Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 189 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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tf* aUatsbi^o^^ tl«. vv.en. 1. Preis 35 droschen Jahrgang S fttiimg, den!♦ Ma. Till Nr» M# V«bt b* R E V I) E BEZUOSBEDINOUNQBN: Otsteffdch monatlich S 1J0, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig ZlotyS.-; Tschechoslowakei moiatllch Kc 6.-, vierteljährig Kc 18.*} jugesUwlen monatlich -----* ■-«—-•'»— ---- Lei 40.-, vlerteliKhrigTlel 120.-; Deuttchftnd monatlich Mi&k 1.-, vierteljlhrii Lewa 120.-; Italien monatlich Lire f.-, vierteljahrig Lire 14.—; Schweis und die ü jahrig Schweizer Ftä&oi M Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig rigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- HERAUSGEBER: R 0 BER T STRICKER Redaktion n. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel B-48-504 — ErsAeint jeden Freüag WINDJACKEN Oehtaftr 'anker Bau« n-Janker Tiuts shauthoten Hafeiltio«tn Sporthemden Ruensiek« wasaerdloht Imprägniert IV oCRBILIIGSTe^K m l'WIPPLINGERSTR > 20 Türken am heiligen Grabe Klassenkampf im jüdischen Palästina. Zur Zeit der Türkenherrschaft kam es in der Grabeskirche zu Jerusalem an hohen Feiertagen immer zu Schlägereien zwischen griechischen, römischen und armenischen Christen. Um Blutvergießen zu ver« hindern und die Ordnung halbwegs aufrechtzuerhalten, postierte die Regierung an der den Christen aller Riten heiligsten Stelle türkische Wachsoldaten, welche mit Bajonetten und Knuten dazwischenfuhren und mit Hieben und Stößen gegen christliche Schädel und Rippen für christliche Eintracht im christlichen Heiligtum sorgten. Mit Hohn und Entrüstung nahm die Welt die Nach« rieht von derartigen Vorkommnissen hin, nicht zuletzt die jüdische Welt. Juden — und gar zionistische Juden — erblickten darin ein Zeichen der Minderwertigkeit dieser christlichen Menschen mit ihrem Ueberfluß an Fanatismus und Mangel an Würde. Unter Juden, und gar unter Juden in Palästina, kann es so etwas nie geben. Der . Nichtjude als Bändiger wilder jüdischer Instinkte, als peitschenschwingender Dresseur inmitten einer raufen* den jüdischen Meute? Ausgeschlossen t Wir Juden..sind doch bessere Menschen « , ,: * In den jüdischen Kolonien Kfar Seba Und Ness Ziönah und in der jüdischen Stadt Tel*Awiw, auf dem durch jüdische Arbeit und jüdischen Idealismus geheiligten Böden, hat es in. den letzten Monaten Judenbalgereien gegeben. Englische Polizeibengel, mit bleckenden Zähnen und handlichen Gummiknütteln, mußten dreinfahren. Blond und vergnügt, haben sie den keifenden und schnappenden schwarzen Judenkötern Rücken und Köpfe verdroschen, sie. auseinandergerissen,, bei der Genickhaut gepackt; durchgebeutelt und in den Kotter geworfen. Dann standen die Juden vor einem britischen Richter, einem äußerlich würdig-gejjingweilten und innerlich be« lustigten, vor einem Jahr saß er noch im Busch über Menschenfresser zu Gericht. Die Juden schreien ein« ander Beschuldigungen zu und das rasierte Orakel diktiert Strafen nach links und rechts. Der Türke am heiligen Grabe ... * Es kam zu Schlägereien, weil die zionistisch« sozialistischen Arbeiter nicht dulden wollten, daß zioni« stisch«revisionistische Arbeiter am Werke beschäftigt werden. Der griechische Ritus will den koptischen Ritus nicht zum heiligen Grabe des Erlösers lassen, er schlägt mit Fahnenstangen und Kreuzen drauflos. Der sozialdemokratische Ritus will den revisionistischen nicht zum Altar der heiligen jüdischen Arbeit im Judenlande lassen und schwingt drohend Schaufeln und Spaten. (' Dann kam es zu Schlägereien, weil Juden nichts von jüdischen Arbeitern wissen wollen, weder von sozial« demokratischen noch von revisionistischen, und arabische nehmen, billigere und bequemere* " * Klasse! Klasse! Klasse! . . , Meine