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Die neue Welt · 1931-05-08 · Heft 190 (8.5.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 190 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 190 DIE NEUE WELT Juden auf Opposition stoßen, wird die Regierung wohl ihre Absicht, der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes auf ihrer Tagung im Juni d. J. einen von beiden Parteien gebilligten Landentwicklungsplan vorzu* legen, aufgeben müssen. Die englische Regierung geht zur Tagesordnung über. Sie macht sich, die Landentwicklungskommission. „Jewish Chronicle" behauptet, aus zuverlässiger Quelle erfahren zu haben, daß diese Kommission aus fünf Mit* gliedern unter dem Vorsitz von Lord Strickland be« stehen wird. Die Araber seien mit den Vorschlägen der englischen Regierung bezüglich des Landentwicklungsplans einverstanden und behaupten, daß auch die Juden keinen Einspruch gegen diese Vorschläge erheben. Die Landentwicklungskommission ist demnach be» reits im Werden. Als Teil der Palästina*Regie* rung Chancellors, mit der wir so glänzende Er* fahrungen gemacht haben. Es ist das glorreiche Ende des mit so großen Hoffnungen verknüpften s. Teils der Ver* Handlungen, die diese Exekutive der Jewish Agency nie zu führen das Recht hatte. Das glorreiche Ende. Es versucht auch in diesem Augenblick noch das Offizielle Jewish Agency-London den niederschmettern* den Eindruck dieser Tatsache reichlich ungeschickt zu entfärben, indem es der Welt mitteilen läßt: , „Zum richtigen Verständnis unserer Nachricht über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen zwischen englischer Regierung und Jewish Agency ist '. mitzuteilen, daß es sich keineswegs etwa um eine offizielle Unterbrechung, geschweige denn um einen endgültigen Abbruch, der 1 Verhandlungen handelt. Die Beratungen sind lediglich infolge tiefgehender Meinungsverschiedenheiten zwischen dem interministeriellen Komitee und den Vertretern der Jewish Agency auf einem toten Punkt angelangt, und es wurde vorläufig kein .Termin zur Fortsetzung der Bespre* chungen anberaumt." In Palästina sagte Weizmanni „Die Bodenfrage wird zu unseren Gunsten gelöst werden." Er hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen, wie in den zehn Jahren der politischen Prognose: „Die Lage ist befriedigend." Sffif 1] 1 Bonbons!I! Mi+ f A A i/j i & Hon Ko weich die Wäfche ein! f^epheV* föau*- und'UJiUcAeAoda Hergestellt in. den Persil-Werken Die neue rumänische Regierung und die Juden* Gründung einer jüdisch-politischen Keichspnrtei. In Bukarest fand soeben eine Sitzung der Mitglieder des Jüdischen Parlamentsklubs und der Exekutive der jüdisch-nationalen Partei des alten Königreiches unter dem Vorsitz des Senators Dr. Mayer Ebner statt, in der über die Frage der jGründung einer jüdisch-poli- Sud*^- Nur diese SchwedenkÜDge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke tischen Reichspartei sowie die Stellungnahme zu den allgemeinen Parlamentswahlen beraten wurde. Einmütig kam die Ansich^zü&i;Ausdruck, daß die in allen vier Provinzen des Reiches bereits bestehende jüdisch-politische Organisation sich zu einer Reichspartei zusammenschließen-solle. Es wurde ein provisorisches Komitee eingesetzt, das sich durch Vertreter aus allen vier Landesteilen zu ergänzen hat. Die erste Sitzung dieses erweiterten Komitees hat Sonntag, den 3. Mai, in Bukarest stattgefunden. Stellung zu Jorga. Der Jüdische Parlamentsklub hat sich in einigen Sitzungen mit der Bildung der neuen Regierung unter Professor Jorga befaßt und Beratungen über im Hinblick auf die neue Lage zu ergreifende Maßnahmen gepflogen. Den Sitzungen wohnten außer den< jüdischen Pariameutariern Dr. Mayer Ebner, Theodor Fischer, Josef Fischer und Dr. Michael Landau auch