Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 187 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DtE NEUE WELT n*. m $20.- S 24,^ 12*.- Uli.. Kaiserstraße 123 IX., ülserstroßc 6 lassen hatte — es war 10 Uhr abends — wurde er von Gewehrsalven empfangen, die »von <beiden- Seiten der Straße kamen. Es war zweifellos ein wohlyorbereiteter und organisierter Ueberfall. Das Schießen aus dem Hinterhalt setzte auch, als bereits einige Arbeiter verwundet auf dem Boden lagen, nicht aus. Hinda Fishman und Samuel Dishel waren auf der Stelle tot, von den übrigen fünf Verletzten starb der Arbeiter Jakob Zamir bald nach seiner Einlieferung ins Spital. Stimmen der palästinensischen Presse. Alle hebräischen Zeitungen Palästinas fordern die Regierung auf, im Hinblick auf den Ueberfall bei Haifa schleunigst ausreichende Maßnahmen im Interesse der Öffentlichen Sicherheit zu ergreifen. Das Organ der Revisionisten „Haam" fordert die Bestrafung der arabischen Drahtzieher, deren verhetzender Tätigkeit die Bluttat zuzuschreiben sei. „Haarez" erklärt, die Bürger des Landes besäßen, solange es der arabischen Presse gestattet bleibe, ihre aufreizende Schreibweise fortzusetzen, kein Vertrauen zum Willen und zur Fähigkeit der Regierung, Verbrechen und Aufwiegelung im Lande zu unterdrücken. Das Arbeiterblatt „D a w a r" schreibt: Wie kann an eine Wiederherstellung des Gefühls von Sicherheit im Lande gedacht werden, wenn es möglich war, daß die Mörder von Yadjur unbemerkt entkommen konnten, und die Behörden keine Spur von ihnen zu entdecken imstande sind? Hinter den Kulissen der Tat. Ueber die Motive der Tat sind in Palästina die verschiedensten Ansichten verbreitet. Am meisten ist man geneigt, jener Version Glauben zu schenken, derzufolge das Verbrechen von einer Bande geübter Schützen begangen wurde, die zu der Tat von arabischen Politikern gedungen wurde. Die hinter den Tätern stehenden politischen . Faktoren, wollten offenbar den Ueberfall zum Ausgangspunkt allgemeiner Unruhen machen. Ergreiferprämie. Jerusalem, 10. April. Die Regierung hat auf die Ergreifung der Mörder von Y a d j u r eine Prämie von 200 Pfund ausgesetzt Die Kriminalbehörden neigen immer mehr der Annahme zu, daß die Tat von einer von Politikern bezahlten Bande verübt wurde, vermutlich derselben, die nach den Unruhen im August 1929 im Safeder Distrikt ihr Unwesen trieb. Auch in der Kolonie Nahalal... Jerusalem, 10. April. Der Wächter der Kolonie Nahalal, Mosche Palewitz, überraschte um Mitter-r. nacht eine Gruppe von arabischen Dieben, die in die Kolonie eingedrungen waren. Als Palewitz Alarm schlug, gab einer der Diebe einen Revolverschuß auf ihn ab, durch den der Wächter am Bein verwundet wurde. Der Verletzte wurde in das Hadassah-Spital nach Jerusalem gebracht. Sein Zustand ist nicht besorgniserregend. Kurz nach dem Vorfall traf Polizei in Nahalal ein und folgte den Spuren der Verbrecher bis in das arabische Dorf Malul, wo einige Verhaftungen vorgenommen wurden. Nächtlicher Alarm. Jerusalem, 10. April. Am Morgen nach dem nächtlichen Zusammenstoß zwischen dem Wächter der Kolonie Nahalal und einer Gruppe arabischer Diebe kam es in der Nähe der Nahalal benachbarten Kolonie K f a r Jehoshua zu einem Streit zwischen Juden und Arabern. Der Schafhirt des an die - Kolonie Kfar