Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-05-15 · Heft 191 (15.5.1931) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 191 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711810--2500-2715798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seife DTE NEUE WELT Nr. 19t CesdhAUx S 20.— S 24.— S 28.— Wi.. Kniserstrafle 123' IX., lil«Ktwae 6 dumpfen und unklaren Mißtrauens zurückbleibt, unter dem die Beiträge zu clen Fonds leiden müssen. Es ist unwahr und ein typisches Beispiel einer leichtfertigen Anschuldigung,1 "däfl'"dW zionistische Bürokratie ständig wächst'. Der Abbau--ist nicht neuen Datums. Mindestens seit 5 Jahren bereits ist die Anzahl der zionistischen Beamten in fast allen zionistischen Institutionen ständig und teilweise sehr beträchtlich reduziert worden. Sie, erwähnen den Fall des J-Iaolam'. Die Exe-i kutive hat in der letzten Sitzung des Aktionskomitees mitgeteilt, dafl sie den .Haolam' einzustellen beabsichtige. Ein Beschluß des A. C. ist nicht gefaßt worden. Das Defizit des .Haolam' beträgt nicht Pfund 4200, sondern Pfund 2700. Der Beschluß der Exekutive ist in weiten Kreisen der zionistischen Oeffentlichkeit heftig kritisiert und als ein Musterbeispiel für »Ersparnisse am falschen Platze* hingestellt worden. Es ist jetzt der Exekutive gelungen, mit einer leistungsfähigen Firma ein Abkommen zu treffen, nach dem diese Firma die Herausgabe des .Häolam' auf eigenes Risiko gegen einen jährlichen Beitrag der Zionistischen Organisation im Betrage von Pfund 1200 übernimmt. Die Exekutive hat geglaubt, dieses vorteilhafte Anerbieten nicht zurückweisen zu dürfen, und hat sich vertraglich verpflichtet, bis zum 31. Dezember. 1932 eine Subvention in der angegebenen Höhe zu zahlen. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie dieser Zuschrift in Ihrem Blatte Aufnahme gewähren würden. Hochachtungsvoll Exekutive der Zionistischen Organisation." Es tut mir leid, feststellen zu müssen, daß in diesem Schreiben der höchsten zionistischen Körperschaf t, und zwar in den w i c h t i g s t e n Punkten, unrichtige Ziffern und entstellende, den Tatsachen nicht entsprechende Behauptungen enthalten, sincL E)as Schreiben ist daher nicht geeignet, "beruhigend zu wirken und das Vertrauen wiederherzustellen. * - Es ist falsch, wenn die Exekutive behauptet, daß die Kritik an; der Höhe der Beamte ng e h a 11 e ,,unsachgemäß", „in allgemeinen Wendungen" gehalten und „unsubstanziiert" ist. Falsch ist die Behauptung, „daß den zionistischen Massen, die über die Welt verstreut leben, alle Vergleichsmaßstäbe fehlen, weil ihnen die Lebensbedingungen sowohl in England wie meist auch in Palästina, unbekannt i «* ' . ' \ ' sind. Wahr und a 11 g e m e>i n be k a n h t i s t, daß eine Arbeiterfamilie in Palästina mit 6 bis 8 Pfund ihre Existenz bestreiten muß und kann, wahr und allgemein bekannt ist, daß zionistische Funktionäre und Beamte das Zehnfache, Fünfzehnfache und noch mehr erhalten. Wahr ist, daß die Kritik dort am heftigsten ist, wo die gründlichste Kenntnis der palästinensischen Lebensbedingungen vorhanden, nämlich in Palästina selbst. Gerade in der palästinensischen Presse wird diese Frage fortwährend diskutiert. Bei meiner Anwesenheit in Palästina konnte ich mich davon überzeugen, wie erbittert der Jischuw wegen der hohen Bezüge zionistischer Funktionäre ist. Es ist ein starkes Stück, zu behaupten, daß die Kritik von Leuten ausgeht, welche die „Lebensbedingungen" nicht kennen. * '■ . . . .; . * . Mit der gleichen Post, welche mir den Brief der Exekutive übermittelte, erhielt ich die Ausgabe Nr. 6 vom 28. April 1931 -der-: offiziellen Nachrichten der palästinensischen Exekutive, welche unter dem Titel „Lebenskosten in Palästina" folgende Nachricht bringt:; „Wenn die Lebenskosten von Jänner 1922 als Grundlage des Index mit 100% angenommen werden, ergibt sich für die letzten Jahre nach den im »Commerciai Bulletin* angegebenen Ziffern folgende Entwicklung: 1926: 82,1, 192?:?7,4, 1928: 73,?, 1929: 69,4, Dezember 1930: 59,4, Jänner 1931: 57,6" Das heißt: In einer Zeit, da die Lebenshaltung in Palästina um sage und schreibe zweiundvierzig Prozent billiger wurde, ist an den hohen Gehältern nichts geändert worden. Ist das gewissenhafte Gebarung? Wenn jetzt unter dem Druck des Defizits, nicht der Erkenntnis, Streichungen von 5 bis 15% vorgenommen wurden, ist das in allen und den höchsten Gehaltslawn uh ausreichend zu bezeichnen? Hat die Exekutive ein Recht, von den.