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Die neue Welt · 1931-05-01 · Heft 189 (1.5.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 189 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 1» £111! 1 Union der Zionisten-Revisionisten Ottttrrtichs H, Obere DonaustraCe 101/108.......m I Montag, den 4. Mftf 1031, 1 7,9 Uhr abends, Cafe «Produkten- | börse", II., Taborstraße 10 (VORTRAG 2 GEGENSTAND: Zionistische Konsequenz | REFERENT: Dr* David Bukspan i Allgemein zugänglich I Gäsfe willkommen! | 1 PUnkllichir Btglnn! Der jüdisdie Hodisdtfilet auf der Studentenkonferenz von Nyon* Behandlang des Hochschul-Antisemitlsmnj. Zum zweitenmal wurde der Versuch gemacht, den anormalen Zustand der jüdischen Studentenschaft auf den Universitäten der Welt durch die in dieser Frage maßgebenden Faktoren, d. s, Studenten und Professoren, kritisch zu untersuchen und so den Weg zu einer Lösung zu finden. Nach den Ergebnissen der Konferenz in Nyon kann man nicht gerade behaupten, daß der Versuch geglückt sei. Sowohl Beschickung der Konferenz wie die Art der Behandlung der Probleme lassen darauf schließen, daß die jüdische und niditjüdische Seite gleichermaßen mangelhaft gerüstet erschienen ist. Manche Länder waren nur durch jüdische A ss imi lauten vertreten unc. durch nichtjüdische Vertreter mit nicht genügender Kompetenz. Diese Gründe mögen mitbestimmend sein, für den Mangel an positiven Resultaten und an entsprechender Resonanz der Beratungen selbst. Nicht sehr glücklich war auch die thematische Fragestellung, wodurch die Perspektive einer wirklichen Lösung verwischt wurde. Die Könzentrierung und klare Herausarbeitung eines praktisch-positiven Programms seitens einer geschlossen vorgehenden jüdischen Studentenschaft hätte hier viel zu leisten vermocht. Alle diese Umstände brachten mit sich, daß aus dem entscheidenden Punkt, der anormalen Situatiön des 1 jüdischen Studenten und deren Behebung durch den Zionismus, das Forum nicht die Konsequenzen zog. * Vom 15. bis 18. April tagte in der Schweizer Stadt Nyon, die vom Weltstudenten werk einberufene 2. Internationale Weitstudentenkonferehzj die sich mit der Frage des Hochschul-Antisemitismusj zu beschäftigen hatte.' - -.:<.'. Der Dekan der theologischen Fakultät der Genfer Universität Auguste G a m p e r t brachte in, seiner Eröffnungsansprache die besonderen Schwierigkeiten der jüdischen Frage zum Ausdruck und ersuchte die Konferenz, in einer Atmosphäre wissenschaftlicher Ruhe die Diskussion zu führen. . .; Ueber die Rolle der Universität im nationalen Leben referierte Prof. Pierre B o v e t und betonte die Wichtigkeit des Gedankens der Schaffung einer im Dienste internationaler Solidarität stehenden Weltuniversität. Die Stellung der jüdischen- Studenten an den europäischen Universitäten behandelte James Parkes. Nach einem historischen Rückblick konstatierte Parkes das Entstehen des Hochschul-Antisemitismus am Ende des 19. Jahrhunderts. Nach dem Krieg erfuhr dieser eine Verschärfung durch das wirtschaftliche Moment, neben den bereits bestandenen politischen, und rassemäßigen Tendenzen, In der Debatte brachte der deutsche Vertreter S c h m a d e 1 die Argumente der deutschnationalen antisemitischen Hochschüler gegen die Juden vor und stellte fest, daß der Antisemitismus im Augenblick einsetzen mußte, wo die Juden in alle Gebiete des deutschen Kulturlebens eingedrungen sejen. Für die Magyaren, die als solche