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Die neue Welt · 1931-05-01 · Heft 189 (1.5.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 189 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 189 DIE NEUE WELT Bei den revisionistischen Studenten. Am gleichen Abend fand die Konstituierung eines revisionistischen Studentenklubs statt, bei der die Herren B. Lubotzky, Dr. S. "Wolf und Josef Frankel Referate hielten. Die Versammlung war außerordentlich gut besucht und ließ erkennen, daß der Revisionismus in der jüdischen Studentenschaft Wiens festen Fuß ge* faßt . hat. Der Abend fand durch eine Ansprache Jabotinskys, der während der Referate erschienen war, seinen feierlichen Abschluß. Eine jüdische Tragödie* Jüdische Mörderbanden in New York. Ueber den Assimilationsprozeß, der sich im ameri* kanischen Judentum vollzieht, schreibt D. Druck im New Yorker zionistischen „Morning Journal": „Das, was jetzt in den Bronx (jüdisches Viertel in New York) vorkommt, wo einige junge, jüdische Leute ein© eigene „Gang" (Bande) gegründet und bereits einen armen, unschuldigen Juden ermordet haben, scheint mir ein Beweis dafür, daß wir hier in Amerika schon „zivilw siert", „modern" und „hoffähig" geworden sind. Hat doch die Welt uns ständig vorgeworfen, daß wir rückständig und den anderen Völkern nicht ebenbürtig sind, da wir die Wege der anderen nicht gehen wollen! Und auch unsere eigenen „Aufgeklärten", die das jüdische Volk glücklich machen wollten, haben nicht aufgehört, mit uns wegen unserer „Rückständigkeit" und Abseitsstellung zu hadern, indem sie sagten, daß wir Feinde der modernen Kultur seien und daher die Ursache unserer Unbeliebtheit in der Welt. Wenn wir aber „i h r e" Wege gehen und ihre Normen annehmen wollten, konnten wir mit einem Schlag der Liebe der Nichtjuden teilhaftig werden. Lange Zeit hindurch gaben die Juden nicht nach. Sie wollten sich mit dieser „neuen Richtung" nicht be» glücken lassen. Aber die Zivilisation hat uns besiegt. Wir haben' die neue „Thora" angenommen, wir tragen uns . amerikanisch (elegante Gamaschen, karierte Passfieldschen Weißbuches sowie des ihm folgenden MacDonald*Briefes entwickelte Jabotinsky die revisioni* stische Methode, die das Prinzip des stetigen Beharrens auf seinen gerechten Forderungen innerhalb der zivilisierten Welt verficht. „Wir sind überzeugt, daß ein so zivilisiertes Volk wie das englische dem moralischen Druck einer gerechten Forderung auf die Dauer nicht wird standhalten könne n." Der Kongreß muß das Ende der unglückseligen Mentalität des offiziellen Zionismus und seiner Methoden bringen. Wir werden in Basel eine Reihe von Forde« rungen stellen, die entscheidenden Einfluß auf die weitere Entwicklung der zionistischen Bewegung zu üben be* stimmt sind. Das große Interesse der anwesenden Pressever* treter drückte sich in lebhafter Fragestellung aus, die eine Reihe wichtiger Erklärungen Jabotinskys mit sich brachte. Es ging in der Hauptsache um die Frage der künftigen Exekutive, des Verhältnisses der Revisionisten zur sozialistischen Arbeiter« schaft Palästinas und der Einheit der zionistischen : Weltorganisation, um Fragen, die Jabotinsky im Sinne des gegenwärtigen Sachverhalts be* antwortete. # Seite 3 Der Wcfchtag brachte jehon Arbeit Unsfrüh« Laft und Sorgt Vbrbei rerenlagi Persil erspar* uns jede Plage! Socken usw.!), aber das eine haben wir nicht gefunden: die Liebe unserer Nachbarn. Aber wir sind nicht stehengeblieben. Wir sind weitergegangen. Wir haben eine solch hohe Stufe der Anbiederung erreicht, daß unsere Kinder ganz nach dem Muster ihrer Umwelt eigene „Gangs" zur Ermordung von Menschen gegründet haben. Gewiß, wir haben unsere Eigenart, wir haben unsere Schwächen und Fehler. Aber Mörder sind wir keinesfalls, am wenigsten unsere Kinder. Jüdische Kinder sind immer das Zarteste, Reinste gewesen. Man spricht bei uns sehr viel von Erziehung. Das Erziehungsproblem wird seit Jahr und Tag behandelt. Man hält Meetings ab, man debattiert auf Konferenzen, man sammelt Geld, organisiert Drives und doch ist niemand zur Hauptfrage vorgedrungen. Die Hauptfrage ist die Rückkehr zum Volk. Darin liegt der Sinn der Menschlichkeit. Wenn ich sage „menschlich", so meine ich jüdisch. Wir besitzen selbst ein reiches Erbe an Sitta lichkeit, Größe und Würde und haben es nicht notwendig, Werte bei der fremden Welt zu suchen. All den Unfug des sogenannten zivilisierten Lebens lernen unsere Kinder nicht von „ihnen". Denn bei ihnen ist es der Abfall, bei uns sind es die Spitzen der Gesell* schaft. Unser Familienleben', ist; zerrissen. Mütter . und Väter, Söhne und Töchter?.gehengesondert ihre eigenen, Wege. Was ihnen fehlt, ist die Ehrfurcht vor der eigenen Vergangenheit, der Wille; im eigenen Volk aufzugehen. Die Geschichte von dem Bronxer „Gang" ist eine jüdische Tragödie. Es hatV' keinen Sinn, immer nur von Erziehung zu ire den.