Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 188 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nf. 18$ DIE NEUE WELT Seite f ftatflo v arammophona - Srttallplatten Neueste Marken, Mich Ü»taus& &im*An?n^Ziklm§MtUhbtuung Radloüaus W, UominlkBneflJDsie! 22 ' ' Eckt Pranr-Joflef-Ka* 7/©, Tel. R.2M-16 |»MMHnMM«MMMMMMMHMHMMMMHMMMMrt Itaat wird ein Laboratorium für soziale Gei r'echtigkeit werden, in dem das jüdische Volk'sein«! Sozialen Kräfte souverän in der Realität verwerten* %ird. Vielleicht hat der Zionismus diese Menschheitsi tnission. ... Wir bauen jetzt an unserem Laboratorium und viel* leicht dienen wir der Menschheit dadurch mehr als die „fremde Gasse". Aber der Bau des Laboratoriums erfordert ein großes „Investitionskapital" an persönlichem Glück — für das Glück des Volkes und — auch der Menschheit, weshalb das persönliche Glück mehrerer Generationen ge* opfert werden muß." (Der Schlußbericht folgt) «r Vladimir Jabotinsky in München. Auf seiner Vortragstournee trifft Vladimir Jabotinsky Samstag, den 23. April, in München ein, wo er im Bayrischen Hof (Promenadeplatai) einen Vortrag über „England, Araber und Juden" hält. Der Sit« der Münchner Gruppe der Ziönisten- Revisionisten befindet sich in München, Ickstattstraße 2 b S 20.- S 24.- S 28.- VII.. Kolserstroße 123 IX., Alserstraße 6 ^ammmmmmmmmmmmmmmmmmtmmtmamma^mmmmmm Oiten, deren Standort in Schanghai vermutet wird, eine erbitterte Pogromhetze geführt. Antisemitische Vor* träge werden, häufig in englischer Sprache, über ganz China, Indien und Japan verbreitet und immer wieder die Parole ausgegeben: „Tötet alle Juden und befreit das heilige Rußland!" Die Station heißt Kutiepow; nach dem russischen General Kutiepow, dessen Verschlep* pung aus Paris durch Bolschewisten im vorigen Jahre großes Aufsehen erregte, benannt. Der zionistische Jugendkongreß. Erste Weltkonferenz des Brlth Trumpeldor in Danzig. (Von unserem Sonderkorrespondenten I. L.) Am 12. April eröffnete Vladimir Jabotinsky im überfüllten Saal des Danziger Werftspeisehauses die Erste Weltkonferenz des Brith Trump el* dor in der Anwesenheit von 87 Delegierten und mehreren hundert Gästen aus Palästina, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Litauen, Lettland, Deutsch* land, Frankreich, Ungarn, Oesterreich, dem Freistaat Danzig, den Vereinigten Staaten und China. Die Gruppen in Brasilien, Bulgarien, Belgien, Estland, Griechenland, Schweiz, Kanada, Südafrika und Tunis waren nicht in der Lage, Delegierte zu entsenden und begrüßten die Kon* ferenz in herzlichen Briefen und Depeschen. Nach der kurzen hebräischen Eröffnungsansprache Jabotihskys begrüßten die Konferenz der Präsident der Jüdischen Gemeinde Danzig Justizrat Fabian, der Vor« sitzende der Zionistischen Organisation Danzigs Doktor Landau, der Vorsitzende der Union der Zionisteh* Revisionisten Danzigs Herr M ä r i a n o w s k y, im Namen des „Misrachi" der Oberrabbiner von Danzig, Herr S e g a l o w i t s c.h, der Rabbiner von Zoppot Herr Che n. Im Namen der Revisionistischen Union Polens wurde die Konferenz durch den hebräischen Dichter Dr. Jäkob Kahn und im Namen des Tel*Chaj*Fonds«Direktoriums durch Dr. Feldschuh begrüßt. Schriftliche Begrüßungen langten von der revisionistischen Weltexekutive, von den meisten revisionistischen und Brith Trumpeldor*Gruppen sowie vor* Herrn Meir Großmann (London) und Herrn Farbstein (Warschau) ein. Nach den Begrüßungen hielt Jabotinsky sein < Referat über „Die Lage im Zionismus und die Aufgaben der jüdischen Jugend". Nach einem kurzen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Brith Trumpeldor führte er folgendes aus: „Ich will versuchen, den anwesenden Gästen den Brith Trumpeldor vorzustellen, wie i c h ihn sehe. So wie ein jeder in der Wahrheit etwas anderes sieht, so sieht man auch (Jen Brith Trumpeldor verschieden. Daher wird das, was ich sagen werde, ein von mir geschautes Z u* kunftsbild des Brith Trumpeldor sein, das Ziel, nach dem er sich sehnt. Nach dem Kriege trat im Zionismus eine Periode; ein, in der man bestrebt war, ihn allen Wünschen und Ge» schmacksrichtungen anzupassen. So verlor er seine l magnetische Kraft. Der Zionismus wurde zu einer kleinen S a c h e, für wenige Auserwählte. Man verstand . es, den Verzicht und die Kleinheit des magnetlosen Zionis» i mus in schöne Worte zu kleiden und sprach von einer „jüdischen Originalkultur" in Palästina: dazu sei kein jüdischer Staat und keine quantitative Bevölke» rungsmehrheit notwendig, sondern bloß eine hohe Qualität der Siedler. Die Jugend konnte dieser Kleinzionismus nicht befriedigen, er konnte nicht ihr ganzes Herz und ihr ganzes Bewußtsein erfüllen. Die jüdische Stube wurde ihr zu eng. Die Jugend öffnete die ' Fenster der engen, eigenen Stube und schaute auf die; fremde Gasse. Dort ziehen herrliche Prozessionen mit leuchtenden Fahnen der Erlösung der Menschheit engegen. Die jüdische Jugend lehnte sich immer weiter zum Fenster hinaus und rief in die fremde Gasse: „Pst, pst, Genossen, — wir auch, wir auch..." Und so mancher lehnte sich .so weit hinaus, daß er aus dem Fenster der jüdischen Stube hinausfiel und auf; der fremden Gasse blieb.,. Die Jugend, die drinnen blieb, schuf ein A in a l g a m, eine Mischung, einen „Schaatues".. Sie führte die Ideen der fremden Gasse in die j ü d U sehe Stube ein. Diese Ideen sind an sieh gut, aber das Amalgam, die Vermengung, ist schlecht- Brith Trumpeldor ist ein Protest gegen das Vermischen unvereinbarer Elemente. An der Wiege des jüdischen Volkes steht das Prinzip der, Einheit. Das Wort „Ehad" — einer — ist das Ge« heimnis des jüdischen Wesens. Sieh ganz und gar e 1 n e m Ideal, einem Dienst hinzugeben — ist die Sehnsucht unserer Bewegung. Und dieses Eine ist für uns der jüdische Staatsgedanke. Brith Trumpeldor will ein Instrument des Staatsgedankens sein. Und was erfordert der Staatsgedanke? Vor allem eine Hingabe unter allen Umständen; einen Dienst in allen Berufen und Funktionen: alles muß der Brith Trumpeldor sein —• Arbeiter, Lehrer, Soldat; Handwerker und Händler. Aber noch etwas bildet die Grundlage des Brith Trumpeldor: die Ethik der physischen Kraft. Nicht immer ist die physische Kraft unethisch. Die Schwäche des Unterdrückten, seine Hilflosigkeit bildet den größten Ansporn für die Gewalttätigkeit des Ueber* legenen. Alle Kulturnationen, deren Söhne in Europa ge* sittet und zivilisiert sind, haben sich in ihren Kolonien die furchtbarsten Gewalttaten zuschulden kommen lassen. Dort ist „Hefker" — dort sind die Eingeborenen v o g e 1« frei. Fünfzehn Millionen Juden leben auf der Welt mit dem Kainszeichen des Jagd« wildes an der Stirn. . . . Der Brith*Trümpeldor will diesem Zustand ein Ende machen. Er will das