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Die neue Welt · 1931-05-15 · Heft 191 (15.5.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 191 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 191 DIE NEUE WELf Seite I " übergroße Mehrheit der Abgeordneten teilte die Emp findtungen des staateparteilichen Abgeordneten Nuechke, der Wilkes Verhalten scharf tadelte und erklärte: „Prügelnde Abgeordnete sind ein Unding Er fuhr dann fort: „Im Auftrage meiner Freunde be antrage ich, die Immunität des Abgeordneten Wilk aufzuheben." Ueber dde Frage der Aufhebung der Immunität des Abgeordneten Wilke wird am Mittwoch den 13. Mai, abgestimmt werden. Shiels macht klar* Die sogenannten Verhandlungen über den Land entwicklungsplan der britischen Regierung für Palästina sind, wie es so schön heifit, an einem „toten Punkt' angelangt. Wieder einmal hat es sich gezeigt, wie die Jewish Agency die jüdische Sache vertritt, aber auch wie die Mandatarmacht ihrerseits in der Atmosphäre der so gearteten zionistischen Politik ihre Verpflichtungen ernst nimmt. Es geht etwas Ungeheuerliches vor. Ein Präjudiz nicht nur im prinzipiellen, nicht mehr nur in der tag liehen Administrationspraxis im Lande, sondern ein Präjudiz für den ganzen Umfang des palästinensischen Fragenkomplexes soll festgelegt werden. Eine großzügige Attacke gegen den Mandatssinn vom jüdischen National heim ist im Gange. Nachdem man die Balfour-Deklaration und das Mandat wegeskamotiert hat, in dem Sinne, dal! die primäre Aufgabe des Aufbaues des jüdischen Na tionalheims zur sekundären degradiert und die sekundäre Aufgabe, d. i. Schutz der bürgerlichen Rechte der nicht jüdischen Bevölkerung, zur primären erhoben wurde, nachdem die palästinensische Administration gegen den jüdischen Aufbau Sabotage und Obstruktion betrieben hat, wird jetzt darangegangen, in den brennendsten und aktuellsten Fragen des Bodens, der Land ansiedlung und allgemeinen aktiven Hilfeleistung ein für allemal zu entscheiden — zugunsten jenes Teiles der palästinensischen Bevölkerung, für den weder Balfour-Deklaration noch Mandat bestimmt waren. Das erstmalige Eingreifen der britischen Re gierung zur aktiven Anteilnahme an der Entwicklung des Landes, die 272-MiiIionen-Pfund-Anleihe und deren Verwendung, soll nach dem Plan der Regierung h a o d e r i p r o z <c a t i g den A r a b e t n zugute kommen. Die Juden sollen für Schulen, für Gesundheitswesen usw. selbst sorgen; sie sollen sich Boden* wenn man es ihnen gestattet, selbst uud teuer kaufen; sie sollen für die I m m i g r a t i o n, wenn es eine «olche noch geben wird, selbst alles bereitstellen. Die arabischen Schulen sind Regierungsschulen, aiis Landesmitteln bezahlt. Am jüdischen Gesundheitswesen nehmen sie vollen Anteil, Sie sollen nun auch Boden bekommen und angesiedelt werden aus den Geldern der Anleihe im Zeichen des politischen Expertenschwindels mit dem „landlos gewordenen" Araber. Die Juden dürfen für all das kräftig Steuer zahlen. Ein wahrer Hexensabbat, dieser Verhandlungsbluff und das Manöver, das Engländer und Araber um ihn herum aufführen. , Es ist nun ganz offenbar, daß mit den Arabern in Jerusalem verhandelt wurde, daß der Oberkommissär Chancellor mit den Ergebnissen dieser Verhandlungen nach London fährt (zu einer Hochzeit, heißt es offiziell) und daß die Araber es nicht mehr nötig haben, an jüdischen Riimden Tischen au sitzen, wenn sie dde Ware schon in ihren Taschen haben. Das Origan der palästinensiwinnt. Sie warten, bis Lebele zu spielen aufhören wird, lim selbst ihr Glück zu versuchen. Aber es will kein Ende nehmen. Lebele hat schon 16 Kopeken; 15 dem armen Juden wegsewonnen. Mit so viel gewonnenem Geld wegzugehen, hat Rebele nicht das Herz. Der Jude selbst ist ganz verwirrt. Und beide wollen fast vor großem Leid in Tränen losplatzen. Weiterspielen? Kann er doch wieder gewinnen! Aufhören? Wie kann man einem armen fremden Juden soviel Geld wegnehmen? Endlich macht der Jude Schluß. „Nun, Junge, dir geht's! Ich