Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-05-01 · Heft 189 (1.5.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 189 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711808--2476-2715772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 189 SIEGM. KORNMEHL OROSirLIISCHHAUlHII Zentrale IX.. Berg^me 19, Telephon 17-3-9V u. 16-9*34 Lieferan' 1 ü r Heilanstalten Abteilung«!! für ^s.PWch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr. ICuI* tutfemcinde Wien Automietellüiiej kottonlee IX., Bcrggais« IS / XVIII., Wlttrln0«ritr. t? wurde die Stimme dös Redners lauter. Eine kämpferische Note erklingt: Herr Grünbaum spricht über die Revisionisten, Er erklärte offen, daß jetzt die Hauptaufgabe des Zionismus im Kampfe gegen die Revisionisten liege. Aui die zwei Stunden. lange Rede Grünbaums reagierte J» Schechtmann, der den revisionistischen Standpunkt Sachlich und beweiskräftig darlegte. Es war 12 Uhr nachts, als GrHnbaum das Schlußwort erhielt. Er hatte die Nerven ganz verloren und bezeichnete die Revisionisten als die schlimmsten Feinde des Zionismus. Schon ganz .außer sich,' ruft er, daß er den Kampf gegen die Revisionisten genau so führe wie gegen Bundisten und fKommurnis ten. Die Worte riefen einen .Sturm der Entrüstung hervor.;Von allen Seiten rief man ihin zu, seine provozierenden Worte. zurückzunehmen. In hilfloser Wut schrjte Herr Grünbaum hervor: „Ich werde Jabötinsky Reihen einzigen Vortrag in Polen halten lassen!" — Aus dem:;{Publikum erschollen Rufe: -t; v „Schneiden, Sie nicht aufI Sie sind nicht der Herr in Polen." — Es vergehen einige Minuten. Der Lärm wird immer größer. Herr Grünbaum springt an den Präsidententisch und ruft hysterisch aus: „Ihr seid schmutzige Schweine!" —. Ein neuer Sturm bricht los. Grünbaum schreit etwas, man versteht es nicht. Das Publikum entfernt sich, tief entrüstet. Von einigen besonders hitzigen Revisionistenfressern umringt, steht der jüdische Deputierte aus Polen an dem Präsidententisch und ruft mit heiserer Stimme etwas in .den Saal, Die Juden von Paris kennen jetzt das, Maß der " politischen und gesellschaftlichen Erziehung mancher revisionistischen Gegner. * Eine Zuschrift Heinrich York-Steiners. Herr Heinrich York-Steiner, der von einem längeren Aufenthalt in Palästina nach Wien zurückgekehrt ist/teilt uns" in einem Brief einige Beobachtungen mit, die er in bezug auf die Revisionistenhetze zu machen Gelegenheit hatte. „In all den vielen Tagen meines palästinensischen Aufenthaltes", schreibt uns Herr York-Steiner, „während all der. Fragen und Kreuzverhöre zur Erforschung der Wahrheit darüber, ob die Revisionisten an dem schlechten Verhältnis zwischen Juden und Arabern schuld seien, wie es allgemein in der Galuth kolportiert'wird, hat niemand, auch nicht .der heftigste Gegne r der Revisionisten, eine solche. Behauptung aufgestellt. Nur die sehr wenigen Anhänger des Brith Schalom fühlen sich durch die Angriffe der Revisionisten in ihren Aktionen gehemmt. Ich kenne aus eigener Erfahrung das System von Verleumdung. Ich habe bisher geschwiegen. Nun aber greift sie nach der reinen Gestalt Vladimir Jabötinskys. Die besonnenen Elemente im Zionismus, derentwegen ich jede Verallgemeinerung vermeide, seien gewarnt. Man hat geschwiegen, um eine Volkssache, der man ein Stück Leben gewidmet hat, nicht zu schädigen. Aber die Organisation hat ein solches Gesicht bekommen, daß jede Schonung überflüssig ist." * Weizmanns Pnlnstina-Reise und die Revisionisten. Danzig, 24» April. (J. T.