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Die neue Welt · 1931-05-01 · Heft 189 (1.5.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 189 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 189 DIE NEUE WELT Seit« f in ständigem Kontakt mit dem Direktorium des Fonds zu intensivieren. Die Konferenz schul ein detailliertet Statut des Brith Trumpeldor, das — mit Ausnahme der gewählten, einmal in zwei Jahren zusammentretenden, Weltkonferenz, die den Rosch-Betar, die höchste Instanz im B. T., wählt — anf hiew archisch-disziplinäre Grundlage aufge, baut ist. Die Leiter der Landesverbände („N e z i w i m") werden von der Weltleitung („S c h i 11 o n") e i n g e* setist, die Ortsgruppenleiter von den „Neziwim" usw, Das Statut sieht aber eine neue Instanz, den von der Weltkonferenz gewählten Generalkontrolleur, vor, an den alle Beschwerden und Klagen zu richten sind, um eine Unterdrückung der gesunden und unvermeidlichen Kritik, trotz der disziplinierten Organisationsstruktur zu verhindern. Zum Vertretej des Brith-Trumpeldor im Direktorium des Tel-Ch a j^Fonds wurde Herr Ch. B e 1 i Io ws ky, Berlin, gewählt. Zum Generalkontrolleur der Organisation Herr Dr. Jakob Hoff mann, Riga. Unter brausendem Beifall wurde Herr V. Jabotinsky zum Rosch-Betar gewählt, nachdem er, dem neuen Statut entsprechend, eine Deklaration über die zukünftige Arbeit abgegeben sowie eine Namenliste des neuen „Schilton" vorgeschlagen hatte. Zum neuen „Schilton" gehören: L. Dissentschik als Generalsekretär, M. Joelsohn (Riga). A. Propes (Warschau), B. Lubotzky (Wien), und H. Levy, R. Rosoff, A. Schneurson und N. Michlin aus Paris. Der Sitz des „Schilton" wurde nach Paris verlegt und ein zweijähriges Budget von 9150 Dollar bestätigt, das hauptsächlich durch zentral herausgegebene JahresMgitimationen für alle Mitglieder, gedeckt werden soll. Nach einem Schlußwort des Rosch Betar V. Jabotinsky, in dem er auf die Produktivität und Sachlichkeit der Konferenz hinwies, wurde die Konferenz am Mittwoch, den 15. April, abends, mit der „Hatikwah" geschlossen. Man will den Kongreß „zahm" machen* Von Dr. H. Rosenblum (London, „Der neue Weg"). Trotz der schweren, fast könnte man sagen tragi» Sehen Lage, in der der Zionismus sich jetzt befindet, feiert •ine gewisse Presse einen Triumph: es werden freude* strahlende Kommuniques veröffentlicht, die Provinz (sie reicht oftmals bis London...) dankt der Führerschaft für den erkämpften Erfolg und die Führerschaft nimmt diese Volksbegeisterung mit einem eleganten „Knix" auf und kündigt „weitere Erfolge" an: „Dr. Weizmann teilt mit, daß das Bodengesetz, das binnen kurzem zur Veröffent* lichung gelangt, sehr befriedigend sein wird..." Eine waschechte Operette. Und es fehlt auch nicht der Maharadscha mit dem festlich geputzten, tanzenden „Volk". Unsere Operette aber unterscheidet sich von den andern dadurch, daß sie, abgesehen von den farbigen Dekorationen und dem schönen Ballett, auch einen Inn halt hat, un^ leider einen sehr prosaischen: der Triumph« taumei ist ein gut inszeniertes Manöver der Exekutive, die bestrebt ist, ihr gesunkenes Prestige aufzurichten und den Boden für ihre Wiederwahl vorzubereiten. Der Maha» radscha ist bei uns gleichzeitig der Regisseur. Mit der größten Nervosität wird überall der söge» nannte „zweite Teil der Verhandlungen" erwartet. Die Exekutive wurde von der englischen Regierung an das Kolonialamt verwiesen (dem man höflich ein paar Berater zur Verfügung gestellt hat) und jeder fühlt, was das be* deutet: wenn das Gericht eine Sache an den Exekutor abtritt, ist's zu Einwendungen schon zu spät — besonders wenn das Exekutionsobjekt moralisch vollständig er» schöpft ist, Die Hauptfragen des engliisch»zionistischen Konflikts sind nach der Meinung der Regierung bereits grundsätzlich gelöst. Das ist auch scheint's das Gefühl Dr. Weizmanns: seiner Rede im Waad Leumi ist zu ent* nehmen, daß die Exekutive nicht mehr vor Plänen wie dem gesetzgebenden Rat oder dem Paßfieldschen Landent« wicklungsfonds zurückschreckt. „Früher oder