Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 186 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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r Na m >—I im ■ .........III .r»i. ■........ ■ .......III II I II II........II erwählte Volk zu sein, noch immer wach ist. Jedes Volk trägt sein Glück und seine Größe in seinen Nerven. Das kann' man heute in Deutschland sehen. Der einzelne soll demütig vor Gott sein, aber ein Volk kann nicht genug edlen Stolz entwickeln. Dies ist besonders den Angelsachsen und den Germanen eigen. Der Trotz ist der Atem innerer Kraft, der Tränen trocknet und jedes Leid vertreibt. Kr ißt heidnisch, gebe ich zu,, aber warum sollen die Heiden nicht auch Gutes und Schönes haben? Ich schätze den Zionismus hoch, weil ich in ihm die Wiederaufrichtung des S t o 1 z e s h c i d c n Juden erblicke und ein neues Reich der Ritterlichkeit entstehen sehe. Wir haben zu viel Stolz und zu wenig Religion. Die Entwicklung der jüdischen Geschichte in der Diaspora — die Juden nennen sie „Gallith" — brachte es mit sich, daß die Juden zu viel Religion und zu .wenig Stolz entwickelten. Aber auch dirs muß nur allgemein genommen werden, es gibt Ausnahmen, die hier wie überall die Regel bestätigen." „Aul daß es nie vergessen werde!" London, 2. April. In aller Stille und ohne besondere Feierlichkeiten wurde im Verlauf der letzten Woche in dem kleinen Gcbirgsdorf Glyneeiriog im Tal Ceiriog in Denbigshire eine Gedenktafel enthüllt, die der Erinnerung an ein Ereignis von internationaler Bedeutung gewidmet ist. Im Ceiriog-Gedächtnisinstitut, einem Gebäude, das neben praktischen Zwecken auch der Erinnerung an hervorragende Waliser und die von ihnen der Menschheit geleisteten Dienste gewidmet. ist, wurde eine Tafel mit folgender Inschrift angebracht: „Zur dankbaren Erinnerung an die den Juden der ganzen Welt von dem sehr ehrenwerten David Lloyd George, P. C. O. M., D. L. C., M. P., erwiesenen Dienste wurde diese Tafel im 4t. Jahr seiner Vertretung des Wahlkreises Carnarvon im Unterhause angebracht." „Als Ministerpräsident des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland sanktionierte er die V'eröf fentlichun g der historischen Balfo ur¬ Deklaration vom 2. November 1917, in der zum erstenmal eine europäische Großmacht den Anspruch des jüdischen Volkes, ein Nationalheim in Palästina zu errichten, anerkannt und gebilligt hat, einer Deklaration, die, abermals während seiner Ministerpräsidentschaft, am 24. April 1920 von der Konferenz der alliierten Mächte anläßlich der Ucbertragung des Palästina-Mandats an Großbritannien bekräftigt wurde." Darunter sind nebst der Jahreszahl 1931 die Worte: „Auf daß es nie vergessen werde" in englischer, walisischer und hebräischer Sprache eingemeißelt. Die Tafel wurde von einer Anzahl englischer und ägyptischer Juden der verschiedensten Richtungen gestiftet. Aus Belgien. Das Konsistorium der jüdischen Gemeinden Belgiens wählte den Antwerpener Oberrabbiner Dr. Wiener zum Grand-Rabbin von Belgien, Während die bisherigen belgischen Landesrabbiner der nationalen jüdischen Bewegung ablehnend gegenüberstanden, ist der neue Grand- Rabbin einer der Führer des belgischen Zionismus. Seit 2? Jahren übt er das Rabbineramt in Antwerpen aus. * Die Erben des unlängst in Brüssel verstorbenen Herrn Sylvain Kleinberg haben dem Büro des Keren Kajemeth