auf der Konferenz nicht vertreten waren, sprach ein jüdischer Assimilant, der jeden Antisemitjsmjis in Ungarn leugnete. Ueber die Lage in der T s che c h o s 1 o w a k e i referierten ein Tscheche und ein assimilatorischer Jude, die beide nur von einem Antisemitismus auf deutschen Hochschulen wissen wollten. Dem opponierten die Deutschen mit der Bemerkung, daß es eben auf den deutschen Hochschulen mehr Juden gäbe, als auf den tschechischen. Deu Abschluß bildete ein begeisterter Hymnus des bekannten deutschen Schriftstellers Armin T. Wegner auf das neue jüdische Leben in Palästina. Ueber das Thema „Die Stellung der Juden in der Politik" sprach der Püb^zist .Drv Sjtap 1 er. Er versuchte auf biologischer Grundlage .den Gegensatz zwischen Juden' und Deutschen herauszukristallisieren, worin er da* Natürliche am Antisemitismus, findet, und lehnte die liberalen und deutschnationalen Assimilierungstendenzen seitens der Juden (Centrulverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauheus und Nuumann- Gruppe). ab Dr. Friedrich Brodnitz setzte sich für die jüdische Centralvereinsassimilation ein. Dr. Hermann B a d t legte in ausführlicher Rede den zionistischen Stand punkt dar. Das Referat über die^ Juden im kulturellen Leben hielt Dr. Nahum Goldmann, der nach einer Analyse der immanenten Eigenschaften des jüdischen Volkes und der Hemmnisse seines Lebens in der Zerstreuung zum Schluß kam, daß nur,Palästina die Lösung der inneren jüdischen Frage bringen werde. Der polnische Professor Dery ng (Lublin) brachte dem jüdischenNationalismus seine Sympathien entgegen und erklärte eine jüdische Assimilation in Polen für unmöglich. Ueber die Situation in den einzelnen Ländern sprachen Max Leser (Holland), die jüdischen Studen ten Marc T e o f i 1 und L. St o l e sowie der nicht jüdische Student Edwin Barker für England. Ueber den erwachenden amerikanischen Antisemitismus berichteten Dr. Kotschnig und Theresia Göll, über Frankreichs loyale Haltung gegenüber den ausländischen jüdischen Studenten sprach Handelsman. Ueber die Lage in Polen entwickelte sich eine scharfe Debatte. Jüdischerselts wurden Tatsachen von der Ungleichheit der Behandlung jüdischer und nichtjüdischer Studenten vorgebracht. Eine diesbezügliche Motivierung versuchten die polnischen Vertreter vorzubringen. Zum Schlüsse wurden von der Konferenzleitung Richtlinien unterbreitet, die das Gemeinsame, das sich aus der Diskussion ergeben habe, präzisieren. Sie Lauten im wesentlichen: Es bestehen heute an einer Anzahl von Hochschul starke Spanhungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten. Eine oberflächliche Betrachtung lediglich ihrer äußeren Erscheinungsformen ohne ernsthafte Berücksichtigung der zugrunde liegenden tiefen Ursachen wird den Tatsachen nicht gerecht. Die für jeden Lösungsversuch notwendige klare Erkenntnis, kann in jedem Lande nur auf dem Wege offener Erörterung in akademischen Formen gewonnen werden. Auf beiden Seiten sind Gewalt und beleidigende Herabsetzung des Gegners als Mittel der Auseinandersetzung unbedingt abzulehnen. Die Konferenz setzt einen Ausschuß, bestehend aus drei Juden und drei Nichtjuden, ein, dessen Aufgabe es sein soll, mit dem Sekretariat des Weltstudenten werks in allen die Juden frageberührendenAngelegenheiten zusammenzuarbeiten. Dein v Ausschuß gehören von jüdischer Seite Ministerialrat!