später wird es ohnehin kommen müssen." Bezüglich der politischen Richtlinien, wie sie im großen und ganzen in der bisherigen Praxis des Kolonial* amts zum Ausdruck gekommen sind, besteht zwischen der Regierung und der Exekutive keine Meinungsverschief denheit. In gewissen Fragen ist für uns das Kolonialamt weniger schädlich als Greet RussekStreet: in der offiziellen „Jüdischen Rundschau" wird ausgeführt, daß eine große arabische Föderation mit Einschluß des gegenwärtigen Palästina für den Zionismus gar nicht so schlecht wäre... solche Vorschläge werden nicht einmal in Paßfields Weißbuch gemacht. Herr Leonard Stein, der gewesene politische Se* kretär der Exekutive, hat in einer Londoner Rede offen gestanden, daß die Exekutive die Fragen des Parlaments, des Entwicklungsfonds und des Schutzes im ganzen unbe« rührt ließ, Fragen, die die zionistische Bewegung bis ins Herz betreffen und vom Weißbuch streng anti» zionistisch angeschnitten worden sind. Was solch ein Schweigen von zionistischer Seite #*SÄSÄ1 cß, * 5S^0M<ö»g»®ssa. ^*Ä^5Se\tf ^«j&SP . ms*'*!**"'- «jöP*^ bedeutet, erübrigt sich zu erwähnen. Die bevorstehende Zusammenkunft mit dem Colonial Office wird das noch deutlicher zum Ausdruck bringen. Deswegen ist es klar, daß diese Zusammenkunft keine besondere Begeisterung für unsere Leitung auslösen wird. Das versteht auf jeden Fall unsere Leitung selbst. Sie hat deswegen MacDonalds Brief frühzeitig publiziert, weil er nicht die Resultate der Verhandlungen enthält, sondern bloß den Niederschlag der ausge* tauschten Höflichkeiten. Mit diesem Schritt glaubte die Exekutive drei Fliegen auf einen Schlag zu treffen: 1. Zu verdecken die kommenden Niederlagen der zionistischen Politik bei dem Kuhhandel mit den Beamten des Kolonialamts, der den letzten Rest der zionistischen Illusionen zu zerstreuen droht: wenn die Regierung bisher den Zionisten „sö wichtige Zugeständnisse" ge* macht hat, so wird es unsererseits keine Sünde sein, wenn wir auf „gewisse Konzessionen" eingehen; 2. bei der aufs neue'ermunterten jüdischen Oeffent* lichkeit moralische Unterstützung bei den kommenden Kongreßwahlen zu finden; 3., und das ist vielleicht das Wichtigste, durch die Resultate der Verhandlungen den Kongreß zu bin* den und ihn kraft dervollendetenTatsachen zur Wiederwahl der alten Leitung zu zwingen. Das Recht des Kongresses, das Verhandlungs* resultat zu bestätigen oder abzulehnen, ist ein rein nomi* nelles. Werden die Verhandlungen unter schweren Ver* zichtsbedingungen abgeschlossen sein, so wird der Kongreß schwerlich eine Resolution fassen können, da es doch zweifelhaft ist, ob die Regierung jeden Montag und Don* nerstag mit den Zionisten in Verhandlungen eintreten wird. Der Kongreß wird deshalb nolens volens sich auf den Boden der vollendeten Tatsachen stellen müssen. Bei den vorhandenen Tatsachen, da das Weißbuch für Jahre hinaus die Richtung der Politik bestimmt, bleibt für den Kongreß nichts übrig, als die alte Leitung zu wählen, denn außer dieser wird niemand in den Fußtapfen der politi* sehen Demoralisation schreiten wollen. In der Atmosphäre des verankerten Weißbuches wird es auch ganz und gar nicht nötig sein, die gefesselte Bewegung mit einer neuen Leitung zu schmücken. Das ist die Situation, zu der der Zionismus künstlich getrieben werden solll David Golders Rückkehr* , .Bemerkungen zu einem jüdischen Tonfilm* Es gibt Schicksalsstunden, deren Ankündigung ganz unmerklich heranbricht und das Herz zwingt, sichß in Bereitschaft zu setzen für Schmerz oder läuternde* Freude. Den Juden Dav^,Golder, der sein Leben hindurch vergessen hat, wo seine Heimat ist, ereilt diese Stunde auf der Höhe scheinbaren Glückes. Das, was sonst tragische Ironie bedeutet, löst sich bei David Golder in die Unendlichkeit jüdischen Seins auf. Ich merke dies an, um von diesem Punkt aus die Existenz eines Films zu bejahen. * * ,■• * fr Vor etwa einem J&W erschien in Paris ein Roman, den man sogleich als ein-ungewöhnliches Werk erkannte. Der Roman heißt- ,:;D avld G o l d e r" und der Autor trägt