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Die neue Welt · 1931-04-17 · Heft 187 (17.4.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 187 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nf. 18? DIE NEUE WELT S*1P für diese Schule ausgebildet werden. Was schließlich dio jüdischen Gemeinden in Tripolitanien anbetrifft, so habe ich ihre Reorganisation auf Grund der Bestimmungen des neuen jüdischen Gemeindegesetzes für Italien und die italienischen Kolonien durchgeführt. Die Juden in Chile. Anläßlich eines Aufenthaltes in New York gab der Rabbiner von Santiago, Elijah Magenzo, einige interessante Erklärungen über die Juden von Chile nb. Zurzeit leben in diesem Lande zirka 2000 Juden, wovon etwa die Hälfte in der Hauptstadt Santiago. Die jüdische Gemeinde in Santiago ist besonders aktiv. Mit einem Kostenaufwande von einer Million Pesos wurde ein Gebäude fiir ein jüdisches ^ntrum errichtet. Die jüdische Gemeindeschule werde in starkem Maße auch von Nichtjuden frequentiert. Es existiert in Santiago auch eine jüdische Klinik, die jedermann offensteht, die meisten der Patienten sind Nichtjuden. In Santiago erscheinen zwei jüdische Zeitungen, die eine in spanischer, die andere in jiddischer Sprache, Rabbi Magenzo bezeichnete die wirtschaftliche Lage der Juden in Chile als günstig. Die Jugend, die durchwegs Spanisch spreche, zeige leider eine starke Tendenz zur Assimilation und sei zu Mischehen geneigt. Eine Masseneinwanderung von Juden nach Chile komme aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage, doch fänden jüdische Handwerker gutes Auskommen im Lande. Ein jüdisches Sportfest wegen „Antisemitismus" verlegt. Genf, 12. April. (J. T. A.) Die jüdischen Sportorganisationen der Schweiz hatten die Abhaltung eines großen jüdisc hen Sportfestes zu Schwuoth in G e n f geplant. Mit Rücksicht auf den Wider* stand führender jüdischer Persönlichkeiten in Genf, die eino Verstärkung der augenblicklich dort herrschen* den antisemitischen Stimmung durch die geplante Veranstaltung befürchteten, haben sich die Leiter der jüdischen Sportvereine entschlossen, Basel als Veranstaltungsort zu wählen. In den Kreisen der jüdischen Jugend der Schweiz, insbeson« dere in den Kreisen des Makkabi, herrscht lebhafte Empörung über die Haltung der Genfer jüdischen Notabein. * Die jüdischen Herrschaften in Genf, welche so „vor* sichtig" sind, werden bei anderen Anlässen gewiß nicht verfehlen, sich als „freie Schweizer" in die Brust zu werfen. Tel-Awiw, die Stadt Dizengoffs* Zum 70. Geburtstag des Bürgermeisters. Von Dr. Wolfgang Weisl (Jerusalem). Wir jungen Juden, die -wir keinen Respekt vor Personen und keine Sentimentalität für vergangene Ver* dienste kennen, wir werten den Erfolg eines Mannes und seine Tat — und nicht seinen Willen und nicht seine Absicht. Und deshalb stehen wir bis ans Herz kühl dem Geburtstag irgend eines Mannes gegenüber, dessen Ver* dienste einer Vergangenheit und dessen Sünden einer Rennenden Gegenwart angehören, während wir in Liebe und Freude uns verneigen vor unserem Freund D i z e n* goff, dessen Werk in unserer Mitte lebt, von ihm auch heute noch getragen und gestützt. Sein Verdienst ist nicht historisch, sondern Gegenwart, seine Tat ist nicht pro* pagandistisch erstart, sondern lebendig. Sein Werk steht vor uns und kündet seinen Ruhm — unser TebAwiw, unser geliebtes, teures, stolzes Tel*Awiw, das wir lieben trotz aller seiner Fehler, trotz aller seiner Mängel. Und heute, da sein erster Bürgermeister seinen siebzigsten - Geburtstag feiert, da wollen wir den Mann ehren, indem wir sein,Werk rühmen. Indem wir uns aufs neue leidenschaftlich, und mit Begeisterung