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Die neue Welt · 1931-05-29 · Heft 193 (29.5.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 193 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile t DIE NEUE WELT Der Pratef: Jungstraße 8. III. und XI. Bezirk: Cafö Lovrana, III., Löwengasse Nf. 36. IV. und V. Bezirk: „ZiremT*Helm, Wiednet Haupt« straße 130. VI. und VII. Bezirk: Cafe" Mafiahilf, VI., Mafia» hilferstraße 89 a. VIII. Bezirk: Heim, Bennoplatz Ne. 1.; v i IX. Bezirk: Cafe Metropol, Berggass« 33, X. Bezirk: Jüdisches Heim, Humbpfdtgässe 25. XIL XIV. und XV. Bezirk: Hefktetzgasse 21. XIII. Bezirk: Cafe Hietzingerh'of, Hauptstraße 22. XVI. und XVII. Bezlrkf Friedenscafe, Ottakriftger. strafie 37. , XVIII. Bezirk: Caf6. Dank, Währinger Gürtel 108 a. XIX. Bezirk: Cafe Döblingerhof, -Billrothstraße 49. XX. Bezirk: Jägerstraße 30. Zwischenbrücken: Leystraße 81. Nr. 193 i H Die Wahl ist geheim und muß persönlich vorgenommen werden. Mitnahme der Schekelquittung jst nicht notwendig. Jeder, der in der Wählerliste enthalten ist, wird zugelassen. Jeder Wahler hat seine Identität nachzuweisen. Unbedingt mitzubringen ist daher ein Personaldokument,' und 2war.\ Geburtsschein oder Heimat* scbein oder Trauungsschciri oder Reisepaß oder sonstige Legitimation mit ^Lichtbild. Meldezettel* älfeifi' " genügt nicht. Jugendliche Wähler haben durch' ein Dokument nachzuweisen, daß sie über 18 Jahre alt siridj ~ * ' ' i Stimmzettel „Z i o n i s t i s c h * R e v i s i o n i s t i* sehe Liste", Listenführer Robert Stricker, werden allen Wählern zugeschickt. Stimmzettel können auch im Haupt« agitationslokal, Verbandsheim, IL, Untere Augartenstraße Nr. 38, Telephon A»45»6*34, behoben oder bestellt werden. Dort werden auch alle Auskünfte erteilt. Agitatoren wollen sich dortselbst einfinden. Samstag, den 30. Mai: Hotel de'France, Marda- Theresien-Keller. Samstag, den 30. Mai: Volksküche, XX., Heinzelmanngasse-Jägerstraße. Montag, den i. Juni: Hotel Post, I., Fledechmarkt 24. Es -werden sprechen: Der Listenführer Oberbaurat Robert Stricker, Hanns Kandl, Dr. D. Bukspan, Dr. H. Glücker, David Nebenzahl, Dr. N. Samonsky, Leon Wechsler, Dr. Sal. Wolf, N. Lubotzky, Leopold Sitzmann. Beginn überall halb 9 Uhr abends. Ein sonderbares Programm und eine sonderbare Methode Wahlkampagne und das Herzl-Grob Sozusagen in letzter Stunde haben' die nicht- und antirevi«ionistis.ahen Parteien sich doch bequemen müssen; der zionistischen Wählerschaft vöii&legen, was ma n-so Programm nennt. Man karin es diesen Parteien unschwer nachfühlen, .wie bitter es ihnen angekommenist, |hre durch die-Tatsachen der letzten Jahre arg ramponierten Parolen denkenden Zionisten vorzadegen. Ein. Trost nur, daß es einen Revisionismus gibt, der wenigstens die Gelegenheit bietet, sich mit einem .einzigen neuen Programmpunkt schmücken zu' können: Achtung! Revisionisten1 über dir!. Am drolligsten geberden eich unsere forschen deutschen Regierungszionisten.. Sie sind in ihrer. Verlegenheit so draufgängerisch, daß sie ihren Wählern den Revisipnistenschreck an die .Wand malen und vom Revisionismus stammeln, dessen „Methoden unsere Bewegung durch Abgleiten in reaktionäre nationalistische Strömungen diskreditieren". Sie, die Helden, werden natürlich kämpfen, sind begeistert von; der Politik Weizjnnn'ns. vom