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Die neue Welt · 1931-05-15 · Heft 191 (15.5.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 191 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Dffi NEUE WELT Nr. m Wiedereröffnung des Wiener koscheren rumänisch-orientalischen Grand 'Restaurant HHHBH Zirkusgasse 3 HSM Alle Speisen am Rost und Spiett J. GRÜNBERG, Restaurateur (früher Spezialkoch im „Hotel National") Keren Hajessod trat eine gewisse Tendenz zutage, diesen Fonds an die Stelle der Zionistischen Organisation z u setzen. Hieraus entwickelte sich ein Konflikt mit der Gruppe B r a n d e i s- Simon-d e L i em e, dessen Bedeufcunig für die Zionistische Organisation von der Oeffentlichkeit damals gar nicht verstanden wurde. Die Hoffnung, durch den Keren Hajessod die gesamte Judenheit für Palästina gewinnen zu können, und die daraus folgende Z u r ü c k d r ä ng u n g der Z i o n i s t i s e h e n O r g a n i s a t i o n erwiesen sieh jedoch als iiM'ig und allmählich sah ma.ii wieder ein, daß der Keren Hajessod keine neue „Be w eg u n g'\ sondrn ein S am melfonds war, der nur mit der Zionistischen Organisation und im wesentlichen durch die. Kräfte der Zionistisdien Organisation besteihen könne. Aber die Tendenz Dr. Weizmanns, an die Stelle der Zionistischen, Organisation ein neues Gebilde zu setzen, blieb unverändert und führte schließlich zur Erweiterung der Je.wish Agency. .Es muß hier mit aller Entschiedenheit klargestellt werden, daß wir k e i n e s w e g s, G e g n e r eines Z usammenwirkens mit nicht zionistischen Kreisen sind. Aber wir glauben, die inneren Kräfte im Judentum bessr zu verstehen, wenn wir sagen, daß die Führung der P a 1 ä s t d n a - P. o 1 i t i k auf absehbare Zeit in der Hand der zionistischen Organisation verbleiben muß, und daß es die erste Aufgabe jeder zionistischen Leitung ist, die Zionistisdie Organisation zu befestigen und auszubreiten. Die Zusammenarbeit mit anderen Kreisen muß sich.organisch entwickeln und darf nicht die Form einer voreiligen Zerstörung der Zionistischen Organisation annehmen. Weil Dr. Weizmanns Agency- Politik mehr eine Flucht a us dei- Zionistischen O r g a nisation. als. eine fruchtbar e N e u h ,i:ld un g war, mußte es sieben Jahre dauern, bis auc.li.nur die ersten dürftigen Resultate dieser Politik sichtbar wurden. .. ■ .•.......•"■ , .• Die nichtzionistische Judenheit hat sich nicht zum Eintritt in die Agency gedränigt, aber es. ist eine Tatsache, daß man mit den besten Kräften, die wir auf , der anderen Seite vorfanden —^mxt jenem kleinen Personenkreis von Notabein, auf welche ja die ganze Agency- Poiitik gebaut ist — schon vor Jahren zu nützlicher wirtschaftlicher Kooperation hätte gelangen können. So wäre der entnervende Kampf iai n e r h a 1 b d e r O r g an i s a t i o n vermieden worden und die praktischen Resultate wären wahrscheinlich viel bedeutendere gewesen. Ehre sinnvolle, durchdachte Kooperation mit diesen Kreisen mußte für beide Teile angenehmer und ersprießlicher sein als die Schaffung jenes Monstrums von Doppelorganisation, das wir heute vor Uns sehen. Es ist jötzt wohl schon vielen klar (und uns war es immer klar), daß die Zionistische Organisation mit ihrem Kongreß und ihrem Aktionskomitee nidit neben der erweiterten Jewisih Agency mit ihrem Council Und ihrem Administrative Committec bestehen kann. Die Zionistische Organisation wurde g e lä h m t u n d .'die e r w eiterte Agency ist ein toter ApparVt. die gegen die WaederhersteM/ung des jiidaschen Nationalhfckn gerichtet saind, und für eimeaktive Politik der Mandate