Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 187 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. iff Internationale die Weisung erhalten haben sollen, es am Nebi-Musa-Fest zu einem Blutvergießen kommen zu lassen. Drei Kommunisten wurden bei der Verteilung von Flugschriften, in denen zum Kampf gegen die Regierung, die Zionisten und die Effendis aufgerufen wird, verhaftet. Die Nebi-Mnsa«;Prozcssioii in Jerusalem. — Demon Titrationen gegen die Juden, das Mandat und den ^roßmufti. Jerusalem, 15. April. (J. T. A.) An der anläßlich des Nebi-Musa-Festes veranstalteten Wallfahrt zu der bei Jericho gelegenen Stätte, an der die Mo hammedaner das Grab Mosis vermuten, nahmen viele tausende Araber teil. Der Zug bewegte sich in feierlicher Prozession durch die Straßen Jerusalems, in denen über 10.000 Zuschauer, vorwiegend schwarz ge kleidete und verschleierte mohammedanische Frauen, das Schauspiel verfolgten. Es wurden wilde juden feindliche Rufe laut, die an die Tage des Massakers im August 1929 erinnerten. Viele Pilger riefen: „Schlagt, verwundet und tötet o lin e Furcht!" Andere beschränkten sich darauf, „Nieder mit der Balf ou r-Deklaration und dem Mandat!" zu rufen. Die Behörden hatten außerordentliche Maßnahmen zur Verhütung des Ausbruchs von Unruhen getroffen. Ein Heer von Polizisten war auf den Beinen, Panzerwagen versperrten den Zugang zur Jaffastraße und starke berittene Polizeikräfte eröffneten und beschlossen den Pilgerzug, um vor allem die tanzenden Derwische, die den verdächtigsten Teil der Prozession bildeten, im. Auge jzu behalten. Nur der Wachsamkeit der Behörden ist es zu danken, daß es nicht zu dem befürchteten Zusammenstoß zwischen Anhängern und Gegnern des Mufti kam Immerhin war die Erregung der beiden Parteien außerordentlich stark, und so oft ein Anhänger des Großmufti ein Hoch auf diesen auszubringen versuchte, kam er über die Worte „Lang lebe..." nicht hinaus. Er wurde dann durch Rufe, wie „Der böse Geist fahre; in den Vater des Mufti!!' niedergeschrien. Die! Pilger übernachteten auf .dem Platze vor der Omar- Moschee und vereinigten sich am nächsten Tage mit den Pilgerzügen aus Lifta und Ain Karen. Arabische Pressestimmen. Die Tageszeitung „Falastin" erklärt, au der Berechtigung der Araber, die Juden zu boykottieren, könne kein Zweifel bestehen. Schon immer, habe es einen stillschweigenden Boykott der Juden; gegen die Araber gegeben, seit, der, Anerkennung des; Rechts der Juden, keine Araber in ^Unternehmungen der Jewish Agency zu beschäftigen, wie sie im Mac- Donald-Brief ausgesprochen sei, gebe es einen legal en Boykott. Es handele sieh um: eine Bedingung in den Pachtverträgen, um einen Zwang auf den Siedler, also um wirklichen Boykott. In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation wäre es Selbstmord' seitens .der Araber, wenn sie die Juden nicht boy-; kottieren würden. Die jüdischen Friedensbeteuerungen . seien nicht ernst zu nehmen; . in Wahrheit steigerten die Juden ihre Forderungen täglich und versuchten, Transjordanien in ihr Tätigkeitsgebiet einzubeziehen. Die Araber würden es aber ablehnen, sich nach Transjordanien schicken zu lassen und müßten versüchen, ihren nationalen Widerstand in Palästina mit allen Mitteln zu stärken. In diesem Sinne sei der Boykott keine negative, sondern eine positive Be-, wegung. Unter der Ueberschrift „Weizmann, geliebt von den Engländern, gehaßt von den Arabern" schreibt „S o u t A e c h a a b" in einem