Mitglieder der nationaljüdischen Partei aus Bukarest bei. Es verlautet, daß die Bestrebungen dahin gehen, einen einheitlichen jüdischen Block zu bilden, der sich an den kommenden Wahlen mit eigenen Listen beteiligen soll; es soll diesmal ein Wahlblock mit einer der rumänischen Parteien nicht gebildet werden. Rücksprache mit dem Ministerpräsft deuten. Der neue Ministerpräsident Prof. Jorga empfing die Vertreter des Jüdischen Parlamentsklubs, Senator Dr. Mayer Ebner und Abg. Theodor Fischer, die ihm die Glückwünsche der jüdischen Bevölkerung über« brachten. Im Verlauf der Audienz wurde der jüdische Standpunkt zu den aktuellen Fragen der rumänischen Politik erörtert. Durchgesprochen wurden die nationalen Probleme, die Fragen des Kultus und die Or« ganisation der Schulen. Prof. Jorga dankte den Jüdischen Parlamentariern für die Uebermittlung der Glückwünsche und gab die Versicherung ab, daß die Regierung, wenn sie auch gegenwärtig in erster Reihe mit den dringenden wirtschaftlichen Fragen beschäftigt ist, dennoch dem Minderheitenproblem die größte Aufmerksamkeit schenken wird. Die neue Regierung wird das Prinzip, daß die Minderheiten gleichen Anspruch auf staatliche Zuschüsse für ihre Institutionen wie die Rumänen haben, respektieren. Die jüdischen Parlamentarier gaben ihrer Genugtuung über die Ernennung des deutschen Politikers Brandsch zum Unterstatssekretär für die Angelegenheiten der Minderheiten Ausdruck, wünschten jedoch, daß bei diesem Sekretariat eine Abteilung fürjüdischeFr a g e n, die von einem Juden geleitet werden soll, eingerichtet werde. Formen dieser Verhandlungen sind wir in den Grundzügen wie in einzelnen Wendungen durch eine Schrift unter» richtet, deren Bedeutung als Quelle in dieser Hinsicht man bis heute nicht erkannt hat. Es ist das Buch Hiob. In ihm findet sich in den Kapiteln 3—31 eine ganze Reihe von einzelnen Reden, gehalten von vier Sprechern, die zwei Parteien bilden. Hiob stellt einen Satz auf oder viel* mehr er erhebt eine Klage: „Warum schenkt Gott den Geplagten Licht Und den Tiefbetrübten Leben? . . . Die sich freuen würden bis zum Jubel, Jauchzen würden, wenn sie das Grab fänden?" (3, 20. 22.) Ein Freund antwortet ihm verweisend und wider* legend, Hiob spricht wieder, ohne sich belehrt zu zeigen, ein zweiter und dann ein dritter Freund nehmen im Wechsel mit ihm das Wort, dieser Gesprächsgang wieder« holt sich ein zweitesmal mit sämtlichen Rednern, wobei deutlich Hiob die eine Partei, die drei Freunde die Gegenpartei darstellen, und er wiederholt sich selbst ein drittesmal, nur daß hier der dritte Freund nichts mehr sagt; dann endlich holt Hiob zu einer letzten Rede aus, die (besonders in Kapitel 31) an Größe und Leidenschaft alles Frühere überbietet, Es sei ausdrücklich und mit Nachdruck festgestellt, daß mit dem Wenigen, das wir über dieses Hiob*Stück jetzt sagen können, gerade das Wichtigste, die Inhalt* liehe und theologische Bedeutung dieser Kapitel, nicht berührt werden kann. Es ist jetzt nur die formale Seite, auf die unser Absehen geht. Wenn man sich nämlich bei den Erklärern des Hiob umsieht, wie diese Folge von Reden aufzufassen sei, trifft man verwundert auf ein ver« legenes Schweigen, etwas gerade bei Theologen Unerwar* tetes. Man spricht etwa von einem Dialog, den diese Ka* pitei enthalten sollen, und es fehlt auch nicht das Buch, welches von diesem angeblichen biblischen Dialog zu denen Piatos die Brücke schlagen will. Aber schon Renan bat eingewendet, daß bei Hiob nicht wie bei Plato ein dedankenfortachritt zu beobachten sei. Ganz wie in Replik und Duplik zwischen Staatsanwalt und Verteidi« gung wird hier von Hiob auf der einen und den Dreien iil dt* anderen Seite im Grunde immer wieder dasselbe gesagt. Gunkel, sonst berühmt und verdient