-A.) Zur Zeit der Anwesenheit Dr. Weizmanns in Palästina haben Zeitungen Nachrichten aus Kairo gebracht, wonach der Führer der palästinensischen Zjonisten Dr. Wolfgang Weisl Pressevertretern in Kairo erklärt hätte, Dolctot Weizmann stütze den britischen Imperialismus im Orient; er, Weisl, werde die geheimen Intrigen enthüllen, die England mit Hilfe Dr. Weizmanns im Orient spinne. Aus Anlaß der Brith Trumpeldor-Tagung in Danzig hat nun der Präsident der Union der Zionisten- Revisionisten, Vladimir Jabo/tdnsky, dem Korrespondenten des Warschauer „Hajnt", Herrn Klarmanh, erklärt, er habe einen Brief von Dr. Wolfgang Weisl erhalten, in welchem dieser die ihm in den Mund gelegten Aeußernngen über Weizmann mit aller Entschiedenheit in Abrede stellt. Dr. Weisl schreibt, er habe in Kairo weder ein Interview gegeben, noch einen Vortrag gehalten, er halte es überhaupt nicht für. seine Aufgabe, gegen den englischen Imperialismus im Orient in Front zu treten. Die betreffenden Zeitungsmeldungen über seine angeblichen Aeußerungen in Kairo seien von Anfang bis Ende erfunden. Zahl der Juden in Europa. Neueste Untersuchungen. — 9,785.000 Anfang 1931. J. Koralnik yeröffentlieht soeben in der von ihm und Dr. Jakob Segall geleiteten . ,,Ze i t s c h r i f t für Demographie und Statistik der Juden" (Berlin) eine eingehende, Untersuchung über die Zahl der Juden in Europa zu Beginn des Jahres 1931, in der er auf die Zahl' von inSg.esiamt 9,7 8 5.0 0 0 Juden kommt. Der Stärke ihrer j|idflsohen Bevölkerung nach lassen stich die "L'äiijde^""^ fplgt oidaven:'. Polen II., Glockeng. 10 veranstaltet einen billigen* Serienverkautvon * HEBReNHÜTEN zum Preise von S S«-, , 7'-u. 9-— / NeueinlUhrung: Krawatten in allen Modedessins von S V— und 3'— Markenhüte zu den billigsten Preisen Jfldlsdi flkademisdie Vemindona »Ivria", Wien Unser lieber Sief (Kl« ist vor wenigen Tagen nach langer und schwerer Krankheit verschieden. Er war ein guter Bundesbruder und ein treuer Kämpfer für unsere gemeinsame zionistische Idee. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. F 1 d u c i t! Jüdisch-Akad. Verbindung „Ivria" f. d. Alt-Herren-Verband: f. d. Aktivitas: Dr. Hermann Löw cand. med. Hermann Himberg derzeit Präsident derzeit Ferial — X 3,125.000 Juden, europäischer Teil der S o w j e t u n ii o n 2,970.000 Juden, Rumänien nicht über 800.000 Juden, Deutschland 585.000, U n g a r n 473.000, Tschechoslowakei 380.000, England und Irland 300.000, Oesterreich '220.000,' Litauen 167.000, F rankreich nicht über 160.000, Holland 120.000, Lettland 96.000, Griechenland 73.000, Jugoslawien 67.000, europäische Türkei 50.000, Bulgarien 50.000, Belgien 45.000, Italien 45.000, S c h w e i z 18.000, Danzig 9000, Schwede« 6000, Dänemark 5500, Estland 5000, S a a r g e .b i e t 4500, Spanien 3000, Portugal 2500, Finnland 1800, Luxemburg 1750 und Norwegen 1450. Hinsichtlich der ZaM der jüdischen Bevölkerung in Sowjet rujßl and weiset Koralnik darauf hin, daß die amtliche -Schätzung von 2,700.000 Juden Ende 1950 au niedrig gegriffen ist, da sie lediglich die Bevölkerung jüdischer Nationalität umfaßt Er ist mit dem bekannten sowjetrußsiißchen Wirtschaftspolitiker J. Lar i -n der Ansicht, daß zirka 10 Prozent des jüdischen Gesamtbestamdes sich andieren Nationalitäten zugezählt hahen. Als stark übertrieben erweisen