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Die neue Welt · 1931-05-15 · Heft 191 (15.5.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 191 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife S Dte taufe welt Nr. Mf Wiener Kinderheim in Lignano Villa „fefWMA" «m StMndi f Mückenfrei / Heilkräftigster Sanditfand / Stanalge ärttllche Aufsicht / Wiener Küche / Billigste Preise / Üemeittaame Ab* und Rttckfanrt Erattr rurnu»; 81. Mal 14 Tage Llgnono bei Oenedlg 130 S Schönator ÜiiaubaautaAthaft für Irwachaena firaatf Matal „D»lf ALIA", fließendes Wasser / Vier Maiilielten / Wiener Küche / Bahnfanrt, Strand und Abgaben inbegriffen / Gemeinsame Abreise alte 14 Tage ab 2t. Mal Berte Taube*, II, Böcklinsfr 92 Tel. R-45-905 Von 12 bis 5 Uhr weiß nicht, mit wem nuin es zu tun hat, einer hütet sich \or dem anderen. Der Staat hat tiberall Augen, überall Ohren. Die Regierung hat das Kunststück gezeigt, zersetzende, demoralisierende Fäulnis endlich auoh in die ältere jüdische Generation zu tragen. „Was ist das Schlimmste, das ihr jetzt durchzumachen habt?" frage ich einen der an den Fingern aufzuzählenden Menschen, die dem Sowjetparadies letztens entronnen sind. Ich sage: ihr, und er weiß, daß ich damit die deklassierte jüdische Masse meine. Ich frage nicht nach den jüdischen Arbeitern und Kolonisten, über sie findet man schließlich Material in der Sowjetpresse. Für sie sorgt man irgendwie. Ihnen geht es mehr oder minder wie den anderen russischen Bürgern. Jüdische Industriearbeiter gibt es aber kaum mehr als 200.000 und kolonisiert hat man nach der Revolution nicht mehr als 20.000 Familien, so daß sich wirtschaftlich nur eine unbedeutende Minderheit eingeordnet hat. Die große Masse der Deklassierten und der Handwerker befindet sich immer noch in jämmerlichem Zustand und über sie Informationen erlangen kann man nur durch Rücksprache mit Leuten, die aus Sowjetrußland kommen und in irgend einem Verhältnis zur sozialen Arbeit stehen. Wenn ich frage, was jetzt das Städtchen besonders bedrückt, bekomme ich zui Antwort: „Sie werden von mir nichts vom Hunger hören, vom Mangel an Verdienst, daran sind wir schon gewöhnt, oder von Steuern, die jedesmal unter einem anderen Namen auferlegt werden. Ein neues Unglück ist über uns gekommen. Einer denunziert den anderen." Und ich höre die Geschichte von den Denunziationen an, die in der Hauptsache wegen der Jagd nach ausländischer Valuta durch die G. P. U. bestehen. Um Valuta zu bekommen, tut man in Sowjetrußland alles. Das antireligiöse Land schickt sogar Gansfett mi.t rabbinischerBeglaubigung nach Europa. Man wühlt die Erde auf, nur um Pfunde, Dollars, Mark herauszubekommen. Zu dem Zwecke hat man kürzlich ein besonderes Mittel erfunden. Vor einigen Jahren, sofort nach Liquidierung des Nep, wurden jüdische Kaüfleute massenweise nach Tiefrußland, Sibirien, Narim, Solowki verschickt, viele auf lange, lange Jahre. Nun beginnt die G. P. U. diese Leute zurüdezurufen, damit sie an Or>t und Stelle jene angeben, mit denen sie seinerzeit Geschäfte, machten. Anscheinend wurden damals nicht alle Nep-Leute vernichtet, einige von ihnen sind. vielleicht noch vorhanden und besitzen noch einige Valuta. Man muß also wissen, wer sie sind. So