fürchte mich, mit dir zu spielen. Du hast zuviel Glück. Geh gesund!" Aber Lebele hofft doch noch zu. verlieren. Er legt die ganze Summe auf den Streifen und bettelt: „Laßt mich drehn!" „Na, meinetwegen, dreh du", sagt der Jude. Lebele kurbelt fest, wie wenn er wirklich gewinnen wollte. Der Jude begreift ... Diesmal verliert Lebele. Der Jude ist tief gerührt. Einen solche« Jungen hat er in seinem Leben nicht gesehen. Er lächejt ihm dankbar zu. Lebele ist über alle Maßen froh. Er ist vom Juden entzückt. Schade, daß er nicht weiß, wo der Alte zur Nacht schlafen' wird, Es ist ein kalter Vorabend. Und kommt ein zweiter und ein dritter, Junge und Erwachsene, und sie spielen beim Alten und verlieren. Eine Kopeke nach der anderen. Lebeies Kopeke hat dem arme» Alten Glück gebracht. 4. Und am nächsten Morgen geht Lebele wieder hin, setzt seine e&zige Kopeke an, kurbelt fest. Lebele ver* liert. Er ist glücklich. Strahlend ruft er den Freunden zu: „Gewonnen!'* Eine Kppeke nach der andern wandert in die Tasche des Alt<sn. Des alten armen. Juden. Lebele steht ihm von fern gegenüber. Der Alte lächelt ihm zu, als wollte er ihm sagen; „Bist ein braver Junge, ein Glücksjunge. Me?k dir meine Worte sehen Exekutive „Feiestin" erklärt, die arabische Exekutive habe es zwar abgelehnt, in Verhandlungen mit der Regierung einzutreten, es bestehe aber kein Hindernis, daß sie die Vo rschläge der Regierung bezüglich der Palästina-Entwicklungs-Anleihe entgegennehme und gegebenenfalls billige. Herr Chancellor fährt aber nicht nur nach London, er wird die Sache der Araber auch in Genf vertreten. Die hebräische Tages Zeitung „Haarez" meldet, daß nicht der Chefsekretär der Palästina-Regierung, Young, sondern daß der High Commissioner Sir John Chancellor, der sich augenblicklich auf der Reise nach London befindet, neben dem Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Droimmond S h i e 1 s der akkreditierte Vertreter Englands aufderTagung derPermanenten Mandatskommission des Völkerbundes, die am 9. Juni in Geni" eröffnet wird, sein wird Chefsekretär Young werde als stellvertretender High Commissioner in Palästina bleiben. Herr Mac Donald hat bekanntlich einen Brief an Dr. Weizmann geschrieben, worin nach Ansicht unserer Agency allerlei Schönes steht. Herr Mac Donald schickt den Herrn Chancellor nadi Genf, um das „allerlei Schöne" des Briefes schön arabisch vertreten zu lassen. Das liegt ganz im Sinne des ebenso schönen Satzes in seinem obenerwähnten Brief, der den Arabern den Tip gibt, nein zu sagen, wenn sie mit irgend etwas in Dingen des jüdischen Nationalheims nicht einverstanden sind Die Araber befolgen den Tip. Sie sind nicht einverstanden. So liegen die Dinge faktisch. Man macht in London eine Politik, die die Axt legt an die Wurzel des jüdischen Nationalheims. Dafür aber weiden wir entschädigt — durch Reden. Seit es ein Mandat gibt und eine britische Verwaltung in Palästina, seit 13 Jahren also, hat es zu Ehren des jüdischen Nationalheims eine mehrstellige Zahl von Banketten gegeben, auf denen britische Staatsmänner und hohe Funktionäre Reden hielten. Nach- ÄGYPTEN und PALASTINA mit den Luxusdampfern ' „EMMA" ff Rundfahrten im Mfttelmeer ....... Genua — Neapel :.— Sizilien Ägypten — Palästina Syrien — Zypern]; -M_ 'r>onstanttaopel, — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte; ■ SITMAR11 Wienl' ^rntherrlng 18, Tel ü-45-0-0? If4^" lw(Ecke Schwarzenbergplatz) In der Vorwoche wieder gab es ' in London ein Bankett des Ariglo Palestine Club.'