imd der auch so unglücklich endete, wie seine Kritiker es vorausgehen hatten; Im ungünstigsten Moment fuhr er liach Palästina^ u m mit den Arabern zu verhandeln — und wurde von deren Führern nicht einmal empfangen. Dafür tadelte er öffentlich die Regierung Palästinas, die er trnaiv" nannte. Naiv ist dieser Führer, der noch immer; nicht weiß, wo der Schlüssel zur zionistischen Politik in Palästina liegt. Unbedacht ist dieser Führer, der hoch rasch vor dem Kongreß einen „Erfolg" haben wollte und dabei nur dem. Zionismus eine heue Niederlage vor den höhnenden Blicken der Araber und der hohen englischen Beamtenschaft Palästinas bereitet hat. Die Freunde .Dr. ^Weizmanns nennen dies, alles große Staatskunst. Wir nennen es ein eitles und uttunbedaentesv SpieJ mit den Interessen des jüdischen Volkes. Wieder bleibt ein Scherbenhaufen, den die Nachfolger dieses .Führers aufzuräumen haben werden. * Der XVII. Kongreß wird über das verflossene Jahrzehnt zionistischer Geschichte zu Geficht sitze*if. Wie der Richterspruch ausfallen wird, kann schon -'teufe nicht mehr zweifelhaft sein. Keine Magierkunst Dr. Weizrnahns, keine Dialektik seiner Anhänger, kein betuliches Zureden seiner Freunde wird imstande sein, den Schleier wieder zu. flicken,- der f>o lange das große Geheimnis von London verhüllte, durch die Ereignisse der letzten zwei Jahre aber unbarmherzig zerrissen wurde. Das'jüdische Volk" hat durch die" Fetzen «dieses Schleiers das Geheimnis erspäht, es hat erblickt, was so lange verborgen gehalten wurde. Der Enttäuschung pflegt Erbitterung zu folgen und darum muß man den• Zionisten in dieser Stunde sagen, daß nicht Zornesausbrüche und wilde Anklagen die Köngreßtage ausfüllen dürfen, sondern daß die Aufgabe der so lange verführten^Bewegung jetzt darin besteht, das Haus des Zionismus, wieder, in Ordnung ,.zu bringen und durch, verdoppelte Arbeitsanstrengung wieder gutzumachen, was «in den verflossenen zehn,,. Jahren, verabsäumt und verdorben wurde. .. . , . .. . . " Sind die Zionisten ernsthaft hiezu entschlossen, so werden sie sich' nunmehr ~ der revisionistischen Führung anvertrauen, Die/Revisionismus hat den moralischen Anspruch daraüf, däß ihm iiach dem Rücktritt den kann, und der Witz von jenen Witzen, nach denen man Buße tun und Trauerkleider anlegen müßte? Sie lesen zum Beispiel in schwarzen Lettern auf rotem oder gelbem Plakat, daß dort und dort diese und diese Komödie, oder dieser und dieser Film gespielt wird, wo Sie awed-drei .Stu/nden kaskädiis<ches iÄchein haben wenden, awei-drei Stuaiden ViuJkaine vom Lacheriuptionen, zwei-drei Stunden Wolkedbrüche von Lachen mit Zwerchfellkrämpfen . . . Und Sie gehen hin, sehen sich's aa und wollen* den Mumd auif«perreh zoi einem Gähnen, das man mit .dem Metermaß messen kann, und es wollen Ihnen die Tränen wie Erbsen äüs den Augen rollen, für die verlorene Zeit und für Ilire päar Groschen." „Was kann man. da machen!" .. „Sie wissen nicht, was zu tun. Ein Theaterdirektor aber oder ein Kinobesitzer hat es heraus. Er engagiert einen Lacher genau so wie einen Claqüeuri'Er'engagiert; ihn, setzt ihn ins Publikum und er soll lachen."' \ »?r z l ":- :' " ■ s . 