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Die neue Welt · 1931-05-15 · Heft 191 (15.5.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 191 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Pl IM Titl. Universitätsbibliothek Wien, 1. Freitag, den f S* Mmi 1*31 Nr. Ifl V. b. b. REV U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Tschtchoslowakcl moi Lei 40.-, vierteljährig Lewa ISO.—; Italien mc____ ja&fig Schweizer Francs 480; Pole« monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.—; —, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich - Bulgarien monatlich Lewa 40.—» vierteljährig ider monatlich Schweixer Francs 1.50, vftrteP HERÄUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. VerwaHm$t Wien IX, Universiiätsetr. 6-S,7el.B^S04 — Erscheint jeden Freitag I §0 Strapoz-Bode-Anzus Badeschuhe, Bademützen, Badehosen ^oER BILLIGST^ K L-WIPPLINGERSTR-20 Hungerndes Ghetto und Großbank In Polen herrscht unter den Juden unbeschreibliche Not. Sie können nicht einmal die primitivsten Nahrungsraitel, die die Bauern in das jüdische Städtchen bringen, erstehen. Handel und Gewerbe, die beiden Hauptelemente der jüdischen Wirtschaft Polens, liegen darnieder, zumal die Monopolisierungstendenzen der polnischen Regierungen im Verein mit dem kräftigen Vorstoß einer rein polnischen Mittelschicht das jüdische Element von Tag zu Tag mehr einschnüren. So liegt die Situation schon seit langem. Unter dem Eindruck der katastrophalen Verelendungserscheinungen hat sich sogar die nichtjüdische polnische Oeffentlichkeit gezwungen gesehen, die Dinge nicht länger zu verschweigen. In der polnischen Presse erscheinen Artikel, in denen offen zugegeben wird, daß „das Ghetto hungert". Bankrott, Selbstmord",; Verzweiflungsakte verschiedener Art, Hungertyphus; .-sind eih&'..tägliche Erscheinung im jüdiscKen Städtchen geworden..., In Wien ist eine feste Burg des Finanzkapitals ins Wanken geraten. Die Creditanstält, die mit dem Namen des Wiener Hauses Rothschild eng verknüpft ist, mußte die Hilfe des österreichischen Staates zu ihrer Rettung in Anspruch nehmen. Nichts selbsverständlicher, als daß der jüdische Mittelstand, dessen Existenz von der Mechanik des Kapitals in Bank und Börse diktiert ist, wieder einmal in die Zahnräder der Katastrophe geraten ist, derselbe Mittelstand, der ohnehin bisher von einem Tag auf den anderen zu leben gezwungen war. Eine Großbank ist erschüttert. Wir wissen nicht, wie dichtbesät das Leichenfeld jüdischer Geschäfts- und " Gewerbeexistenzen sein wird.- Aber eines ist sicher: Das „Börsenelend", wie Herzl es in einem seiner Aufsätze nannte, zieht durch die jüdische Gasse Wiens. * .;• . Das Wort von der Weltwirtschaftskrise ist ein bitteres für die Völker, aber für die Juden ein katastrophales. Darin liegt' der ganze. Unterschied in der normalen Wjrtschaftssch'ichtung'eines ganzen Volkes, von der. abnormalen Situation, die charakterisiert ist darin, daß die Juden in der Gallith nur Zwischenschicht zu sein verurteilt sind. Jede Wirtschaftskrise wird immer; zunächst diese Schicht erfassen, und wehe dem .Vojik, .das nur aus dieser Schicht besteht! Politisch machtlos, wirtschaftlich in der Luft schwebend, ist ein solches Volk jeweils einem Verarmungsprozeß ausgesetzt, dem es durch produktive Berufe nicht begegnen kann. Denn seine politische Machtlosigkeit kann ihm diese Berufe nicht erobern. Denn für. den Staat ist "es ein fremdes Element, denn der Boden ist nicht sein Boden. Der Herzische Zionismus wußte das^ Er hat, das Wort von der Not der Juden^ in 'der Galuth! geprägt, Judennot! Diese unumstößliche Wahrheit dokumentieren', wieder Hungertyphus in Poleru - Börserielend in; Wien. Jahrelang; wurde die z.i o nis tische Erk en n t u \ s v 6 n', d e r J u de^n n,o t ( verleugnet,' verdunkelt, verschöben und