Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-04-10 · Heft 186 (10.4.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 186 (10.4.1931)
Date
1931-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711805--2439-2715732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 DIE NEUE WELf Nr. 18* ........... ff QROSSFLEISCNHAUBIiei V Zentrale IX., Bfergga«3P 19, Telephon 17-3-99». I6*9»3< e | •■■■•*■*■■■>■■HI>iaHiaMlBII',M*IB>11^^ i| Lieferant iür Heilanstalten f! Abteilungen für ^t^-Flelsch ■■■•■»■■■■■■■■■■■1 || anter Aufsicht de« Ehrwürdig« ö Kabbmat* der ist Kul* Ii lussremeiüde Wien ) ff AutoxusUllung keet*Altt« \ ff IX. Berggasso IS / Xtflll.« Wlhrfftflerjtr. ff Juden, die in diesem Jahre Beträge von etwa 100 Zloty von der Jüdischen Gemeinde zum Zweck der Pe&sach* Versorgung erhalten haben, gibt es viele, die früher zu den reichsten Leuten der Stadt zählten und der Jüdischen Gemeinde in früheren Jahren Spenden von je 10.000 Zloty für die Pessachhilfe überwiesen haben. Die jüdischen Gemeindeämter in Lodz, Warschau, W i 1 n a und anderen Städten gleichen belagerten Festungen, lausende vo§ Mensdien stehen vor den Gebäuden und bitten um Mazzoth.: Häufig brechen Wartende, die schon tagelang nichts mehr gegessen haben, zusammen.- Die jüdisdien Gemeindeämter werden von starken Polizeikräften bewacht, da man den Ausbruch von Hungerrevolten befürchtet. Durch Vermittlung der Hilfsgesellschaft „Hias" haben amerikanische Juden . den Betrag von einer Viertelmillion Dollar nach Warschau zur Verteilung unter ihre in Polen lebenden Verwandten überwiesen. Dieser Betrag ist viel geringer als der in früheren Jahren aus Amerika gesandte und angesidits der katastrophal gesteigerten Notvöllig unzureichend. * . Aus Kowno wird gemeldet: . Das .Pessach'hilfskomitee veröffentlicht in letzter Stunde einen Aufruf, in dem darauf) hingewiesen wird, daß in Kowno allein 40 0 0 Gesuche um Mazzoth eingebracht wurden. Außerdem gibt es zahlreiche Angehörige des Mittelstandes, die zwar; nicht um Mazzothzuteilung eingekommen, jedoch völlig außerstande sind, sich aus eigenem mit Nahrungsmitteln .für Pessach zu versorgen. Die Mittel des Hilfskomitees reichen bei weitem nicht aus, um die ungeheure Not unter der litauisdien Judenheit zu lindern. Beiträge sind bisher bloß von 1300 Personen eingelaufen; Wenn nicht in letzter Stunde der Appell des Komitees einen stärkeren Widerhall findet als bisher, wird es1 unmöglich sein, den eingereiditen Ansuchen um Mazzoth zu entspredien. Vor den Mazzothdepots herrscht ungeheurer Andrang. Die Leute kämpfen um efnen Platz in der Reihe, da sie wissen, daß die Vorräte nicht für alle ausreichen. * Aus New York wird gemeldet: Vor den Polizedstationen < in den jüdischen Vierteln, wo das von Bürgermeister W a 1 k e r eingesetzte Hilfskomitee gegen die Arbeitslosigkeit 6000 Pessach-Lebensmittelpakete mit Mazzoth, Kartoffeln, Eiern usw.. zur Verteilung bringt,- herrscht ungeheurer Andrang. T a u s e n d e von Juden. - darunter viele einstige Angehörige der wohlhabenden Kreise, sind vor den Polizeistationen angereiht und warten auf die Ausgabe dex Pakete. Das Hilfskomitee des Bürgermeisters hat als Ergänzung zu den Lebensmittelgaben vor kurzem die Summe von 98.292 Dollar zur Verfügung gestellt, um armen