1 1 ' ' u „Solch ein Ladher bin. ich.' Ein e^aig&eirter Profes*' sfonslacher. Einer von der Sorte dieser Direktoren von' einer Komödienbühne hat mic]a einmal lachen gehört ' Und meine Lacherei gefiel ihm so, daß er mioh en-' gagierte. Und lachen, müssen Sie wissen, konnte ich einmal. Denn mir war gut zumute, Einkommen hatte ich zur Genüge, brauchte das heutige Lachhandwerk noch niiebt So war mein Lachen ein saftiges Lachen, ein Lachen mit Nuancen-Variationen, wie man sagt. . WoHie mdm, .danaiert« es wie Doiwver4 >.pBftech*e es-wie •im RaUcbeu, Wollte man ei, so rollte es wie Erbsen ■ . . . .t; jr •-• •;'!-». («*«>«• i :,. auf einer Pauke. Ich konnte auch nach Belieben i Quitschtriller lachen und die Hauptsache: es. wirkte ansteckend. Wie jede ansteckende. Krankheit.' Wie Typhus, wie Angina, wie die Qjbtolera. gottseibeiühs. So setzte er mich in ein Theater unter das Public kum und hieß mich lachen. Ich lachte. Auf der BühnV ging's zu, ohnmächtig zu werden. Und ich lachte. "Und da ich lachte, lachte das Publikum auch. Die Kassa lachte, die Schauspieler lachten und, es war lustig. Davon erfuhr ein anderer Direktor, ein Kinoeigent'ümer und ein' Revuetheaterbesitzer. Und es ging los. Jetzt arbeite ich in zWei Theatern, drei Kinos und vier Kabaretts. . c Er schlürfte den letzten Rest/'Kaffees hiriuntei* und sprach weiter. „So ist .es, mein Freund. Man lacht, kein leichtes Stück Arbeit. Man muß schuften Wie ein Esel, von einem Theater ins ändere laufen, von einem Kino' ins andere, von einem Kabarett ins andere. Und überall zur Minute erscheinen. Und man muß wissen, wie man zu lachen hat. Hier muß man grob lachen mit einem Baß, dort dünn, edel, intelligenti Und am dritten Ort gar wiehern wie ein Pferd. . ' Das wäre aber nicht so schlimm wie das moralische Leiden! Das, daß man bei solchen Stücken lachen muß, die einem dauernde Melancholie bringen,-oder von eiiiem Conferencier Witze hören muß, daß mein ihm nach jedem Witz einen Stiefel ins Gesicht schlagen möchte'., .'Du mußt aber da sitzen und vor Gelächter keuchen' und dir den Mund voll Vergnügen wischen. Und betrügen kann man nicht. Denn der Direktor beobachtet dich mit tausend Augen.' Und "wenn du ein Schläfchen machen willst, schon pflanzt sich der Direktor vor dir auf, pufft dich in die Seite: Lachl Da, neulich bin ich in einem Kino eingeschlafen. Als ich raseh die Augen auf riß und in ein Gelächter losbrach, lief auf der Leinwand gerade die Lichtreklame. Und es ist fast zu einem Skandal gekommen und ich hätte fast meine Stelle verloren." . „Ja, mein Freund", sugte er, schon im Aufstehen, „vor Ihnen steht eine tragische , Figur. Nach Victor Hugos .Der Mann, der lacht', bin ich die zweite tragische Figur. Magst du Zahnschmerzen haben, mag dir-ums Herz noch so weh sein, magst du deine/ häuslichen Sorgen haben — du mußt lachen. Wie singt man im Bajazzo: .Lache, Bejaazo, bist mir ein Spielzeug zum Sche-e-erz!' Das Lachen'nimmt mir den ganzen Humor, deinen Frohsinn". . . kann ich denn heute noch lachen?. Als ich aufs Lachen nicht angewiesen war, hab* ich lachen können. Aber seit ich zu lachen begönnen habe, hab'ich nichts zu lachen ... ...... f Und deshalb muß ich jetzt oft Proben machen, repetieren ..-'naj leben Sie wohl . . . Vielen Dank für den Kaffee . . . schon 6 Uhr . .; man muß lachen geh'n . , . Chachacha . , . chochocho . . . chichichi," lachte er sich sein' Lachen in allen Registern vor, wie ein Sänger, der seine Stimme prüft, bevor es ans Singen geht. Und er ging fort mit sehr, traurigem Schritt zu seinem Lachgeschäft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.