Leitartikel vom 14, März, Weizmann sei ein Fremder, der kein R e c h t Ii a b e, sich in palästinensische Angelegenheiten' zu m i s c h e n. So intelligent Weizmann sei, werde er den Arabern nicht einreden können, daß das Jüdische Nationalheim nicht die Ausrottung der Araber in Palästina . und in anderen arabischen Ländern bezwecke. Frieden mit den Juden könnten die Araber nur auf der Grundlage schließen, daß Palästina ein arabisches Land mit arabischer Sprache, Kultur und Regierung sein müsse. „Falastin" schreibt in der arabischen Ausgabe, es sei unverständlich, warum eich die Führer des syrisch-palästinensischen Komitees in Aegypten auf Verhandlungen mit Dr. Weizmann eingelassen hätten. Dr. Weizmann sei ja jetzt in Jerusalem und könne selbst versuchen, ob er bei der Arabischen Exekutive Gehör finden werde. Das paläfiinenfifdie Wirlfdiaffsjahr 1930. Jerusalem, 4. April. Als Anlage zum Februarheft des „CommerciaJ Bulletin" veröffentlicht die Regie» rungsabteilung für Zölle, Akzise und Handel einen Bericht für das abgelaufene Jahr, dem wir folgende Tat* Sachen entnehmen: Die Einnahmen dieses Departement? betrugen im Jahre 1930 Pf. St. 1,234.957 gegenüber Pf. St 1,166.421 im Vorjahre. Den wichtigsten Einnahme-* pjosten stellen <\\e Importzölle dar, aus denen im vorigen Jahre die Einnahmen Pf. St. 991.560 betrugen.! Der Bericht hebt die große Anzahl von Kon-' kursen im letzten Jahre hervor, bei denen die Qeserotinasse etwa eine halbe Million Pfund betrug. Die. l I JÜDISCHE BÜHNE, II., TaborstraBe 12 | 1 Gastspiel des berühmten, jüdisch-amei iranischen 1 | Künstlers tRWINO ARtO | I Freitag, 17., Samstag, 18., Sonntag, 19., und Dienstag, I |j den 21. April § I „Im Zadiks Hof" 1 1 Di« erfolgreichst« Komödl« — Drei Stunden § i Lachen — Volkstum liehe Preise I privaten Darlehensgeber forderten wucherische Zinsen, während die Banken den Zinssatz für Depositen auf etwa lVa Prozent ermaßigten. Im ganzen war die Lage in Palästina wirtschaftlieh wahrscheinlidi besser als in manchen angrenzenden Ländern. Die Bautätigkeit war in den drei hauptsächlichsten Städten sehr stark, eine große Anzahl wichtiger öffentlicher Gebäude der Regierung, Banken, Hotels usw. wurde erbaüt. Die Haifer Hafen bauten machten große Fortschritte: 1049 Meter der Mole wurden gebaut. Es wurden im ganzen 1170 Arbeitet bei den Hafenarbeiten beschäftigt. Im Jahre 1930 wurden 16 Tanks für Oelprodukte in der Petroleumzone von Haifa erbaut,, davon 13 mit einer Fassungskraft von 19.000 t durch die Shell-Gesellschaft und 3 mit einer Fassungskraft von 5800 t durch die Vacuum-Gesellschaft. Die Ueberproduktion in der Olivenöl - Produktion führte zu einem großen Preissturz bis auf 30 Müs für das Kilogramm. Das daraufhin angeordnete Einfuhrverbot für ausländisdies Olivenöl führte zu einer Steigerung der Preise bis auf 40 Müs. Es wurden 6000 t Seife exportiert gegenüber 5103 t im Vorjahre. Die mit Tabak bebaute Flüche ist um etwa 3000 Dunam erweitert worden. Der Ertrag wird auf 1,386.000 kg geschätzt, zirka 200.000 kg mehr als im Vorjahre. Es arbeiten 12 Fabriken mit etwa 1000 Arbeitern. Da nur 487.585 kg Zigaretten fabriziert wurden und der Tabakexport sehr klein war, ist die Lage der Tabakpflanzer eine sehr ungünstige. Der Wein export betrug in diesem Jahre 10.748 Hektoliter, etwa dieselbe Menge wie im Vorjahre. Die „Nesher"-Z e m e n t fabrik arbeitete mit voller Ausnutzung ihrer Maschinen. Es wurden 12.351 t exportiert, großenteils