rniadit mit dein Ziele, die Erweiterung des jüdischen Nationalhetms zu legitimieren, einzutreten. Die englischen Misrachisten gegen den Briet Mac Donalds« London, 10. Mai.; (Jk T. A.) ' Auf der soeben abgehaltenen Konferenz des Misrachiverbandes für Großbritannien und Irland hielt Chief Rabbi J. H. Hertz eine Artsprache, in den er gegen die Beamten der Palästina-Regierung den direkten Torwurf erhob, daß sie auch nach der Veröffentlichung des Briefes MacDonalds an Doktor Weizrnann wi e s ei t jeh e r g ege n di e E frichtüng des jüdischen N a t i o n a 1 h e i ni s arbeiten. Die Beamten der Palästina-Regierung, führte Chief Rabbi Hertz aus, liitben das jüdische Nationalheim schon vor zwölf Jahren zu sabotieren gesucht und haben diese Haltung/auch während des ersten, zweiten und dritten Pogroms,' lind, soweit Ich " sehe, auch b i s auf den heutigen Tag bewahrt. Solange die an Ort und Stelle tätigen Beamten in ihrer feindseligen Einstellung verharrenj - werden alle Bankettreden konservativer, liberaler und sozialistischer Politiker w e r t u nd n u t zl us bleiben:'' '....... In anderen Reden wurde. Klage darüber, geführt, daßrd«i^ziontetis'clie-'::Ex1ßfe^^ye' ^sucht. habe, das Budget der Misrachi-$duüenr^ einer Reihe ycm Resp^ d ruck gc^ebeftf^ß^^ u.lwerk ig .'ftijästintii ein^usehränkenv -vergeblich sein werden. Es wurde folgende apolitische Resolution gefaßt: Di e Konferenz lehn t'a b, den MacDonald- B r i.ef a ls/- .Ä e'q ü i va l en t ..einer Zurückziehung der 'uH'^^*{l!.§:i|pi„4^e t e.n Teile des W-.e^ ß/sb iii^ c*.h /j, m u e V k e n n^q Sie;; f^cl^ri daher ifire'^Qe^icri^iti ßim dem ^t^ion^*lgpß||'ü"$, für: ilie vollständige fÄ^äMeiiLnig poliifs$ierf pi-l|läfitngen, ■u-i > J :•. .J. f ff %l ...;H % \K K» ' Jubiläum des American Jewish Congress. Am Sonntag, den 3. Mai, fand im Hotel Roosevelt zu New York anläßlich der 16. Wiederkehr des Gründungstages des American Jewish Congress ein Festbankett statt, an dem alle Mit- glieder, Förderer und Freunde dieser Organisation aus New York und anderen Städten teilnahmen. Die Festrede hielt der Ehrengast des Banketts, der .Staatsanwalt für den Süddiistrikt von New York George Z. Medalie. Weitere Ansprachen hielten zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Amerikas, unter ihnen der Ehrenpräsident des Kongresses, Doktor Stephen S. Wiee und Präsident Bernard S. Deutsch. Die Vorbereitung der Feier lag in den Händen eines Komitees, an dessen Spitze der ehemalige Generalstaatsanwalt des Staates New York Carl S herm a n stand. Antisemitische Streiche eines sozialdemokratischen Abgeordneten. Berlin, 10. Mai. (J. T. A.) Ein ganz ungewöhnlicher Vorfall kam am Sonabend, den 9. Mai, im Preußischen Landtag zur Sprache. Es handelte sich um die. Frage, ob die Immunität des sozaildeinokratischen Abgeordneten Wilke, der auch Stadtverordnetenvorsteher von Stettin ist, aufgehoben werden sollte. Wilke hatte den jüdischen Kaufmann Hirschfeld in Stettin tätlich beleidigt. Der Geschaflsordnungsausschnß des Landtages hatte die Ablehnung des Antrages a uf Au f h e.b u n g der Imm unität empfohlen. Der Berichterstatter über diesen Fall, der kommunistische Abgeordnete Kasper, teilte in der, Vollsitzung u. a. mit: Wilke . hatte den Kauf manu Hirschfeld in einem öffentlichen Lokal, ohne daß dieser auch nur den geringsten Anlaß dazu gegeben hätte, mit der Faust in das Gesicht und unter das Kinn geschlagen und ihm dabei mit Worten, wie ,,J u d c n l ü in m e 1", „La u s e ju n g e", „v 6 11g c f r e s s e n. er J u d e nj ii n g e", besdiiuiipfte. Der Beriditenstatter erklärte, er und seine