imitier«wieder bleiben die offiziellen zionistischen Öhren' täub für dieses Wort. Und .wenn .heute Tin Polen, wie die dortige] Presse berichtet, das Institut zur Erforschung des Nationalitätenproblems mit jüdischen : Führern konferiert, Enqueten veranstaltet. und sogar verspricht, „konkrete Dinge in endgültiger Form zu 'erledigen", so wissen wir, daß selbst bei vollem Ernst (der gerechterweise k$e* bezweifelt, werden darf) die eventuell Vorgesehlagejiein Medizinen nur als vorübergehende KWen angesehen . werden können. . ' , Wirtschaftlicher Zusammenschluß der jüdir sehen Massen der ganzen Welt ist notwendig, politische Festigung in den eigenen Reihen ein Gebot der schweren Stunde, beides-als Vorstufe zur radikalen Lösung der Judennotll * ... <.. HunderttauseftrJe Juden, viele Tausende in Polen, warten artif das SignaLdes Abmarsches nach Erez Israel. . Die Judennot njickt - ihnen aus den Augen, die Judennot, die'der,'2ionismus lösen muß, :wenn er einen Sinn haben'soll* Denn Hunderttausende warten. Watfum müssen sie warten? Weil seit zehn Jahren. die zionistische Politik auf „geistiges Zentrum" eingestellt ist. Weil sie Herzl vergessen hat' und seine vnumstößliohe Lehre: daß man der Welt die Judennot zeigen muß, den Hungertyphus in Polen, das Börsenelend in Wien zum Beispiel. Weil sie,, die zionistische-Politik, der Welt nicht die e i n z i g e Lösung der Judenfrage,, die Masseneinwanderungnach Palästina, proklamiert. ' '■ 1 ,; r . Die Leiter des Monistischen Schicksals verlieren sich in „neuen Zielsetzungen" und, proklamieren sozialethische Ideale — uttd\ das Ghetto hungert. " i 'M ■ V' L>ie jüdische Wirtsc&äfUnot in Polen. - , pDie . wirtschaffhche- |tfätlag^!^ völkerung in Polenbeginnt.^ die Aufmerksamkeit üer/p r> 1 n i s c h e,nf' Oeffentlichkeit in erhöhtem Maße zu beschäftigen. In. der polnischen Presse erscheinen Artikel, in . denen, offen zugegeben wird, daß das „Ghetto h ungert'.V: Nach längeren Verhandlungen hat das Institut zur Erforschung des Nationalitätenproblems in Polen, das zwar eine private Institution darstellt, aber von der Regierung stark, gefördert .wird, eine Konferenz von Vertretern der jüdischen und polnischen Wirtschaftskreise einberufen. Die Beratung war vertraulich. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentür. erfährt,, haben an dieser Konferenz u. a. Oberrabbiner Prof. Schorr, der ehemalige Senator R-apihael Szereßzewsky, der" eheni,a'M,ge Abgeordnete . Dr. 'S i l'b ex- STRANDBAD BAD€N schein, Abg. Wislicki, der frühere Kommissar für die östlichen Distrikte M. Osmolowski, der ehemalige Unterstaatssekretär M. Waslewsky, der frühere Finanzminister und Vorkämpfer des „Etatisnius" M. Starzinsky, der erst vor wenigen Wochen zurückgetreten ist, und der Präsident der Regierungspartei M. Holowka teilgenommen. Der ehemalige Abg. Silberschein und der ehemalige Senator Szereszewskystellten an die Einberufer die Frage, welches das Ziel der Beratungen sein solle, und forderten, daß sich die Konferenz mit konkreten Vorschlägen zur Lösung des Problems befasse, ohne sich in theoretische Erörterungen einzulassen. Sie erklärten, die Konferenz dürfe nicht bloß Pröpag an d a z w e c k e n dienen, und wollten wisse«, ob die Beratungen rein ^privaten Charakter tragen oder ob die Entscheidungen der Konferenz in irgend einer Form für die Regierungs k reise bindend sein würden. Der Präsident der Regierungspartei. M. Holowka und: 'äi]rdere Redner erwiderten, die Einberüfer der' Konferenz hätten die Absicht, k o n k r e t epinge in e;n dg ultige r, F o r m zu erledigeü; Sie schlugen die Wahl eines Exekutivkomitees vor.