werden zunächst die Verbannten zu Denunzianten gemacht und mit ihnen die Familienmitglieder. Der bare Lohn besteht im Nachlaß einiger Verbannungsjahre. * Die Denunziation ist System. Sie ist auch in die wenigen Organisationen eingedrungen, die irgend einen gesellschaftlichen Charakter haben, d. i. in die auslündisphen jüdischen Hilfs- und Aufbaugesellschaf ten, deren Apparat sich in Sow jetrußland befindet. Es ist jetzt kein Geheimnis mehr, daß es der P. G. U. gelungen ist, die jungen zionistischen Zirkel mit Spionen zu durchsetzen, wie dies seit langem bei den anderen politischen Parteien der Fall ist. Charakteristisch für diese Situation ist der Prozeß Dr. Winogradow, eines Juden, der der Spionage zugunsten Polens angeklagt war und nicht zum Tode verurteilt wurde, weil ihm seine einstigen Verdienste ah Spion in einer der größten jüdischen Auslandsgesellschaften für jüdische Kolonisationstätigkeit in Sowjetrußland gutgeschrieben worden waren. Der Prozeß brachte den Beweis dafür, daß das jüdische Denunziantentum gezüchtet und belohnt wird. Jüdische Desertion vom Lande. — Antisemitismus und seine Bekämpfung. Moskau, 10. Mai. (J. T. A.) In diesen Tagen wurde in Kiew die dritte Jahreskonferenz des Instituts für jiddische Kultur unter Teilnahme von Vertretern aller sozialen und wirtschaftlichen jüdischen Institutionen der Sowjetunion eröffnet. Aufgaben der Konferenz ist es, die Richtlinien der jüdischen Wirtschaft dem sozialistischen System der Sowjetunion anzupassen. In der Eröffnungssitzung wurde festgestellt, daß die Juden infolge der ihnen unter dem Sowjetregime gewährten Freizügigkeit und der Möglichkeit, jeden Beruf zu ergreifen, nicht mehr wie unter dem Zarismus von Not und Hunger bedroht sind, daß aber der Prozeß der Umwandlung der jüdischen, Bevölkerung Rußlands aus einer Klasse von Luftmenschen in eine Klasse von Arbeitern nicht über, Nacht zu Ende geführt werden kann und einer stetem" Förderaung bedarf. Besonderes Augenmerk wird der Konferenz der Ausarbeitung von Plänen „zur g e i s t i g e n F U n d i eeisschranke Marke „Frlgofor", elssparotid, eigene Erzeugung, Zatilungaerlelcht»riing „ILPHOttA" I. Dominikanerbastei Nr. 22. Telephon R-24-4-18 r u n g der neuen autonomen jüdischen Rayons", der Erziehung der heranwachsenden Generation in bolschewistischem Geist und ihrer Behütung vor „jüdischer Phantasterei und Scholastik" zuwenden. Ein schwieriges Problem, mit dem sich die Konferenz in "der ersten Sitzung befaßte, bildet die vielfach festzustellende Neigung der Siedler in den neuen Rayons, in ihre alten Wohnorte zurückzukehren. Die Konferenz wird über besondere Maßnahmen zur Verhütung dieser „D e s e r t i o n vom Lande" beraten. Ueber die1 in * l$&te$f Zelt immer?häufiger ..gewordenen Fälle iyo^ Ajn ^.