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Die neue Welt · 1931-05-15 · Heft 191 (15.5.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 191 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 191 t «. , Republik, Ruibio, der ebenfalls bei dieser Versammlung anwesend war, zollte den Ausführungen der antisemitischen Redner Beifall. Einer der Redner richtete an den Präsidenten den Appell, „d i c jüdischen Herzen mit der mexikanischen Flagge zu durchbohre n". * Ein jüdischer Schüler von einem Kollegen niedergeschossen. — Antisemitische Aktion der mexikanischen Handelskammern. Mexiko City, 7. iVlai. (J. T. A.) Die antisemitische Bewegung in Mexiko greift immer weiter um sich. Die in den jüdischen Kreisen infolge der Vertreibung der jüdischen Händler von den Märkten in Mexiko City herrschende Erregung, wurde durch ein neues Ereignis gesteigert. In einer Schule der Stadt Mexiko City wurde der aus Rußland stammende 12jUhrige jüdische Waisenknabe Boris Rabinowitz von einem mexikanischen Mitschüler n i e d c i g c s c h o s s c n. Von mexikanischer Seite wird behauptet, daß es sich um einen unglücklichen Zufall handle. Die Lage der von den Märkten vertriebenen jüdischen Händler hat eine neue Verschärfung erfahren. Es wird ihnen nicht nur der Zutritt zu den öffentlichen Märkten, sondern auch die Errichtung von Ständen in gemieteten Hallen verweigert. Auch in anderen mexikanischen Städten wurden die jüdischen Händler von den Märkten ausgeschlossen. Die Handelskammern des ganzen Landes haben die Registrierung der jüdischen Händler angeordnet. Ein Verzeichnis dieser Händler, die als u ner wünschte Einwanderer bezeichnet werden, soll dem Einwanderungsamt übergeben werden. * Die amerikanischen Bnei Brith fordern eine Intervention der amerikanischen Regierung. New York, 8. Mai. (J. T. A.) Die amerikanischen Bnei Brith haben dem Staatssekretär Stimson einen scharfen Protest gegen die judenfeindlichen Maßnahmen in Mexiko überreicht und die amerikanische Regierung aufgefordert, bei der mexikanischen Regierung in dieser Angelegenheit zu intervenieren. * Eingreifen der amerikanischen Regierung. Die Regierung in Washington hat ihren Gesandten telegraphisch aufgefordert, in Mexiko eine genaue Ausforschung im Zusammenhang mit den Judenverfolgungen anzustellen und auch festzustellen, ob von der Verfolgung auch amerikanische Bürger betroffen wurden. Sollte sich herausstellen, daß amerikanische Bürger nicht in Mitleidenschaft gezogen sind, wird eine diplomatische Interventu« in dieser Angelegenheit sehr schwer sein. Jedenfalls wird schon die Tatsache allein, daß die amerikanische Regierung es für nötig hielt, eine Ausforschung zu veranlassen, einen gewissen Eindruck auf die mexikanische Regierung machen. Der mexikanische Konsul in Danzig hat seiner Regierung einen Bericht übermittelt, worin auf den schlechten Eindruck hingewiesen wird, den die mexikanischen Judenverfolgungen im Auslande gemacht haben und der geeignet ist, dem mexikanischen Handel schweren Schaden zu bringen. Von Tunkeier. Ich weiß nicht, wie es bei euch drüben in Amerika steht mit der Depression, mit der schweren Krise und den schlechten Zeiten . . . Bei uns in Polen hat man das Mittel schon gefunden, wie man mit einem Hieb das alles los wird. Das Mittel heißt: Herabsetzung der Preise aller Gebrauchsartikel. Das wird uns vom gegenwärtigen toten Punkt wegbringen, von der Starre auf allen Gebieten des Handels und der Industrie, und einen neuen weiten Horizont eröffnen für bessere Zeiten der Blüte und des Wohlstands. Und da ich stets einer der ersten bin, überhaupt noch, wenn es um das Glück und den Wohlstand der Menschheit geht, habe ich als erster auf die Parole reagiert und die Mission übernommen, dieses große und heilige Rettungswerk zu verwirklichen. Herunter mit den Preisen! Billigere Produktion! Ja, soll jeder bei sich anfangen. Zunächst die Preise der eigenen