zu TeLAwiw bekennen, das einer der stärksten Pfeiler des erneuerten Judentums undder erneuerten jüdischen Kultur ge* worden ist. Nicht heute erst anerkennen wir die ganze Wich* tigkeit TeUAwiws für unser Land. Zu einer Zeit, da die Phantasten und Narren der zionistischen Aesthetik ver* kündeten, ein Bauer im Emek sei wichtiger als hundert „Gazozverkäufer" in Tel»Awiw, sind wir gegen diese lächerliche und volksfeindliche Dreistigkeit aufgetreten, die die Almosenempfänger der zionistischen Fonds bis in den Himmel erhebt, die tausenden und zehntausenden schwer arbeitender Menschen aber, die sich in TehAwiw ohne Darlehen, ohne Fonds, ohne Belastung der zionisti* sehen Spender durchs Leben schlagen, als „Spekulanten", als „Müßiggänger", als „unproduktive Elemente" verachten wollte. Und als Weizmann sich erlaubte, das „Wir wollen kein ,Nalewki* (Judengasse in Warschau) in Palästina" zu sprechen, da waren nur wir Revisionisten imstande, ihm entgegenzuschleudern: „Besser ein Nalewki in Palästina, als ein Nalewki in Warschau — und besser ein Nalewki, das die Juden sich selbst bauen, als Experi* mentalstationen, die von den Geschenken eben jenes Nalewki da draußen abhängen." Wir Revisionisten waren es, die erkannten, daß auch die Krise .von 1926 nicht vom zu raschen Wachstum TeLAwiws herrühre, sondern daher, daß die zionistische Exekutive, im Herzen unglücklich über das rasche Wachstum, ihre Zustimmung zu einer Aende« rung der Einwanderungsgesetze gegeben hat, die den weiteren Zustrom der „NalewkiJuden" unterbinden sollte. Als TcbAwiw 1926 zu wachsen aufhörte, fing die Krise des Zionismus an, die bis heute ununterbrochen andauerte. TebAwiw wurde zum Exponenten Palästinas, zum Symbol der Heimkehr der Juden. Sein Glück ist das Glück des jüdischen Volkes, sein Leid ist die Not des Zionismus selbst. Symbol und Vorkämpfer Palästinas wurde TebAwiw — das TebAwiw Dizengoffs. « Wir wollen das Werk rühmen und nicht den Mann . . . deshalb übergehen wir die Zeit, da die Arbeiterpartei glaubte, die Führung Dizengoffs entbehren zu können, und ihn stürzte. Im Handumdrehen waren die Finanzen der Stadt zugrunde gerichtet. Nur mit Hilfe der Regierung konnte die Stadt vor dem Bankrott gerettet werden, nachdem sie Dizen* goff durch Arbeiterführer ersetzt hatte — aber ein Teil der Autonomie der Stadt ging damals verloren, viel Ehre und viel EinEfluß gingen zum Teufel . . . ehe Dizengoff wieder zurückgerufen wurde, ehe er wieder die Leitung „seine r" Stadt, seines Kindes übernahm. Ein armes Volk hat hier, hastig und ohne Geld, über Nacht eine Stadt gebaut, wie eben Städte heute noch in Amerika aus dem Boden wachsen. Aber die Bedeutung TekAwiws für die Seele des Juden sahen wir erst, als die Welle von Blut und Feuer, die Schmach des Pogroms sich über das Land Israels ergoß. In Haifa, in Jerusalem, in den Kolonien fühlten sich die Juden auf einmal in Feindesland. Frauen wagten sich am Abend nicht aus den Häusern, jedes Geräusch, jeder vorbeigehende Araber schien Feinde anzukündigen. Die Juden Paliistinas lebten monatelang in einem Zustand ununterbrochener Bereit« schaft. Belagerungszustand in der Heimat. Galuth in Palästina. Bei DARMSTÖRUNGEN FETTANSATZ BLXHUNGEN besonders in den Wechseljahren, haben die klinisch erprobten, abführenden Kräutertabletten „ZET 26" sich hervorragend bewährt. Aus reinen, Pf lanzendrogen ohne chemische Beimengung hergestellt, wirken sie langsam und mild, sind wind- und harntreibend, regen die Drusensekretion an, entgiften so den ganzen Organismus und schaffen Wohlbehagen. In allen Apotheken (90 e. S 3.70). Däpöf: Apoth. Mantler. Wien. XXI. Nur in einer Stadt, nur-ap^e i n e m Orte