*Dr. Hermann Badt, A. Teich und ein noch nicht nominierter der assimilatorischen Richtung angehörender ungarisch-jüdischer Student' an. Die nicht jüdische Vertretung wird sich aus einem Deutschen, einem Polen und einem Rumänen zusammensetzen. Radio - Grammophone - Schallplatte» Neueste Marken, auch Umtausch älterer Apparate, Zalilungserlelchterung RndiohDus „ELPHORfl", I, Dominikanerbastei 22 Ecke Franz-Jpsef-Kal 7/9, Tel. R-24-M6 Der zionistische Jugendkongreß« < Erste Weltkonferenz der Brith Truinpeldor. (Von unserem Sonderkorrespondenten B. L.) : : (Schluß,) |V Iii der zweiten Sitzung, aiUj, 13. April, wurden ein Präsidium, bestehend aus den Herren M. Katz (Litauen), Dr. L. Koppel (Oesterreich), S. Löwenberg (Lettland), M. Gold (Polen) und E. Gleser (Dnnzig), sowie je eiue Kommission für „Grundsätze des Brith-Trumpeldor", Organisation; Wehrspp-rt, Erziehung, Berufshachschara, Alija und Finanzen gewählt.? Den Bericht der abtretenden Weltleitung erstattete Dri J. Ho ff mann (Riga). Aus^diesem Berichte sowie aus der von der früheren Weltleitung herausgegebenen hebräischen Broschüre „Brith Trumpeldor, seine Entwicklung und sein derzeitiger Zustand", ist zu ersehen,, daß die Organisation am 1. Jänner 1931 22 Landesverbände; 556 Ortsgruppen und' 22.342 Mitglieder zählte und sich im Zustand eines rapiden Wachstums befindet. .Dann wurden Referate über „Grundsätze des Brith-Trumpeldor" (B. Lubotzky), „Erziehung lind Kulturarbeit"' (H. Liebertal), „Wehrsport" (V! Jabötinsky), „B eru f 1 i c b e Hach schar a" (A. Propes)/ „Alija und P i o vli e r t u m" (G. Schatz und. E. Adari, Palästina),. „Tel- Chaj- Fonds und B r i t h - T r üm p e 1 d o r" (M. Katz) und „Organisation und Statut" (L. Dissentschik) gehalten. Die Debatte konzentrierte sich vornehmlichauf die von dieser Konferenz zu formulierenden „Grundsätze", und zwar auf die Frage, ob dus Pioniertum der Brith-Trumpeldor-Mitglieder, wie in den anderen zionistischen Jugendorganisationen, in Form der individuellen Ali ja-P flicht als „Grundsatz" fixiert werden soll. Es dominierte der von den anderen zionistischen Jungendbünden abweichende Standpunkt, daß die Einwanderung nach Palästina an sich keinerlei Pionierleistung enthält, daß sie vielmehr nur eine technische Voraussetzung sei, um in Palästina Pionierarbeit Pension ,Austria' Kinderheim Vöslau (OLGA KADISCM) Jig«rmay«rstraB« IS - T«l«pfion lfi>. 141 Für Dauer» und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht (m Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäßige Proiso zu leisten. Der Begriff der „Chaluziuth" wurde auf diese Weise von der Alija (d* h. der Einwanderung nach Palästina) schlechthin auf den Charakter der Tätigkeit des Immigranten im Lande selbst verlegt. Und im Resultat der Debatte wurde die von der entsprechenden Kommission aufgestellte Formulierung angenommen: „Brith-Trumpeldor organisiert und erzieht die jüdische Jugend ztm Pionier des Volkes bei de rErrichtung des jüdischen Staates und ein jeder Ben- Betar (d. h. erwachsenes Mitglied) ist jederzeit bereit, auf Befehl der Leitung für die Erfordernisse des Staatsaufbaues und seines Schutzes mobilisiert zu werden." Im übrigen enthalten die „Grundsätze" eine Formulierung des zionistischen Zieles („die Verwandlung Palästinas zu beiden Seiten des Jordan in einen jüdischen Staat mit jüdischer Bevölkerung"), der Priorität der Aufbauüber die Klasseninteressen sowie der Pflicht der jüdischen Jugend zur Wehrausbildung. Das Referat über „Erziehung und