Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 188 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 6 DIB NEUE WELT Nr. i« iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiinimiiniiiiiiiiHiii ECKSTEIN'! FAMILIEN-PSNIIONAT «•«laurallon, KaHMhavt /1Billifi Mlfo.f«i SEMMERINO SM^MS"« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheltttrtg, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 m llllllllllllllllllllllllllll llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilill In Südrhodesien leben Eingeborene 1,237.485 Europäische Emigranten 5,581 In Nordrhodesien leben Eingeborene 965.769 Europäische Emigranten 4.506 In beiden Ländern gibt es gesetzgebende Körper« schaften, in Südrhodesien sogar ein verantwortliches Mi* nisterium. Kein einziger der Eingeborenen befindet sich,in den gesetzgebenden Körperschäften, die ganze Macht übt das Häuflein Europäer aus. Nicht Uninteressant Ist, daß John Chancellor Gouverneur von Südrhodesien war zur Zeit, als die gegenwärtige Konstitution eingeführt wurde. 4. Dasselbe gilt für Mandatsgebiete wie Tan» ganyika und. Südwestafrika (früher deutsche Kolonie), wo die Eingeborenen trotz erdrückender Mehr' heit gegenüber den eingewanderten Europäern, englischen Bürgern, nicht einen Sitz in der Gesetzgebung haben.. Das sind Tatsachen, die wir heute feststellen, ohne eine Wertung vorzunehmen. Sie .sollen' nur den Beweis liefern, daß die Behauptung, in englischen Kolonien läge die Regierung in den Händen der Eingeborenen, falsch ist. Genau das Gegenteil ist richtig — sowohl in den engli* sehen Kolonien als auch in den Mandatsgebieten. Nach dem Weißbuch vom Oktober 1930 wird vor* gesehen, daß der geplante gesetzgebende Rat in Palästina auf Churchills Weißbuch vom Jüni 1922 zü basieren habe, demzufolge der Rat aus 22 Mitgliedern bestehen soll, und zwar: Mohammedaner Juden Christen und andere 692.195 162.069 91.727 Totale 4*5.991 Von den 692,195 Mohammedanern sind 193.331 wandernde Beduinen, die als Wähler überhaupt nicht in Betracht kommen. Die Juden, die das europäische Koloni* sationselement darstellen, haben in Palästina mehr als 45 Millionen Pfund investiert, eine Summe, die keiner der englischen Kolonisatoren . und wahrscheinlich auch nicht ,, alle zusammengenommen im ganzen englischen Afrika, investiert habeny Uutej dwe« Bedin^m^ wür<** eift Parlament ifi zen britischen Koloniatpolitik bilden, wo das cinge* wanderte europäische Kolonisationselem^nWl» > «ftte^ sbt solute und hoffnungslose Minderheit Im Äfew titfr •feffegÄr* risohen und feindlichen arabischen* Bevölkerung,, gestellt würde. Wenn man bedenkt, daß sogar nach dem Weißbuch vom Jahre 1922 die Juden auf Grund des Rechtes und nicht der Duldung ins Land kommen und daß da* Mandat England vom Völkerbund mit der klaren Be* Stimmung übergeben wurde, alles zu tun, um die Balfour« Deklaration und die Wiederherstellung des jüdischen Nationalheims in» Palästina zu verwirklichen, so versteht man erst, wie ungerecht es wäre, gerade in Palästina eine Regierungsform einzuführen; die die jüdische Bevölkerung der Gnade der Araber überliefert. Wie sähe die Lage in Palästina aus, wenn die 162.000 Europäer nicht die Juden, sondern die Engländer wären — sogar ohne Mandat? Bei den oben angeführten Beispielen der englischen Kolonialpolitik ergibt sich die Antwort von selbst. Offizielle Mitglieder Gewählte Mitglieder; Araber