„erheblichen Opfern" der zionistischen Funktionäre zu sprechen? Sind solche Redewendungen nicht deplaciert? Tst das „Verallgemeinernde, mit dunklen und u n wahf e!n An d eu t u n ge n arbeitende Kritik, gegen die5 sich Dr. Weizmann mit Recht gewendet fei**? Auf dem Baseler Kongreß 1927 habe ich miter;":Äftf;tttrliii^ ',dei gleichen Argumente die Einsetzungj-einer Kontrollkommission gefördert. Da hat Präsides! Weiznjaftü eine scharfe Rede über „die unb&reehtigten1 Angriffe auf die wackere, schwer . arbeitende zionistische Beamtenschaft" geliä,Iien» #fet^f; liät' er jn Ifaläsfina das gleiche getan. Das fi$be Ich ihm in meinen! Briefe zum Vorwurf gemacht, u n d' d a b e i b 1 ei b e ich. Diese Antwort der Exekutive hat mich nicht überzeugt. Sie bestärkt mich in meiner Auffassung der Lage. ,\. •^,'<" * ' Und, noch Ziffern! Ueber die von der „freuen Welt" beanständete Geschäftsführung bei der offiziellen Wochenschrift „Haolam" schreibt die Exekutive.' „Das Defizit des ,H a o 1 a m' beträgt nicht Pfund 420 0/ s ondern Pfund 270 0", also ist die „Neue Welt"'bei einer tendenziösen Uehertyeibung ertappt? Wir werden sehen! Auf der Sitzung des Aktionskomitees im Herbst 1925 wurde das Defizit des „Haolam", mit» 4000 Pfurid' bekanntgegeben. Ueber meinen Antrag wurde die Einstellung der Zeitschrift beschlossen. Ueber Protest Professor Weizmanns wurde der Beschluß annulliert. Die für ein Wochenblatt einfach wahnsinnige Defizitwirtschaft (80 Pfund 2800 österr. S per Nummer!) wurde weiter geführt. Im „Berichte derExekutive ä n d e n XV. Z i on i s t e n k o n g r e ß, B a s e 1, 3 0. A u g u s t 19 2 7" heißt es auf Seite 149, Kapitel „Haolam", wörtlich: „Ueberschuß der Ausgaben über die Einnahmen für die n e il n Monate abschließend per 31. Dezember 1926 Pfund englisch 3 5 3 3.16.1 1." Das sind auf das volle Jahr umgerechnet 4444 engl. Pfun d. Also noch mehr, als die „Neue Welt" angegeben hat! Was heißt das? Wen straft die Exekutive Lügen? „Die Neue Welt" oder sich selbst? Wer hat der Exekutive das Zahlenmaterial für ihren Brief geliefert? Ich habe in meinem Brief an den Präsidenten ehrlicher Besorgnis um die Zukunft der zionistischen Finanzwirtschaft rückhaltlos Ausdruck gegeben. Ich habe an das zionistische Gewissen appelliert und Heilighaltung des .Geldes gefordert, welches vom armen jüdischen Volk für das arme Palästina gegeben wird. Da\s^ Schreiben' der Exekutive ist alles eher als eine rückhaltlöse "lind befriedigende Antwort auf meinen Brief.- :' Robert Stricker. Neue Rackets und Bälle in großer Auswahl besonders preiswert Alte wsrden bei zuzahiung g3 en neue umgetauscht . . Weol«. ges "leite „GUNLOP"-Bälle S 3.— und 6.— pro Karton (6 Stück) Wien, VII., Kirchefigasse 28 Reparaturen rasen u. gewissenhaft Spanien und die Juden* frage Gleichberechtigung aller Bürger Der Standpunkt der neuen spanischen Regierung bezüglich der staatsbürgerlichen Stellung der Juden und der Möglichkeit einet jüdischen Einwanderung nach Spanien kam in einem Interview zum Ausdruck, das die Minister für Justiz, Finanzen und Inneres einem Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gewährten. Die Mitglieder der neuen spanischen Regierung erklärten, es würde binnen kurzem eine Verordnung erscheinen, durch die die nunmehr verkündete Gleichberechtigung aller spanischen Bürger festgelegt werden soll. Die Minister ersuchten den J. T. A.-Vertreter, die einmütige Entschlossenheit der spanischen Regierung, den Juden die gleichen Rechte wie allen anderen Bürgern ohne jeden Unterschied zxitiiuerkerm&n, so bald aJs möglich der Oeffenitlidikeit zur Kenntnis zu bringen. Einer jüdischen Einwanderung nach Spanien, erklärte der Innenminister, werde innerhalb der Grenzen der wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes kein Hindernis in den Weg gelegt werden. Schließlich betonten die Minister, es könnten keine Zweifel darüber bestehen, daß die gegenwärtige Regierung keine Gegnerin der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina ist. PENSION WEISS ^TbXzi» Strang orthodox! Neueröffnet! Vornehmes Haus, am Südstrand gelegen. Nahe dem Hafen und Seebade. Zimmer mit Balkon und