nach Syrien und Cypern, während der Export im Vorjahre nur 7639 t betrug. Auch die Sälzproduktion zeigt einen Aufsdiwung. Der Index sank um 58,6 Prozent im Vergleich zum Jahre 1922 und um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahre. Die Großhandelspreise fielen um 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahre Der Import war geringer als im Vor jähre: Pf. Stl! 6,985.258 gegenüber Pf. St. 7,166.595. Der Export; vergrößerte . sich, nämlich von Pf. St. 1,554.262 im Jahre 1929 auf Pf. St. 1,896.095 in diesem Jahre. (Jab.) Eiii pal«iftmeiififche§ Theater* Moshe Halevy und der „Ohel". •Die jüdische Welt kennt den Namen „Ohel." als das hebräische Theater Palästinas, das aus dem Boden des Landes selbst gewachsen ist; ein Theater, das in sich ■ die Tendenzen der spezifiselupalästinensischen, hebväjschen j Renaissance verwirklichen will — im Sinne der inneren Struktur des neuen Palästina. Was wir bisher vom „Ohel" wußten, stammt aus Berichten und aus szenischen Bildern, die da und dort i in der europäischen Presse auftauchten. Nun gab uns die : Anwesenheit des Begründers dieses Theaters- M o s h e HaieVy die Möglichkeit, Authentisches über den „Ohel" zu erfahren. Halevy war fast sieben Jahre bei der.Habima tätig, als Schauspieler und später als Regisseur. Wie die Habima selbst, genoß er seine erste theatralische %ov*! bil'duhg bei den Russen, dem F r ü h r e a Ij s m u s : Stanislawskys und dem stilisierten Realismus seines begabtesten. .Schülers Wachtangow, des " um das hebräische Theater so verdienstvollen Regisseurs, der dem „Dybuk" der Habima zum Welterfolg verhalf. Halevy verleugnet nicht Herkunft und Wesensart derer um Habima; in die Augen springend das Erfülltsein von der, Idee des hebräischen Theaters, die Energie auf dein Weg zur Tat, die .Besessenheit, immer wieder neues ferrain zu gewinnen und das Erreichte hartnäckig zu; verteidigen. Die Unterhaltung mit Halevy vermittelt das Wissen um die nahezu romantische Geschichte einer Theater* gj'ündung. Chaluzim und Chaluzoth werden von Erde und Werkstatt geholt und in eine Atmosphäre der sub» tilsten Theaterprobleme hineingestellt, Menschen, denen che Arbeit des Abends auf improvisiertem Podium die Nöte des Tages überglänzte, Menschen, deren Fundus nicht aus geldlichem oder sonstigem Requisit bestand — wenn nicht aus Begeisterung, Wille, Liebe, Emst und Talent. Eine Schar von dreißig jungen jüdischen Menschen gibt sich zunächst geraume Zeit allen Aufgaben : und Studien, die zusammen „Theater" . ausmachen, der ininiiscl}e», sprachlichen, bewegungsplastischen, - musikalb sehen Durchdringung der Materie hin, uni ' 'd^iin aus primitivsten Mitteln dein transportablen.'szenischen ^nparat . buchstäblich mit der Hand zu schajfeß. Der Landschaft des Landes und der Lebensart der Beduinen wird das Geheimnis des orientalischen Rhythmus abge» lauscht, damit man so retrospektiv zum Stil der Bibel, zum Stil der hebräischen Klassik vordringen und ihn selbst schöpferisch weitergestalten könne. Denn das Ziel ist: klassisches hebräisches Theater: verbunden mit den Formen des heutigen jüdischen Seing in Palästina. Die Aufgaben des „Ohel" konnten bisher zwei' Geisteshaltungen gerecht zu werden versuchen: den sozialen Tendenzen in Werken von Capek, Upton Sinclair und Heyermans — und dem Reich der BibeL Die innere Ruhe, das epische Idyll, die Harmonie und Geschlossenheit einer naturhaften Welt sollten im Hirtenlied von „Jaakob und Rachel" zum