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Die neue Welt · 1931-05-22 · Heft 192 (22.5.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 192 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 192 DIE NEUE WELT Seit« 5 „Camelots du Roy" Frankreichs eine ganz unverhüllte Judenfeindlichkeit, die sich bloß in den Mantel des Fremdenhasses kleidet. Die letzten Vorfälle in Paris haben die französische Judenheit veranlaßt, sich mit einem Protest an das Innenministerium zu wenden, das Maßnahmen zur Unterdrückung aller Feindseligkeiten gegen die Juden zugesagt hat. In dem Von jüdischen Kriegsteilnehmern gefertigten Protestmemorandum wird zunächst darauf hingewiesen, daß in erster Linie die aus den polnischen und ukrainischen Ghettis stammenden Juden sich in den Augusttagen 1914 der französischen Republik zur Verfügung stellten und als Freiwillige ihr Blut für Frankreich hergaben. Diesbezügliche einwandfreie Dokumente wurden in den französisch-jüdischen Organen („Le Volontaire Juif") veröffentlicht und erbrachten den Beweis, daß die jüdische Gemeinschaft Frankreichs seine Pflicht der nationalen Verteidigung voll erfüllt hat. Die unterfertigten jüdischen Kriegsteilnehmer fordern energisch das Einschreiten gegen die antisemitischen Agitatoren. Wie wir der in Straßburg erscheinenden jüdischen Zeitschrift „La Tribüne Juive" entnehmen, plant die französische Judenheit umfassende Aktionen zum Schutze ihrer Interessen, indem sie die Eingliederung aller in Frankreich lebenden Juden in die Föderation des Soci6tes Juives de France anregt. Kommunistischer Antisemitismus* Wie aus dem soeben veröffentlichten Bericht über eine von der jüdischen Hilfsgasellschaft „Ozet" durchgeführte Untersuchung der Lage in den sowjetrusß'iechen Industriebetrieben hervorgeht, Herrscht derzeit in den Fabriken eine wahre Epidemie antisemitischer Uebergriffe und Ausschreitungen. In dem Bericht von „Ozet" wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Demütigungen und Verfolgungen, Unter denen die jüdischen Arbeiter zu leiden haben, nicht, wie vielfach behauptet wurde, stets bloß von unwissenden Elementen unter der Arbeiterschaft, sondern auch von geschulten Partedkomiriu nisten ausgehen. Die Fabriksleitungen und Betriebsräte 6ind häufig genug über die Vorgänge in den Betrieben unterrichtet, schützen jedoch Unkenntnis vor. Obwohl die Juden derzeit 20 Prozent der Arbeiterschaft in der Schwerindustrie darstellen, werden jüdische Jungarbeiter zurückgesetzt und schlecht behandelt. Man weist ihnen Unterkunftsräume zu, die von Schmutz starren, und läßt sie Hunger und Frost leiden. Zur Arbeit werden sie an solche Stellen des Betriebes eingeteilt, wo sie keine Möglichkeit haben, sich in ihrem Fach entsprechend zu vervollkommnen. In C h e 1 i a b i n s k wurde der jugendliche Arbeiter Krawsow von der Jungkommunistin Smolina, die aktives Mitglied des Komsomol ist, in rüdester antisemitischer Weise beschimpft, ohne daß der anwesende Sekretär der kommunistischen Fabrikszelle Medwedew einschritt.. In demselben Betrieb wurde der jüdische Arbeiter Aleksi.nski von<d«m KoiöMittinae-tenBftiliadin insultiert, ohne daß sich irgend einer der kommunistischen Arbeiter ins Mittel legte. Selbst als das Chelinbinsker Lokalblatt die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Zustände in der Fabrik lenkte, geschah nichts, um den wiederholten antisemitischen Uebergriffen Einhalt zu tun. Diese Teilnahmslosigkeit der Behörden ermutigte eine Gruppe von Arbeitern zu einer ernsteren Ausschreitung. Sie drangen eines Nachts in trunkenem Zustande in den Schlafsaal der jüdischen Arbeiter ein und fielen unter dem Rufe „Schlagt die Juden" mit Hämmern über diese her. Die drei jüdisohen Arbeiter Krawzow, Steklow und Swerdlina wurden bei diesem Ueberfall erheblich verletzt. Der Vorfall kam schließlich zur Kenntnis der Behörden und die kommunistische Partei entsandte eine spezielle Untersuchungskommission nach Cheliabinsk. In den Moskauer Fabriken fanden Protestmeetings der Arbeiterschaft gegen einen Terrorakt statt, der gegen den jüdischen Arbeiter Stoliarow des Elektro Zavod, einer der größten Fabriken Moskaus, gerichtet war. Stoliarow, ein Mitglied der Feuerschutzbrigade des Elektro Zavod, hatte du einer Fabriksversammlung gegen die unter der Arbeiterschaft herrschende Disziplinlosigkeit Stellung genommen. Daraufhin hielten zwei Arbeiter namens