Meeresaussicht. Schöner Speisesaal mit Terrasse. Schattiger Öarten. Terrasse für Liegekuren. Badezimmer. Erstklassige Küche / Gottesdienst ^sq im Hause Pensionspreis 28 bis 38 Lire pro Tag. Je nach Lage der Zimmer. Kinder unter 8 Jahren zahlen dieHältie. Erholungsbedürftige Kinder über 10 Jahre werden ohne Begleitung aufgenommen. / Referenzen bezüglich flVHSte stehen von vornehmen orth. Rabbinern zur Verfügung. Auf eine eingehende Erörterung dieser Frage wollten sie sich jedoch mit Rücksicht darauf nicht einlassen, daß der Außenminister, in dessen Ressort diese Frage füllt, an der Besprechung nicht teilnahm. Der Unterstaatssekretär für Arbeitswesen, mit dem der Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen- Agentur sodann eine Unterredung hatte, erklärte, er würde eine Einwanderung von Juden nach Spanien lebhaft begrüßen. * * Das Vertreibungsedikt- Wie jetzt bekannt wird, gehören drei Führer der neuen spanischen Regierung Marannenfamilien an. Sowohl der Ministerpräsident Alcala Zamora als auch Innenminister Miguel M a u r a und Justizminister F. de los Rios haben eine blutmäßige Verbindung mit der Judenheit. Es herrscht die Ansicht vor, daß eine ausdrückliche Ann>ul)Iiierung des bisher de jure in Kraft gewesenen Vertreibungsedikts von 1492 unnötig sei, da es schon seit der zweiten Hälfte, des 19. Jahrhunderts von keiner Behörde je erwähnt worden ist und ohnedies der Großteil aller bourbonischen Gesetze mit dem Tage des Umsturzes seine Gültigkeit verloren hat. Von maßgebender Seite ist aber geäußert worden, daß die Regierung auf Wunsch der außlämclisdien Juden, gleichsam aiLs Demonstration für die neue Epoche, gerne eine feierlidie Annullierung das Gesetzes vornehmen würde. Anerkennung der Jüdischen Gemeinde Der Präsident der Jüdischen Gemeinde von Madrid, Ignacio Bauer, erklärte, es sei die aufrichtige Absicht der neuen Regierung, den Juden die Einwanderung nach Spanien zu ermöglichen, allerdings nur einzelnen Juden mit Kapital und Initiative und hochqualifizierten Arbeitern. Ferner teilte Bauer mit, daß die neue Regierung die Jüdische Gemeinde offiziell anerkannt und Schritte unternommen habe, um die Natau-aArsiieruing der spanischsprechenden Juden zu erleichtern. Die „Neue Welt" hat wiederholt berichtet, daß in Mexiko — einem Lande, daß bis vor kurzein den Antisemitismus nicht kannte — Kräfte am Werke sind, eine judenfeindlicbe Bewegung auszulösen. Wie in vielen anderen Staaten, sind es auch in Mexiko die eingewanderten. Deutschen, welche die eingeborene Bevölkerung mit den Segnungen des Judenhasses bekannt machen. Naben ererbter Abneigung ist KomkiiirreniZinoid die Triebfeder bei deutschen .Kauflauiten Uind Intelligenzlern, weiche ihre Monopofktölkinig, inisibeisoandei-e aLs Händler, Aerzte und Ingenieure, durch die Juden bedroht sehen. Die Saat ist aufgegangen — Mexiko hat eine Judenhetze 1 * Gewaltsame Entfernung jüdischer Händler vom Markt in Mexiko City. Am 1. Mai wurden auf dem Markt von Mexiko City alle jüdischen. Markthändler durch die Polizei aus ihren Buden und Marktständen entfernt. Zahlreiche Juden wurden geschlagen, einige verhaftet, weil sie sich weigerten, ihre Buden sofort zu verlassen. Mexikanische Markthändler übernahmen die verlassenen Buden und Stände und veranstalteten aus diesem Anlasse eine „Siegesfeier" mit Fahnen und Musik. Die Vertreibung der' jüdischen Markthändler erfolgte t.uf Grund einer vor kurzem von der Regierung erlassenen Verordnung, derzufolge es Ausländern, denen als Arbeiter die Einreise bewilligt worden war, nicht erlaubt ist, eine kaufmännische Tätigkeit in Mexiko auszuüben und auch jene Einwanderer, die als Kaufleute ins Land gekommen sind, ihre Handelslizenz bis zum 28. April erneuern lassen mußten. Den jüdischen Markthändlern wurde jedoch die Erneuerung der Lizenz nicht bewilligt. * Der Präsident von Mexiko beteiligt sieh au einer antisemitischen Kundgebung. New York, 10. Mai. (J. T. A.) Nach der V e rtreibung der jüdischen Händler von den Marktplätzen in Mexiko City, haben die mexikanischen Marktuändler eine Versammlung abgehalten, an der etwa 5000 Personen teilnahmen. Es wurden heftige antisemitische Reden gehalten, in denen die Deportierung der Juden aus Mexiko gefordert wurde. Der Präsident der mexikanischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.