Kains« zeichen an der Stirn des jüdischen Volkes wegwischein» Das ist die Ethik der physischen Kraft. Aber die Anwendung, der Kraft muß gelernt werden. Dazu ist Zucht notwendig. Jener Typus der Menschen*„Maschine", den das Volk in gewissen Augen« blicken braucht, muß erzogen und bereitgehalten werden. Die Unterordnung, die Ausschaltung des individuellen Instinktes ist schlecht, wenn sie durch die Machtmittel des Staates künstlich gebildet $ird. Aber sie ist das Geheimnis der Nation, wenn sie freiwillig geschieht. Eine Menschenherde wird erst dann zur Nation, wenn in gewissen Augenblicken auf einen Wink viele Tausonde Hände gleichzeitig ein und dieselbe Bewegung ausführen. Dann ist die „Maschine" nicht mehr Zwang, sondern Freiheit! Der Brith Trumpeldor erzieht eine neue geistige Rasse im jüdischen Volk. Ein Geschlecht des höchsten Adels jüdischen Geistes, des Selbstbewußtseins, das Würde mit Courtoisie vereinigt. ' Auch der Weg des jüdischen Volkes zum Dienst an der Menschheit geht über de nJu den Staat. Das jüdische Volk lebte immer im ständigen Protest gegen die soziale Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Aber seit der Zerstörung des jüdischen Staates konnten die sozialen Kräfte unseres Volkes sich nur im Wort ausleben. Und ihr Predigen blieb und bleibt fruchtlos. Als das franzö» siSche Volk seinen Protest gegen die soziale Ungerechtig« keit ausdrücken wollte, sandte* es nicht Emissäre in die Welt, um die neue Lehre zu predigen, sondern ver* wirklichte sie in seinem. Staat, und auf einmal war die Menschheit um einen Schritt weiter. Der Juden* (Michael Simann). * Zum Wiener Vortrag Jnbotinskys. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß alle für den Vortrag Vladimir Jabotinsy bestellten Karten bis spätestens Sonntag, den 26. April, 11 Uhr mittags, im Sekretariat, IL, Obere Donaustraße 101/103, abzuholen sind, da sie sonst weitergegeben werden. iV Montag, den 27. April, halb 9 Uhr, findet im Cafe Produktenbörse (Taborstraße) eine Studentonversammlung statt, bei der Dr. S. Wolf, Josef Frankel, B. Lubotzky u. a. über „Revisionismus" sprechen wenden. Anschließend Konstituierung des revisionistischen Studentenklubs. Die Versammlung ist allgemein zugänglich. Pünktlicher Beginn! Freie Diskussion! * Verband demokratischer Zionisten. Mittwoch, den 29. April, entfällt wegen des Vortrags Vladimir Jabotinsky die allwöchentliche Versammlung. Mittwoch, den 6. Mai, findet um halb 9 Uhr abend im' Verbandsheim, II., Unt. Augartenstr. 38, ein Heiterer jüdischer Abend statt, an dem die Herren Oskar Teller, Viktor Schlesinger und Samuel Schwager' 'mitwirken. Einheitsentree S 1.—. Der Rüdcfall. Notixen über Sowjefrußland yoÄ |, Kli'now, Berlin» e.n Ich stelle meinen Radioapparat auf Rußland, ein före den Serienvortrag über den K a m p f g e g e n Antisemitismus auf dem. Territorium der Sozialistischen Union. , * ' Moskau, Welle 1304; Ch ar kdw, Welle;938, jtiew, Welle 800. Die Sowjetsender haben nahezu mitr einander in Dingen des Interesses an jüdischen Fragen zu konkurrieren begonnen. Ich weiß: Wenn ich Glück habe, so werde ich aus der Ukraine, aus ,Wei%u|h\nd, aus verschiedenen Zentren der Sowjetrepublik neue „angenehme Botschaften" über einen neuen unerhörten Kreuzzug gegen die Juden in den Fabriken, Kolonien, Städten und Dorfern hören. Ich höre den (iffi. bDARMSTORUNOEN FETTANSATZ BLKHUNGEN besonders in den Wechseljahren, haben die klinisch tmr:r«.;:;>. erprobten, «*t<Mie*|Mjf!