herrschte auch während und nach den Mordtagen das Gefühl,, in der Heimat zu sein. Nur in einer Stadt sahen sich die Juden beschützt von ihrer, eigenen Polizei, geführt von ihren eigenen Führern. In TelfAwiw. Im TekAwiw Dizengoffs. Schön für das Auge ist TekAwiw nicht, wenn man bei Tage, in scharfem Sonnenlicht durch die Straßen geht, wenn unbarmherzig deutlich die schlecht gebauten Ziegel* häuser ihre Fassaden zeigen, die mehr versprechen wollen als das Material der Bauten halten kann. Schön ist Tel» Awiw nicht, wenn man die Straßen betrachtet, die aus Mangel an Geld nicht ordentlich gesäubert werden können, die vielen kleinen Geschäfte mit ihren ärmlichen Waren und den überladenen Provinzschaufenstern, die unfertigen Häuser, die leerstehenden Bauplätze, die Bürger* steige, die plötzlich aufhören und sich in fußtiefen Sand verwandeln ... Aber des Nachts, wenn der Mondschein die Stadt verklärt, die Häuser phantastisch vergrößert, in reinem blauen Licht badet, dann ist TebAwiw schön, unwirklich schön, vielleicht schöner als selbst Haifa oder Jerusalem. Die Freude, die Jugend, das Glück zieht in den Mond* nachten durch die hellen, lauten Straßen der Stadt Dizen* goffs. Die singende Stadt singt sein Lob. Die singende Stadt — das ist die Gründung Dizengoffs ... * ->.'• Eine andere Schönheit will ich erwähnen: Eine Schönheit TebAwiws, wie ich es sah aus der Luft, vom Zeppelin aus, als vor zwei Jahren langsam und fried* lieh über dem jubelnden TebAwiw des Purim kreuzte. Ich glaube, ich habe nie erzählt, daß es damals nur ein Zufall war, ein kleiner Zufall, daß der „Zeppelin" TebAwiw besuchen konnte. Wir hatten Pech mit dem Wetter damals auf unserer Reise; und wäre Eckener nipht der beste Flugschiff*Führer der Welt, wir hätten damals das Schicksal des R 101 erlebt. Durch Sturm und Nebel hatten wir eine große Verspätung und so kam es, daß wir erst nach 4 Uhr abends vor Haifa erschienen. Ich sah, wie das Luftschiff majestätisch und langsam Kurs auf Nazareth zu nahm — zum Emek. Ich stürzte in die Steuerkabine Eckeners und bat ihn, dem es ohnedies lieber war, eine halbe Wegstunde zu ersparen, nach Süden, nach TebAwiw, zu steuern. An den schimmernden Wäldern von Chederah vorbei, an den neuen 1 Orangen* kolonien am Meeresstrand vorüber fuhren wir zur jüdi* sehen Stadt. Bei Sonnenuntergang erreichten wir sie, als gerade, die ersten Lichter angezündet wurden. Ganz niedrig, ganz langsam flogen wir längs ihrer breiten, schönen Straßen, die mit Menschen gefüllt waren — und siehe, Tel*Awiw, das verachtete Aschenbrödel des Zionismus, es war berauschend schön, von oben, vom Zeppelin Radio m Grammophone - Schallplatten Neueste Marken, auch Umtausch älterer Apparate, Zahlungserleichterung Radionaus „ELPHOR A", l, DomlniKanerbastel 22 Ecke Franzijosef-Kai iß, Tel. R-24-4-16 aus gesehen. Nie wurde mir der Unterschied zwischen dem sauberen, modernen judischen Werk und dem schmutzigen Winkelwerk der Straßen des arabischen Jaffa so deutlich wie während der zehn Minuten des Ueberfliegens. Die Christen, die mit mir fuhren, waren beinahe noch mehr begeistert als ich. TekAwiw — es klingt schwer zu glauben — war, aus den Lüften gesehen, schöner und imposanter als Rom, als, Athen, das wir später saheo- Eine ungeheure Menschenmenge drängto sich in deu Straßen» Die Rufe der TebAwiwer brausten bis zu uns empor; wir sahen die blau*weißen Fahnen des Brith Trümpeldor zu unserem Willkommen wehen, und wir da oben im großen Schiff — Juden und Christen — wir hatten das Gefühl eines brausenden, frohen Lebensl Wenn man Dizengoff fragen wird: Was hast du getan, damit du von deinem Volk so geliebt und so ge* feiert wirst, an deinem