Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 189 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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r Seite 2* DIE mm WELT1 Nr. 199 Die VerhandlungsfKoiftödie geht weitet« Mit der Vertröstung auf weitere Ver hftild* lungen mit der britischen Regierung, d. h. mit den Ministern des Aeußern, der Finanzen, deffli Pre* mier u. a., haben Präsident Weizmann, seine Leitung und seine Presse die Zionistische Organisation hingehalten und die Enttäuschung und Entrüstung gedämpft, Auen eine Runde*Tisch*Konferenz von Englän* dem, Arabern und Zio'nisten wurde sicher ift Aussicht gestellt. Nun erfährt die „beruhigte" Zionistische Organisation, daß alles Huinbug, Betrug oder Selbstbetrug war. Es fanden keine Verhandhingen mit Ministern statt, sondern Besprechungen mit dem zionistenfeindlichen und antisemitischen Beamten ... des Kolonialamtes. Die Araber wollen nichts von Verhand* lungen mit Weizmann wissen. Das ist das Resultat, auf welches die .zionistische; Oeffentlichkeit vertröstet wurde. London, 25. April. (J. T. A.) Die Beratungen über den auf der Basis der Vorschläge von Sir John Hope Simpson aufgestellten Landentwicklungsplan für Palästina haben am Mittwoch, den 22. April, gleichzeitig in London und in Jerusalem begonnen. Während an den Londoner Verhandlungen die Vertreter der Jewish Agency und ein interministerielles Komitee teilnehmen, dem ein Vertreter des Kolonialamtes, ein Vertreter des Schatzamtes und der Lordadvokat für S c h o 111 a n d, Craigie Aitchison, jedoch kein Vertreter des Außenamtes ange* hören, werden die Parallelverhandlungen in Jerusalem zwischen dem High Commissioner und den Vertretern der Araber geführt. Wie die Jüdische Telegraphen*Agentur erfährt, wer» den in diesen Verhandlungen zunächst bloß die all* gemeinen Fragen des Landentwicklungsplanes be* handelt werden, während die Frage des Landentwick* lungsfönds erst beraten werden dürfte, wenn das Unter* haus die erforderlichen Mittel bewilligt haben wird. In; politischen Kreisen hatte man erwartet, daß noch am Dienstag, den 21. April, in der Abendsitzung des Unterhauses, auf deren Tagesordnung ein Amendement zum 'Palästina* und Ostafrika*Anleihe*Garantiegesetz vom Jahre 1926 stand, eine Diskussion über die geplante Palästina*Landentwicklungsanleihe stattfinden werde. In der Sitzung 'begründete jedoch der Finanzsekretär des Schatzamtes, Pethick Lawrence, die Notwendigkeit eines Amendements zum Gesetz bloß im Zusammenhang mit der Aufnahme einer zweiten Anleihe für die Landentwick«' lung-'in^Tangänjfika,' ohne auf Palästina -B.e» aug zu nehmen. Hat der High Commissioner jüdisch-arabische Besprechungen vereitelt? .- .Jerusalem, 24. April, (J.'T. A.) Ittamar Ben Avi. veröffentlicht im .JDoar Hayom" unter dem Titel ^J'aocuse" eine Serie von Artikeln, in deren erstem er der Palästina»Regierung den Vorwurf macht, Dr. Weizmann genötigt zu haben, von seiner geplanten Zusammenkunft mit Emir Abdullah in Amman Abstand zu nehmen, Ben Avi zitiert in diesem . Zusammenhang einen an Dr. Weizmann gerichteten Brief des Chefsekre* tärs der Palästina*Regierung, Young, in dem erklärt wird, dgr Zeitpunkt für einen Besuch in Amman sei ungeeignet. Die Regierung könne auch weder jetzt noch später eine Verantwortung für Weizm?nns persönliche Sicherheit in Transjordarjien übernehmen. Weiters wird in dem Artikel ausgeführt^ auch