Ausdruck kommen. Der palästinensische Lyriker Schijonski bediente sich des biblischen Vorwurfs, um ihn im Ablauf drämati« scher Dynamik dem „Ohel" als Substanz für die Bühne zu übergeben. Stephan Zweigs „Jeremias" sollte nicht mehr als den Rahmen für die Tragödie eines Volkes geben, das in weltgeschichtlicher Stunde zusammenbricht» Die erste Etappe bildete der ostjüdische Dichter J. L. Perez. Drei chassidische Stücke dieses Dichters ließen den „Ohel" sich in jüdischem Wesen verankern und gaben, den Impuls für den weiteren, bereits gezeichneten Weg. „Ohel" ist ein Wandertheater. Es spielt in TebAwiW} in den Dörfern des Emek, überall, wo jüdische Menschen in Palästina Fuß gefaßt haben. Seitdem Habima zurück^ gekehrt ist, gibt es zwei hebräische Bühnen auf palästi« nensischem Boden. Habima ist aus Europa gekommen, „Ohel" will nach Europa gehen. Das geistige und künstlerische Gepäck, das „Ohel" mitführen kann, mag eine Tournee durch die europäischen Städte rechtfertigen, zumal der Begriff „hebräisches Theater" durch Habima Glanz und Würde bekommen hat. Aber ein solches Unternehmen müßte Experiment bleiben, sollte einer Tournee nicht klare Sichtung des Terrains vorangehen ebenso wie Installierung des erfordert liehen Apparats. Die Theaterverhältnisse Europas haben sich in den letzten Jahren geistig und materiell von Grund auf umgestellt. Dieser Situation muß jedes Ensemble Rechnung tragen, das sich, wenn auch nur für kurze Zeit, in das Theatergefüge der europäischen Kultur* Zentren einbauen will. Jedenfalls gibt die Persönlichkeit Moshe Halevys Gewähr, daß „Ohel" unter seiner Führung alle Wider* stände einer Tournee überwinden wird. o. r. Ein lateinisches Alphabet für liddisdi»;Von Benzion .K a t z (JHajnt,, Warschau), In der nächsten Zeit wird in Sowjetrußland,' eine Versammlung jüdischer Philologen statt* finden, in welcher auch die Frage der Einführung des lateinischen Alphabets an Stelle des hebräischen behandelt werden wird. Diese Frage ist nicht neu. Sie wurde schon vor langer Zeit behandelt. Bereits vor mehr als 20 Jahren hat sich ein hebräischer Lehrer in Petersburg, Jizchak Einhorn, damit beschäf* tigt und mit seiner Idee bloß Hohn geerntet, nichtsdesto* weniger aber nicht aufgehört, die Einführung des lateini* sehen Alphabets zu propagieren. Hiebei berief er sich auf die geschichtliche Tatsache, daß man seiner« zeit die hebräische Schrift gegen die leichtere assy* r i s c h e eingetauscht habe. Natürlich ist auch das latei* nische Alphabet leichter als das hebräische, aber doch be« steht hierin ein großer Unterschied. Während Hebräisch und Assyrisch semitische Sprachen sind und von rechts nach links geschrieben werden, treffen diese Merk* male auf das Verhältnis von Lateinisch und Hebräisch nicht zu. Die hebräische Presse hat Einhorns Plan ihre Spalten nicht geöffnet. Vielleicht wird man in den Archiven der Presse*Administration in Rußland das Gei such Einhorns betreffs der Herausgabe einer hebräischen Zeitung in lateinische]* Schrift finden. Die Regierung gab nicht die Erlaub* nis hiezu, aber selbst bejahenden Falles hätte Einhorn keinen Abnehmer auf eine Zeitung dieser Art gefunden. Dies ist eine wirkungslose Episode geblieben. Wochen-Kalender April 1931 VW «*mn Nissan 5691. IJa.' 17 Freitag 30-!? Sabbateingang 6.48 18 Samstag 1—N «pia Sabbatausgang 7.32 ■•«ds d^e wr» 'tson ,rrv)3D"j?nTrv 19 Sonntag 2~3; 20 Montag 8-3 21 Dienstag 4-t 22 Mittwoch 8-n 23 Donnerstag 0-v 1 )