^'Neben'Lord.'''Cecil, James de Rothschild, Önnsby-Oore, Dr. Weizman sprach auch der Unterstaatssekretär für Kolonien Dr. Drummond Shdeis. Er Ast der jüddsdien Welt bekannt, bekannt aus seiner perfiden Haltung auf der Tagung der permanenten Mandatskommission in Genf, aus seinen nahezu gehässigen Aeußerungen in Palästina während eines Besuches im Lande, aus seiner Verteidigung des Passfieldischen Weißbuches im britischen Unterhaus. Es gellt uns noch sein apodiktischer Satz. „Das Weißbuch bleibt bestehe n" am Schlüsse der berühmten Parlamentsdebatte über das Weißbuch in den Ohren. Dieser Herr sprach auch auf dem Anglo Palestine Club-Bankett. Er sagte n. a.: „Wir sind mit den früheren britischen Regierungen in gleicher Richtung geblieben, indem wir die Art, wie wir unsere Mandatspflichten auffassen, möglich klargemacht haben." : Stimmt. Das Weißbuch ist ein klares Dokument, Der Mac Donald-Brief allerdings ein etwas weniger klares. „Wir sind", sprach Shiels weiter, „der Auffassung, daß das von uns übernommene Mandat» das wir ehrenhaft und vollständig durchzuführen wünschend dem jüdischen Nationalheim einen sehr bestimmten Platz bei d?r Gestaltung der Zukunft Palästinas anweist,'* Auch das stimmt. Man sehe sich nur die britischen Pläne zur Landentwicklung an und man wird erkennen,; DAVID GOLDER MM-10 der grandiose Tonfilm, den jeder lade gesehen haben rauft f täglich im . Fleischmarkt 1 — Tel. Beginn; 5,7 und 9 Uhr, Sonntag «t> 3 Um M, *mk jXl w o*^ igp^' Schering-Kahlbaum A.G. Repr.Wien VI,Webg. 2 a welchen Platz Herr Shiels meint. Diesen Hohn leistete sich Herr Shiels vor dem Forum, in dem die obengenannten Herren anwesend waren. Es ist nicht bekannt, daß ihm jemuud entgegengetreio» wäre. Einen Tag vorher wurde Herr Shiels im Unterhaus vom antizionistischen Abgeordneten Howard Bury gefragt, ob er in der Luge sei, Mitteilungen über die im Zuge befindlichen Verhandlungen zwischen dem Kolonialamt und den jüdischen Organisationen Palästinas zu machen und wer die beiderseitigen Vertreter bei diesen Verhandlungen seien. Dr. Drummond Shiels erwiderte, es hätten vor kurzem Unterredungen mit Vertretern jüdischer Organisationen über vorgeschlagene Entwicklungsarbeiten in Palästina stattgefunden. Er könne es jedoch nicht als nützlich erachten, in diesem Stadium weitere Einzelheiten mitzuteilen. Colonel Howard Bury fragte sodann: Kann uns Dr. Shiels zumindest die Versicherung geben, daß die Bestimmungen des Weißbuches nicht weiter verstümmelt werden sollen? Dr. Shiels erwiderte: Ich glaube nicht, daß Colonel Howard Bury eine Antwort auf diese Frage erwartet. ' *. Howard Bury hätte auf dem Anglo Palestine Club- Bankett die Antwort Shiels hören können. Shiels gedenkt nicht, die Bestimmungen des Weißbuches weiter zu verstümmeln. * Herr Chancellor und Herr Shiels. haben für die Genfer Völkerbundtagung ihr Programm der Palästina- Frage im Sack. Das jüdische Volk weiß min, was> es von der englischen Regierung am 9. Ju^iin. Genf zu erwarten hat. .i Denunziantentum/ Spionage/Demoralisafion Notizen über Sowjetrußland. Von J. Klinow (Berlin). In Sowjetrußland begegnen einander zwei Juden. Nach kurzer Begrüßung sagt der eine zum anderen: .,Sag' mir, ich bitte dich, wieviel Gehalt bekommst du eigentlich bei der G. P. U.?" (Politische Polizei.) „Nun ja", bemerkt der erste ganz gelassen, „du weißt doch, jeder zweite äst bei der G. P, U, beschäftigt. Ich hin es nicht. Also mußt du es sein!" Das ist der neueste Witz, der aus Sowjetrußland zu uns gedrungen ist. Ein Witz, der eine neue Erscheinung im jüdischen Leben Sowjetrußlands festhält. Es war in den letzten Jahren immer so. Der jüdische Witz mit seiner' bitteren ' Philosophie signalisiert fast ohne Ausnahme die Front, an der es besonders gefährlich geworden ist. Wir haben uns langsam daran gewöhnt, diesen folkloristischen Schaffenszweig ernst zu nehmen als einziges Ventil, aus dem ma-nchinal im unfreien Land ein freies Protestwort herausströmt. „Jeder zweite ist bei der G. P. U. beschäftigt!" Das ist natürlich übertrieben, aber es trifft leider in großem Maße m. Vom allen Seiten kommen Nachrichten, daß sich in dem inneren jüdischen Leben wie die Pest Denunzianten über Denunzianten breitmachen. Man DAVID GOLDER der grandiose Tonfilm, den jeder Judegesehenhabenniiiß! Täglich im BURG-KINO I,, Opernring 19, Telephon B-20-3-99. Beginn: 5, 7 und 9 Uhr, Sonntag ab 3 Uhr IIIIMIMIIIMMIIIIIIMMtOWIMIIMMIMHIMIIHW

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