politischen Freunde seien zwar grundisützliclie. Gegner jeder Aufhebung der Immunität, aber von den Sozialdemokraten, die darüber anders dächten, hätte man erwarten können,'.daß sie aus Anstand«- und politischem R e -i n 1 i c h :k e i t s g eT ü h 1 ih reu Fraktionsköllegen1 zur Strüfvei-fÖlguhg freigeben. Während d(?r Redner seine '•" im "ganzen Hause großes ' A'tifsehen erregenden Ausführungen machte, hagelte es Zwischenrufe von der Rechten. Der deutsch nationale Abgeordnete';B'ö"V k rief: „Der Sozialdemokrat Wilke".soll" sich bei Hiiicr a4'' Nacliföliger 'Von','Stennes' me^derx." * Die, j .u - ■ J m R AW LPi U f L S a ü S D PO RC E LHI : FLOSS | « fi | U H*l A € K Der beste Lack für alle Materialien, wie Aluminium Kupfer,/|innH,|ink, Messin.'. Eisen, Slahl, Holz, Ton, Porzellan, Glas, Gestein, Mörtel usw. Q eicht an Aussehen, völlig, dem r»Ch^ge^,;.$iQ^e':ian .'Hj(tzßrjt dampf-, s\ure- .und wasserbeständig. In vielen kärutUriscnen Farben.' Trp.ckfiet in "iS "Minuten. ' lirhi#tli'ch iö.;a lern besseren Geschäften THE RAWLPLUG Go.v LONDON, GEN..REPR. OTHMAR KREBS Wien VH, MariahiUerstraae 60, Zoliergasse 2 40, T«ü. B-30-7-97 Lebele/ das Ciludfskmd Skizze von A. Reisen. Trotzdem. Lebele ein weiches. Herz hätte,' so daß sogar Vater und Mutter, die bewahre audi nicht gerade böse Menschen waren, über ihn. Witze rissen und ihn „Weichherz" nannten, empf and er mit "armen Leuten, die in die Häuser gingen, immerhin kein besonderes Mitleid. Diese armen Leute waren für ihn ein besonderes Volk. Es gibt sonach allerlei Völker auf der Welt: Juden, Gojim und arme Leute, die in die Häuser gehen. Wenn gar ein armer Mann zu ihnen hineinkam, bei der Tür stehen blieb und Lebele den Sack betrachten konnte, den der arme Mann um den Hals gewickelt zu haben pflegte, und der Sack bisweilen bis zum Knie herabhing und aus ihm Brotstücke hervorlugten — wußte. Lebele schon,, daß der arme Mann Huuger nicht habe. Er, Lebele selbst, wenn er hungrig wird, nicht zur Mittags- oder Nachtmahlzeit, sondern an einer Zwischenstunde, ißt er derweilen ein Stückchen Brot. Und das ist gar nidit so sdilimm. Man wird satt und sogar fröhlich. Und sogar die armen Leute höheren Standes, die ohne Sack in die Häuser gingen und nur Bargeld annahmen, auch die erregten in ihm nicht viel Mitleid,. Im Gegenteil, ein solcher armer Mann ist eine Art Kaufmann, er handelt nur gegen bar. Mitleid empfand er nur mit jenen armen Leuten, die nicht in die Häuser gingen . und. aus, deren Augen immer eine sonderbare Wehmut blickte. Das waren gut bekannte Leute, von der Gasse. Einer von ihnen .>var Chaira. der Meiamed, der seihe Lehrstelle verloren! hatte jmd den Lebele manchmal bei der i.Serheljarika1" stehen sah, dort, wo er mit seinen' Leuten hauste. Und ei pflegte, dürr und in einem Mantel, der am Körper schlotl Jerte, irgendwohin in die Ferne* zu-bUifken./ Leberc, kaii) ee iimjner vor, so oft er am Meiamed vorbeiging, daß diesem Hunger habe. Betrübt pflegte--e-r ^veiterzugehen uu<j konnte eine gute halbe Stunde fang nicht mit seine^ Freunden spielen, obwohl e,r von Natur aus ein fröhlicher, ja ausgelassener Junge war; .' So geht Lebele, einmal aus dem Glieder am Sehulhof yorbeLiDa erblickt er vor einem der Bethäuser einen hohen, Juden mit langem grauen Bart, aber, ohne lange Stirnlocken,: der irgend so eine Sache, auf sidi trägt — eine runde, wie eine große Uhr. Man nennt das „Ruletke", mit großen Zeigern,; aber eine Uhr ist das nicht, Einer von seinen Freunden, den Jungen, weiß allerdings alles. Das ist eine Art Spiel, um.Geld . aber man verliert. Lebele erfährt, daß.Heschel, Nocherns