Klasse, deine Klasse! Die nationale Disziplin ruft alle zur Arbeit, weil nur so das unsagbar schwere Werk geleistet werden kann. Aber, man pfeift auf nationale Disziplin. Klassendisziplin ist Trumpf! Aus dem verwüsteten und vergifteten Europa hat man das schlechteste hinübergenommen, den Klassen« kämpf als Idee. ,Die:Art der Organisation hat man' hinübergenommen, welche sich nicht begnügt, die berech* tigten Interessen des arbeitenden Menschen zu schützen, sondern den arbeitenden Menschen an Leib und Seele fesselt. Er muß im Volksgenossen den natürlichen Feind sehen, er muß weg von ihm. Er darf mit ihm nicht ver« kehren, darf mit'ihm nicht fröhlich und nicht traurig sein,, nicht Sport und nicht Musik betreiben. Hinein in die Klassenkampf Organisation! Das rote Parteibuch ist heilig, das blaue verflucht. Die Idee vom Judenstaat ist Plunder, die Idee von den kämpfenden Klassen triumphiert über sie. * Dem palästinensischen Arbeiter, der glaubt, daß er, daß «eine Klasse des Um und Auf der judischen Renaissance bedeutet, dem jüdischen Pflanzer und Unternehmer, der im Dünkel lebt, daß er es schaffen kann^ wenn nur sein Besitz, seine KifsW behütet bleibt, beiden tut Ein« kehr not. Beide sollen!erkennen, daß das, was sie ihren Klassengeist nennen, ^ngeist ist, der.nichts schaffen und nur zerstören kann. Das heutige Palästina ist entstanden, weil eine alle Kräfte umfassendejnationale Organisation, die z i o n i* stische Organisation Theodor Herzls, die Vorbedingungen geschaffen hat. Ohne diese Organisa« tion, diese Zusammejifassung aller jüdischen, nationalen Kräfte, wären die „Klassen", die sich heute in Palästina so wichtig vorkommen und die so protzig tun, nicht da. Wenn die nationale Organisation schwach, ihrer Autori* tat beraubt wird, werden diese hochmütigen, engstirnigen „Klassen" verschwinden. Oder doch, sie werden da sein. Kleine, sich balgende, ineinander verbissene Judenhorden, welche der englische Poüzeibengel auseinanderprügelt und der eng* lische Polizeirichter in den Kotter sperren läßt. Keifen« des Pilgerpack. Türken am heiligen Grabe! Def Mann der zionistischen Wahrheil Vladimir Jabotuisky m Wien , jf v-» *" * ,■;{!.'* <>'? *" - £;j< ' { { i( a ^ffiKl $f'H'J§4&[ >• V'"'v??€, - fVi m «'? \> V'l£r /s "' ' , + - >', ■■■< % /V; :^ P&)T$%.. %) <' u y p 4?Z & %>! >, wf";// iy^'^.-^i&i'-t tä';\ ^V^Vm :^^^MWSWi&^^0^^90^: (Nach einer Zeichnung von Wilhelm Wachtel.) Dreiunddreißig Jahre sind seit dem. 1. Baseler Zionistenkongreß, zwölf Jahre seit der Balfour- Deklaration vergangen: zwei Epochen'des Ringens um den neuen jüdischen Gedanken vom Staat. Vom Staat als der Lösung der 2000 Jahre alten jüdischen Frage, als der Erlösung von der 2000 Jahre alten namenlosen Not der Gallith,. Dieser sonst in der Geschichte eines Volkes verhältnismäßig kurze-Zeitraum bedeutet eine Revolution in der Psychologie der Judenheit und ihrer führenden Gestalten. Ein Umwälzungsprozeß sondergleichen vollzog sich. {Eine neue Spezies jü diso hei Menscheii begann auf einem Boden schöpferisch tätig zu sein, der verschiedenartige Entwicklungskeime in sich trug, die sich zu einem Stamm mit mannigfachen Verzweigungen entfalteten. Das Phänomen Herzl leitete die Epoche ein. Viele umstanden'ihn, viele halfen ihm, viele wollten ihn auf ihr^en Weg führen, viele waren ihm vertraut. Aber un|er den tausenden Namenlosen, in die er die Saat seines erlösenden Gedankens geworfen hatte, gab es irgendwo im zaristischen Rußland .einen--blütjiingf^^e^chen,'den.Herzl nur ,so nebenbei zu Gesicht gekommen haben dürfte und dessen Name ihm gewiß nicht gejäufig war. Weder der... große»Führer, nijfch, seine Mitkämpfer^ konnten damals ahnen, daß in diesem kaum dem Knabenalter entwachsenen ^epschen eine Kraft.v; und ein Wille schlummere, derfLehre des Meisters würdigster Träger zu werden. Verwickelte