raus anderen Tatsachen sei zu ersehen, daß der High Commissioner Sir John Chancellor den Wejf zu jüdisch-arabischen Besprechungen verrammelt habe. Zur Präsi'dentenfrage. Wird Weizmann demissionieren? — Nehemia de Lieme über Weizmanns Politik. — Sie ist verhäng- . nisvoll gewesen. Der Präsident der Zionistischen Organisation hat in letzter Zeit wiederholt die Erklärung abgegeben, eine Neuwahl durch den kommenden Zionistenkongreß nicht mehr anzustreben, bzw. abzulehnen. In einigen zioriisti* sehen Kreisen wird dieser Erklärung bindende Wirkung zugeschrieben, in anderen nicht, weil Präsident Weiz* mann schon wiederholt seine Demission als unabänder» liehe Tatsache hingestellt hat, ohne schließlich die Konsequenz zu ziehen. Jedenfalls hat die Erklärung Gegenstand zu Erörterungen in der Presse gegeben. * Das Londoner offizielle Organ der zionistischen Leitung „Haolam" befaßt sich im Leitartikel der letzten Nummer mit der Frage . des W e c h s e 1 s in der zionistischen Leitung. Dr. Weizmann, schreibt das Blatt, würde es bedauern, wenn der Kongreß ohne einen vorbereiteten Plan einer Lösung der ^^*0^**^$ fjp $ SO*— . S 24.—;C $ 28« I OiL, Ralserstrafie 123 IX., Alserstraße 6 Frage des Präsidiums 4er nächsten Exekutive der Zionistischen Organisation zusammentreten sollte. Weiz« manns wiederholt abgegebene bestimmte E r kl är u n.g, daß die n e,u.ß,r 1 i c h,e Ueb eriiahme des Amtes eines- Präsidenten der Zionisti* sehen .O.rga.nisation durch i h n nicht in B e*. tracht gezogen werden kö nite, mache die Frage des Präsidiums der Zionistischen Organisation zum brennendsten Probl erm, das •. dem Kongreß ge* stellt sein wird. Daher sei es wichtig,, daß die Vertreter der Zionisten nicht, wie gewöhnlich, o h n e Plan zu* sammentreten in der Hoffnung, daß die Angelegenheit auf dem Kongreß selbst durch irgend eine F1 i c k a r b c i t, erledigt werden würde, sondern daß. schon vorher eine Lösung vorbereitet werde. Ohne Namen von Kandidaten zu nennen, läßt sich „Haolam" in Betrachtungen über die Führerfrage ein, wobei das Blatt , den Standpunkt: ein» nimmt, daß eine Lösung nicht unmöglich ist, wenn eine Kpalitiohsexekutive, in der die . bedeutendsten zionistischen Parteien durch ihre hervorragendsten. Führer ver* treten sind, zustande kommt. In^diesem Falle würde sich die auf dem Präsidenten . p e;r,-s'ö n I i c h r u h e n d e Last vermindern und es könnte zweifellos unter, den ältesten und* e r f a h;r-enste n . Z i o n i s t e n ein geeigneter Kandidat zur -Uebernahme des Präsidiums gefunden werden, ohne daß sich, die Notwendigkeit von'. „Revolutionen" und eines Sprungs ins Unbekannte ergibt. Neue ftäckeis;{|nd Balte in großer Auswahl ßeso^ Alte' Warden bei .Zuzahlung besjenr-neue; umgetauscht Wenl«;gespielte - - .-r „DUNLOP"-Bälle n >$ Zr~— und fr.— O fra Karton (6 Stück) Wien, Ifflii Kirchensasse 28 Reparaturenraicliu. gewissenhaft Im Organ der h o 11 ä n d i sehe h * ZI onisten „De Joodsche Wächter" beschäftigt sich, der; Führer der allgemeinen Zionisten, das Mitglied ' der; ersten Zionisti* sehen Exekutive . nach der f*fBälföur* -Deklaration, Nehemia d e L i e m e,' mit M^1P/pUti.k,-.' wjelchte/ Weiz* mann inauguriert und zehn Jahre:'widerstandslos geführt hat. Seiner Ansicht nach, hat diese-Politik -nicht nur un* gemein geschadet, sondefn auch' die .