Macdonald-Brief, und von all den Dingen, die bekanntlich den Zionismus so herrlich weit gebracht haben. Bei alldem muß man ihnen, den deutschen Allgemeinen Zionisten, lassen, daß sie immerhin ihr trauriges Bekenntnis von einem Liquidationsaioriismus mit einigen Mut offen proklamieren — was zium Beispiel von cten .Kollegen der Britta SchaJorn-rDeukcheh, unserer heimischen Liste: Dr. Oskar GrUnbaum, beim besten Willen, nicht ■ behauptet werden kann. . Sie ist etwas schamhafter. Dafür ist sie im Gegensatz zu den lapidaren Deutschen gesprächiger und bietet auch mehr an. Diese Kongreäwah'f-Speisenkarte ist ein Kunterbunt ausgesuchtester ' zionistischer Spezialitäten. Was einem nur schmeckt,, ist da: Lösung der Judenfrage, zionistische Kndziele, Stärkung des Jischuw, Vermehrung des jüdischen Bodenbesitzes, dauernde und großzügige Einwanderung mit dem Ziele — man höre und staune — einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit, kollektive Aufbauarbeit und Mittelsfandskolonisation und Privatinitiative, gerechte Lösung der Araberfrage. Und weil all diese Aufgaben von der jetzigen Zionistischen Exekutive so erfolgreich durchgeführt wurden, hat sie Vertrauen zu ahrer Politik. Kurz, für Herrn Dr. Oskar Grttn'baum gab es keine Araberrevolte, keine Shaw-Kommission, keinen S im p s o n- Bericht^ kein Weißbuch des Freundes Passfield, keine Unterhandlungen mit Macdonald und den Kolonialbeamten mit dem saftigen Ende» es gab ketne Ein wanderungssperre und es gibt sie auch nicht neuerlich in verschärftem Maße — die Lage ist befriedigend — Unsere: Wiener offiziellen . Kandidaten haben einen gesunden zionistischen Schlaf,, der. nur gestört wird' yon den bösen Revisionisten, die es besonders dem I4«tenfüihr<Br Dr. Oskar Grünbaum, angetan haben.. Er muß gegen sie lejtartakeln und in Versammlungen uuter ^^^^^^^Ü^'^^^^J^S rf"' - 'w mm^m ■^^*J3fc^BM|^BBBBM^^^^^^ 'IT"1 - S20.*- S Ä4.— S 28.— Oll., KafteRtNfie 123 IX., Alsersfrofie 6 anderem erzählen, daß die Revisionisten gar so frech sind, der zionistischen Welt zu erzählen, Weizmann habe sich vom Judenstaat losgesagt, während er das doch nur in geheimer Sitzung getan habe, und man es nicht h ätte a *u s f* 1 a a d e r n d Ü rfe^.^D^rsöiben Ansicht ist übrigens der Führet -.d^^.Andejren wahlwerbenden Gruppe mit' ältlichem SpeliaMätenpr^gramm und eben-7 solcher Begeisterung für Weizmanns Erfolge, denen die Revisionisten ebenfalls den gesunden Schlaf stören, der Mann des arbeitenden Palästinas S. Kaplansky. Auch für jhn „ist, es in vollkommener .Ordnung, rwenn der Präsident der Zionistischen Organisation „in geheimer Sitzung" dem Endziel des Zionismus abschwört. Nur die Wähler hätten es nicht erfahren dürfen; es könnte ihnen am Ende einfallen, ihn nicht wiederzuwählen. Außerdem ist die Geschichte von der Aiiisplauderei eine ausgiebige Unwahrheit. Denn, das Bulletin der Exekutive hat diesen Passus der Rede Weizmanns v ©11inhaltlich der gesamten Oeffentlichkeit Ubermittelt. Unangenehm für die Herren, aber wahr! Das Gefrett mit dem Judenstaat! Am 5K. Mai sollen die Wiener Zionisten zum toten Verkünder des Judenstaatsgedankens, zum , Grab Theodor . Herfcls, pilgern. Dort hätten sie sich gar allerlei Gedanken^darüber machen können, und dem sollte durch eine Methode, die bisher niemand gewägt hat, begegnet