jüdischen Familien in New York die Beobachtung der Pessachvorscbriften zu ermöglichen. (J. T. A.) Die Not auf dem Höhepunkt. Warschau, 4. April. (J. T. A.) Die wirtschaftliche Lage der polnischen Judenheit' gestaltet sich immer* verville gekommen. Denn es hat, mir, sag. ich,, geträumt, daß man uns bestohlen hat." Und ich lief zu meiner Arbeit. Am Vorabend, wie ich nach.'Hause fahre, denk ich: Gehn wir an der Bank vorbei, zu sehert was sich dort tut. Man kann nie wissen, denk ich. Es ist ja Amerika. Kann was passieren, denk ich. Ich komm zur Bank, schau hin, was seh ich! Irgend ein Jude fliegt aus der Bank heraus und beginnt zu laufen. Ich beginne Gewalt zu schreien und lauf ihm nach. So lange, bis ihn ein Polizist aufhielt und was, glauben Sie, hat sich herausgestellt? Es hat sich herausgestellt, daß der Jude ein Angestellter der Bank ist und daß er gelaufen ist einen1 Wagen zu erwischen, weil seihe Frau mit einem Mädchen zu Kind geht. Ich hab mich ein bißchen gcschänlt und bin nach Hause gefahren. Aber schlafen konnte ich wiederum nicht. Während der Nacht kam es mir vor, als bb das Kassierlein, das mir das Büchel gegeben hat, einen Sack Geld in der Hand hielte und liefe. Und ich ihm nach. Und ich schrie wieder einigemal aus dem Schlaf Gewalt, und warf mit den Händen um mich, so daß ich fast das Baby neben mir erschlagen hätte. ' Am nächsten Morgen in aller früh ging ich zu einem Landsmann, der genau gegenüber der Bank wohnt, und versprach ihm dreißig Prozent des Verlustes, wenn er die Bank im Aug behalten und sie scharf beobachten wolle. Beobachte! bat ich ihn. Sitz und beobachte! Laß kein Aug von der Bank und so rasch wie mir Gott hilft und die zwei Wochen in Ruhe vorüber sind, fisch ich, zweifelten und führt vielfach zu Selbstmord oder Taufe. In Lodz haben an einem Tage vier Juden Selbstmord begangen, weil sie den Hunger nicht länger ertragen konnten. Es wurde festgestellt, daß sie seit Tagen keineNahrungzu sich genommen hatten. In den Straßen von Warschau brechen Juden häufig vor Erschöpfung zusammen. Am Tage vor Pessach mußten mehrere jüdische Frauen, die auf der Straße ohnmächtig geworden waren, in die Spitäler gebracht werden. In verschiedenen Teilen von Warschau wurden weggelegte jüdische Kinder gefunden, an deren Decken Zettel mit der Mitteilung geheftet waren, daß die verzweifelten Mütter sich zur Weggabe der Kinder entschlossen hätten, um sie nicht vor ihren Augen Hungers sterben zu sehen. Herzzerreißende Szenen spielten sich vor dem Gebäude der jüdischen Gemeinde ab, wo eine Menge von dreitausend Menschen im letzten Augenblick um Pessachunterstützung bat. Die Mittel der Gemeinde und der Hilfsorganisationen sind völlig erschöpft. Die Geseifschaft zum Schutzedcsjüdischen Glaubens veröffentlicht einen Aufruf, in dem darauf hingewiesen wird, daß viele Juden durch den Hunger in die Arme des Prosely tismus getrieben werden. Die jüdische Bevölkerung wird aufgefordert, sich zu einer organisierten Bekämpfung der verstärkten Tätigkeit der Missionsgesellschaften zusammenzuschließen, die in allen jüdischen Städten, besonders aber in Wilna, wo sie sieben Missionshäuser eröffnet haben, am Werke sind, um die Krise für ihre Zwecke auszunützen. Taus ende verarmter Juden, heißt es in dem Aufruf weiter, führen