Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-05-22 · Heft 192 (22.5.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 192 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711811--2515-2715814
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE NEUE WELT Nr. 192 S20.- $24.- $28- «iL, Kolsersfroße 123 IX.Jliersfrofie 6 Von deutschen mlen In reichsxleutschen Zeitungen götiildert der Führer des deutsch-republikanischen Studentenbundes Hubertus Prinz zu Löwenstein die' Verhältnisse an den deutschen Universitäten. Er schreibt: „Da auch die höheren Schulen stark nationalsozialistisch durchsetzt sind, ist für einen früh zeitig radikalisierten Nachwuchs < gesorgt. Die studen tische Rechtsmajorität hat es verstanden, über ihren engeren Kreis hinaus jedwede Art demokratischer Gesinnung als „unfein" zu brandmarken." Prinz Löwenstein gibt ein Bild von der Lage an den Universitäten im allgemeinen "'und' schildert als Sonderbeispiel die Verhältnisse an der Universität Erlangen: „Das erste, was dort auffällt, ist, daß es nahezu unmöglich gemacht wird, mit republikanischen Kameraden unibelauscht über Dinge zu reden, die nicht für Dritte bestimmt sind. Entsprechend stark ist auch der Druckt der auf die republikanischen Studienkollegen ausgeübt wird. Konsequent durchgeführte Anrempelungen in der Mensa, den Leseräumen und Seminaren, Abreißen der Brettanschläge, heimliches. Entfernen des Brettes selbst runden so das erfreuliche Bild.. Ott sind es auch die Sympathien von Rektor und Dozenten schaft für die nationalsozialistischen und deutschnationalen Studenten, die — und nicht nur in Erlangen! — die Lage der staatspositiv eingestellten Teile der Hörerschaft noch weiter verschlechtern. Aehnliche Dinge lassen sich aus Marburg, Heidelberg, Greifs wald usw. berichten. Wie in der großen Politik, so ist auch in der, die auf den Universitäten betrieben wird, der Antisemitismus das beliebteste Kampfesmittel. Unter der Ueberschrift „P a n j u d" (womit die paneuropäische Studentengruppe gemeint ist) erscheinen z. B. in der Stuttgarter nationalsozialistischen Presse in häufiger Reihenfolge Artikel, deren, beschimpfender Inhalt ebenso albern wie vulgär ist. Ein gänzer Band aber ließe sieh mit Berichte* über die Mauerinschriften füllen, durch die rechtsradikale Studenten an manchen Universitäten ihre politischen ' und sonstigen Komplexe abreagieren. Was hier geboten wird, übersteigt an Schmutzigkeit der Denkungsart und an Primitivität der Kampfesmethoden jedes bekannte Maß. Es ist leider unmöglich, auch nur leichte Proben jener pornopolitischen Verse und Zeichnungen in der Oeffentlichkeit zu besprechen. Der Gedanke', daß Ausländer jene Dinge sehen und darin Rückschlüsse auf Deutschlands neue Generation ziehen könnten, ist unerträglich." Verschärfte Judenhetze in Deutschland. — Der Parteiführer Hitler voran. Berlin, 18. Mai. (J. T. A.) In der letzten national* sozialistischen Versammlung ■' im Spört*Palast in Berlin würde eine "Postkarte verkaüft, auf 'der der Text des „I t zig* Mar seh es" abgedruckt ' ist,' der nach der Melodie „Ich bin ein Preuße" gesungen werden kann. Dieses -Marschlied beginnt folgendermaßen: „Ich bin ein Jude, krumm ist meine Nase, Die Fahne weht mit schwarz-rot=gold voran ..." usw. . .. In .die gleiche Kerbe schlägt : der Parteiführer Adolf Hi{le,r selbst,, der in . der Bildbeilage, zur „Preußischen Zeitung" einen Artikel veröffentlicht, in dem es unter anderem heißt: „Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf. das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blut schändet und damit seinem, des Mädchens, Volk raubt ... So wie er selber planmäßig Frauen und Mäd* chen verdirbt, so schreckt er auch nicht davor zurück, selbst in großem Umfang die Blutschranken der anderen einzureißen. Juden wären es und sind es, die den Neger an den Rhein bringen, immer mit dem gleichen Hintergedanken und klaren Ziele, durch die dadurch eintretende zwangsläufige Bastardierung die ihm verhaßte weiße Rasse zu zerstören, von ihrer kulturellen Pension Kinderheim Vöslau (OLGA KADI8CH) J4ls«rmayerctraB« IS T«(«phoit Mr. 141 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe IUI Öffentliche, Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte lehrwn. - Erstklassige Verkösllgung. - Mütterliche Pflege. - Mlftlfl« Preise und politischen Höhe herunterzuschmettern und selber zu ihren Herren aufzusteigen." Vorher schrieb Hitler über den Zionismus: „Denn indem' der Zionismus der anderen Welt weiszu* machen versucht, daß die völkische Selbstbesinnung der Juden in der Schaffung des palästinensischen Staates seine Befriedigung finde, betölpeln die Juden abermals die dummen Goyims auf das g e* rissenste. Sie denken gar nicht daran, in Palästina einen jüdischen Staat aufzubauen, um ihn etwa zu be< wohnen, sondern sie wünschen nur eine mit eigenem Hoheitsrecht ausgestattete, dem Zugreifen anderer Staaten entzogene Organisationszentrale ihrer internatio« naleft Weltgaunerei, einen Zufluchtsort überwiesener Lumpen und eine Hochschule werdender Gauner." Das neue jüdische Gemeindegesefz in Italien. Rom, 19. Mai. (J. T. A.) Eine Deputation von Vertretern der italienischen Judenheit, bestehend aus dem Oberrabblner von Rom Prof. Angelo Sacerdoti, dem Regierungskommissar des neuen Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens Feiice Ravenna, dem Regierungskommissar der Jüdischen Gemeinde Rom Advokat Pdo Tagliacozzo, dem ehemaligen Präeidenten der Jüdischen Gemeinde Rom Advokat Angelo Sereni, dem Regierüngskommißsar der Jüdischen Gemeinde Mailand Commendore Jarach und dem Sekretär der Zionistischen Förderation Italiens Dr. Umberto Nahon, wurde vom König Viktor Ernennet im Quirinal in Audienz empfangen. Die Deputation dankte dem König namens der italienischen Judenheit für die Erlassung des neuen jüdischen Gemeindegesetzes und überreichte ihm zur Erinnerung an diesen Gesetzesakt eine von dem berühmten italienisch-jüdischen Bildhauer Arigo Minerva entworfene goldene Medaille. Auf der Vorderseife weist die Erinnerunigsmünze Abbildungen der Gesetzestafeln und eine Menorah, sowie folgenden hebräischen Satz aus dem Talmud auf: Wäre die Thora nicht gegeben worden, so gäbe es weder Himmel nocli E rde. Die Rückseite der Medaille zeigt einen Mögen Dovad sowie die Widmung: Dem König Viktor Emanuel III. — Dem Regierungschef Benito Mussolini: — Die jüdischen Ge- EISSCHRANKE Marke „Frfgöfor**, eissparend, eigene Erzeugung, Zahlungserleiclfterung „ELPHORA" I. Domlnlkatierbatttil Wf. 22, Tftlephoh B.34-4-18 meinden Italiens; zum; Anderen;; an das Ge^ejU, vom 30. i'ö. 1930.— Nactidef 'Audienz'lbeim Köh%ip.r'ach die Pele^ftjbion.J5eim ^n|st§|f^äfii(dent^^iia^j^. und beim.