mitgeteilt, daß Kleinberg in seinem Testament eine Sumnäe von 1000 Pfund dem Jüdischen Nationalfonds vermacht hat. Keine einheitliche zionistische Organisation in Polen. Im Warschauer Tagblatt „HajntM veröffentlicht das Zentralkomitee der zionistischen Organisation Kongreßpolens eine Erklärung zur Frage des Zusammenschlusses der einzelnen zionistischen Landesorganisationen (Kongreßpolens, Ostgaliziens, Westgaliziens, Ostpolens) zu einer einheitlichen zionistischen Zentralorganisation. Die Erklärung besagt, daß weder das Landeskomitee in Lemberg noch das in Krakau bis jetzt auf die dringenden Vorstellungen der kongreßpolnischen Organisation und auf das ihnen unterbreitete Einigungsstatut reagiert haben, obwohl in früheren gemeinsamen Konferenzen die Vereinheitlichung beschlossen worden war. Das kongreßpolnische Zentralkomitee sieht sich gedrängt, diese Feststellung der zionistischen Oeffentlichkeit zu übergeben. * i, Die Klage wird wirkungslos verhallen. Die Zersplitterung der zionistischen Organisation tritt überall stärker oder schwächer in die Erscheinung, Lokale Differenzen untergeordneter Natur können sprengend wirken, weil das Uebergewicht des großen Herzl-Zionismus fehlt. Ein Zionismus, der seines wesentlichen traditionellen Inhaltes beraubt und in dessen Zentrum die Geldsammlung gesetzt wurde, hat keine bindende Kraft. m_DIE NEUE WELT _ Jiddisch als Muttersprache. — Taufbewegnng. Die Sektion für Wrirtschaft und Statistik des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts in Wilna veröffentlicht Zahlen über die jüdischen Studierenden an den Warschauer Hochschulen, die Jiddisch als ihre M u 11 e r s p ra ch e angegeben haben. Im Jahre 1922/23 haben von insgesamt 4304 jüdischen Studierenden an, den Hochschulen Warschaus 1207 (28 Prozent) Jiddisch als ihre Muttersprache angegeben. 1923/24 haben von 4208 jüdischen Studierenden J145 (27,2 Prozent) Jiddisch als ihre Muttersprache angegeben; 1924/25 waren es bereits 1017 von 3349 (30,4 Prozent), 1925/26 10«6 von 2940 (36,9 Prozent). 1926/27 1241 von 2959 (41.9 Prozent), 1927/28 1383 von 3033 (45,6 Prozent, 1928/29 1464 von 2933 (49,9 Prozent). Somit ist der Prozentsatz der Studierenden, die ein Bekenntnis zu Jiddisch abgelegt halben, von 28 Prozent im Jahre 1922/25 auf 49,9 Prozent im Jahre 1928/29 gestiegen. Die Gesamtzahl der jüdischen Studierenden in den Warschauer Hochschulen ist erheblich zurückgegangen. Von 1922/23 bis 1928/29 hat sich diese Zahl um mehr als ein Drittel verringert. * Das obenangeführte Institut veröffentlicht auch die Ziffern der Taufen in Warschau. 104 Juden sind in Warschau im Jahre 1923 aus dem Judentum ausgetreten; 1924 waren er 103 Austritte, 1925 76, 1926 83, 1927 82, 1928 97. Die Zahlen der Uebertrittc zum Judentum Rind: 1923 42, 1924 39, 1925 25, 1926 34, 1927 34, 1923 21. Sämtliche Personen, die zum Judentum übergetreten sind, waren früher Juden. Ucbcrhaupt verlieren die Juden Warschaus durch Taufe im ganzen zirka 60 Seelen jährlich, die etwa 1,5 Seelen auf 10.000 Seelen der Warschauer jüdischen Bevölkerung ausmachen. Fast sämtliche Täuflinge treten zum Katholizismus über. Die KtassenloiteriesPrämte und fünf große Haupttreffer mit Sdielhamnier-Losen gewonnen« In der gestrigen Schlußziehung der 24. Klassenlotterie entfiel die PrHmie von 500.000 Schilling, die auch in der 23. Klassenlotterie mit einem