einen verzweifelten Kampf gegen den Hunger und werden häufig, wenn sie jede Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse verloren haben, dazu getrieben, Hand au sieh zu legen, während andere der Verführung durch die Se el e n f ä n g e r. erliegen. Es müsse etwas geschehen,- um der wachsenden Epidemie der S e 1 b s t m o r d e und G1 a u b e n s ü b e rt r i 11 e ein Ende zu setzen. Radio - Grammophone Schallplatten Neueste Marken, auch Umtausch filterer Apparate, Zahlungserlelchfrrung Radlonaus „ElPHORft", i, DomlnlKanerbastel 22 Ecke Franz-Josef-Kai 7/9, Tel. R-24-4-16 Meine Stellung zum Zfottiintus* Aus dem Nachlaß von Adalbert Graf Stern berg. Aus der Menge der Politiker im alten Oesterreich ragte die wuchtige Gestalt des Grafen Adalbert Sternberg hervor, dieses aus der Art. geschlagenen Sprößlings des ältesten böhmischen Hochadels. Er vereinigte tiefgläubigen Katholizismus und Traditionstreue mit allen. Eigenschaften eines u ngestümen Vo 1 ksführers, den nichts davon abhalten konnte, das zu sagen, in die Welt zu schreien, was er für wahr hielt. Keiner hat wie er der eigenen Gesellschaft, und den Herrschenden bittere Wahrheiten so rücksichtslos gesagt. Dieser hart kämpfende und hart umkämpfte Mann, der für alle Zeitströmungen tiefes Verständnis zeigte, stand auch dem Zionismus sympathisch gegenüber. Kurz vor seinem Tode, im Jahre 1930, schrieb er über Wunsdi des Wiener Herzl-Forschers Dr. T. Nußenblatt, sein Bekenntnis zum Zionismus nieder. Im „Neuen Wiener Journal" veröffentlichte nun Di\ Nußenblatt die letzten Worte Sternbergs über den Zionismus. Sie sind ungewöhnlich und kernig, wie alles an diesem Manne war. * „Es gibt zwei Seiten der Judenfrage, die religiöse und die politische. Was die erste betrifft, so deckt sich der Gottesglaubc der mosaischen Lehre sag ich, die 20 Dollar heraus und mögen, sag ich, alle } Banken in Flammen aufgehen! Ich betrete dort,' sag ich, nie wieder die Schwelle. { Unterdessen gehen wieder zwei Tage vorüber. Ich lese in den Zeitungen, daß eine Bank bestohlen wurde irgendwo in den Bronx. Ich laufe sofort zum Präsidenten «reiner Bank und sag ihm: „S'ist bitter" Erwidert er: „Was ist denn los?" Sag ich: „Man stiehlt!" Sagt er: „Bei mir wird man nicht stehlen. Meiner Bank kann man nicht zn." Sag ich: „Na, und was tun Sie zum Beispiel, wenn Ihr Kassierchen das Geld einsteckt und davonlauft?" Sagt er: „Mister, Sie wissen nicht, was Sie reden!" Sag ich: „Na gut, ich weiß nicht was ich rede. Liegt mir auch nichts daran. Aber haben Sie ein neues Gitter gemacht?" Sagt er: „Nein." Sag ich: „Na, und das Gebäude haben Sie umgebaut?' Sagt er: „Bitte, hören Sie zu schwätzen auf." Sag ich: „Wenn Sie'kein neues Gitter gemacht und das Gebäude nicht umgebaut und Ihr feines Kassierchen nicht abgeschafft haben, dann geben Sie mir, sag ich; die Gelder heraus." Sagt er: „Sie müssen warten, bis die zwei Wochen'um sind." Sag ich: „Allright,: werde warten. Aber wissen Sie, wo ich warten werde? Hier draußen vor der Bank werde ich warten. Und wenn Sie bei mir zerspringen, sag ich, werden Sie den kürzeren ziehn, sag ich. Wenn ich sogar wüßte, daß meine Kinder ohne Vater bleiben, rühr ich mich nicht von hier, bis ich nicht das Geld zurückhabe. Ich laß die Bank nicht, sag