siebzigsten Geburtstag? — dann mag der Jubilar antworten: Ich habe der Jugend und dem Leben eine Stadt gebaut' in unserem alten Land. Si« gehört mir, wie ich ihr gehöre. Autobusse in Tel-Awiw verbrannt. Jerusalem, 11. April. (J. T. A.) In der Nacht vom Freitag auf Samstag wurden 4 5 Autobusse in Tel- Awiw durch Feuer vernichtet. Der Verkehr in der Stadt ist hierdurch fast völlig lahmgelegt. Die Ursache des Brandes ist bisher unaufgeklärt. Der Schaden wird auf 20.000 Pfund geschützt. , , i Die palästinensischen Landessprachen im Amis-' . verkehr. London, 12; April. Im Unterhause stellte der Labour-Abgeordnete J. E. Mills an den Unterstaatssekretär für die Kolonien» Dr. Drummond Shiels, die Anfrage, wie groß die Zahl der englischen Beamten in Palästina sei, die Prüfungen in arabischer oder hebräischer oder in beiden Sprachen abgelegt haben, und ob dem Unterstaatssekretär bekannt sei, daß die für Araber bestimmten Zuschriften der Palästina-Regierung in arabischer, die an die jüdischen Gemeinden gerichteten jedoch nicht in hebräischer, sondern in englischer Sprache abgefaßt seien, und ob er eine Untersuchung über die Gründe dieser Unterscheidung einleiten wolle. DrV Shiels erklärte, das Kolohialamt sei über die im zweiten Teil der Anfrage mitgeteilte Praxis der palästinensischen Behörden bezüglich ihrer offiziellen Korrespondenz nicht informiert, werde aber Erkundigungen über diesen Gegenstand einholen. Jüdische Bodenkäufe in Palästina im Jahre 1930. Jerusalem,. 6. April. (J. T. A.) Wie das Land-Departement der Regierung mitteilt, haben Juden im Jahre 1930 45.882 metrische Dunam zu einem Gesamtpreis von Pf. St. 817.260 gekauft. Ein Professor der Hebräischen Universität auf einer Forschungsreise in der Wüste vermißt. Jerusalem, 10. April. (J..T. A.) In jüdischen Kreisen Jerusalems herrscht tiefe Besorgnis wegen des Schicksals des Professors der Zoologie an der- Hebräischen Universität Jerusalem Dr. Ahroni, der mit seiner Gattin vor längerer Zeit eine wissenschaftliche Exper dition in die Syrische Wüste unternommen hat. Dr. Ahroni beabsichtigte in. kleinen Tagesreisen die gesamte Wüste von Damaskus nach Mossul auf dem Weg über Palmyra und Bag.dad zu durchqueren. Seit etwa einem Monat ist in Jerusalem von Dr. Ahroni keine Nachricht mehr eingetroffen. Da der Gelehrte ein genauer Kenner der Wüste ist, darf immerhin noch gehofft werden, daß das Ausbleiben der Nachrichten bloß darauf zurückzuführen, ist, daß er in der letzten Zeit keine Gelegenheit zur Weiterbeförderung seiner Post fand. Inzwischen ist der englische Zoologe Dr. Jourd a i n in Jerusalem eingetroffen, der sich der Expedition Dr. Ahronis angeschlossen hatte und ihn vor etwa einem Monat verließ. Die Palästina-Regierung hat sich mit den Behörden von Syrien und Irak in Verbindung gesetzt. Es dürften Expeditionen sowie Flugzeuge zur Suche nach den Vermißte« ausgesandt werden. Kommunistische Agitation in Palästina. — Moskau will Blutvergießen. Jerusalem, 8. April. (J. T. A.) Die Pessach-Tage sind in Jerusalem ruhig verlaufen. Große Mengen von Juden waren am ersten Pessachtage vor der Klagemauer zum Gebet versammelt, wo auch Chief Rabbi K o o k unmittelbar nach seiner Predigt in der Hurvah- Synagoge erschien. — Inj Hinblick darauf, daß in diesem Jahre das Pessachfest, die christlichen Ostern und das mohammedanische Nebi - Musa - Fest zusammenfielen, hatten die Behörden umfassende Sicherungsmaßnahmen getroffen. Diese galten aber weniger etwaigen Zusammenstößen zwischen Mohammedanern und Juden als der Uebeywachüng der Tätigkeit der Kommunisten, die von der Moskauer Kommunistischen

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