•!> uad Programme aufzustellen. „Education" (Erziehung) kann nur bedeuten — den Weg zurück zum Volk. " ' <$> UF A-TON- KINO II, Tabor»traHc Wr. 8, Tel. R«4L2.41 Nach der erfolgreichen Uraufführung im „Apollo"! •< Eine musikalische Ehekomödie mit Lilian Harvey Willy FrJtsch Ralph Arthur Roberts, Heinz Rühmann, Oskar Sima, Kurt Gerron, Margarete Köppke v Regle: Hanns Schwarz [Die Hefje gegen den Revisionismus* Die allgemeine Stimmungsmache. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß der Kongreßwahlkampf im Zeichen einer beispiellosen Hetze gegen die Zionisten-Revisionisten steht In der letzten Zeit gehört es scheinbar zum guten Ton, mit den Revisionisten anzubandeln. Man verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Man versetzt dem verhaßten Gegner eines und beweist damit gleichzeitig die eigene Existenz. Das ganze geschieht in so hysterischer Manier, daß man sie nur auf heillose Angst zurückführen kann. Eines schönen Tages las man im großen jüdischen Blätterwald von einer sensationellen Rede des Dr. Wolfgang Weisl in Aegypten, der Enthüllungen über Weizmann versprochen habe. Während diese Sensation noch warm war, machte Warschau einen Wirbel, indem es von einer revisionistischen Proklamation in Wien zu erzählen wußte, die Weizmann als „bestochen" entlarve. Diese beiden Enten, die eine wüste Berichterstatterphantasie zu einem bestimmten Zweck bestimmten Kreisen schmunzelnd zur Verfügung stellte, hatten kurze Beine. Jabotinsky erklärte gemäß einer klaren Nachweisführung durch Dr. Weisl dem „Hajnt", daß von den Enthüllungen in Mizraira nur das eine wahr sei, daß sie erlogen seien, und im selben „Hajnt" mußte sich der Leitartikler A. Goldberg bequemen, in .bezug auf die Wiener Sensation einen Rückzug anzutreten. . , . . r , . 1 Grünbaums Haltung in Paris. Man will es nicht glauben, aber es ist dennoch wahr, daß auch Männer, denen man bisher Verantwortungsgefühl nicht absprechen wollte, der Impression der antirevisionistischen Hetzkampagne erlegen sind. Wir erhalten aus Paris von N. Michlin folgenden Bericht über eine zionistische Versammlung, in der der polnische Deputierte J. Grünbaum über die Lage im Zionismus sprach. In diesem Bericht heißt es: Der Vortrag des Herrn Grünbaum war ziemlich uninteressant. Zwei Drittel seines Referats waren der Erzählung über die von der Presse her bekannten Verhandlungen mit der englischen Regierung gewidmet. Das Auditorium hörte die Dinge geduldig an* Plötzlich Hinein m den Cmek! Von J. D. B e r k o v i c s. Unsere Leser kennen bereits einige Arbeiten des in New York lebenden jiddischen und : hebräischen Dichters J. D. B e r k o v i c s, der längere Zeit Palästina bereist und seine Reise« Eindrücke in einer Reihe von Aufsätzen niedergelegt hat. Die Art, wie Berkovics Lajjd Meeschen sieht und schildert, weicht wesentlich sowohl in Diktion als auch in der Auffassung der Reproduktion eines Pano* rairnas (Mensch, Tier, Landschaft, Klimatik), ' vpn den sogenannten Reiseschilderungen ab. Die Originalität Berkovics' verpflichtet uns, dann und wann einen kleinen Ausschnitt aus seiner großartigen Aufsatzreihe unseren Lesern in deutscher Uebersetzung zu ver* mjttejn, Der folgende Ausschnitt ist einer längeren Schilderung seiner Reise im Emek Jesreel entnommen. Die Redaktion. Ein seltsamer Tag, ein langer, reich an Erscheinun* gen, fiel uns auf. unserer Reise in die Gegend des Jordans als Geschenk su, Vom Morgen an fahren wir und fahren aus der einen Welt, in die andere, von der alten heiligen Stadt Tiberjas in 4*e junge arbeitende Kwuzah Daganja, vom schon fertigen, yersäten und bepflanzten Daganja zum erst frischaufgegrabenen Sand und den Wassern von Ruthenbergs ivtjrsehöpfung''; es wechseln die Wunder vor den