Produktion herabsetzen — dannwird alles von selbst billiger. Das erwartete Heil ist da, futsch die bittere Krise, die uns unbarmherzig drückt. Eines schönen Frühmorgens steckte ich ein wenig Produkte meines Handwerks zu mir, ein Paket satirischer Gedichte, an die zwei bis drei Humoresken, einige Witze, und begab mich mit dieser Ware in den nächsten Lebens» mittelladen des Joine Fisolewitsch und sprach zu ihm also: „Reb Joine Fisole witsch! Nehmen Sie zur Kenntnis, daß ich die neue Losung übernommen habe: Verbilligung des Produkte. Ich will mithelfen an der Durchführung dieses großen, menschenfreundlichen Projekts und habe Ihnen so meine Produkte zum Ankauf um die Hälfte des Preises gebracht. Sie verstehen! Ich gehe daran, meine Erzeugnisse um ganze 50 Prozent herabzusetzen. Bisher habe ich 20 Groschen für eine Humoreskenzeile verlangt, \5 Zloty für ein Gedicht und 3 Zloty für einen Witz. Hesi Glauben verloren Von Richard Lichtheini (Berlin). Vor einiger Zeit erschien aus der Feder des Revisionistenführers Richard Lichtheim eine Broschüre „Die Aera Welzin a n n", in der in knapper Form eine Zu- •sainmenfnssung der Ereignisse und der Politik der Zionibätisdien Organisation, wie sie ■sich seit der Präsidentschaft Weizmanns gestalteten, gegeben wird. Lichtheim bespricht zunächst die Situation, die zu der vom Weißbuch 1930 markierten Krise geführt hat und zeigt die Linie der Haltung der britischen Mandatarmacht. Nachstellend veröffentlichen wir einen kleinen Abschnitt, in dem die Griimdc, die zur Lahmlegung der Zionistischen Organisation geführt haben, gestreift weiden. Doch ist es in Wahrheit nicht nur eine Frage der Taktik, die Dr. Weizmanns Verhalten bestimmt hat. Die Gründe seiner Politik Hegen tiefer. Die zionistische Welt weiß wenig von den Zusammenhängen dieser Politik, und .sie hat sidi noch niemals Rechenschaft dar- Zur Auffrischung des Blutes trinken Sie einige Tage hindurch frühmorgens ein Glas natürliches „Franzs Josef "^Bitterwasser! In Apotheken erhältlich, E über gegeben, daß Dr. Weizmanns Haltung aus einer spezifischen Auffassung der inner jüdischen und innerzionistischen Situation, aus einer damit eng zusammenhängenden Denkart in außenpolitischen F'rägeh' imd aus einer b e s t im m t eai B e t r a c h t u n g s w ,e i s e unserer Finanz- und Wirtschaftsprobleme stammt. Seine Haltung zu diesen drei Hauptgebieten unserer Arbeit bedeutet ein System, das wir grundsätzlich bekämpfen. Dr. Weizmann hat schon in einem sehr frühen Stadium der Ereignisse das Zutrauen zu d e n inneren Kräften der zionistischen B e- ■■■■■■■■■WiMgHBgMMBaBB^^ MW Jetzt bin ich bereit, 10 Groschen per Zeile zu nehmen, VA Zloty für ein satirisches Gedicht und VA Zloty für einen Witz. Spottbillig, nicht wahr? Wie gestohlen! Ich mache das aber für die Wohlfahrt der Welt. Ich bringe ein Opfer auf dem Altar der WeltsProsperity und ich hoffe, daß auch Sie meinem Beispiel folgen und den Preis der notwendigen Waren Ihres Geschäftes herabsetzen, z. B., für Butter, Semmeln, Milch, Fisolen, Hering, Käse, Salz, Zucker und ähnliche Dinge, über die Sie verfügen. Ich nehme an, daß auch Sie ein Menschenfreund sind wie ich, auch der Welt wohl wollen, auch die schwere Krise und ihre schrecklichen Folgen bekämpfen." Der Krämer nahm mein Paket Ware in die Hand und sagte: „Vielen Dank, Herr Schreiber, für Ihr gutes Herz. Es ist wirklich zum Staunen, wie spottbillig Sie Ihre Pro« dukte abgeben. Es ist wirklich sehr schön von Ihnen. Ich brauche aber leider Ihre Ware nicht. Mir ist's, nicht für euch gedacht, so trüb am Herzen, daß es nichts zu lachen gibt. Mein Kopf ist jetzt nicht auf Witze eingestellt und Gedichte gar — sind gerade jetzt bei der gegenwärtigen Lage des Handels nicht sehr nötig, penn wie sagt das Sprichwort? ,Mit hungrigem Magen singt man nicht.' VieU leicht könnt ihr es erwirken, daß der Schuster da gegen« über, der Salmen Absatz, mir ein Paar