Polluschin und Nctschajew heftige Hetzreden gegen Stoliarow. Als Stoliarow nach Schluß der Versammlung in die .Garage kam, wurde er überfallen und zweimal mit einem Beil über den Kopf geschlagen. Als einer der Attentäter wurde der Arbeiter PoUuscihin iFes^es^t/und .verhaftet. Die Verhandlung gegen Polluschin wird in wenigen Tagen stattfinden. UUHUiUUmtliUU1üil»tUIAlimUJIH)IBlB1IUU»UiltllUU! Wegen 4e« groOen Erfolge« prolongiert I DAVID POLDER der grandios© Tonfilm, den iedew Jude gesehen haben mufl! täglich im M , Fleischmarkt 1 - Iii. MM-M Beginn: 5,7 und 9 Uhr, Sonntag ab 3 Uni haues, soweit, er. durch die Zionistische Organisation be* sorgt wird. Was soll' von diesen 180.000 Pfund zuerst bestritten werden? Der Schuldenstand hat 500.000 Pfund überschritten, das Schulwerk allein erfordert 70.000 Pfund. Die reinen Verwaltungsspesen des K. H, und der Palästina*Exekutive erfordern nicht viel waniger als 35.000 # Pfund. Der notwendigste Zinsen* und Abzahlungsdienst ist mit 50.000 Pfund lächerlich gering eingesetzt. Drei Posten allein, die mit dem praktischen Kolonisationswerk, nicht zu tun haben, fressen das ganze Budget. Wo, bleiben Einwanderung und Aufbau? Als im August 1930 in Zürich Weizmann und der verstorbene Louis M a r s h a i mit goldener Feder den Vertrag zwischen Zionisten und Nichtzionisten unter* Fünf Wochen vor Basel! Die Resultate der offiziellen ziomsäasdien Politik — Kein Geld — BWe politische Misere De* Wünderbrief MacDonalds ein Fetzen Papier — Lord Passfields antixionistisdies Weißbuch ist Trumpf — Londoner Stimmungen In fünf Wochen soll in Basel der XVII. Zionisten* kongreß eröffnet werden. Er wird ein ökonomisches und politisches Trümmerfeld vor sich haben. Soeben veröffentlicht die Zionistische Leitung den Ausweis über die Eingänge des Keren Hajessod (Palästina* Aufbaufonds) für das erste Halbjahr 5691 (1930/1931). Vom Oktober 1930 bis Ende März 1931 sind 128.939 Pfund ein* gegangen. (Darin ist schon eine außerordentliche Not* Standsspende Baron Edmohde Rothschilds in der Höhe von 20.000 Pfund enthalten. Baron Rothschild leistete sie im Monate Jänner, als Weizmann zu ihm kam und ihn um Rettung vor dem augenblicklichen Zusammenbruche bat.) Für weitere Sammlungen bleiben die Monate April bis September übrig. Nachdem erfahrungsgemäß die Som* mermonate „tote" Monate sind, wird der Gesamt« eingang dieses Jahres — bei optimistischester Schätzung — höchstens 180.000 Pfund betragen. Was Bedeutet dieser Ertrag in moralischer Hin* sieht? Völliges Versagen der Weizmannschen „Erwei* t e r u n g der Jewish Agency durch die reichen Nichtzionisten." Denn vor dieser, mit der Deroute der Zionistischen Organisation und Preisgabe zionistischer Grbndsätze ,erkauften „Mitarbeit" des nichtzionistischen Großkapitals haben die Zionisten allein immer ein,Vielfaches aufgebracht. In Amerika allein das Fünf* bis Sechsfache. Die Ausrede auf die Wirtschafts* krise 1930 ist lahm. An charitativen Spenden haben die amerikanischen Nichtzionisten im Krisenjahr 1930 über 30 . Millionen Dollar, also über sechs Millionen Pfund geleistet, Wenn nich t ein Hundertstel für Palästina abgefallen ist, darf man es da wagen, die K r i s e als Grund des Mißerfolges anzugeben? Krise schon! Aber nicht Wirtschaftskrise, sondern moralische und politische Krise.' Was bedeutet der Jahresertrag von zirka 180.000 Pfund in .materieller Hinsicht? Ruin des Palästina*Auf# Bei Magen-, Darm* und Stoffwechselleiden führt der Gebrauch des natürlichen „Franz* Josef"*Bitterwassers die Verdauungsorgane zu regelmäßiger Tätigkeit zurück und erleichtert so, daß die Nährstoffe ins Blut gelangen. schrieben, da träumte alles von einem Palästina*Budget von einer Million Pfund. Statt des Aufstiegs der Sturz in die Tiefe. Nur gründlicher Wechsel des Unglück* liehen Systems kann wieder in die Höhe führen. Bleibt das System, dann ist die Katastrophe unabwendbar. '' * '" In der Vorwoche ließ London die Nachricht ver* breiten, daß die sogenannten Verhandlungen zwischen Weizmann und der englischen Regierung über den Land* entwicklungsplan für Palästina nicht abgebrochen, sondern bloß sozusagen vertagt sind. Das soll soviel be* deuten wie, daß ein gegenseitiger schriftlicher Austausch von „Vorschlägen" immerhin noch gedacht sei. Kurz, die von uns bereits charakterisierte Verhandlungsgroteske („Die Neue Welt" Nr.. 190 vom 8. Mai) soll fünf Wochen vor dem Kongreß