Kultur-, arbeit" forderte eine Ausschaltung von Erziehungsmethoden, die aus nichtjüdischen oder nichtzionistischen Bedürfnissen entstanden sind, und die Schaffung eines originalen Erziehungssystems des Brith-Trumpeldor. Brith-Trum^ peldor müsse die n a t i p n a 1 j ü d i s,c h e Schule sein, in der vornehmlich gelernt wird. Die Hebräiaierung sei auch mit indirekten Mitteln zu fördern, indem das Aufsteigen in den Altersstufen und das Bekleiden von Posten im Brith-Trumpeldor nur, denjenigen gestattet werden soll, die im Besitze eines zu schaffenden „Abzeichens der -H.eabräis'entsprechende n" sind. In seinem Referat über „Wehrsport" erklärte V. Jabötinsky, der Zustand der wehrsportlichen Erziehung im B. T. sei äußerst unbefriedigend. Der Mangel an ausgebildeten Instruktoren sei keine genügende Entschuldigung dafür, da gewisse primitive Kenntnisse den meisten Juden noch abgehen. Die entsprechende Resolution fordert alle Ortsgruppen auf, sofort dieses Erziehungsgebiet in Angriff zu nehmen, und verpflichtet die neue Leitung, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um geeignete Mitglieder des Brith-Trumpeldor als Ihstruktoreu für Wehrsport an den entsprechenden europäischen Lehranstalten und Hochschulen ausbilden zu iasseja, bi* zur Errichtung eines zentralen , lnstruktorats des Brith Trumpeldor oder des TeLChaj-Fonds. Die Resolution über „Berufliche Hachse h a'r a" erklärt dieselbe zu einem integrierenden Bestandteil der Erziehung im Brith Trumpeldo r... In ihren Referaten über „Alija und Pioniert u m" berichteten die Delegierten aus Palästina, G. Schatz und E. Adari, über die Lage der eingewanderten Brith Trumpeldor-Mitglieder. Auch diejenigen unter ihnen, die noch vor kurzem glaubten, die Verwandlung der „Histadruth ha-Owdim" von einem sozialistischen Parteiinstrument in eine überparteiliche zionistische Gewerkschaft sei „von innen heraus", durch Mitarbeit an der „Histadruth" möglich, sind von iesem Standpunkt abgekommen. Alle revisionistischen Arbeiter (meist Mitglieder des B. T.) stehen jetzt auf dem Standpunkt, nur die Gründung einer überartei liehen zionistischen Arbeiterewer k s c h a f t werde die „Histadruth"-Führer, dde um ihre Monopolstellung besorgt sind, zu erfolgeichen Verhandlungen-zwingen. Die erste Zelle der überparteilichen Gewerkschaft sei der „Verband revisionistischer und B.-T.-Ar bei t er", der vor kurzem als sein Finanzinstrument, zwecks Schaffung von Kredit und Finanzierung einer Krankenkasse, die „Kasse für gegenseitigen Kredit, B'ne- B et.ar, Limite,d", gegründet hat. Zur Erfüllung der P i o n i e r a u f g a b e n, die sich der Brith-Trumpeldor gesetzt hat, sei die Schaffung von festgefügten und disziplinierten Arbeits-„Gedudim" aus den Chaluzim des B. T. notwendig und jeder B.-T.-Immigrant müsse zu einem zweijährigen D i e n s t in diesen „Gedudim" verpflichtet werden. Nur auf diese Weise könne der Chaluz-Gedanke von Joseph Trumpeldor verwirklicht werden. Die „Alija"-Resolution der Konferenz begrüßt die Schaffung der Kasse „B'ne-Betar Ltd." und verpflichtet jede Ortsgruppe, mindestens einen Anteil der Kasse (= 1 pal. Pf.) zu erwerben sowie die Anteile zu verbreiten. Die Resolution über. den „T e 1 - C h a j - F o n d s" verpflichtet jede Ortsgruppe, ihren Namen in das Eiserne Buch des Fonds einzutragen, und fordert di« neue Leitung auf, die „TekChaj"-Tätigkeit im B. T.

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