den Namen Irene Nemirpwsky. Es ist dies eine sehr elegante, soigniert aussehende Dame, eine Bd DARMSTÖRUNGEN FETTANSATZ BLÄHUNGEN besonders in den Wachs«!jähren, haben die klinisch erprobten, abführenden Kräutertabletten „ZET 26' sieb hervorragend bewährt. Aus reinen Pfianzendrogen ohne chemische Beimengung hergestellt, wirken sie langsam und' mild, sind wind- und harntreibend, regen die Drüsensekretion an. entgiften so den ganzen Organismus und schaffen Wohlbehagen. In allen Apotheken (90 2. S 3.70). Depots Apoth. Mantler. Wien, XXI. Jüdin aus Rußland, die mit „David Golder" ihren Erstling geschaffen hat. Irene Nemirowsky wurde über Nacht berühmt, ihr Roman zum Buch der Saison. David Golder ist der Typ des vom Mutterboden gerissenen Ostjuden, der in einer Welt des Gold- und Machtvausches alle guten Instinkte seiner Rasse verdrängt, um Glanz und Reichtum zu gewinnen, von diesem Gedanken besessen,.selbst den Morast schafft, in dem seine Familie (Frau und Tochter) ersticken, und immer wieder neue Nerven- und Moralopfer des Vaters verlangen, ■ * * * David Golder hat sich assimiliert. Sein goldstrotzendes Heim wird zum Schauplatz sinnlosen Genusses und oberflächlicher Gesellschaftskonvention, und die Liebe, die er der einzigen Tochter entgegenbringt, führt zu allen Opfern an Sittlichkeit, «Kultur und Glauben — bis jener Augenblick kommt, da Frau Golder, der Vampir des Jazz-Zeitalters, ihm die Illusion nimmt, daß Joice, die geliebte Tochter, sein Kind sei. Noch einmal, seelisch schon zerfressen, nimmt David Golder den Kampf um die Macht auf, er siegt, weil er um der Liebe zu Joyce willen siegen muß* indes schon der himmlisch-tragische Augenblick im Hintergründe lauert, da er, der Entwurzelte, Entnervte, durch' ,/alle Gossen des Gelderwerbes Geschleifte, dorthin zurückkehren muß, woher er gekommen ist: in den Schoß der Heimat, der jüdischen Heimat, zurück zu den Menschen, die nicht Gold und Macht und Glanz haben, sondern nur die jüdische Seele; zu den in Ekstase gebannten Juden seiner russischen Heimat, Hier, unter den uralten chassidischen Gesängen, auf einem kleinen, brüchigen Wolgaschiff, inmitten der Atmosphäre hin^ gebungsvoller Gläubigkeit und Aufgelöstheit in Gott, darf David Gölder, nicht mehr Golder, sterben. * ' * * Dieser im Grunde epische Stoff, dessen Reia im Charakterologischen, nicht im Musikalisch-Bildhaften liegt, wurde nun vertonfilmt. Der französische Regisseur Julien Duvivier hat es verstanden, gerade diejenigen Elemente, die im allgemeinen für den tonfilmischen Ablauf als unzweckmäßig erachtet werden, in ganz eigenartiger Weise zu verwenden. Die Sparsamkeit des Wortes ermöglicht die Verwirklichung der seelischen Begebenheiten, die Konzentration auf das Mimische, das hier wieder im Vordergrunde stehi Der Tonfilm „David Golder" zeigt die Rückkehr zürn Wesen des Films in einer Form, auf die sich vielleicht die Filmkunst bald wieder besinnen wird. Aber das Entscheidende neben der technischen Vollkommenheit scheint mir beim Schauspieler Harry •Baur zu liegen, einem Künstler, der mit der Gestaltung des Filmhelden David Golder in die Reihe der ganz Großen tritt. Wie er aus unzähligen Details, aus mimischen und akustischen Elementen, einen Menschen formt, den vom ersten Augenblick an das unabwendbare Schicksal umwittert, wie er versteht, das durch den Schlamm der Assimilation aufgedunsene Gesicht des Inflationsreichtums in jenen Typ zurückzuverwandeln, der die Züge des stillen, ergebenen, volksinbrünstigen Juden trägt, im Klobigen an Jannings, im väterlich Liebenden an Schildkraut mahnend, aber im wesentlichen doch ureigen — das gibt Harry Baur das Recht, mit seiner Leistung eine neue Epoche des Tonfilms anzukündigen. Sprache,verhallt — der Tonfilm ist ein französischer —, einprägsam bleibt die gestaltete Form, die durch Phantasie Realität geworden ist. o. r. [ Dil aus besserem jüdischem Hause sucht Posten Dgf gegen Kost und Quartier Angebote unter „Arbeit egal" an die Expedition dieses Blattes.

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