-Lösung in der Zukunft ungemein erschwert. Unheilvoll, hat es sich aus» gewirkt, daß. Weizmann. aus. den% Zionismuseine An* g e 1 e g e n h e i t des G e 1 d s. a nrrn-e 1 n s -gemacht hat. Nehemia de Lieme schreibt; ',. i vb. - „Es . wird jetzt schwierig [ sein, Verhältnisse, .zu schaffen, die für uns ,p o Ii t i sjc.h e ,W i r k 1 i c h k e i t' bedeuten. Die naive und fc r i # i a 1 e; Losung ,G_ e l d, Geld und nochmals Gel dl' bedeutet in dieser Be* Ziehung nichts. Zehn Jahre dieses wirtschaftlichen Regimes haben dies zur Genüge bewiesen," Verhängnisvoll wirkte auch der von Weizmann aufgestellte Grundsatz, . daß» der, Aufbau des ^National* heimes n u r von dem Willen, und-der- Arbeit d e r J u de n, abhängig sei> daß man von der Mandatarmacht nichts zu fordern habe als wohlwollende Neutralität. Dazu schreibt Nehemia de Liem§; , „Palästina ist dazu bestimmt, das Jüdische Nation alheim für das jüdische Volk zu sein; aber das Land ist das V a t e r 1 a n d d e r j e t z i g e n Be» wohner, und wir müssen ihnen Raum zum Leben lassen. Palästina muß also wirtschaftlich so entwickelt werden, daß es neben der natürlichen Bevölkerungszu* nannte eine immer größere unjdj technisch .unbe# Verband demokratischer Zionisten Einheiltentrie S 1#— Mittwoch, den 0. Mal 1031, \ ,9 Uhr ebenda. Im Verband!« helm^l* Untere Avgwteni<r.99 Heiterer Abend Autübende: Oskar Teller, Viktor Schlesinger, Samuel 3chwagcr T_¥______!• *«* 3000 Jahren jüdischen Schrifttum!, illllTlOr n. aus 900 Jahre» fiddfschen Schrifttums, ■ in, aus 30 Jahren zionistischen Schrifttums Karten bei Brüder Schiftmann, II. Taboriira^e 49, AdminUiratfon c* er „Neuen Weh", II. Untere Augerienitrefe $9. Telephon A-45-6-34 ^MMmMMMMIMMMMMMMMMMMOmMMMOMMMMMMMMMM>MMMMMM»MM>MMMM<MMMMMMM^ grenzte Zahl von Juden aufnehmen kann. Es ist die Aufgabe der Mandatarmacht, die dazu nötigen Bedingungen tu schaffen oder schaffen zu helfen. Es ist jedoch unmöglich, in irgend einem Lande die genannten wirtschaftlichen Be* dingungen für einen Teil der Bevölkerung oder zukünf* tigert Bevölkerung zu schaffen, ohne das ganze Land zur Entwicklung zu bringen. Die Hauptaufgabe liegt also bei der Mandatar mächt. Die Bedeutung des Mandats liege nicht in der privatrechtlichen Kolonisation, sondern in der ö f f e n t* 1 i c h # r e C h 11 i c h e n. Es ist die Aufgabe der Mandatar« macht, aktiv zu sein." Dann hebt er die persönliche Einstellung der Weizmann»Politik hervor und schließt: „Die Leitung der zionistischen Bewegung hat bis* her zwei Losungen propagiert, deren Unrichtigkeit sich jetzt ernstlich rächen wird. Diese Losungen lauten: a) Die Juden sollen nur eine Chance haben. Wir müssen der Mandatarmacht zeigen, was wir leisten können. b) Das Mandat bedeutet und enthält kein Vor* recht für die Juden. Wir müssen auf eigene Faust kolonisieren. Diese Parolen bilden eine vollkommene Verkenn ung der Bedeutung des Mandats, das eine Konzession, also ein Vorrecht, für die Juden enthält und aktive Mitwirkung der Mandatarmacht zur Pflicht mächt. c) Auch eine neue Leitung der Bewegung wird mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie die bisherige. Es kommt, jedoch etwas hinzu. Weizmann hat mit Un* recht die Taktik angewandt, aus je der.Kritik eine persönliche Angelegenheit zu machen. Er hat de,n ohne Zweifel großen Fehle/ gemacht, jede gegen die Mandatarmacht gerichtete Kritik, sogar die be* recht igt ste, nicht zu widerlegen, sondern in der Weise zu entkräften, daß er diese Kritik als einen Mange_l .an; Ve r t ra u e n in, ihn, Weizmann, persönlich und in die Mandatärmacht vorstellte. Immer hat . er .sich g a n z unnötigerweise zum Verteidiger der. .Mandatarmacht auf ge« worfen, und nie hat er die Kritik dazu benützt, um die Position der Zionistischen Organisation gegenüber der Mandatarmacht zu stärken. Dies paßt ganz in den Rahmen seines persönlichen Regimes. Die Folgen aber zeigten sich jetzt. Diese Taktik ist v e r» h ä n g.n i s v o Ii für den Zionismus gewesen. Weizmann ist jetzt für die Engländer der ,,Ge mäßigte", und' jeder N a c h f o 1 g.'e r ist' schon ini voraus zum Extremisten gestempelt. Vielleicht ist jetzt die Zeit angebrochen, sich''zu besinnen, werin es nicht schon zu spät"dä'zü ist." - - ■ Vladimir Jahoti'nsky in Wien* Empfang der Presse. Vladimir Jabotinsky traf Montag, den-27. April, in Wien ein. Als Auftakt-zu seinem Mittwoch, den 29. April, im Konzertha'ussaal stattgefundenen Vortrag „Englandi Araber und Juden" lud die Wiener Union der Zionir* Sten*Revisiönisten die in* und ausländische Presse ein, um ihr Gelegenheit zu geben, sich vbn Jabotinsky /über, die Probleme des Zionismus zum 17. Kongreß informieren au lassen.- Nach einer Begrüßung der. in großer Zahl er* Schienenen Pressevertreter< durch Herrn Leon Wechs» l'-er begrüßte-Oberbaurat-Robert Stricker den Führer Jabotinsky als den prominentesten Träger des Herzl* sehen Zionismus, ....... ...... ----- Vladimir Jabotinsky führte im wesentlichen aus: „Ich danke Herrn Qberbaurat Stricker für seine B.e^- grüßung. Seihen Eintritt in. die revisionistische Union betrachte ich als den Anfang unserer Staatsprüfung, gleich« zeitig aber auch als ein wertvolles Zeugnis für uns." Auf sein eigentliches Thema'eingehend,-beschäftigte sich Jabotinsky mit den beiden gegenwärtigen^ Strömungen,- die er ein* ander in. den Entwicklungsphasen und in den program* matischen Punkten gegenüberstellte. Der Unterschied ist zunächst gekennzeichnet durch die verschiedenen Aus* gangsstandpunkte: Praktische Arbeit und Konzentrierung der wirtschaftlichen Energien, Geld für die Kolonisation als Voraussetzung für die Realisierung des Zionismus bei den Allgemeinen Zionisten, die sich auf eine Diskussion des Endziels (Was bedeutet jüdisches National» heim?) nicht einlassen wollen'— Schaffung einer politi* sehen Basis als Voraussetzung' für 'die jüdische Massenkolonisation mit allen ihren ökonomischen Möglich* keiten ,uhd Wirtschaftszweigen, bei der zweiten Richtung, dem Revisionismus. Unter politischer Basis ist in diesem Zusammen* hang der große Einfluß zu verstehen, den die Gesetz* gebung und Administration eines Landes auf dessen Ent* wicklung üben. Die Agrar* und Industriefrage kann nur unter aktiver Mitwirkung der verwaltenden Kräfte ge* löst werden. Der Aufbau des jüdischen Nationalheims besteht zwar aus 90 Prozent wirtschaftlicher Energie und lo Prozent Politik; aber diese 10 Prozent Politik sind Vo r au s s e t zu n g für die 90 Prozent des Wirtschaft* liehen Aufbaues. Diesem Grundprinzip ist die offizielle Führerschaft nie gerecht geworden. Der Satz: „Die politische. Situä* tion in Palästina ist zufriedenstellend", wurde zu ihrer stereotypen Erklärung,' die im weiteren Zuge auch' die englische Einstellung zur Folge hatte. Nach einer Darlegung der Politik der e r w e i t e r* t^n Jewish Agency, der englischen Administrationsj behörden, der britischen Shaw»Kommission und des