Jehoshua angrenzenden Araberlagers hatte sein Vieh auf die Weide der Kolonie getrieben, woraufhin der jüdische Schäfer die Kolonisten alarmierte, die, in der Annahme, daß es sich um einen Ueberfall handle, bewaffnet auszogen, jedoch von ihren Waffen keinen Gebrauch machten. Die Araber entflohen unter Zurücklassung der Herde, die später von den jüdischen Kolonisten gegen das arabische Lager getrieben wurde Anti'fenn'tismii§ ohne Hakenkreuz. Die katholische Presse, die Bischöfe und Prüluten Deutschlands führen jetzt eine« scharfen Angriffskampf gegen die Hitlersche Hakenkreuzelei. Sie gehen dabei so weit, die katholischen Anhänger der nationalsozialistischen Partei mit Kirchenstrafen zu bedrohen. Die Unken Parteien in Deutschland sind über die Hilfe von katholischer Seite bei der Abwehr der nationalsozialistischen Sturmflut natürlich sehr erfreut. Besonders zufrieden, man könnte sagen be« glückt, sind die Juden. Die jüdischen Blätter verzeichnen mit Genugtuung alle katholischen Auslassungen gegen die Hitler-Leute und schlagen hiebei Töne an, als gelte die feindliche Haltung der Katholiken auch dem Antisemitismus der Hitler-Leute. Das aber Scheint eine Illusion zu seih. Wohl hat die katholische Kirche ihre Rechnung mit den Nationalsozialisten auszutragen, aber sicher hicht in der Judenf rage. Der Antisemitismus in der deutschen Bevölkerung wächst, auch in der katholischen', unbeschadet des GegenflätEes' ydÜ' katholischem Kreuz und Hakenkreuz. '■ v' ' * Vpt zWel Wochön 'fand in G 1 e i w i t z aus Anlaß xler Zehnjahrfeier der Abstimmung in Oberschlesien eine Studenferidemonstratiöri 'statt. Die jüdischen Korporationen wollten sich an diesem patriotischen Aufzuge beteiligen. Da sie*von dem der Majorität nach nntionalj sozialistischen Studentenausschüsse zur Vorberatung nicht beigezogen wurden, wandten sie sich — wohl unter dem Einfluß der obenerwähnten Illusion von der Judenfreundlichkeit der Katholiken — an den Vorsitzenden der Katholischen Studentenschaft mit der Bitte auf Zulassung der jüdischen Studenten zum Festzuge zu dringen. Nach der entscheidenden Sitzung mußte ihnen aber der katholische Vorsitzende mitteilen, daß die Zulassung der jüdischen Korporationen mit erdrückender Mehrheit abgelehnt worden war, da sich auch katholische Vertreter gegen die Zulassung von Juden ausgesprochen hatten. * Die vom Pfarrer Uhlenhorst herausgegebene' Zeitung „Fels", „Katholisches Organ für Norddeutschland", bringt einen Aufsatz, von welchem die jüdische „C. V. Zeitung" mit Recht behauptet, daß er Judenhetze in der giftigsten Form darstellt. In dem Aufsatze heißt es u. a.: „Der Jude ist bekanntlich überall zu finden, wo es Geld zu verdienen gibt. Das Geschäft geht ihm über alles. Man könnte nun nicht viel dagegen sagen, wenn es sich bei ihm nur um reines Geldverdienen handelte. Aber mit dem Gelde erwirbt er sich auch eine gewaltige Macht, er erhält dadurch größten Einfluß auf das Leben und Schicksal der Völker. Darum ist es sehr notwendig, des öfteren auf das Tun und Treiben des Judentums hinzuweisen. Denn sehr segensreich ist sein Einfluß auf die Völker nicht, das Judentum hat im Gegenteil viel Zerstörendes und, Zersetzendes an sich. Was wir von den Juden zu erwarten haben, wenn sie zur Macht gelangen, das zeigt'*' deutlich '' die ' Rede' eines