^e|^^t ifl mTü sjl itr; den Fabriken der Sowjetunion Tefe^ier^e^der jüdische kommunistische Führer Di mauste in, der seit der Auflösung der „Jewsekzija" mi£.der* Bejtäßtilütog der. jüdischen Angelegenheiten im Zeritralexekütivkpmitee betraut ist. Er erklärte,', daß',- der Anj^ßiÄi^äaus im, Gegensatz zu. den faschistischen Ländern, in denen ein größer Teil der Bevölkerung ihr politisches und wirtschaftliches Programm auf dem Judenhaß aufgebaut haben, in Sowjetrußland weder die Behördeu noch eine Partei hinter sich, hat, sondern ein Erbe des alten Regimes dar-, stellt. Mit welchem Nachdruck er von der Sowjetregierungfbekälnpft ^itd.j sei daraus zu ersehen, daß er strafrechtlich der Kö n t er r e v o'l u ti o h gleichgesetzt ist. Den von, der Sojjjjej£egie_rung• zur Bekämpfung des Antisemitismus angewandten Methoden müsse größere Beachtung gewidmet/.und .erhöhte Publizität verliehen werden, damit die'kommunistischen Parteien im Auslande aus dem von'der Sowjetregierung gegebenen Beispiel lernen und ähnliche Methoden zur Bekämpfung des Antisemitismus in ihren Ländern anwenden körinen. Träger des antisemitischen Geistes in Rußland seien nur kleine Gruppen von Kulaken und Nepleuten. Eine wissenschaftliche Erforschung der Ursachen des Antisemitismus im Gebiete der Sowjetunion werde wertvolles Rüstzeug zur vollständigen Diffamierung des Antisemitismus und seiner Ausrottung aus dem Leben der Sowjetunion liefern. Von tiefem Schmerze gebeugt, geben wir Nachricht von dem Ableben unseres innigstgeliebten Sohnes, Gatten, Vaters, Bruders, Schwagers und Onkels, des Herrn ADOLF BRAININ Seniorchefs der Firma Gebrüder Brainln, We ener Montag, den 11, Mai ,1931, im Alter von 40 Jahren nach schwerem, qualvollem, geduldig ertragenem Leiden aus dem Leben geschieden ist. Die Beerdigung des teuren Dahingeschiedenen fand Mittwoch, den 13. Mai, 1/2l2Uhr vormittags, vom Zentralfriedhofe, IV. Tor (neuer Friedhof) aus statt. Anna Brainin als Mutter Norbert, Hugo und Renee, als Kinder : Sofie Brainin, als Gattin Salamon Brainin, Max Brainin, Leo Brainin. Dora Liebermartn, geb. Brainin, f. als Geschwister Sophie Brainin geb. Hecker, als Schwägerin Samtliche Tanten, OrtJtelt Nichten und Neffen Wien, den 15. Mai 1931. iMMt§M§MHmU9**m*HmM*MM»ttnt§tm*Mai SEEBAD GRAPO "WD PENSION CONTINENTAL "WD KOMFORTABLES HAUS FLIESSENDES WASSER WARME SÜSSWASSER-BÄDER WIENER KÜCHE/MÄSSIGE PREISE V P R L A N O P N SIE PROSPEKTE! Jüdische Flüchtlinge aus Sowjetrußland im tiefst«* Elend. Aus Persien traf die Nachricht ein, daß sieh in der Stadt Taurds 16 Juden, die aus S o w j e t x u ß 1 a n d geflüchtet waren. im tiefsten Elend befinden und vom Hungertode bedroht sind. Diese Flüchtlinge wurden, als sie die russischpersische Grenze überschritten hatten, von den persischen Behörden verhaftet und zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt, diesie jetzt abgebüßt halben. In Tauri6 hahen sie keinerlei Möglichkeit, irgendeine Arbeit zu finden, sie bemühen sich nun, ein Einreisevisum für Nordamerika oder ein anderes überseeisches Land zu erlangen. Inzwischen sind sie der tiefsten Not und dem Hunger preisgegeben, da in Persien keinerlei jüdisdie Hilfsorganisationen existierten, di« ihnen irgendwie Beistand leisten könnten. Der Bruder des Mikado über die Juden in Japan. Die New Yorker jiddische Tageszeitung „Der Tog" veröffentlicht ein Interview ihres Mitarbeiters Joel S1 o n i m mit dem Bruder des Mikado Prinz T a k amatsu, der sich derzeit mit seiner Gattin in New York aufhält. Prinz Takamatsu äußerte sich im Verlauf des Gesprächs folgendermaßen über die Lage der Juden in Japan: Die Juden haben in Japan dieselben Rechte wie die übrige Bevölkerung, wenn