- Auf Antrag der jüdischen Konferenzteilnehmer wurde beschlossen, die Sitzung auf die letzten Maitage zu vertagen, um den' Beratungsteilnehmern Gelegenheit zu gebeni sich in der Zwischenzeit mit den in Frage stehenden Problemen eingehend zu befassen. Es verlautet, daß die jüdische Vertretung - auf der nächsten Sitzung der Konferenz wesentlich anders zusammengesetzt sein wird als diesmal. Die Mitglieder des Jüdischen.Parlamentsklubs sind darüber empört, daß sie nicht eingeladen wurden, Vertreter zur Konferenz zu entsenden, und hegen den Verdacht, daß der Hauptzweck 4 der Beratungen die Bildung eines Empfangskpmitees für die vom New Yorker jüdischpolnischen yer^ändigungekoinit ee au - entsendenden Delegation'sein soll. SP Eine Antwort? Wirtschaft mit jüdischem Völksgelde Als Antwort auf meinen an den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisatiön Prof. Gh. W e i zmann gerichteten „Offenen Brief", in welchem ich für strengste Kontrolle dpr Gebarung mit zionistischem Völksgelde und gegen das Verhalten des Präsidenten in der Frage der Kontrolle eintrete, erhielt ich von der Londoner Exekutive der zionistischen Organisation folgendes Schreiben: „London, 30. April 1931. An die Redaktion der - .Neuen Welt', Wien. —• Sehr geehrter Herr RedakteurI In einem Offenen Brief au den Präsidenten der . Zionistischen Organisation, Herrn Professor Ch. Weizr mann, veröffentlicht in der »Neuen Weltvom 24. April'' 1931, verlangen Sie .eine objektive Prüfung, der Ver-^ hältnissein der ■, ständig;- wachsenden ziohjtsti^hen _ Bürokratie* . und die".-, .Beseitigung . folgenschwerer ÜebelständeV Sie verwahren sich« dagegen, daß'Kriti|Cs au, der Beamtenschaft als^ »Beschimpfung4 angesehen .. wird}'.■ .Kontr.oUosigkeitV. meinen, Sie, zerstört; dasv Vertrauen.; .; . ,'.'.,■ -.• ... .• .... , ,;,;, .-. : $ V Dies Exekutive«hat .< sjch in'iejnals dßr. Formung» eineiY; sachgemäßen■'; Kontrolle widersetzt, Dieiin^h-.. '! dou; n'ad ^Ralisltina:. von. der'.EJx^üÜve; g^ahiteii;Ge- , nätteri sind äiif i.Orand von Vorsphjägen, die;, von; unäb- „hängjgen Untersuc^ungskommissionen ausgearbeitet \ waren, vom15.' Kongreß festgesetzt worden^ Öie Londoner Gehälterkommission bestand aus den Herren Arthur Blök, Leon Simon und Israel Sieff; die palü- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet* — Eine mißglückte Rechtfertigung; stinensische Gehälterkommission aas deu Herren j Harry Sacher und Suprasky. x Neuerdings haben die Palästina-Exekutive und! die Londoner Exekutive bereitwillig mit Ersparnis- ' kommissionen, die vom A. C. eingesetzt waren, züßammengearbeitet, und sowohl die Gehälter wie den j administrativen Aufbau des Apparates nach allen Richtungen hin revidieren lassen. Die Gehälter sind i im Hinblick auf die akute Notlage reduziert worden, und zwar in London die Gehälter der Exekutive um 15%, die der Sekretäre und Hilfssekretäre um 10% . und die des übrigen Personals um 7 bis 5%, während sieh die Palästina-Exekutive zu noch weitergehenden Kürzungen en/tschlossen hat; Diese Kürzungen legen . höherenirn^ittleren und unteren Beamten erhebliche ^C^fervauf. , ' Diei Exekutive war und 'ist * jederzeit bereit, sich solchen sachgemäßen; Kontrollen zui unterstellen, > Un- . sachgemäß is< , jedbch\eine in allgemeinen Wendungen t und' Aodeutungen gehaltene und ^unsubstanziierte Be- ^a^ittn^dejtj Beamten- ,undv Gehälterfragen. Es; ist diese ive^lljemeinernde^ mit dunkleri und unwahren A^eut9nj^n.\.^eitei^.e' Kritik, gegen die sich*. Dr. , Wei^n^pn '»^ hat, iWer die Gehälter [' kritisiejj^aii^'will^. xiiu0-.4loii vor Augen halten, daß den ' zionistisches' Maasen,. " die über die Welt verstreut leben, alle Vergleicbnismaßstäbe - fehlen, weil ihnen die Lebensbedingungen sowohl in England, wie meist auch in Palästina, unbekannt sind. Bei Behandlung dieser Frage ist daher besondere Vorsicht geboten, wenn mehr und anderes erreicht werden soll, als daß in der zionistischen Oeffentlichkeit das Gefühl eines

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