sich dm Lichte der neuesten Daten die bisherigen Schätzungen der. jüdischen '-.'Bevölkerung in Rumänien, die. von vermiedenen,, ^uforen--aufr.I>OjOÜ,000;;hi&:i^3_OiQjTO ^eanegsen wurde. Bei der Berechnung der Zahl d-er Juden an Deutschland , trägt der Verfasser dem.. Umstand Rechnung', daß bei der Volkszählung im Jahre 1925 ein Teil der deutsch-jüdischen Bevölkerung sieh in die Gruppe der Konfessionslosen und unbekannten. Glaubensbekenntnisse eingetragen hat. Der amtlichen Ziffer von 564.000 Juden im Jahre 1925 wird man nicht mehr als 50.000 bis 40.000 hinzuschlagen müssen. Man gewinnt auf diese Weise rund 600.000 Personen mosaischen Glaubens in Deutschland 1925. Ende 1930 ist •diese Zahl auf 585.000' heruntergegangen. ' Hervorzuheben ist die Feststellung Koralriiiks, daß verknüpfst dich mit ihm kraft des ersten Anblicks. Selbst die schwere Wüsjfentraurigkeit der nackten, sonnigen Berge rüh^t dich .bei deinem zweiten Vorbeifahren nahe ans Herz, spricht zu dir schon mit verwandter heim« licher Traurigkeit. Da schimmert dir wieder einmal das geraubte Gilea.d mit seinen glühenden Niederungen ent* gegen tdu empfindest jetzt den Verlust schärfer und tiefer, fast persönlich. Und da grünt uns wieder einmal Dagarijah an, jetzt mit liebem, verwandtem Grün, wie ein wohlgeratener Besitz wohlgeratener leiblicher Ge* schwisterkinder. Und da blinken schon die weißen runden Dächer des Rabbi1 Mehr des Wundertäters —- ein alter Onkel mit altem, sonderbarem Gehaben, aber doch ein Onkel, eigenes Fleisch und Blut. Unser Chauffeur sitzt am Volant, schweigsam, finster. Verschwunden seine ganze .Fröhlichkeit vom Morgen. Er läßt den Motor in vollem Tempo dahin jagen. Die alte Karre fliegt wie ein Pfeil aus dem Bögen dahin über die glühende Straße, stöhnt und ächzt im Dahinsausen, immer wieder auf* und niederhüpfend wie ein altes Pferd, das sich tum« melt, daß uns die Gedärme wackeln. In den Gedärmen des alten, abgewetzten Ledersitzes meldet sich irgend eine verbogene Sprungfeder, die das bequeme Hin» und Herrutscheh nicht zuließ und das Vergnügen der flotten Fahrt störte. An Tiberias und Umgebung vorbei, fahren wir die Berge von Nazareth mit stolzem Rattern hinauf. Wh* betrachten noch einmal den Kinereth*See, der sich tief unten vor uns ausbreitet in seiner hauchzarten Lazur» pracht. Erst hier auf der Höhe sehen wir ihn ganz und begreifen, weshalb er in alten biblischen Zeiten den Namen Kinereth bekam. Er liegt ausgegossen da wie ein Geigeninstrument, den runden Kopf zum oberen Galiläa gerichtet, den schmalen Hals zum Jordantal, und Himmel und Sonne und verträumte Berge schweigen still über ihm, lauschen tief seiner tiefen, klanglosen, blauen Musjk. Jetzt gießt sich uns die göttliche Schönheit des Landes ins Herz. Da§ musikaliraie Leben in Palästina. K.p;;, Von Sarah Chayuss (Jerusalem). Gemessen am Maßstabe'des musikalischen Betriebes in Wien oder Berlin ist natürlich das musikalische Leben in Palästina dürftig. Dabei \ist': festzuhalten, daß das palästinensische Judentum für Musik ein besonderes Interesse bekundet. Das Musik« leben in Palästina entwickelt«:, sich ganz langsam; Der' Hauptgrund hiefür ist inr.d$* großen Entfernung, des Landes von den musikalischen Zentren zu suchen. Palästina kann keinesfalls die großen, heute üblichen' Künstlerhonorare "zahlen; und nur werin; ein Künstler ins reiche Nachbarland Aegypten korrirrft; er* öffnet sich für uns die