} Minister f ür Justiz uhd^ui^iifi. A^redö Rocco' vor, denen! ebenfalls Erinner ungshieoa^ wurden. ] Aibends fand im großen Saal des jüdischen Gemeindehauses zu Rom ein feierlicher Empfang zu Ehren Senator Berios, des Vorsitzendender Regierungskommission, dte das neue jüdische Gemeiüdfegesetz ausgearbeitet hat, und der übrigen Komirrißsionsmitglieder. statt. Nachdem den Mitgliedern der RagierungS'kQqimission die . Erinnerungsmedaillen überreicht: worden waren,; wurden die zahlreichen Begrüßungstelegramnie verlesen, die von allen größeren jüdischen: Gemeiuden- Italiens, , vom Chief Rabbi von England. Dr. Her.tz, vom Grand Rabbih von Frankreich. Sy,lvain,L e v i,. vom Präsidenten der Jewish Agency und der .Zionistischen Organisation Dr. Ghaim W.eizmann, vpm Präsidenten der Zionistischen Exekutive Nahum S o k o 1 ow u. v, a, eingelangt ■waren. Zweite Lesung des Sonntagsruhegesetzes^ini Unter- ' .haus. ■ ' "•• ■ '•' London, 19. Mai. (J. T.. A.) Im Unterhaus fand die zweite Lesung der „S h q p. s-B i 11";;,(des Gesetzes über die Einschränkung des Handels an Sonntagen) statt. Dos Gesetz erneuert die Sonntagsruheakte vom Jahre 1677 und sieht die Schließung der Läden am Sonntag mit gewissen Ausnahmen vor. , , Der Berichterstatter E. F. Wiise (Labour-Party) wies bei der Begründung der vorgesehenen Ausnahmebestimmungen darauf hin, daß es in gewissen Teilen des East End von London herkömmlich ist, Sonntags die Geschäfte offen 2u halten; ebenso herkömmlich sei es dort, die Läden am Samstag zu schließen. Das Gesetz enthält Bestimmungen über Befreiung jüdischer K a ü fleüte von der Befolgung der allgemeinen Sonntagsrüheverordnung. Diesen Bestimmungen zufolge können die Ortsbehörden unter entsprechenden Kaütelen Ladenbesitzern, die ihre Geschäfte Samstag geschlossen halten, das Offenhalten der Geschäfte am Sonntag gestatten. Die gleichen Bestimmungen sollen auch auf die 52 Straßenmarkte in London Anwendung finden. Prof, Samoilowitsch will an der Zeppelin-Polarexpedition teilnehmen. London, ig. Mai. Wie „Daily Express" meldet, be-, absichtigt Professor Samoilowitsch, der Leiter der E** pedition auf dem sowjetrussischen Eisbrecher „Krassin" zur Rettung der Mitglieder der verunglückten Nobile* Expedition, in diesem Somrner . gemeinsam mit Doktor Eckener an Bord des Luftschiffes Graf Zeppelin einen Flug zum Nordpol zu unternehmen. Zweck des, Fluges ist es, den Versuch der, Herstellung eines Kon> taktes, minder yntersce«Expcdition Sir Hubert Wilkins', Dr. Salomon Wolf Sara Müller Wien Breslau Verlobte Wien, im Mai 1931 zu machen. Womöglich soll auf 'dem Nordpool oder in seiner Nähe eine Begegnung mit dem Unterseeboot Naütiiius II erfolgen. An der Fahrt des Zeppelin werden 42 Personen aus Deutschland, England, den Vereinigten Staaten und Sowjetrußland teilnehmen. Sollte die Be* gegnung zwischen Zeppelin und Nautilus gelingen, so wird eine Landung vom Luftschiff auf das Unterseeboot versucht werden. Professor Samoilowitsch hat nach der Auffindung der Mitglieder der Italia«Expedition im Jahre 1928 in einem Gespräch mit dem Moskauer JTAsVertreter er* klärt, er sei stolz darauf, ein Jude zu sein, und habe seine jüdische Abstammung niemals verheimlicht. Er betrachte es als Ehre, einem so hervorragenden Volke anzugehören. Während des Pogroms in Odessa im Jahre 1905 sei er Führer einer aus 38 Mitgliedern be» stehenden jüdischen Selbstwehrgruppe ge* wesen, von