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Die neue Welt · 1931-05-15 · Heft 191 (15.5.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 191 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 191 DIE NEUE WELT Seife 7 % c h e e M o r g e rt- J o 11 r n a 1": Morgenausgabe 95.000, Sonntagsausgabe 80.000, Durch soll nitt 90.000. „To g" ('Jag): 'Abendausgabe 80.000, Sonrot&gMtiegabe 8^.000, Durchschnitt 82.000. „Freiheit".: Abendausgabe etwa 30.000. Diese 34.5.000 Leser repräsentieren etwa 18 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung in New York City; im Durchschnitt kommt auf eine fünfköpfige Fomilie je eine jiddische Tageszeitung. Insgesamt; ex Stieren in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 1% jüdische Zeitungen und Zeitschriften. Davon erscheinen 5 in hebräischer, 72 in jiddischer, 12 in jiddischer und englischer, 98 in englischer, 1 in deutscher, und 1 in ßpaniolischer Sprache. Rabbinerstudium in Deutschland. In jüdischen Blättern Dcutschla-mlis wird vor dem Raibbinerstudium gewarnt. „Noch nie ga.b es an den Raibbinersemiinaren so viele Studenten wie augenblicklich. Wir halben eine solche Hochflut a.n Interesse nie vorher gesehen. Nach einer flüchtigen Schiitzuing gibt es an allen deutschen .HaJ>hine.iiscmiinaren angeniblicklidi insgesamt etwa 230 bis 300 Hörer. Diese Zaihil ist bestimmt nicht zu hoch gegriffen. Die Hochschule Für die Wissenschaft des Judentums beispielsweise kann kaum ihre Hörer fassen, und das Brcsluuer Rabbinerseminar hat eine solche Blüte noch nicht erlebt. Aber so erfreulich das alles ist, so gilt es doch, ganz nüchtern einmal zu fragen: Was wird ans diesen 300 jüdischen Menschen in fünf, sechs Jaihren werden? Eine einfache Rechenaufgabe, die .nicht nnir Uebenlegumigen, sondern auch Er faihru ragen berücksichtigt, efgiibt. daß da« deutsche Jiudemkm jüihtrlich etw« fünf bis sedis neue Rabbiner brandit. Ks hat moch kaum ein Jaür gegeben, in dem diese Zahl enheblich überschritten wurde. Fünf bis sechs Rabbiner für mehrere hundert Menschen 1 Man kann sich nicht vorstellen, welche ungeheure Gciaihr nach allen Seiten das bedeutet. W,ir werden in fünf Jahnen ein Proletariat von u.n,l>eis(häFtiigten. ausgebildeten Rabbinern haben." In Frankreich besteht demgegenüber ein ausgesprochener Mangel an rabbiniisdvem Nachwuchs. Hebräisch in Blindenschrift. Anläßlich der gegenwartig in New York tagenden Weltkonferenz für Blindenfürsorge wurde die Gründung eines amerikanischjüdischen Braille - Institutes, das für die kulturellen und religiösen Bedürfnisse der jüdischen Blinden in Amerika Sorge tragen soll, beschlossen. Das Institut wird eine Monatsschrift in der Brailleschen Blindenschrift für die englisch lesenden Juden der ganzen Welt herausgeben. Ferner soll das Institut einen internationalen hebräischen Brnille-Kodex schaffen und Werke der hebräischen Literatur in diesem System gedruckt herausgeben. Für die älteren jiddischsprechenden Blinden, die das komplizierte Braille- System nicht erlernen können, soljcn Schriften in dem einfacheren Moon-System herausgegeben werden. Wie festgestellt wurde, gibt es auf der ganzen Welt? 5.0 0 0 bis 8 0.0 0 0 jüdische Blinde. In New York allein leben 1050 jUdiacJie Blinde. Wo ist die blaii'weiße Fahne geblieben? Ein Streich der binationalen Assimilanten* Von J. Schechtmaiin (Paris). " Auf der internationalen Kolonialausstellung, die am 6. Mai in Paris eröffnet wurde, gibt es u. a. auch einen Palästina*Pavillon. Das ist