Schelhnmmer-Lose gewonnen wurde, abermals auf ein vom Bankhause 1 Schelhammer & Schattera in Wien, I., Stefansplatz 11, in acht Anteilen verkauftes Los. Die Glücksnumraer lautet 6026. Aber nicht nur die Prämie allein, sondern auch der größte «Haupttreffer der V. Klasse im Betrage von 'S $00.000, der mit dem Lose Nr. 15691, der zweitgrößte Haupttreffer der V. Klasse von S 100.000, der mit Nr. 65760, der drittgrößte Haupttreffer von S 80.000, der mit Nr. 33702, sowie der größte Haupttreffer der II. Klasse in der Höhe von S 60.000, der mit Nr. 23608, endlich der zweitgrößte Haupttreffer der IV. Klasse von S 50.000, der mit Nr. 48869 gewonnen wurden, entfielen sämtliche auf Lose, welche vom Bankhause Schelhammer & Schatteru, L, Stefansplatz 11, verkauft wurden, E Zionistischer Wahlsieg in Bielsko (Bielüz). Warschau, 29, März, Den Reigen der jüdischen Gemeindewahlen in Polen eröffnete die Gemeinde Bielsko (Bielitz, Polnisck-Schlesien). Von 1301 Wahlberechtigten haben IUI (88 Prozent) ihre Stimme abgegeben. Von den 30 Mandaten gewann der zionistische Block 15, die Union demokratischer Juden (liberale Richtung), die zuletzt 17 Mandate inne hatte, konnte nur neun Mandate wiedergewinnen, die Agudas Jisroel erlangte zwei Mandate, die Orthodoxe Wirtschaftspartei vier Mandate. Die Listen der Liberalen und der Agudas Jisroel waren gekoppelt. Die Wahlen in die Verwaltung der jüdischen Gemeinde Danzig. Danzig, 1. April. Das Resultat der am letzten Sonntag durchgeführten Wahlen in die Verwaltung der jüdischen Gemeindo Danzig liegt nun vor. Die über a 1ag,udistische Liste hat eine Mehrheit von 64 Stimmon und errang vier von den sieben Mandaten. Gewühlt wurden auf diesor Liste vier Liberale; der Agudist hatte an fünfter Stelle kandidiert und wurde nicht gewählt. Auf der national-jüdischen Liste wurden drei Mitglieder in die Verwaltung gewählt. Gegenüber den frühereu Wahlen haben die nationalen Judeu ihre Stimmen um etwa 50 Prozent erhöht. _ :;;rr Seite f ' Bei Magen- und Darmbeschwerden, Eßunlust, Stuhlträgheit, Aufblähung, Sodbrennen, Aufstoßen, Bc« nommenheit, Schmerz in der Stirn, Brechreiz bewirken i—2 Glas natürliches „Franz*Josef'SBitterwasser ,gründ« liehe Reinigung des Verdauungsweges. In Apoth. erh. E Codreanu und seine Helfershelfer im Revisionsverfahren freigesprochen. Bukarest, 4. April. Wie erinnerlich, hat der Freispruch des rumänischen Antisemitenführers Codreanu und sechs weiterer Führer der Terroristenbünde „Eiserne Gar d e" und „E rzcngel M i c h a e 1", die beschuldigt waren, antisemitisch-terroristische Anschläge vorbereitet und breitere Volksmassen gegen die Juden und die Regierung aufgewiegelt zu haben, großes Aufsehen und MiRsti.mmung in der rumänischen Oeffentlichkeit erregt. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Freispruch der Terroristenführer Revision eingelegt. Das Berufungsgericht hat heute im Revisionsverfahren Codreauu und seine Genossen endgültig freigesprochen. Hetzrede Cuzas im rumänischen Parlament. Bukarest, 3. April. (J. T. A.) Anläßlich der Jahresfeier der Wiedervereinigung B e ssarabiens mit Rumänien ergriff im Parlament Prof. Cuza das Wort, um auch bei dieser Gelegenheit in üblicher Weise mit verheizenden Schimpfreden gegen die Juden loszuziehen. Dabei führte er aus, daß, wenn d ie ..Liga für n n t i o n a 1 c h r i s 11 i c h e V e rv i n i gu n