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Die neue Welt · 1931-04-17 · Heft 187 (17.4.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 187 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Bericht lautet: Jerusalem, Ende März. — Seit einigen Tagen befindet sich in Palästina Dr. Weizmann, der Welts Präsident der Zionistischen Organisation. Trotz der zahlreichen Besuche, die ihm keine freie Zeit ließen, hatte er die Freundlichkeit, mich zu empfangen, um die allgemeine Lage des Landes zu erörtern. Im Laufe dieser sehr interessanten Unterredung machte Dr. Weizmann u. a. die folgenden Erklärungen: „Ich habe den Eindruck, daß seit meinem letzten Besuche im Jahre 1929 die jüdische Bewegung in Pa« lästina große Fortschritte gemacht hat, besonders auf dem Gebiete des Ackerbaues, trotz der allgemeinen Krise, die auch hier sehr schwer ist. Vom finanziellen Standpunkt befinden wir uns gegenwärtig in einer Heiklen Periode. Das ist nicht bloß eine'Folge der Welts krise, sondern auch, des .finanziellen Kraches in deri V e r e i n i g t e n Staat e n, an dem die Juden so viel. eingebüßt haben, daß sie nicht mehr imstande sind, die zionistische Kolonisation Palästinas so großs artig wie in der Vergangenheit zu unterstützen. Was aber' die Juden der Diaspora und besonders jene von Amerika noch mehr verhindert, ihre Kapitalien nach Palästina zu senden, ist der Umstand, daß sie auf England kein Vertrauen mehr haben. Das Weißbuch der Londoner Regierung vom Oktober 1930 erweckte bei den Juden den Eindruck, daß sie nur für die Araber arbeiten, wenn sie die Entwicklung Palä* stinas begünstigen. Der letzte Brief Macdonalds hat diesen Eindruck noch nicht genug, verwischt." Ueber das Verhältnis der Araber zum Zioniss mus sagte Dr. Weizmann: „Es gibt viele Araber, die bereit sind, mit uns einen. Modus vivendi zu bes raten. Aber sie fürchten, wenn sie das tun, durch die Exekutive und die Presse als Verräter des Vaterlandes denunziert zu werden. Ich bin dennoch der M einung, daß die Juden und die Araber sich einmal verständigen und zusammens arbeiten werden, wenn die Engländer diese Entente nicht verhindern." Es ist überaus bezeichnend, daß die zionistische und nichtzionistische Welt gerade durch ein katholisches Blatt von einer grundsätzlichen und schroffen Aenderung der zionistischen Politik erfährt, von einer Aenderung, die den Bruch mit der bisher maßgebenden Auffassung bedeutet. Fortan ist die Verständigung mit den Arabern das Um und Auf der zionistischen Politik. Die Gefahr ist England, dem Weizmann die Abs sieht zutraut, die jüdischsarabische Verständigung plan* mäßig zu v er hin dern. Nicht mehr und nicht weniger sagt Weizmann. Zwölf Jähre hindurch hat Weizmann die unbedingte Hingabe an England, nur an England, als einzig mögliche zionistische Politik erklärt und danach ges handelt. Er ist jedem, der davor warnte, den Zionismus, den weltpolitischen HerzlsZionismus, der bei allen Kulturvölkern,'beim Völkerbund: Anerkennung und Hille anstrebt, zu einer englischsjüdischen Angelegenheit heraba zudrücken, hart entgegengetreten. „Einzig und allein bei England liegt unser Schicksal! Wir müssen unbedingtes Vertrauen zu England haben. England wird uns nie ver* lassen, keine englische Regierung — sei es eine konser* vative, liberale oder sozialistische — wird von dem uns gegebenen Versprechen abweichen. Andere zionistische Politik als die d^; unbedingten Vertrauens zu England is: verderblich!" ■?,Und mm die Wandlung. Hingabe an das arabische Problem, Mißtrauen gegenüber England. Diese Losung gibt Weizmann jetzt aus. Er überrascht damit nicht nur die