der nur sieben Mann den Kugeln der zari* stischen Soldaten entrannen. Im Jahre 1909 war Prof. Samoilowitsch von der zaristischen Regierung aufgefordert worden, an einer von ihr ausgerüsteten Nordpolexpedition tellzu* nehmen. Prof. Samoilowitsch antwortete telegraphisch, er könne nicht kommen, da es Juden verboten sei, Petersburg zu betreten. Schließlich fuhr er auf eine besondere Einladung hin doch nach Petersburg, erklärte aber in der ersten Sitzung der Kommission« Ich bin Jude und wenn ich als Jude nicht eo wünscht bin, ziehe ich mich zurück. Nur durch die dringenden Bitten sämtlicher Kommissionsmit* glieder ließ sich Prof. Samoilowitsch dazu bewegen, an den Arbeiten der Kommission teilzunehmen. Am Schlüsse seines Gesprächs mit dem JTA-Ver* treter erklärte Prof. Samoilowitsch, daß er auch weiterhin am jüdischen Zukunftsschicksair lebhaft inter* essiert sei. Hinrichtung, des Mörders einer jüdischen Familie. Warschau, 17. Mai. Das Oberste Militärgericht be* stätigte das Todesurteil des Militärgerichtes in Brest- Litowsk.igegen den'Deserteur^ ^ugeniüs^; Markiewicz, der im Dorfe Sajemno den 60jährigen Jizchak Miller, seine Gattin- Beile,, deren- Tochter Zlate :«nd -dereniEnkel Eisik - in der Nacht .ermordet ünd. .eine^ .Bet^Äg.vott 30 Zloty geraubt. hat^Das,.Todesurteil ist bereits vollstreckt Worden. Die Zahl der Jaden im polnischen Heer. Warschau, 19. Mai. Der aus Brisk nach Warschau versetzte Militärrabbiner Major .Dr. Frankel sprach anläßlich seines Amtsantritts vor Pressevertretern, über die Aufgabe der jüdischen Militärseelsorge. Bei dieser Ge* legenheit machte er folgende Angaben über die Zahl der Juden im polnischen Heer: Im polnischen Heer.dienen derzeit 11.000 jüdische Soldaten. und 37 aktive jüdische Offiziere. Die Zahl der .Militärrabbiner beträgt 4, »©U aber demnächst auf 11, erhöht werden, . Ein Jude Dekan der Prager deutschen Universität Prag, 9. Mai. (J. T. A.) Der bisheirdg« Prpfesror an der medizinischen Fakultät der) deutschen Universität Prag, Dr. E, Sterkensteon, wurde soeben zum Dekan der Universität für das Schuljahr 1931/32 ermannt. Prof. Dr. StaTkeneiein ist Jude und ein fühlendes Mitglied der Präger Bnei Brith-öroßlpge. Die Bibel slowakisch. — Päpstliches Handschreiben an einen Rabbiner. Prag, 9. Mai. (J. T. A.) Der Rafobinejr Dr. Jose! Weiß in Neustadt a. d. Waag, der eine slowakische Uebersetzung der Bibel in Angrifl genommen hat, übersandte der Vatikanischen Bibliothek den ersten Band dieser ersten Uebertrasgung der Heiligen Schrift in die slowakische Sprache. Er erhielt nun von der Kurie ein Handschreiben des Papstes Pius, in welchem die Uebersetzung ein äußerst verdienstvolles Werk genannt und ihm der Dank des päpstlichen Stuhles ausgesprochen wird; ' > Die jüdischen Kriegsteilnehmer Frankreichs Eine Protestnote gegen die Ausschreitungen. ,,Wie wir bereits mehrfach berichteten, war Paris in den letzten Monaten mehrmals Schauplatz lärmender antisemitischer Ueberfalle und Ausschreitungen gegen die Juden. Die Führung hatten katholisch-monarchistische Kreise inne, vornehmlich jene um die reaktionäre „Action Erancaise" sich scharende Gruppe von Nationalchauvinisten. Während in anderen Ländern mit dem Schlagwort „wirtschaftliche Krise" operiert wird,, an der die Juden- Schuld tragen sollen, zeigen die antisemitischen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.