sehr gut. Das jüdische Palästina hat etwas der Welt zu zeigen. Die Auswahl der Ausstellungsobjekte befindet sich in den sicheren Händen eines besonderen palästinensischen Ausstellungskomitees, an dessen Spitze Bürgermeister M. Dizengoff steht. Die technische Durchführung ist den Leitern von „Mischar w'taassiah" anvertraut, die als Handels« und Industriegesellschaft große Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt und ohne Zweifel befähigt ist, das auszuwählen, was zu zeigen nötig ist. Inwieweit also es Palästina selbst betrifft, wird der Palästina«Pavillon seinen Zweck erfüllen. Aber das ist nur die eine Seite der Angelegenheit. Es gibt noch eine andere, und das ist jenes Komitee, das den Palästina-Pavillon in Paris „patroniert". Das Komitee gehört zur Gesellschaft France»Palestine, an dessen Spitze Senator Justin Godard steht. Mr. Go« dard selbst ist ein großer und aufrichtiger Freund des PaiastinasAufbaus, aber dieser Nichtjude ist, wie viele behaupten, der einzige wirkliche Zionist in diesem Komitee. Das Komitee setzt sich nämlich aus einigen jüdisch-französischen Persönlichkeiten assimis latorischer Richtung zusammen, aus der nichtzionis stischen Fifty der Agency: es befinden sich darin auch Pepräsentanten der Alliance Israelite und des jüdischen Zentralkonsistoriums von Frankreich. Diese Herren tun alles mögliche, um dem Pavillon jede nationalpolitische Bedeutung zu nehmen. Zunächst wurden die Herren von der Frage des Namens des Pavillons beunruhigt. Diese Nichtzionisten, die über alles den Vorwurf des nationalen Chauvinismus fürchten, forderten hartnäckig, daß der Pavillon „jüdisch«arabi scher" heiße. Es kostete schwere Mühe, diesen Versuch des Binationa* lismus von'der Ausstellung abzuwehren. Dann vers suchte man, das Ausstellungskomitee selbst zu binationa« lisieren, indem man die Hinzuziehung von Ära« bern verlangte. Gott aber half und man fand solche in Paris nicht. Es gab Araber aus Syrien, Marokko, Tunis, aber keine aus Palästina. So mißlang auch dieser Versuch. Da ging man den PalästinaaPavillon von einer anderen Seite an. Irgend wer aus dem Komitee schlug vor, eine spezielle Abteilung zu widmen — den Kreuz« zügen. Motiviert wurde der zweifellos originelle Vor* schlag mit patriotischen (französischen) Gründen. Franks reich habe eine führende Rolle in den Kreuz» z ü gen gespielt, das Oberhaupt^ des Königreiches Jerus salem sei Gottfried von Bouillon gewesen usw. Mit schwerer Not gelang es, den französischen Patrioten mosaischen Glaubens klarzumachen, daß die Erinnerung an die Kreuzzüge, wo jüdisches Blut in Strömen floß, Frankreich keine große Ehre bringen könne. Für alle diese partiellen Niederlagen revanchierte sich die assimilatorische Mehrheit des Komitees. In Abwesenheit von Justin Godard wurde der Beschluß gefaßt, daß auf dem PalästinaaPavillon keine jüdische Fahne hängen dürfe. Es werden die englischen und französischen Flaggen über dem Pavillon flattern, die blau« weiße Palästinas nicht, jene Fahne, unter der all das emporwuchs und stark wurde, was der Pavillon demoru strieren wird; deshalb, weil ein Häuflein reicher Assimi* lanten (die nebenbei für das Arrangement der Ausstellung einige Groschen hergegeben haben — fast das ganze Geld gab Baron Rothschild) vor der nationalen weiß»blauen TO RESTAURANT-PENSION GRÜNGLAS UND KINDERHEIM-PARADIES VILLA MARICCHIO TO SEEBAD GRADO Näcnst dem Strande, schöne, ruhige Lage, modernst eingerichtet, aller Komfort. Vorzügliche Verpflegung, volle