Rabbiners auf dem letzte n Ju"d ehkön g r eß zu Lemberg. Der Rabbiner sagte: „Meine Brüder, wir wohnen einem imposanten Schauspiel bei, Ts r ae 1 wir d von Tag zu Tag mächtiger. Das Gold, vor dem sich die Menschheit beugt, das so verruchte Gold, ist fast vollständig in den Händen der Juden, und das Gold ist die Zukunft Israels . . Alle Staaten sind verschuldet. Die Schulden nötigen die Staaten, den Juden die Bergwerke, Eisenbahnen usw. zitm Pfand zu geben. Es erübrigt sich nur noch, daß sich die Juden auch noch der Grundstücke bemächtigen. Wenn die großen Besitztümer in die Hände der Juden übergehen, werden die christlichen Arbeiter den Juden enorme Einnahme;» verschaffen. Wir waren 1900 Jahre unterjocht, jetzt aber sind wir mächtiger geworden als unsere Gegner. Es wird die Zeit kommen, wo die Christen Juden zu sein wünschen, aber das Volk Juda wird sie mit Abscheu zurückstoßen. Der Hauptfeind der Juden ist die katholische Kirche. In erster Linie werden wir gegen den katholischen Klerus kämpfen. Wir werden gegen ihn Spott, Verwünschungen und Sic and algeschichten aus seinem Leben schleudern, um ihn dem Abscheu der Welt auszuliefern. Wir werden uns der Schule bemächtigen. Die Kirche wird ihren Einfluß verlieren, wenn sie arm wird. Die Juden werden alles in die Hand nehmen, besonders auch die Macht und die Stellungen. Es ist zwar zum größten Teil Zukunftsmusik, was aus diesen Worten widerklingt. Aber man sieht sehr deutlich, welche Ziele das Judentum hat. Vor allem Sie werden es nie bereuen wenn Sie den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und widerstandskräfilg zu machen. Im Kampf ums Dasein solelt es eine groBe Rolle, <jaß Sie keinen Tag verlieren, dafi Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Berufe, Ihrer Beschäftigung fernzubleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag FRANZBRANNTWEIN mit Menthol und Sie schlitzen sich am besten gegen alle Unbill des Winters und des Alters. In j«<Um besseren Geschalte •rhültllch. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur „DIANA". Minderwertige Nachahmungen sind «RtraltiH lurttckiuwtl'MMn Wiener Kinderheim in Lignano Villa „EMILIA" am Strande / Mückenfrei / Heilkraftigster Sandstrand / Ständige ärztliche Aufsicht / Wiener Küche / Billigste Preise / Gemeinsame Ab- und Rückfahrt Erster Turnus: 91. Mal 14 Tage Lignano bei Venedig 170 s Schönster Urfaubsaufenthalt für Erwachsene GRAND HOTEL, fließendes Wasser / Vier Mahlzeiten Wiener Küche / Bahtifanrt, Strand und Abgaben inbegriffen / Gemeinsame Abreise alle 1* Taire ab f. Mal . Berta Taubes, II, Böcklinstr 92 . Tel.R-45-905 Von 12 bis 5 Uhr gilt sein Kampf der katholischen Kirche, die ja stets ein gewaltiges Bollwerk gegen jüdische Umtriebe und R'änkesucht "war. Darum haben auf unserer Seite immer wieder große und führende Männer auf die Judengefahr hingewiesen." ' * Wie zu ersehen, kann der Herr Pfarrer den Vergleich mit jedem Hakenkreuzler getrost bestehen. In einer offenen Zuschrift wandte sich der Rabbiner von Kiel, Herr Dr. Arthur Posner, an Pfarrer Uhlenhorst und forderte ihn auf, Beweise für seine schändlichen, in Art der „Weisen von Zion" gehaltenen Behauptungen zu erbringen. Dr. Posner schrieb: „Anders denn die großen Führer Ihrer Kirche — wie die Bischöfe des Rheinlandes — sehen Sie