werden: durch nichts Geringeres als durch die Entweihung des Her zischen W.unsches, rings um sein Grab zu schweigen. Herr Prof. Brodetzky, das ExekiiitivmitgÜed, wurde von Herrn Dr. GrUnbaum dazu ausersehen, das Schweigen zu brechen, in einem Gasthaus nebenan eine. Wahlrede zu halten, eine Wahlrede für die, die das politische Vermächtnis Herzls vertrödeln. Die Union der Zionisten-Reyisionisten und der Verband demokratischer Zionisten haben gegen .diese unerhörte Absicht protestiert. Herr Brodetzky 'kommt nicht. Er hat telegräphisch abgesagt. Wir wisse'fi'Wcht, .ob ihn vor solchem Tun die Scham überkommen hat oder ob er einfach Verhindert ds.t. Was immer auch am 51. Mai im Weichbild', des Herzl'Grabes»geschehen mag, die Gesinnung, die aus dem Programm und aus der Werbemethode fließt, bleibt Zeugnis einer Geisteshaltung,.. mit der die HerzlfZaonisten nichts gemein haben. Päpstliche Rundsdireiben und ludenfrage Sdieul die katholische Kirche eine offene Stellungnahme T Seit jeher hat sich die katholische Kirche vor die Aufgabe gestellt gesehen, neuen geistigen und sozialen Gebilden gegenüber ihre Macht und ihre schicksalbildende Herrschaft zu. behaupten. Die kosmopolitische Tendenz• mit ihrer elastischen Spannweite, .wußte antagonistischen. Bestrebungen innerhalb <ler im Katholizismus lebenden Völker immer noch einen Rahmen zu geben, worin das Ferment der katholischen Glaubens-" komposition lag. In' den , .Kne^«^^^!!,^..^;- ''cjie katholische ';untgen>; „ütiönsjduren in eine , senipr ______ , s i v s t e 11 ü h g zu geraten. Ihr rückten mächtige Gegenbewegungen an den Eeib, die, aus Völkernot geboren^' ihr Rüstzeug aus der Kammer positivistischer Wissenschaft holten. Die katholische Kirche hat sich unglaublich rasch erholt. Sie ist heute ohne Zweifel gegen ihre Widersacher in cler O f f e n s i v e begriffen. Der Vatikan-Staat ist das politische Symbol, der allenthalben sichtbare Versuch einer neuen, zeitgerechten FuncTierüng der" katholischen Weltlehre ist cler geistige Ausdruck,"der wiedergewonnenen Sicherheit. So konnte* '.das gegenwärtige Oberhaupt der katholischen Ki*rche, Papst Piiis XL, zu zwei großen, heute umstrittene'h Weltpröblemen Stellung nehmen, zu den Grundfragen der Sittlichkeit und cler s o z i a 1 e n O r d n u n g. Papst Pius XI. legt neuerlich für" die katholische Welt dogmatische Richtlinien für diese Fragen fest, die heute die Menschheit in zwei Lager, teilen. . Sicherlich wissen die katholische Christenheit und der Papst um eine dritte große, Weltfrage, die nicht rninder wie die heidei^nijcjeren e^n.e.Stellung-, nähme verlangt die Judenfrage. Auch die judenfrage ist in ein neiie3 Stadium getreten. Das Gesicht des jüdischen Volkes ist ein anderes geworden, als es noch vor kurzem war; ein anderes, als es von der katholischen Kirche gestern noch gesehen werden konnte. Die 'gewaltige Umwälzung durch Kriegs- und Nachkriegsjahre, das Meer von Pogromen, die heroischen Anstrengungen in Palästina, die p h y s i s che' und soziale Judennot in. der ganzen Welt, der wunderbare Bau einer neuen hebräischen Kultur und das Werden einer neuen hebräischen Religiosität, der wütende Haß, der gerade * in den kultiviertesten Staaten der Christenheit gegen die Juden gepredigt wird! — zu diesen Erscheinungen hat die* katholische Kirche noch nichts öffentlich