Pension 9 S. Pas Kinderhelm untersteht ärztlicher und pädagogischer Aufsicht.; Verlangen Sie Prospekt gratis. Kinder*' anmeldungen werden nur b's?um 20. Mal berücksichtigt. Referenzen bezügl.rvHWD erteilt „Hamburger Verein z. F. r Sp." Fahne sich fürchtet und sie haßt; deshalb, weil die Vertreter der Alliance Israelite und des Konsistoriums von einer „z i o.n i stischen Fahne" nichts hören wollen. Und es haben sich Leute gefunden, die diese Frage dem Baron Rothschild in derartigem Licht vorführten, auf daß sie sich später auf sein Veto gegen die blausweiße Fahne stützen könnem Es wird also auf dem Palästina«Pavillon keine jüdische Flagge geben, auf dem Pavillon, der aus unverständlichen Gründen in der Form des Rahel*Grabmals gebaut ist — ein sehr pass sendes Symbol für das> Land der jüdischen Renaissance. Auf dem Pavillon werden, die englischen und französischen Fahnen flattern. Die Anhänger des Binationalismus haben das Ihre erreicht: wenn keine arabische Fahne, dann auch keine jüdische. . Bei DARM STÖRUNGEN FETTANSATZ BLÄHUNGEN besonders in den Wechseljahren, haben die klinisch erprobten, abführenden Kräutertabletten ,.ZET 26 ii sich hervorragend bewährt Aus reinen Piianzendrofien ohne chemische BeimenKunit hcrKcsteltt. wirken sie, lanKsam und mild, sind wind-, und harntreibend, resren die Driisensekretion ., an. .cntjiiftdn so den eanzen Organismus und schaffen Wohlbehagen In allen Apotheken (90 ti. S 3.70), Depot:, Apofh. Mantler. Wien. XXI. Ftti* C. S. R.: Atiler-rtpotiteke Reltihenbare miä das keilende Das Musterbeispiel einer Verleumdung. Wie n, Mitte Mai. In der Tschechoslowakei gibt es eine Jüdische F r a u e n 1 i g a für Frieden und Freiheit. Da sitzen häufig einige ehrenwerte Damen beisammen und befreien die Welt von allem Uebel. Durch Resolutionen. Und weil es eine jüdische Frauenliga ist und für Frieden und Freiheit, so nimmt sie sich natürlich des argbedrohten jüdischen Volkes an. Diesem arg bedrohten judischen Volk ist jetzt etwas Schreckliches widerfahren. Eine Brith Trnmpeldor-Konfprenz hat die Nachtruhe der Frieden und Freiheit liebenden Dörnen aus dey ^'scjieclio« Slowakei gestört. Sie, die Damen, waren wieder einmal beisammen •und haben wieder einmal eine Resolution gefaßt, diesmal gegen Resolutionen — des Brith Trumpeldor. Sie haben zunächst geruht; „die politischen Resolutionen der •Brith Trumpeldor zur Kenntnis 211 nehmen" und geben „ihrem schmerzlichen Bedauern Ausdruck über den militärischen und aggressiven Geist, welcher diese Resolutionen erfüllt und geeignet ist, in der zionistischen Jugend künstlich jene fremde Weltanschauung der rohen Gewalt zu züchten, die dem Geist des jüdischen Nationalismus ■widerspricht". Die Damen der Frauenliga leisten sich hier ein starkes Stück Verleumdung und zeigen sich von „jener ■W«Wafn«chauftinKg" erfüllt, die dam Geist der jüdischen Ethik nicht gerade gerecht wird. 1 Wir "wetten hundert gegen eins, daß der sonst so beredte Mund dieser Fraueriliga-Dameh sofort verjstummte, wenn er Antwort geben müßte auf die Frage, w o denn in den Resolutionen des Trumpeldor von Aggressivität gegen andere und roher Gewalt die Rede sei. Woher nehmen die Damen die Legitimation zu so bedenkenloser Taktik? Man halte sich vor Augen: eine jüdische Jugend- Ellen SH^ gluckste««"1 gn>tt am 19. gftai Va3 Uf)t ttad}m.f Beginnen bie Ziehungen 1, Ätoffe berßlaffenlotterte. $ie (Schalter ber „©lücfftelle" ftnb ummterbrodjen bon 8 Uf>r frül) 6t§ 6 Ub,r abenb* geöffnet. SBerfäumen <3ie ni$t, fitf) 31)r ©lücfltuS bei ber „©lücf ftelle" Sofef ©teilt, SSten, I„ Sßi^ltrtgcrftrafee 9?r. 21, an bet „^of^en ©rüde", |U beforgen. Vi So» S 48.