Oeffentlichkeit, sondern auch die Leitung der Zio* nistischen Organisation. Die . Zionistisciie Organisation hat einen Kongreß, eine Exekutive, ein Aktions« komitee, eine politische Kommission, die berufen sind, die Grundlinien der Politik festzulegen. Ist eine einziger dieser Institutionen von Weizmann befragt, zur Ent* Scheidung über diesen „neuen Kurs" herangezogen wor* den? Nein. Weizmann hat dem Vertreter der katholi» sehen Presse den neuen Kurs offenbart. Damit war die . Sache erledigt Das nennt man von Verantwortung getragene politische Arbeit. * Bevor Weizmann nach Palästina kam, ist er zwei Wochen in Aegypten gesessen und hat auf die Nachricht gewartet, wann und mit welchen arabischen Faktoren er in Palästina Verhandlungen anknüpfen könnte. Er hat umsonst gewartet. Er mußte schließlich nach Palästina Weiterreisen und sich dort begnügen, mit dem britischen Oberkommissär Freundlichkeiten auszutauschen, An* sprachen an die Juden zu halten und die Opposition zu tadeln. Er kann nicht die Spureines Beweises für seine Behauptung erbringen, daß es heute viele Araber gibt, welche geneigt sind, mit den Zionisten über einen Modus vivendi, die Art einverständlichen Zusammenlebens zu beraten. Es sei denn, man versteht unter Modus vivendi die Preisgabe der B a 1 f our *D eklaration, die Preisgabe des Zionismus, die Beschränkung auf eine kleine jüdische Kolonie in einem arabischenStaat. Die neue Politik Weizmanns entbehrt jeder Grunds läge. Ein Verlegenheitsspiel mi$ leeren Worten. Er hat den Anschluß an England verloren und sucht und sucht und klammert sich an die Illusion eines Anschlusses an die Araber. Was sich da vor den Augen der. QeffentUch». keit vollzieht, ist geeignet,'"*d<ifAzionistischen "Sache den Charakter einer ernsten Bewegung zu nehmen, jeden,. Zionisten zu beschämen.. W*s4da getanwird?'- JSt^-'hlöhii^ mit dem Worte Politik, - politische Arbeitzu bezeichnen. Das ist Hasardspiel, Greifen nach Strohhalmen; ^bjarifose Gelegenheitssucherei, hysterische Improvisation ... * Die Rettung aus der schwierigen politischen Lage, in welche die Zionistische Organisation und mit ihr das Aufbauwerk in Palästina geraten sind, liegt auf dem Wege, den Theodor Herzl gewiesen hat. Unermüdliche politische Arbeit bei allen Kulturnationen, trotz äugen« blicklicher Rückschläge — Festhalten am großen Ziele. Das Resultat dieser Politik war die BalfoursDeklaration, Bei gidlffedben Schmerzeil/ Nerven-und Kopfschmerzen sowie bei Schlaflosigkeit wirkt T o g ä 1 ganz vorzüglich. Togal - Tabletten lösen die schädlichen Bestandteile im Blut und führen eine baldige Linderung und vollständige Genesung herbei.- In allen Apotheken. - Preis S 2.40. die Anerkennung des jüdischen Rechtes auf Palästina durch den Völkerbund. Das Resultat der von* Weizmann inaugurierten Politik, des Spieles auf eine Karte — gestern die englische, heute die arabische —- ist Ver* einsamung und Verzagtheit. Neue politische Arbeit muß eingesetzt werden, um das Vertrauen der Völker und der Juden wieder zu gewinnen. Weizmann hat einen Brief — die Araber haben das Weißbuch. London, 11. April. Das jüdiscrwenglische Organ „J c w i s h C h r ö n i c 1 e" schreibt, Weizmann werde am 13. April mit Paßfield zusammenkommen, um die Einzelheiten des Entwicklungsplanes zu beraten. Paßfield werde in diesen Verhandlungen von einigen ständigen Beamten des K 61 o n i a 1 a m t e s unterstützt' wer* den, deren Haltung kaum z i o n i s t e n f r e u n d 1 i c h sein dürfte. Weizmann sei also genötigt, zu den alten Methoden zeitweiliger Unterredungen mit Paßfield und Beamten des Kolonialamtes zurückzukehren. Weizs mann habe einen Brief, aber die Araber haben das Weißbuch. Weitere Verhandlungen vertagt. London. 