Christen Juden 10 8 2 2 Totale 22 Nach Sir John Simpsons Beriefet bestand, die palästi» nensische Bevölkerung im Jahre 1930 aus; *;. \ Heien Klein Solomon Scnolmmer Ganiße Novoselice Verlobte am 30» März 1931 Die jüdische Nationalität in Jugoslawien anerkannt. Belgrad, 19. April. (J. T. A.) Bei der Volkszählung, die, jetzt in ganz. Jugoslawien durchgeführt wird, ist auch die jüdische Nationalität. anerkannt.,..Da« jüdische Blatt „Zi d o.v" fZagreb) fordert die Juden .auf,' die Rubrik ,,Nationalit#^inif• l,jei¥#js#a*Müdii/ch)) auszufüllen. Die amtliche. Weisung) über diesen- Punkt lautet; Jede P e rjs WS**-* & nnfF fiW^FlH ä r e n,, w e.l-c her N a t i p n k 1 i t äti?u nd vMu t t<e rs p.r a che? s i e a n g e h ö r t, Die durch|ühre^den»iOrgan« der; .Volkszählung dürfen in/ keiner, BftaiieJiun^'.eWncjbruck ausüben. . , >".„a />. >tö h v,; ' i i wjiiim^^ fi i-, , i ■ .-^ Geiehberecbtigung der Gläiibensbekennlnisse in j*sw*jT?5Wtff» 3* ^V'',. Madrid, 19. ApfiL Die neue republikanische RefHiiiiitiwinfiflni?» Union der Zlonlsten-Refisionlsten Onoterroiehn | 1 ltt Ofteft Dottwastf ee iei/W fl -■■ - -. f§ § Montag, den 27. April 1931» § 7,9 Uhr abends, Cafö „Produkten- böraa", IL, Taborstraße 10 | STUDENTEN 1 VERSAMMLUNG 1 GEQENSTAND: 1 „Revisionismus" I ~r« D NBR:- 1 Dr. S. Wolf, Jos. Frflnkl, j rl B. tfftfcftttky u.a. | ACNTÜNO! Anschließend Könstiteulrung des revlslo- | nlstischen Studentenklubs Allgeratin zugänglich 1 Freie Diskussion 1 | Pünktlicher Beginnt § äimiininiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii kündeten Grundsätzen Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse in Spanien einführen werde und daß damit, die katholische Kirche ihre bisherige bevorzugte Stellung als integrierender Teil des Staates verliere. Alle römisch-katholischen Priester des Landes werden aufgeä fordert werden, den Grundsatz der Trennung von Kirche und Staat anzuerkennen und der Republik Treue zu schwören. Bezüglich der Stellung der Juden in Spanien erklärte im Juli vorigen Jahres der ehemalige spanische Außenminister Herzog von Alba und Berwick einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, daß die Juden in Spanien den übrigen Einwohnern des Landes; gleichgestellt seien und ihre Stellung nur davon abhänge, ob sie spanische Bürger oder Ausländer seien. Die Juden, erklärte der Herzog, können die spanische Bürgerschaft ebenso erlangen wie Angehörige anderer Bekenntnisse. Als spanischer Bürgen steht ihnen jedes staatsbürgerliche Recht, auch das passive Wahlrecht für das Parlament, zu. Was das Austreibungsedikt vom Jahre 1492 betreffe, so seien durch die Konstitution von 1876 in Spanien alle vor dem Jahre 1800 erlassenen Gesetze automatisch außer Kraft getreten, daher auch das Edikt über die Vertreibung der Juden.! In der „J e wis h Encyclopaedia" teilt Joseph Jacobs mit, daß das Vertreibungsedikt bereits im Jahre 1858 anläßlich der Ausrufung Spaniens zur Republik durch General Prim unter dem Einfluß von H. Guedalla i in London aufgehoben wurde und daß es seit dieser Zeit den Juden wieder gestattet ist, spanischen Boden zu be- ' treten. : Die erste seit der Judenvertreibung von 1492 gesetzlich, anerkannte Synagoge wurde erst im Dezember vorigen Jahres eröffnet. Die .Synagogengemeinde besteht „aus 30 Familien. Bei der Eröffnung der Synagoge war die , Regierung durch einen Beamten vertreten, der