Pfade ging der Zionismus' nach Herzls Tod. Nach laijlnt Jr?en'•, in der iWitefc wiiikta der < Augenblick^ 'der i|fe|heißung< schien. sDas,j?anze jüdische 'Volk glaubteÄjdp die Führer der Bewegung diesen Augenblick n^it -Herzischer Voraussicht erkerinen und mit Herrischem Elan den ganzen Umfang der Möglichkeiten erfassen und'festhalten. Es kam die Balfour-Deklaration, in der dieser Augen- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» Ushcn Notizen aind durch ein beigefügtes E bezeichnet, blick Körper gewann. Es war ein Licht, das unglückselige Hände allmählich zum Irrlicht machten. Herzls Erbe drohte vertan zu sein. Da schälte sich aus der Atmosphäre der Verdunkelung des Her zischen Gedankens ein Kopf heraus, der sich anschickte, das Götzenkalb zu zertrümmern, mit biblischer Einfalt das Heiligtum des nationale n I d e a 1 s zu reinigen. Er hatte im Dienste an ihm genug durchlitten, unter den Flügeln des Todes sich das Recht errungen, das Volk gegen die falschen Propheten aufzurufen und deren Irrlehre von einem kleinen Zionismus. w Als jungen Menschep sieivt man V4 äfd[i?ii ir jJa b p nÄ.Eyrm den vordersten, Reihen ,des russischen Zionismus, dem er auf dem heißen Boden der russischen Parteienkämpfe seine unentwegte, zionistischen Impulse gab. Im Weltkrieg, zu einer Zeit, da der Würfel noch länge nicht gefallen war, bewies Jabotinsky seine Instinktsicherheit, indem er das vielleicht ruhmreichste und ehrenvollste Kapitel des zionistischen Kampfes um den Judenstaat in der naehherzlischen Periode schrieb — sein R i ngen um die Schaffung einer judischen Legion für Palästina und deren Verwirklichung. In atemberaubendem Tempo erfüllt sich dag zionistische Schicksal Jabotinskys. Sein Lebensabriß, der äußerlich mit der Legion beginnt, ist eine Kette tragisch' anmutenden Erlebens. Von den britischen Machthabern, denen er das Land Israel erobern half, in den Kerker geworfen, von den zionistischen Machthabern bald darauf verfemt und verhöhnt, aus dem Lande hinausgedrängt, sieht er sich immer wieder vor die übermenschliche* Aufgabe gestellt, einem hüben und drüben großzügig inaugurierten Verrat am Judenstaat Palästina Einhalt zu gebieten. Schrittweise, durch Presse und. Wort und Zusammenfassung der Kräfte, beginnt er etwas in die Welt zu setzen, was heute allen sichtbar und mächtig erscheint, jabotinsky predigt den Herzischen Zionismus, warnt vor einer Politik, die zu Katastrophen führen muß, schafft, organisiert — abseits von der Heerstraße des offiziellen, „diplomatischen" Schreibtischzionismus, der mit den Phrasen von der jeweils aktuellen praktischen Wirklichkeitsarbeit operiert. Alle Tendenzen Jabotinskys streben schließlich einem harmonisch gefügten, lückenlosen programmatischen Bau zu, dem eine wachsende wirkliche Organisation und Jugendbewegung Rückgrat verleiht: Union der Zionisten-Revisionisten und Jugendbund Trumpeldorl Während bei den Schmälerern seines zionistischen Wollens und Zieles Fahnenflucht herrscht, Ratlosigkeit, ideologische Verwirrung, Spiel mit neuen ^Zielsetzungen", Flunkern mit; Erfolgen, wächst organisch wie ein Stück Natur ein Gebilde hervor, dem nur Geist und Tendenz des Herzischen Judenstaatszionismus die; Kraft der Entfaltung gegeben hat. Um den Revisionismus unter Führung Vladimir Jabotinsjcys schart sich heute alles, was lebenskräftig und tatenwillig ist im Zionismus. Der Mann, der nichts kennt außer D i e n s t a n der z i oriistischen I dee, ist auf einer Vortragsreise durch die europäischen Länder nun auch nach Wien gekommen. Das Wiener Judentum wird den großen Redner, den visionären Geist des unermüdlichen Kämpfers, den Mann der Tat kennen lernen, Orator, Dichter, Politiker, jüdischer Soldat — das alles stellt Jabotinsky dar, ein Mann, dessen Werls von der großen Wahrheit des Herzischen 2Ho> msmujs gekrönt wii^,