durch seine Feststellungen über die Gattung der alttestamentlichen Literaturstücke, spricht, fast kleinlaut, von „Streitreden der Weisen". Peters, einer der neuesten und besten Aus* leger des Hiob, sagt, es sei „ein didaktischer Dialog paränetischen Zweckes". Auch das tönt mehr nach Worten als nach Begriffen. Allein ein Zweifel kann nicht pbwalten. Diese Reden sind Reden, wie sie vor der Rechts* gemeinde von den Parteien geführt werden, Parteivorträge würden wir sagen. Dafür ist schon der Aufbau bezeich* nend. Vor der Rechtsgemeinde geht Rede und Gegenrede so lange hin und her, bis die eine Partei nichts mehr zu sagen weiß. Aus diesem Grunde nimmt zuletzt der dritte Freund nicht mehr das Wort. Sobald man dies erkannt hat, erklärt sich vieles. So der Mangel eines eigentlichen Gedankenfortschrittes. Es soll ja nicht in Rede und Gegenrede, wie in einem plato* nischen Dialog, ein Stück Wahrheit gefunden, sondern es soll mit die Zuhörer überzeugender, man darf wohl auch sagen überredender Kraft ein von vorn* herein festgelegter Standpunkt vertreten werden. So ver* steht man auch die Form der letzten Aeußerung Hiobs. Mit einer formalen und inhaltlichen Wucht, der man nur Weniges etwa in „King Lear" oder „Faust" zur Seite stellen kann, vertritt Hiob den Satz, daß er unschuldig leidet. „Wenn ich gegen einen Vaterlosen meine Faust geschwungen, Weil ich im Tor mir Helfer sah, So soll mein Arm aus seiner Röhre gebrochen werden! Wenn mein Schritt vom Weg abirrte Und an meinen Händen Makel klebt, Dann will ich säen, und ein andrer soll ernten, Und was mir wächst, soll ausgerissen werden1." Das ist die bedingte Selbstverfluchung' des Ange* schuldigten, der damit vor der Rechtsgemeinde seine Schuldlosigkeit erweisen will. „Oh, wäre doch einer, der mich anhören wolltet Hier raein Hauszeichen! Der Allmächtige antworte mir!" Das ist der wirkungsvolle Abschluß der Verteidi* gung, die zur Herausforderung wird. Und so geht es durch alle Kapitel hindurch, soweit nicht der Inhalt diese For* men der Rechtsgemeinde zurückdrängt. Sie sind eine Fundgrube für rechtliche Formeln und advokatorische Wendungen der Hebräer. Dem Gegner wird der Spiegel des Wesens vorge* halten, das man eigentlich von ihm erwarten dürfte: „Dem Verzagten gebührt das Erbarmen seines Nächsten, Auch wenn er von der Gottesfurcht abläßt. Aber meine Freunde erweisen sich treulos wie ein Bach." (6, 14.) Der Gegner wird aufgefordert, Tauglichere« ZU reden: \ „Belehrt mich, so will ich schweigen, Und tut mir kund, worin ich irrel Wie eindringlich sind Worte der Wahrheitl Aber was beweist denn eure Rüge?" (6, 24.) Der Gegner wird ernstlich getadelt, daß er so lange und so inhaltlos redet: „Wie lange willst du Solches reden Und fahren deines Mundes Worte wie ein Sturm daher?" (8, 2.) Er stößt auf moralische Entrüstung: „Soll dem Wortreichen keine Antwort werden? Soll der Maulheld recht behalten? Dein Geschwätz sollte Männer zum Schweigen bringen? Und du solltest spotten dürfen, ohne daß dich jemand beschämt?" (11, 2.) Er wird verhöhnt: „Ja, fürwahr, ihr seid die Menschheit, Und mit euch wird die Weisheit aussterben! Ich habe auch Verstand, wie ihr!" (12, 2 f.) Oder: „Wird wohl ein Weiser windiges Wissen als Antwort vortragen Und seinen Bauch mit Ostwind füllen? Mit Rede rechten, die nichts taugt? Mit Worten, durch die er nichts fördert?" (15, 23.) Der Gegner wird der Trivialität bezichtigt: „Dergleichen hab' ich viel gehört; Leidige Tröster seid ihr alle! Sind die windigen Reden nun zu Ende? Oder was reizt dich noch zur Erwiderung? Auch ich könnte wohl reden, wie ihr, Wenn ich an eurer Stelle wäre, Könnte Worte wider euch zusammendrechseln Und den Kopf über euch schütteln." C!6, 3-4?)

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