Augen, neue Eindrücke* vermischen die früheren, neue Gedanken überdecken die noch nicht zu Ende ge* führten früheren -r und es ist immer noch heller Tag. Die wüstenglühende S.onne steht inuner noch mitten auf dem j Firmament; brennt still und heiß über den back* ofengedörrten, grau* und schokoladefarbenen Sandfeldern, rührt sich nicht vpn der Stelle, wie steckengeblieben in starrer Ruhe seit den alten wundersamen Zeiten Josuas, des Sohnes von Nun. Die sonnigen, sommerlichen Tage auf (|en Wegen Erez Israels sind lang, länger als die Wirk* |j.0)^(t,'Viind mit ebensolcher Länge ziehen die wüsten Stecken-Landes von einer Siedlung zur andern, dahin, di| Ilh^sipn einer einzigen unendlich großen Wüste. Schaffend, einer großen, zugrunde gegangenen, vergessenen. Erbschaft, die in erstickender Einsamkeit schmachtet und die vörbeiflitzenden Reisenden um Gnade bittet: „Kinder, wo 6oll das hinaus? Wie lange noch so daliegen und ver«! gehmachten? Was läuft ihr davon, ihr in euren Auto« mobilen? . . " Das kommt anscheinend von der Fülle nackter Berge und, Täler, die eine menschliche Siedlung von der aqdern scheiden, so daß sich, die glühenden, gottver* lasseneu Landschaften in einen einzigen langen, melanchos Jjschen Streifen zusammengießen. Heute ist erst Mitt* Vach* Per vierte Tag unserer Reise. Und dennoch hat man da», Gefühl, eine ganze Welt durchreist zu haben. ^el*Awiwv unser liebes Nest, unsere jungblühende Stätte 3e$^ Heims, konmt uns in den Sinn, hier, im tptvera schjafenen Tal des Jordans, wie ein ferner, sqhöner Traum, der uns träumte irgendwo hinter ih>eiten Bergen, Irgendwo, in einem weiten lebendigen Reich von den ins $eer versunkenen Reichen ♦ . . Der älteste von uns be« Jjaupter, all das komme daher, daß unser konservativ ge» sjjmmter Chauffeur uns fast wie zu Fuß durch Erez |$raiel führe und das wüste Land der Väter strecke — jwe|ma| sq groß als es ist. Trotzdem bekennt er ein, daß, jjejnessen an der zurückgelegten Strecke, Erez Jsrqel noch genug \yi|sten Boden besitze, um fünf Millionen Juden aufzunehmen ... . Von Ruthenbergs Station fahren wir zum Emek und bevor, wjr losgehen, geraten die beiden Chauffeure, un* Screjr Gesellschaft wieder aneinander. Wieder eine Aus» ejna^dcfagtzung wegen zweier Wege. Man kann von hier zum Emek durch, unesre wohlbekannte Galiläer. Straße fahren, zurück über Tiberias und Nazareth, und man kann durch einen Feldweg über Beth Schan fahren» Beth Schan (Beisan) das ist das traurig bekannte Krönland, Hinterlassenschaft der türkischen Sultane, das/ die. Pa*' lästina*Regierung gemäß dem Mandat deu jüdischen Kolonisationhätte übergeben müssen, es aber liebet», den Beduinen verschenkte. Und da die Beduinen, wenig Lust verspüren, Boden zu bearbeiten, so wollten sie^ das hoch* herzige Geschenk sogleich an. die Juden verkaufen, was die Regierung aber nicht erlaubte. So liegen die Beisan» |$öden so wüst da wie immer . . . Trotzdem würde es sich verlohnen, auf Beisan einen. Blick zu werfen, schon wegen seiner alten historischen Reputation. Hatten doch hier die alten Aegypter ihre Festungen und ^erapel, dort hingen die Philister an den Stadtmauern 4ie> Leichname, des Königs Saul und seiner Söhne, und. die braven Männer der Nachbarstadt setzten für die Ehre des Volkes ihr Leben ein, überschritten gegen Mitternacht die feinds liehen Grenzen und nahmen die Königsfamilie vom schändlichen Pranger herunter. Bei den Juden hatte Beisan ob seiner außergewöhnlichen Fruchtbarkeit den Namen „Tor des Gartens Eden". Unser Chauffeur sagt, daß das alles sehr schön wäre, wenn Beisan nur eine *Stfäße be* sitzen wollte und nicht einen Feldweg; sein Kollege aber, daß ihn der Feldweg nicht im geringsten störe — er fahre dort, wo es interessanter sei. Darauf unser Chauffeur: „Chawiwi, weh hast du dort verloren? — Faule Beduinen, die hingestreckt liegen vor ihren Buden und mitten am hellen Spmjnertag Schnarchen? Es ist doch für, Juden nur Herzwebi dort zu fahren." ♦ ...... Da erwiderte der jüngere Chauffpun „Juden müssen eben vor Herzweh nicht erschrecken.". Wir fahren zurück durch den bekannten; Weg, sehen wieder dieselben Landschaften wje . früher;. aber jetzt schauen sie uns näher und intimer an- Das jst die seltsame Eigenschaft Erez Israels — du gewinnst es und

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