13. April. Die Unterhandlungen des Kolonialministers Pas sf ield mit der Je wish Agency, 'fe^^f'Irälen ifegÖ'siieii;' si(3;'auf fl¥- bestim.mte Zeit ver schöbe-Dv Ueber den Grund der Verschiebung verlautet: Die britische Regierung hat die arabische Exekutive eingeladen, eine Delegation nach London zu entsenden. Der Termin der Wiederaufnahme der Verhandlungen hängt deshalb von der Antwort der arabischen Exekutive ab, wie natürlich auch die Frage des Projekts der Organisierung einer jüdisch - arabischen Round Table'-Konferenz. Der mmdemt&e lieber!all bei Haifa Begräbnis der Opfer. Jerusalem, 7. April. (J. T. A.) Der am Ostersonntag abends auf jüdische Arbeiter in der Nähe von Ilaifa verübte Ueberfall hat die Judenheit Palästinas in Bestürzung und tiefe Trauer versetzt. An dem Begräbnis der drei Opfer des Uebevfalls nahmen über 10.000 Menschen teil. Unübersehbare Meuschenmassen folgten den drei Särgen, die durch die jüdische Gartenvorstadt Hadar Hakarmel bei Haifa bis in die Arbeitersiedlung Yadjur getragen wurden, wo die Getöteten ansässig waren und wo auch die Beerdigung stattfand. Am Grabe sprach der Präsident der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas David Ben G u r i o n. Intervention des Waad Leumi. Die Leitung des Jüdischen Nationalrates für Palästina (Waad Leumi) hat beim High Commissioner Sir John Chancellor vorgesprochen, um im Hinblick auf den Ueberfall bei Yadjur die Probleme der öffentlichen Sicherheit in Palästina zu erörtern. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency in Palästina Colonel K i s c Ii hat sich im Zusammenhang mit den Arbeiten zur Ausforschung der Mörder nach Haifa begeben* Eine Deputation des Vorstandes der Jüdischen Ge- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» liehen Notizen sind durch ein beigefüates E bezeichnet meinde Haifa hat gegenüber dem Distriktsgouverneur von Nordpalästina, Colville, die Forderung nach energischen Maßnahmen zur Verfolgung der Täter gestellt. Die Deputation gab dem Gouverneur zu bedenken, daß es sich hier um einen offenkundig sorgfältig vorbereiteten Anschlag gehandelt hat und daß mit einer Ausbreitung des Terrors im ganzen Lande gerechnet werden müsse, falls es nicht gelingen sollte, der Täter habhaft zu werden und sie vor Gericht zu stellen. Die Nachforschung nach den Tätern. Die Leitung der Nachforschungsarbeiten hat der Chef der palästinensischen .Sicherheitspolizei Golonel Mavrogordato persönlich übernommen. Sämtliche Scheichs und Mukhtars der arabischen Dörfer in der Umgebung von Yadjur wurden einem strengen Verhör unterzogen. Einige Araber und eine Anzahl von Drusen würden verhaftet. Vorläufig scheinen die Spuren nach dem arabischen Dorfe Schafaram zu führen, wenn es auch der Polizei bisher nicht gelungen ist, hinreichendes belastendes Material gegen bestimmte Personen herbeizuschaffen. Ein Arbeiter der Zementfabrik Nescher gab dem Haifaer J. T. A.-Vertreter folgende Schilderung des Votfalls: Unmittelbar nachdem der Wagenmit den jüdischen Arbeitern^ das Gebiet der Zementwerke verspricht Mittwoch, den 29. April, V28 Uhr Konzerthaussaal über abends, im Großen Araber und Juden Kartenverkaufsstellen: Union der Zionisten-Revislonisten, II, Obere Donaustraße 101, II. Stiege, 1. Siock (Telephon Ä-47-3-34, täglich von 11 bis 1 Uhr und von 5 bis 7 Uhr); Buchhandlung Rath, IL Taborstraße 20 a; Strumpf haus Schächter, VII, Burggasse 44; Verwaltung der „Neue Welt", H, Untere Augartenstraße 38.

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