sie auch nicht Staatsbürger sind und keine öffentlichen Aemter bekleiden. Das japanische Volk macht keinen Unterschied in der Behandlung der einzelnen Rassen. Allerdings werden alle Personen nichtjapanischer Abstammung, Juden ebensowohl wie andere Europäer, als Ausländer betrachtet. Jedoch werden alle Ausländer, solange sie sich den Gesetzen des Landes fügen, in gleicher Weise behandelt, wie die japanischen Bürger. Auf die Frage, ob die Zahl der Jude^n in Japan wachse und ob sich im Lande ein Widerstand gegen eine jüdische Einwanderung bemerkbar mache, antwortete Prinz ^äkatnats'u: Leute, die zu uns kommen, nm uns beim Aufbau unseres Landes zu helfen, sind stets willkommen. Dem japanischen Volk sind nur solche Einwanderer unerwünscht, die u n s feindlich gesinnt sind. Nach dem Weltkrieg haben sich Juden aus Rußland und anderen Ländern in Japan niedergelassen. Die meisten von ihnen waren K a u f 1 e u t e, es gab aber auch Arbeiter unter ihnen. Eine Wirtschaftskrise im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es bei uns nicht. Professor Pribram nach Amerika eingeladen. Per bekannte Wiener Gelehrte Prof. Dr. Karl P r ib r a m wurde von der Universität C h i k a g o eingeladen, bei den Ende Juni stattfindenden Verhandlungen des Harris-Instituts über die „Arbeitslosigkeit als Weltproblem" drei Vorträge zu halten und eine Diskussion über die deutsche Arbeitslosenversicherung zu leiten. Er wird dieser Einladung Folge leisten. Professor Dr. Karl Eman Pribram ist 187? in Prag geboren und gehört der berühmten Prager jüdischen Gelehrtenfamilie Pribram an. Er war a.-o. Professor in Wien, dann in Genf. Sein Spezialgebiet ist Gewerbepolitik und Gewerbeschutz. Für das hebräische Buch. Um die durch die Weltwirtschaftskrise enstandenen Schwierigkeiten für den Absatz hebräischer Bücher zu überwinden, haben sich die 'hebräischen Verlagsanstalten „Omanuth", „Dwir" und „Stybel" zu einer Zweckgemeinschaft zusammengeschlossen, die gegenseitige Konkurrenz verhindern und den gemeinsamen Absatz der Bücher organisieren soll. Die Organinisation ist zurzeit mit der Gründung von Verkaufsorganisationen in T e 1 - A w i w und anderen Städten des Landes beschäftigt. Die Arbeit'im Auslande wird auf der Ende April in Warschau stattfindenden Tagung der „T a r b u t h" einsetzen, zu der B i a 1 i k eingeladen ist, der das Land bereits verlassen hat. Gleichzeitig und in derselben Angelegenheit begeben sidi die Herren Twersky und M. Bernstein nach Polen. Der Plan der Gesellschaft sieht die Gründung von Vereinen der Freunde des hebräischen Buches, Organisationen der hebräischen Lehrer und Schriftsteller und Organisation der jüdischen Bibliothekare und Bibliotheken vor. Von der jüdischen Presse in New York. Im Maiheft des Genieiindeblattes der jüdischen Gemeinde zu Berlin berichtet G. Hirschf©kl, New York, über die jüdiische Presse in New York. Es gibt in New York etw.u zwei Millionen Juden, die über die Riesenstadt mit ihren zehn Millionen Einwohnern ungleichmäßig verteilt sind. Heute erscheinen vier Tageszeitungen in Jiddisch: „Der V o r vv ü r t s": Abendausgabe, 440.000, 'Soniags.uu«i?a.be 160.000, Durchschnitt 143.000.' „Y i d d i-

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