das Gemeindestatut 'unterzeichnete. Pogrompropaganda im Fernen Osten. u Charbin,''13. April. ,(J. T. A.) Seit einiger Zeit wird von einer geheimen Radiosta.tion im Fernen W^SfMfWft einige Eierküchel, bitte die sehr geehrie Nachbarin, vom alten Pessacb-Slibowitz zu kosten,' Sie. läßt sich nicht sehr lange bitten. Während ich mit den Lippen still den Segen sage, ein klein wenig Vom , Gläschen nippe, hat meine sehr geehrte Nachbarin ihr Gläschen bis auf .den Grund geleert, ins Eierküchel, hineingebissen, und ich fülle ihr schon das zweitemal ihr Gläschen, Ein bißdien das Herz erfrischt, blicke ich wieder in mein Buch hinein. Meine Nachbarin in das ihre, Aber weder ich noch sie haben das Gesicht zur Scheibe gewandt. Winter ist es. Zwei Wdchen nach Chanuka. Die Nacht bricht rasch herein, wenn auch aus lauterem Himmel. Mittemonatsmond. Aber bei Mondlacht lesen, das durch die halbeingefroreneu'Scheiben Vor den Augen flimmert, ist nicht der Mühe wert Sd' siebt meine Nachbariu mich an und ich sie. Wir geraten bald in ein breites Gespräch. Die Dame erzählt mir bereits, woher sie ist. Die Frau des Landesgerich'tsrates K. in Tarnopol. In mir blitzt plötzlich ein Gedanke auf* der in naher Beziehung zur „Verleumdung" vmeines Schwiegervater« steht. Ich werfe in Verbindung damit einen Blick auf meinen, die ganze Länge der Mittelbank einnehmenden Schwiegervater. Der musiziert immer noch, fest in den Pelzkragen gehüllt, durch die Nase. Es ist gegen 6 Uhr abends. Mein Magen meldet sich. Wenn man stundenlang im , Postwagen durchgerüttelt wird, bekommt man einen Wolfshunger. Ich breite meine Decke über de« Schoß aus, öffne den Korb mit den Fleischspeisen, ziehe Hühnerschenkel und Enten hervor, die meine Schwiegermutter selbst koschergemacht hatte, lade meine Nachbarin, die Landesgerichtsratsgattin, zum Mitesseu ein. Meine Nachbarin ist nicht faul, zieht den Peckenzipfel an sich und bedeckt ihren Schoß, ißt aus vollen Backen und zerkaut sogar die Knochen. Dann kommen noch zwei Flaschen Wein und zwei Gläschen. Ich, gebe ihr eine eigene Flasche und ein eigenes Gläschen. Soll die Laudesgerjchtsratsguttiu so freundlich1 ' sein, sich aus ihrer Flasche in ihr Gläschen einzugießen 1 Und die Flasche ist bald gauz lae?, Die Wange« brennen. Ihre Augen glänzen. Sie sieht in mir. schon den jungen Mann mit 20 Jahren. Ich bin nicht mehr der imuww, s-ftünti miMsm mtmmxML i;«*!uWmBm •<!•) S sehr, geehrte Nachbar und nicht mehr der großm^chjige jHerr, sondern das liebe Kind. Wegen des' 'lieben ^uy^s,' das in' 'der polnischen Sprache nicht gerade perfekt is,t, 'beginnt sie mit mir Deutsch zu sprechen. Sie will mir izeigen, daß sie sich in den Büchern der Deutschen auskennt, sagt auswendig mit ihrem weichen polnischen L 'den Brief Ophelia an Hamlet her; tu; Zweifle än der Sonne K^lartieit> , M,; . Zweifle an der Sterne Licht, ' T l Zweifl', ob lügen kann die Wahrheit, j '.. Nur an meiner Liebe nicht!! . Dabei neigt sie sich mit (lern obersten Teil .ihres •K^rpqr« .über, meine linke Schulter, Sie hat mir bereits;e{n„ j^$tmjt£s{!ins^Phr,:su?j£au.n$n,.