Möglichkeit, den Künstldr auch nach Palästina zu bringen. Der Künstler macht sozusagen einen Abst'echer ins Land, vielleicht in erster Reihe der.Besichtigung wegen'. So Haben wir im Lande Gelegen»; rieit, im Jahre einige gute Konzerte zu hören. Ein* Künstler aber, der nur einmal in Palästina zu konzertieren Gelegen* heit hatte/kommt immer wieder.' Er findet hier, wie sonst nirgends im Orient, ein verständiges und überaus dankbares Publikum. Emil1 von Sauer war schon zweimal im Lände" ürift jüngst konzertierte auch Hubermann zum zweit'enrhal. Das diesjährige Konzert von Hubermann war ein;r< überragender Erfolg. Der Künstler, den wir hier als alten Bekannten begrüßten, entzückte mit seinem brillanten und hinreißenden Spiel, dem ein nach Tausenden zählendes Publikum in Dank» barkeit lauschte. Hubermahn versprach wiederzukommen. Unterwegs befindet sich Schnabel, dessen Konzert bereits ausverkauft' ist. Die Besuche berühmter Musiker, wenn sie auch vorläufig selten sind, geben dem musikali* sehen Leben in unserem* Lande viele Anregungen. Außer diesen Konzerten gibt es in Palästina auch kleinere Konzerte von ausübenden Künstlern, die ständig in Palästina leben. So besitzen wir schon seit zwei Jahren ein Quartett, genannt das „J e r u s a 1 e m e r oder B e n t w i c h » J e 1 i n * Q u a r t e t t". - Die beiden Schwestern Bentwich, die eine Geigerin und die andere Cellistin, Schülerinnen von Prof. Auer und Casals, haben sehr viel zur Förderung der Musik in Palästina beigetragen. Ihren unermüdlichen Bemühungen sind die regelmäßigen Quartett», wie auch Solo», Trio»,' Sextett* und Oktett* konzerte zu verdanken. Das Programm dieser Konzerte ist immer gut gewählt, meistens ein gemischtes Programm. Es werden klassische und moderne Stücke gespielt, Ravel, Debussy und Bloch. Orchesterkonzerte gab es m der letzten Zeit keine, wegen Geldmangel. Vor zwei Jahren weilte Ossip G a b r i 1 o w i t s c h im Lande und er versprach, zu diesem Zwecke Mittel in Amerika auf* zubringen. Tatsächlich ist auch in Amerika;eine, das musikalische Leben in Palästina unterstützende Gesell* schaft gegründet" worden. Dank diesem Umstände wurden 40 bis 50 Musiker aus TebAwiw und -Jerusalem unter Leitung des beliebten Dirigenten G o 1 i n k i n organisiert. Das Programm dieses Orchesters bilden verschiedene Orchesterkonzerte, auch Solo mit Orchesterbegleitung. Die ersten abgehaltenen Proben lassen das Beste erwarten. Nach dem Muster vieler europäischer Städte wird jetzt in Palästina der Plan erwogen, populäre Volks* konzerte zu kleinen Preisen zu veran» stalten. Von dieser Neuerung kann man eine starke Belebung und Verbreitung des musikalischen Lebens er* warten. Auch werden diese Volkskonzerte dem jungen künstlerischen -Nachwuchs die Möglichkeit - geben; vor das größe Publikum zu treten.oSehr dürftig und beklagenswert schaut das Musikleben in den K wu<z ot h ün d i n den Kolonien im Gaiil aus. Die Arbeiter, die tags* über schwere Arbeit verrichten, sind abends zu müde, um selbst Musik auszuüben. Besondere Schwierigkeiten, er» geben sich, wenn man ein großes Konzert mit einem -he» rühmten Gast veranstalten will. Wenn auch hie und da der Künstler auf das Honorar verzichtet, stellt es «ich bald heraus, daß man in der Kwuzah nicht einmal ein gutes Instrument besitzt. Unsere Chaluzirfl s-ind ja-nicht nur in dieser Hinsicht übel dran . . .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.