Schuhe zu billigerem. Preis abgibt, dann will ich mit dem größten Ver* gnügen in eine Reduktion einwilligen. Denn meine Schuhe bestehen nur mehr aus Löchern, die Zehen blicken lustig in die Welt, ein paar billige Schuhe würden mich einfach retten." Da nahm ich mein Paket und ging zum Schuster Salmen Absatz und legte eine Agitationsrede los, so und so . . ., er soll die Preise seiner Schuhe herabsetzen. Zunächst um die Hälfte. Die Welt wird gerettet werden und Schuhe zu kaufen beginnen und aufhören, barfuß herumzulaufen. Die Leute werden auch meine Werke kaufen. Die Stimmung wird sich bessern, die Leute werden lustiger werden, der Handel wird so aufblühen und die Krise wie eine Seifenblase platzen." wegung verloren. Obwohl er als zionistischer Führer, getragen von der Zionistischen Oiigamisation, seine politischen Erfolge erreichte, glaubte er echon unmittelbar nach diesen Ereignissen nicht an die Möglichkeit, mit Hilfe der Z i ooi iß t is ch en Organas a >t i o n die Palästina-Sache zu verwirkludicn, Ec ist der Ocffentlichkeit wenig bekannt, daß schon fcei der Formulierung des Mandats ein Konflikt zwischen Dr. Weizmann und Brand eis entstand, weil Dr. Wei.zma.nn nie ih t wollt e, daß die Zionistische Organisation allein im Mandat als Jewasb. Agency anerkannt werde. Die Mehrheit stellte sich damals auf Braudels* Seite und Art. 4 des Mandats erhielt 6o seine heutige Fassung. Im Verlauf der folgenden Jahre hat dieser Unglaube an die eigene Organisation Dr. Weizmanns innere und äußere Politik wesentlich bestimmt. Sic führte ihn von der Gründung des neutralen Keren Hajessod zur Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten. Schon bald nach der Gründung des tjitiiiiiiiiiiiiiiiii!iiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii;iiiiiiiiiiiiiiiiiiiui£ 1 Verbaftd demokratischer Zionistcn f Mittwoch, 20. Hai 1931, um '/..,9 Uhr abends s 5 im Herzl-Saal des Verbandsheims, II. Untere S Augartenstraße 38 s 5 Gegenstand: | Der entscheidende Kongreß | s Referent: | Robert Siricker | ^l!IIIIIllIIIllIBIIIll9ieiIlieilIlll!DIIIIIIIIIIIIllIllIIIIIIIIIIIIIIIIIII^ BBWBMWMMMBBMMBM^^ Der Schuster hörte mit großem Interesse meinen Vorschlag an und sagte: „Ach bitte, bitte! Ich bin bereit, auf den Plan ein* zugehen, die Preise meiner Schuhe herabzusetzen. Aber sind Sie so gut und spazieren Sie hinüber zum Schneider Jeruchim Rockwender. Wenn der ein Paar Hosen zu bhV ligem Preis verkauft, gebe ich meine Schuhe billiger ab. Denn Sie sehen doch, daß meine Hosen aus Fetzen be* stehen. Ich brauche ein Paar neue wie das Leben." So ging ich zu Jeruchim Rockwender, der schickte mich zum Manufakturenhändel: „Wenn der seine Preise herabsetzt, so bin ich bereit, nur die Hälfte für die Hosen zu nehmen." Der Manufakturenhändler schickte mich zum Textil« erzeuger, der zum Maschinenfabrikanten, der zum Stahl« fabrikanten, der zum Metalb und Kohlengrubenbesitzer. Dann begann man mich hin« und herzuschleppen von einem Fabrikanten zum andern, von einer Industrie zur andern, von den Engrossisten zu den Detaillisten, zu den Reisenden, Agenten, Krämern, Budenbesitzern und zu den Handwerkern. Ein Handwerker zum andern. Zum Glaser, zum Schlosser, zum Powidlmacher, zum Kappenmacher, zum Knopfdrechsler, zum Hemdennäher, zum . . . und noch und noch, bis ich wieder zu meinem Lebensmittel« händler Joine Fisolewitsch zurückgekehrt war. Der fragte: „Na?" Ich antwortete: „Na, nal" Worauf er wieder fragte: „Haben Sie was erreicht?" Ich sagte: „Leider nichts erreichtl" Da sagte er: „Wenn Sie bei der Welt nichts er« reicht haben, warum wollen Sie bei mir etwas erreichen? Habe die Ehre mit den Pluderhosen, guten Tag1." Da sah ich ein, daß die Welt sehr egoistisch ist, niemand als Erster die Preise herabsetzen will, und wurde sehr misanthropisch gestimmt und bereute das ganze Geschäft. Sorgen, die loh habel

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