-„.Mir wjjcL in allen» Gliedern heiß, eine schöne Bescherung,', E|ne , etwas schwüle Damel Ich werfe eijien Blick auf meinen;schlafenden Schwiegervater;i'es fehlt nur hoch, daß mein; Schwiegervater gerade in diesem Augenblick aus dem 'Schlaf erwachll fch greife zu.,einem Trick aus der Klaus, ■bitte die/Dame lächelnd^ mir'zu helfen beim Zusammenlegen der Decke, und ich sage gleichsam zu mir selbst,. ni.it einer Stimme, die immer lauter wird: „Das Städtchen , Kopiczyhec und das Städtchen Trembowlje haben wir schon hinter uns, Bald sind wir in Mikulinec. Nicht mehr weit nach Tarnopol." Mein Schwiegervater ist erwacht. Sieht auf die Uhr. Es ist gegen sieben. Er macht mit beiden Händen' seine Pejes zurecht, führt mit der Hand über den Bart, wendet d^e Augen auf uns. Ich'stelle ihm die Dame vor:; „Die Frau des Landesgerichtsratr K. in Tarnopol.^ „Ihr geehrter Eidam'4, lächelte die Dame süß, „hat mir schon gesagt« wer der großmächtige Herr ist, Besitzer des Dorfes AI." Mein Schwiegerväter verneigt sich schweigend vor der Dame.' Ein Wunder aller Wunder ist geschehen. Die schwüle, Dame War rasch nüchtern geworden» Ihr liebes Kind kaan wieder sein Gesiebt aar. Scheibe wenden und; seift Buch ieseu» Sie,: die Lftudesgenchtsratsgattia» be» sch#ft%t sieh bereits «ehr Rögejiegentlich mit dem alten,; jsehr geebrteia Herrq. Meiu: Schwiegervater beherrscht! zwar die polnische Grammatik nicht ganz, aber es fließt wie Wasser, Es herrscht , schon eine Freundschaft zwischen ihnen wie von altersher, man konversiert JyjiUtlWW'.1».. ■»."■'iL!. ,U.. ,1', I..' 11 . 1 -' ■ . ' {polnisch. Sie erzählt ihm und er erzählt ihr. Mein 'Schwiegervater ist ein kluger Jude. Er vergißt nicht, so nebenbei der Dame die ganze Geschichte von der »Verleumdung, die jetzt auf ihm, dem Armen, sitze, zu 'erzählen. Die Dame macht ein mitleidvolles Gesicht, sih ist barmherzig, sie fühlt sein Leid, denkt ein wenig, jnach und, bald hat sie's heraus. „Soll der großmächtige Herr, gut auf meine Worte hören! Hier in der Postkutsche hab* ich meine lederne Handtasche vergessen. JDer sehr geehrte Herr hat meine Handtasche gefunden. Eine halbe Stunde später bringt der großmächtige Herr die Handtasche zu mir nach Hause." Meinem Sohwiegervater leuchten die Augen. In der Tarnopoler Gastwirtschaft angekommen, mit dem Advokaten geheimnist, durchsucht mein Schwiegervater die „vergessene" Handtasche* Dort sind eine Schachtel mit zwei zurückgebliebenen Zigaretten, eine altgebackene Semmel, eine leere Puderschachtel, ein zerbrochener Taschenspiegel und ein „Haufen" Geld, eine ganze FuufeivBanknote und einige Münzen» Mein Schwiegervater tritt zur Seite, m.aelit sich in seiner Brusttasche zu schaffen und läßt in die „gefundene" Handtasche . ein hübsches Stück Geld; gleiten, bringt den „Wertgegenstand" der Dame, die voller Freude ist, Sie wirft einen Blick in die verlorene Handtasche, es fehlt nicht ein Faden, Es gibt noch brave ehrliche Mensehen auf der Welt, sie wisse gar nicht, wie sie dem großmächtigen Herrn danken soll, daß er sich selbst bemüht habe. Sie bittet ihn, Platz zu nehmen, stellt ihn ihrem Mann vor, dem Landesgerichtsrat, erzählt natürlich gleich die schreckliche Verleumdung, die auf dem sehr geehrten Herrn ruht, und fügt noch aus eigenem hiezu: „Der Anbejter war ja in einer anderen Abteilung der Breunerei beschäftigt, was hat er in den Raum zu kriechen, wo »ich der siedende Kessel befindet?" , Als der Schwiegervater am nächsten Tag befreit hervorging, sprach er zu sich selbst, indem er des Rebben leise, halbweinerlicbe Stimme nachahmte: „Na* ich hab* es schon gesagt. Mit des Allmächtigen Hilfe, gesegnet sei er. Ihr fahrt mit Gott morgen mit der Postkutsche nach Tarnopol."