—, V4 SoS S 12.—, V. ßo3 S 6.— £etepf)cm U 21?5-45 Serie Jta «Ohe Bri?*Glütkel ****** Organisation beschließt auf ihrer Konferenz, ihre Organisationsform in straffer Disziplin zu gestalten und sich zum Kampf für ihre Ideale bereitzuhalten, zum Schutz jüdischen Lebens und Eigentums, wenn es bedroht würde. Dieser Beschluß wird frech urogelogen in Aggressivität und roheGewalt gegen irgendwen, so daß für die nicht jüdische' Welt der Eindruck entstehen könnte, als gäbe es da eine Maffia, dir im Begriff ist, gegen friedliche N i c h t j u d e n i n P a 1 üs t i n a oder anderswo vom Leder zu ziehen. Und so etwas druckt das offizielle Organ der tschechoslowakischen Zionisten, die Prager „S e 1 b s tw e h r", mit in die Augen springenden Lettern, um einige Seiten weiter einer anderen Dame das Wort zu einem Offenen Brief an eben dieselbe Fraucnliga zu erteilen, worin von den Brith Trumpeldor-Resolutiönen als von „blinder Nachahmung wütendster H i 11 e r e i", von „listiger Klügelei aller Kriegshetzer" und ähnlichem Wust dummen Geschimpfes erzählt wird. Kein Wunder, diese bestellte Protestiert der Prager Damen! Entblödet sich doch nicht das offizielle Organ der zionistischen Weltorganisation „Haolom" in London, der große Bruder des Präger Landesorgans, in einer nicht weniger verleumderischen Manier, ein s c h w e r t k 1 i r r e n d c s M ü r c h e n von der Danziger Brith Trumpeldor-Konferenz zu erzählen und mit dem jesuitischen Augengezwinker zu schließen: „Ein jedes Mitglied des Brith Trumpeldor muß jederzeit bereit sein, auf Befehl der Leitung in den Kampf zu treten ... In den Kampf? Gegen wen?" Friedliebende Damen, die verleumden und das Organ der zionistischen Exekutive, das in Angst vor dem Revisionismus den Kopf und jede Hemmung verloren hat! Zweierlei Maß! — Heuchelei! In den Angriffen auf die Zionisten-Revisionisten liegt ein beträchtliches Maß von Heuchelei. Man nennt sie „Faschisten" und „Militaristen" und „Jüdische Hakenkreuzler". Warum? Weil sie das Programm des jüdischen Selbstschutzes betonen, weil sie nicht wollen, daß Juden anderswo oder in Palästina wehrlos hingemetzelt werden. Was tun die anderen? Sie selümpfori auf die Revisionisten und haben das revisionistische Programm vom jüdischen Selbstschutz f ü r sich schon an g e nommen! Wir erhalten folgende Meldung der . jab" aus Palästina: Das Sicherheitsproblem. Im Leitartikel des sozialistischen JDavarV vom 20. April wird konstatiert, daß die letzten Vorkommnisse erneut gezeigt haben, daß der Jischuw, solange er eine Minderh eit im Lande darstellt, immer wieder mit U e b e r f ä 11 e n rechnen muß. Unter diesen Umständen scheint der gegebene Ausweg zu sein, daß die Regierung, die weder die August-Unruhen noch den Fall Jadjur verhindern 'konnte, den Juden das Recht zur Bewaffnung und Selbstverteidigung einräumt. Die ganze Geschichte der jüdischen Kolonisation kennt nicht einen einzigen Fall eines jüdischen Augriffes auf Nichtjuden,.so daß in der Bewaffnung keine Bedrohung der Araber gesehen werden kann. Die;Ärt Wochen-Kalender Mai 1931 W„ «"am Ijar 5691 Siwan . 15 Freitag Sabbateingang 7.25 16 Samstag 29-B3 Sabbatausgang 8.16 ttnn ino 'ödd VI Sonntag l~» )V0 «nn wi 18 Montag 2-=> 19 Dienstag 8-: 20 Mittwoch 4-1 )■' 21 Donnerstag 5-n rovav >\ ^a,o5v r

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