g" ans Ruder kommen werde, er die Juden aus Bessarabien hinausjagen, ihr Vermögen konfiszieren und es unter den Bauern verteilen werde. Der Kammerpräsident, Herr Ciceo Popp, unterbrach die Rede Cuzas, indem er sein Bedauern zum Ausdruck brachte, daß Cuza auch diese feierliche Stunde mit seinen Verhetzungen zu stören versuche. Das Hakenkreuz über Amerika* Wirtsdiaftsantisenütismus in Mexiko. Mexiko City, 31. März. (J. T. A.) Das Direktorium der antijlidischen und antichinesischen Vereinigung, deren Zentrale sich in Mexiko City befindet, hat an die Subkomitees aller Provinzen die Weisung ausgegeben, gegen „J u den, Chinese n, Syrer und andere Auslände r, die ins Lancl gekommen sind, um einen heftigen Konkurrenzkampf gegen die mexikanischen Kleinkaufleute zu eröffnen", eine intensive Kampagne einzuleiten. In den Weisungen wird für den Fall, daß die Regierung der Aufforderung, „der das Elend Tausender mexikanischer^ Kaufleute verursachenden Tätigkeit dieser Elemente Schranken zu setzen", nicht entsprechen sollte, die Einleitung einer „d i r e k t e n A k t i o n" empfohlen, worunter mein in Mexiko ebensowohl Boykott wie auch Sabotageakte versteht. * * Vor einigen Tagen hat die „Neue Welt" den Bericht eines Lesers aus Mittelamerika erhalten, in welchem über die zunehmende antisemitische Agitation in den amerikanischen Mittelstaaten, auch in Mexiko, geklagt wird. Nach diesem Beridit sind die Träger der Agitation die Deutschen. Deutsdic Aerzte, Ingenieure und Kaufleutc hatten bis zum Ausbruch des Weltkrieges in diesen Gegenden ein Monopol. Es gab einfadi auf diesen Gebieten keine Konkurrenz. Wöhrend des Krieges, noch stärker nach dem Friedensschluß, setzte die jiuüsdie Einwanderung ein, welche hauptsächlich Angehörige der oberwähnten Berufsgruppen in die Gegend brachte. Der Kampf gegen diese Elemente findet nun seinen Ausdruck in einer von den Deutschen arrangierten und in Anpassung an. die örtlichen Verhältnisse leidensdiaftlich geführten antisemitischen Kampagne. . Hakcnkreuuler auch in den Vereinigten Staaten. New York, 3Q-vMürz. Die in deutscher Sprache erscheinende angesehene Tageszeitung „New Jersey Freie Z e i t u n g" meldete kürzlidi, daß die Kasseler Bezirksleitung der Hitler-Organisation ihren „Sturmabteilungen" die Weisung habe zugehen lassen, „sich nicht mehr wie bisher mit Schlagringen. Totschlägern und anderen noch gefährlicheren Waffen zu versehen". Die Ortsgruppe New York der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei forderte die Redaktion der Zeitung in der Form eines Befehles auf, ihre Meldung dahin riditigzustellen, daß eine: Bewaffnung der Stoßtrupps den Statuten der HitleivOrganisation nicht entspreche. Der Brief enthielt auch gewisse versteckte Drohungen an die Adresse der Zeitung. ZIONISTISCHES LANDESKOMITEE FÜR OSTERREICH Samstag, den 11. April 1931, 8 Uhr abends, Großer Saal des Konzerthauses, III, Lothringerstraße £0 INDISCHER ABEND Karten zum Preise von S 1.— bis S 4.— erhältlich Im Zionistischen Landeskomitee, 1, Kärntnerstraße 98, Buchhandlung Moses Rath,. II, Taborstrsße 20a, und allen Saktionsaekretariaten Mitwirkende: BELLA PAALEN (Staatsoper) / PHILIPP ZE5KA (Burgtheater) / LIZZ1 BALLA (Tanz) MIRJAM KOKALOVA (indisches Theater) Prof. JOSEF 2JIMBLER (Violine) / MAX L AMPEL (Orgeln / MARKO ROTHMÜLLER (Gesang) Tel. R-27-.4-S6 und an der Konzerthauskasse