Junge, bereits zwei Kopeken verloren habe. Der Freund selbst jammert, auch schon um eine, verspielte. Kopeke und weiter spielt er nidit. Es ist ein Schwindel, ,Nur der eine, Jankele, der drei Kopeken verspielt hatte,, hat-eine zurüdegewonnen. Mit der ist er davongelaufen und will nicht rnehr spielen. Der Freund warnt Lebele zu spielen. Lebele hätte also auf diesen Juden sehr böse Vierden müssen. Denn wer kann das schon sein, wenn er solch einen Erwerb hat! Aber Lebele ist in) Gegenteil selir gerührt. Als er dem Juden ih die Augen sah, .spürte er, daß der Jude noch ärmer sei als ein armer Mann, der in . * ■■ . i •■ i»i• ■ die Häuser geht. Und obendrein mag man ihn nidit..Sieht er dodi, wie jeder von den Erwachsenen,.die vorbeigehen, ihn mit Haß anblicken. Und der Jude selbst steht da, blickt sich immerwährend'um, als fürchte er sidi vor irgend jemand. Lebele rückt näher au den Juden heran Wie der- Jude sieht,. d^ß,: e^ J^uge. da sei^piit dtjm sidVe reden läßt, .sagt er;, „Na, junge, willst, spielen? Kannst; gewinnen." Und er erklärt .ihm das ganze Spiel,.,wann Gewinu, wann, Verlust*, Lebj^ler ^ber-tw,iÜ nidit,..gewinneni |lr wjll nur cjoih Mann einen. Gefallen tun. Er besitz: sogas cüne Kopeke, er wird sie verspielen und der Mann wirc| eine Kopeke verdienen, Er tvitt nÜher an das Roulette liieran. in, den Judon komin||L^ben.v Es ist nicht mehr derselbe Jude. Die Augen sehen so etwas wie freundlich, drein. „Na, Junge nimm die Kopeke und wirf sie da,hüi auf diesen Streifen, vielleicht gewinnst du. /Bebele' ints) Im Herzen fürchtet er zu gewinnen. Für den Jnden ein Unglück iind für ihn auch. Er legt die Kopeke auf den bezeidineten Streifen/der Junge kurbelt die Zeiger an, das Ding dreht sidi uud dreht sich und r— da, am richtigen Punkt:, Gewonnen!. Lebele ist mäditig überrascht. Gewonnen! Es würde ihn vielleicht .freuen, aber da er den Juden ansieht, wie der gleichsam klein geworden ist, wundert es ihn nur. Wie konnte das passieren? Per Jude hat aber. Mut. Hat er dodi zunächst einen Spieler. Er muntert Lebele zu weiterem Spiel auf und mit so weichem Ton in der Stimme, daß , Lebele nicht nein sagen kann. Er fürditet nur,, wieder einmal zu gewinnen, hofft aber Glück zu haben, zu verlieren. Der Jude redet ihm zu, beide Kopeken einzusetzen: so könne er doppelt gewinnen. „Wirst reichwerden", mächt er ihm Mut. Lebele ist dessen sicher, daß der Mann ihn verspotte, aber er ist es zufrieden, will er dodi verlieren und — weggehen. Der Jude, der sich einer guten Miene befleißigt, tut ihm in der Seele weh. Lebele legt die zwei Kopeken hin, der Jude dreht diesmal vorsichtiger, traut dem Roulette nicht mehr. Lebeies Herz pocht starker. Vielleidit doch, ha? Was? Wieder? Ja, wieder gewonnen. „Ej, Junge, madist einen Bettler aus mir", spaßt der Alte fast in Tränen. Lebele hat keine Ahnung; wie das kommen konnte. Sonst hat er ja kein Glück. Noch nie etwas auf der Gasse gefunden. Und spielt er manchmal zu Chanukka „Trenderl", so verliert er immer zu seinem großen Leidwesen. Und jetzt, wenn er verlieren will, gewinnt er gar, und bei wem! Bei einem so armen Juden, bei einem so guten. . Und da redet ihm der Jude wieder zu, iibdiirials zu spielen. Mit al'len vier Kopeken, um adit zu gewinnen. Lebele erschrickt fast; Er versteht, daß auch der Jude seinerseits nicht will, daß Lebele gewinne, und hofft, diesmal bestimmt zu verlieren. Um das Roulette herum stehen bereits einige Juden', unxf auch Erwachsene. Also denken sie, d'oeh kein Schw'itidier der Jude. Wer Glück hat, ge-

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