nicht, welche Gefahr der Antisemitismus — in seiner neuesten Form. des Nationalsozialismus — Ihrer eigenen Kirche bedeutet.. Sie hetzen im; Namen der Kirche gegen die Juden. Im Namen der Liebe säen Sie Haß, streuen eine Saat aus, deren bittere Früchte Ihre Seele selbst vergiften Werden." Pfarrer Uhlenhorst hat natürlich keine Antwort erteilt Warum auch? Es fällt ihm nicht im Traume ein, den Hakenkreuzlern das politisch so einträgliche Monopol auf den Antisemitismus zu überlassen. Der Rabbiner sagt die schönsten Worte, der Pfarrer hetzt weiter ... Ein Rituahiiordhefzer freigesprochen. Mosbach, .12. April. Der bayerische nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Dr. Otto Hellmuth stand bereits im Oktober des vergangenen Jahres wegen Beschimpfung der jüdischen R.e ligionsg emein s ch a f t vor Gericht. Er hatte in einer nationalsozialistischen Versammlung in . ^re,udenjberg einen in Manau vorgekommenen unaufgeklärten Knabenmord als Ritualmord bezeichnet. Am Jahrestag des Mordes war eine Postkarte mit dem Bild des ermordeten Knaben und einer direkten Ritualmord Verdächtigung vertrieben worden, außerdem war der Mordfall vom Angeklagten im „Stürmer" in allen Einzelheiten als Ritualmord geschildert. Dr. Otto Hellmuth hat es verstanden, wegen seine* parlamentarischen Immunität die Verhandlung um ein ganzes Jahr hinauszuzögern, bis die ängstlichen Belastungszeugen ihre Aussagen nicht mehr unter Eid aufrechtzuerhalten wagten und durchwegs lediglich um die Verlesung der protokollierten Vernehmungen vor dem Untersuchungsrichter baten. Da dies prozessual nicht möglich war, wurde der Angeklagte, trotz einwandfreier schwerer Belastungen auch in der diese Woche stattgefundenen Berufungsverhandlung vor der Mosbacher Strafkammer freigesprochen. Drei Monate Gefängnis für Synagogenschändung. Wiesbaden, 10. April. (J. T. A.) Am 8. August vorigen Jahres wurde der Eingang zur Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Wiesbaden-Biebrich mit einem großen Hakenkreuz bemalt. Bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Wiesbaden hatten sich vier junge Leute, die der Tat verdächtig waren, zu verantworten. Durch Zeugeneinvernahme wurde festgestellt, daß nur einer der vier Angeklagten, ein 24jähriger Arbeiter, bei .der Ausführung der Tat anwesend war. Auf Grund dieser Feststellung wurde dieser Angeklagte nach § 504 Str.-G.-B. — wer vorsätzlich und rechtswidrig ein Haus einer im Staate bestehenden Religionsgesellschaft, beschädigt, wird mit Gefängnis bestraft — zu einer Gefängnisstrafe von drei Monat en verurteilt. Die Kultusgemeinde Wiesbaden, die als Nebenklägerin zugelassen war, stellte keinen Antrag. Die 101. Friedhofsschändung. — Herrnsheim bei Worms. Worms, 10. April. In einer der letzten Nächte wurden auf dem jüdischen Friedhof in Herinsheim etwa zehn Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Die Ermittlungen wurden durch die Gendarmerie und durch Beamte der Landeskriminalpolizei Worms* aufgenommen.__ Juden haben kein Wahlrecht — aber sie dürfen zahlen. Prag, 13. April. Die tschechoslowakische Zweigstelle der von England gegründeten Weltorganitsatioii Y. M. C. A. (Young Men's Christian Association - Gesell schaft christlicher junger Menschen) hat in der tsohechischen Presse eine Erklärung veröffentlicht, in der