zu sagen gehabt; nichts zu der brutalen Abschlachtung hunderttausender wehrloser Juden in den osteuropäischen Ländern, nichts gegen den blutrünstigen Judenhaß und Pogromruf in Mittel- und Westeuropa, nichts zum Versuch der Rettung der bedrohten und verfolgten Juden durch den Aufbau einer eigenen Heimstätte in Palästina.' Noch nichts öffentlich 'zu sägen gehabt! Sie hat gehandelt. Ihre, der katholischen ' Kirche, Emissäre i n P ä 1 ä s t i n ä haben*" seit Jahr und Tag ein für die Religion der Nächstenliebe schandvolles Ränkespiel gegen ein Volk aufgeführt,' da« in friedlicher Arbeit und waffenlos für sich und die Welt ein Werk der Menschenliebe baut. Eine widernatürliche Partnerschaft mit einem so heterogenen Element, wie den extremen Fanatikern des Islam, war der katholischen Kirche gut genug, um die primitiven Instinkte eines arabischen Mobs derart aufzustacheln, daß sie zu Mord und Metzeleienführten. Nicht Unkenntnis des Wesens der jüdischen Bestrebungen im Lande .der Väter, nicht Bari gen um die der Christenheit heiligen Symbole in Palästina können Motiv so blinden Hasses sein. Denn Werk und Ziel jüdischer : Arbeit-in-Palästina - liegen offen - vor ■ alleTi Welt vda und die zionistischen Bestrebungen wurden*ydn ihrem Gründer Theodor Herz] schon, vox, .drei Jahrzehnten und später noch einmal von Nähum Sokolow klar und deutlich vor dem Vatikan ausgebreitet. Was kann es anderes sein, wenn nicht. F'ortspinnen traditionellen Ressen t iments, wenn nicht unselige heidnische ererbte Verfolgerwut? Die katholische Kirche hat seit jeher die Notwendigkeit erkannt, psychologische Erfahrungen zu nützen und. sich realen Gegebenheiten" anzupassen. Glaubt sie etwa auch heute noch für ihren geistigen Bestan'd für wesentlich zu halten, das menschenwidrigp 'Symbol vom verfluchten;* rastünd hältlosen Juden, der den Messias Jesus Christus nicht anerkennen will? : Oder soll etwa die Methode der beibehaltenen hartnäckigen Feindseligkeit zur Anerkennung des christlichen Messias führen? Weder 5Lockmittel ihres Missionärt u m s noch S C h e i t e r h.a u f e n hundertfältiger Inquisition der Vergangenheit und Gegenwart haben die Kirche in dieser Richtung auch nur, um ein Stückchen Wegs dem Ziel nähergebracht. Die Judenfrage ist heute brennender denn je. Sie ist eine Frage, von d^ren Lösung abhängt, ob ein Volk gesund Wird und die "Wunde der Menschheit sich schließt oder ob es siech und ein Herd des Unfriedens bleiben soll — mitten unter den Völlcern. Die Stellung zur Judenfrage ist heute zum Prüfstein geworden für menschenwürdige^ *bder inferiore Gesinnung. Jede Gesellschaft und jede Gemeinschaft wird vori diesem Problem heraus*- gefordert. Keine Bewegung mit ethischen Zielen, weder eine geistige, noch eine religiöse oder politische, kann sich, soll sie nicht unlauterer Motive verdächtigt werden, um die Judenfrage herumdrücken, am allerwenigsten die katholische -Kirche. ' "o, y. PENSION WEISS-.^»ii Streng orthodox I Neu eröffnet I Vornehmes Haus, am Südstrand gelegen. Nahe ,dem;T Hafep und Seebade. Zimmer mit Balkon und Meeresaussicht. Schöner Speisesaal mit Terrasse. Schattiger Garten. Terrasse für Liegekuren. Badezimmeri Erstklassige KUohe / .jßptteadlenst jvjd im NäÄsji^ Pensionspreis 28 bis 38 Lire pro Tag. 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