noch irgendwie kaschiert werden. Aber Einzelheiten, die durchsickern, sind nur ge* eignet, das wahre Gesicht der Verhandlungen, vor denen die zionistische Opposition nachdrücklichst und vergeblich gewarnt hat, zu enthüllen. Man hört von Tatsachen und von Stimmungen. So ist ein Korrespondent des Warschauer „Hajnt" in der Lage, seinem Blatt einiges aus der Kulissen* atmosphäre Londons zu berichten. Er erzählt aus informierten Kreisen Details, die wir im wesentlichen hier vermerken wollen. „Das Unglück besteht darin, daß wieder Herr ge» worden ist — das C o l o n i a 1 O f f i c e. Die ersten Unter» Handlungen gingen in anderer Atmosphäre und unter Führung einer anderen Regieningsgruppe vor sich. Die p>v- Ä r+ Ä^5^?ot^ Schering-Kahlbaum A.G. Repr.Wfen VI,Webg.2a letzten Unterhandlungen standen wieder im Zeichen des Kolonialministeriums. Und dieses ist nicht der Meinung, daß das Weißbuch ein Stück Papier sei, das man wegblasen, annullieren, vernichten kann. Wieder saßen von Englands Seite Itchison, Shiels und sogar Williams am Verhandlungstisch. Ein einziges Mal kam auch MacDonalds Sohn. Shiels ist doch gut? Ja, er ist gut. Aber nicht, wenn er Vorsitzender der Unterhandlungskommission ist. Hier ist er vielleicht gefährlicher als die anderen; denn bei ihm kann man nicht *von Böswilligkeit, sondern von Ideologie sprechen. Der Mann ist von einer Idee be* herrscht, steht ganz unter ihrem Einfluß und die Idee ist: Die depo s s e dierten Araber. Die Grundlehre des Weißbuchs. „Die Araber, die man vom Boden verdrängt hat." An was immer man herantrat, welche Frage man auch behandeln iwollte, der Schatten der angeblich ver* drängten Araber pflanzte sich vor der Kommission auf und die Herren der Regierung hatten nur den einen alten Rat: eine Kommission nach Palästina zu schicken. Seitens der Zionisten nahmen an den Verhandlungen teil: Weizmann, Motzkin, Ruppin, Stein, Hexter. Den „originellen" Vorschlag, eine „Kommission" nach Palästina zu schicken, nahmen alle mit größtem Protest auf. Wieder einmal? Hat es wenig Kommissionen gegeben? Legen sich die Herren Regierungsvertreter keine Rechenschaft darüber ab, daß die Kommissionen nichts anderes als Verwirrung und Katastrophen bringen können? Wenn die Regierung wissen will, wieviel Araber vom Boden verdrängt wurden, dann soll sie ein Telegramm an die Palästina*Regierung schicken und anfragen. Die Zionistische Exekutive behauptet, daß das eine unerhört aufgeblasene Sache sei, daß es sich nur um ein paar hundert arabische Familien handle, die entschädigt wurden, denen keinerlei Unrecht widerfahren ist. Aber gut, man kann anfragen . . . ein Ende muß die Sache nehmen. Die zionistischen Abgesandten gingen noch weiter. Sie stimmten zu, daß in erster Linie die wenigen arabi* sehen „landlosen" Familien das Prioritätsrecht genießen sollen, d. h. vom Landentwicklungsplan in erster Reihe bedacht werden. In Londoner zionistischen Kreisen ist man der Meinung, daß diese Konzession unnötig war und daß überhaupt einige Fehler gemacht wurden . . 4 Um so größer der Verdruß, daß auch diese Konzession noch den englischen Unterhändlern zu wenig war: ob denn die Juden überhaupt einen gleichen Anteil wie die Araber ver» langen können, in gleicher Weise wie die Araber koloni« siert zu werden? Man erzählt, daß sogar Ruppin, der Anhänger des binationalen Staates, der Friedensbefürworter, außer sich war. * In führenden zionistischen Kreisen ist man bezüg« lieh der Anleihe geteilter Meinung. Die einen halten sie für einen Fehler. Auch Engländer warnen davor, man nennt die Namen Kenworthy und Wedgewood, die un* bedingt raten, sich davon zu absentieren, mit der Be« gründung, daß bei den nächsten Wahlen die Hetzparole gegen die Zionisten lauten werde: Zuerst haben die Juden die Araber vom Boden verdrängt und eine Anleihe er* forderlich gemacht; und jetzt nehmen sie Geld von der Anleihe, um abermals die Araber zu verdrängen. Für die Landentwicklungskommission und für die Anleihe sind jene Mitglieder der Exekutive, die keinen MIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIMIIIl —fom—mmm—mvm Wegen des gioften Erlolge« prolongiert! der grandiose Tonfilm, den jeder JudegesehenhabenmHfl! Täglich im BURG-KINO!., Opernring 19, Telephon B-20-3-99. Beginn: 5, 7 und 9 Uhr, Sonntag ab 3 Uhr «.......................IMMHMHM111 II I II.....mn

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