* Kräutertabletten „ZET 26' sich hervorragend bewahrt., Ans reinen Pflanzendrosen ohne chemische Beimengung hergestellt, wirken sie langsam und mild. &lnd wind* und 'gutrntreibeml, roßon die Drüsensekretion an, entgiften so den ganzen '«•• Organismus und schaffen Wohlbehagen. Ii allen Apotheken (90 g. S 3.70). Depot: Apoth. Mantler. Wien. XXI. gellen Referenten, der ein hübsches Stück Moral auf ggie Antisemiten, die Konterrevolutionären/loslaßt, und iph bin über die Grundursache nicht verwundert, darüber, daß sich solche belehrende Radiovortrüge als nötig erwiesen' haben, P** filßland ist letztens wieder aufgeblüht, leider in |einem vollen einstigen Glanz und in 'all' fl^eine^ Pracht» ,,.v;, | - ' Jede Leitung, die aus!Sowje(rußiahd kommt, eni-. ölt in den letzten Tagen Klagelieder, an die wjr. nietyt; ehr gewöhnt waren. Im Don-Becken beklagt sich der Radiosen<Jerinejueui speziellen Appell na,- die Jungkommunisten. Iii der Kertzscher großen Fabrik, so meldet mit Triumph die russische „Tribüne", dus offizielle prgan des Ozet, ist es endlich gelungen, das dortige Antiftemitennett »t anetäre». Ein jüdkeher Arbeite1namens Schammes, ein jüdischer Zeichner Farner, ein jüdischer Arbeiter Levy, ein jüdischer Ingenieur Wissotzky, eine Unzahl anderer von den paar hundert jüdischen Industriearbeitern in Kertzsch, haben von den russischen Ingenieuren, die Kommunisten eingeschlossen, Schreckliches auszustehen. Man hat jetzt zwei der Beschuldigten entfernt, nachdem die russische Zeitung „Das rote K r im" auf' die inquisitorische Behandlung, die die jüdischen Arbeiter im Kertzscher Betrieb zu erdulden haben, aufmerksam gemacht. Aber bildet Kertzsch eine Ausnahme? Das Radio bestätigt, daß die Arbeiter von T u 1 a, unter dem Deckmantel des Kampfes gegen die Religion offene Pogromagitation gegen die Juden betreiben. In Sebastopol kommt es im Schiffsbaubetrieb dazu, daß jüdische Arbeiter ins Meer geworfen werden. Das erfahren wir immer später so nebenbei aus keiner anderen Zeitung als aus dem „Emess" selbst. In Chabarowsk, dem nahen Zentrum des „jüdischen Landes" Biro-Bidschan, werden Antisemiten schwer verurteilt, einer sogar zum Tode. Das Hauptorgan für den sow jetistischen Fernen Osten, hält es für seine Pflicht, zur Bekämpfung des Chauvinismus und Pogromnationalisraus aufzurufen. Und auf dem Sowjetkongreil in Moskau muß sich der Vorsitzende der weißrussischen Regierung, C o 11 o 1 i d, gegen die Lüge, die Verleumdung verteidigen, daß die Juden in Weißrußland Privilegien genießen. Von Osten nach Westen, von Norden nach Süden das gleiche Bild. Die Regierung alumiert, schlägt Lärm, tadelt, denn sie weiß, daß mit dem Antisemitismus auch überall der Antisowjetismus verbunden ist, sie bekämpft das Unheil, sie bestraft — und der Antisemitismus wächst und wächst ohne Halt und ohne Ende. Woher kommt auf einmal diese neue judenfeindliche Welle? Daß die. Welle neu ist, daß wir es mit einem Rezidiv zu tun haben, ist außer Zweifel. Vor einem oder zwei Jahren hatte sich die Lage in dieser Hinsicht kardinal geändert. Wir hatten uns damals eine 6ehr, bequeme Theorie zurechtgelegt zur Begründung des verschwundenen Antisemitismus, Wir legten damals; Die Juiien haben zu. handeln aufgehört und da« Unglück der