ich, vogelfrei. Ich, sag, ich, .werde Wache halten. Und mein Landsmann, dei gegenüber . wohnt-, wird | Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs 1 H H, Obere Donatistrafle 101/103 | Montag, den 13. April 1931, | '',9 Uhr abends, Cafe „Produkten- | börse", II., Taborstraße 10 I f Versammlung! | GEGENSTAND: I | „Am Vorabend des XVII. Zionisten-1 j Kongresses" j 1 REFERENT: | I Dr. D. Bukspan i 5 'S | Allgemein zugänglich! Freie Diskussion / g | Pünktlicher Beginn I | mit dem christlichen Bekenntnis bis zu neunzig Prozent. Dies ist von den Päpsten stets anerkannt worden. In meinem Buch „Päpste, Kaiser, Könige und Juden" habe ich das bedeutendste historische Material darüber aufgearbeitet. Anders verhält es sich bezüglich der Politik. Seit dem Umsturz entscheidet dn der Politik mehr die Majorität; diese richtet sich naturgemäß gegen die Minoritäten. Da der Jude vom Arier wesensverachieden ist, hat er diesen Gegensatz, als zur Minorität gehörend, zu spüren bekommen. In der jüdischen Geschichte ist sedt Moses das Heidentum mit Feuer und Schwert vertilgt worden, wir Arier haben uns nie davon befreien können. Wir bewundern die.Helden, die Juden ihre Märtyrer. Wenn man den Gegensatz von Ariern und Juden heute oft wiederkehren hört, will ich auch glauben, daß die Psycho und Wesensart der Juden gänzlich von der unsrigen verschieden ist, aber nach meinen Erfahrungen in der ganzen Welt ist der Jude der bessere, der Arier der ritterliche Mensch. Die Adligen, Patrizier und die Bauern empfinden ritterlich, der Jude und Katholik religiös und hegen das Bedürfnis nach Wohlfahrt. Mein Fleisch und Blut ist heidnisch, mein Bestreben katholisch, mein Sehnen läuft nun auf ein Kompromiß heraus, das nur unter dem Protektorat der Toleranz erreicht werden kann. Nur die Macht schafft Wohlfahrt. Gott sagt im ersten Gebot zuerst, daß er der starke Und eifernde Gott ist und dann erst sagt er, daß er der barmherzige Gott ist. Die zwei Lager stehen sich gegenüber und sie betrachten die Kluft, die sie trennt, als unüberbrückbar. Ich aber sehe die Brücke, die sie verbinden kann, und zwar wenn die katholische Kirche sie schlägt. Die Jaden gedeihen in der Geschichte dort, wo sie konservativ sind. Was meine Stellung zum Zionismus anlangt, so will ich Ihnen sagen* daß ich zu den ersten Bewunderern Theodor Herzls gehörte, den ich persönlich kannte. Im Grunde bewunderte ich diesen Menschen, der in Wien ein Einsamer geblieben ist. Schon vor mehr als zwanzig Jahren habe ich gelegentlich eines Zionistenkongresses, deren . ich mehrere besuchte, in, einer Versammlung das Wort er-' griffen. Der Komplex der Judenfrage war mir nie fremd. In der unglückseligen Hilsner-Affäre bin ich auch neben Professor M a s a r y k im Parlament für diesen Unglücklichen eingetreten. Die Zionisten sind die Samenkörner für eine neue Ritterlichkeit. Sie entwickeln Weltgefühl, Stolz und bringen auch Blutströme für die heilige Liebe zu Ehren des ihnen teuern Zion. Das beweist, daß die Urzellen aus früheren Jahrtausenden noch wach und lebendig sind iind daß der Kriegsruhm der Makkäbüer und das Gefühl, das aus- } Wache halten. S*wird drunter und drüber gehn, sag ich. Ein solcher Jude bin ich. Ich werde draußen stehn, sag , ich. In den größten Frösten. Und werden wir sehn, sag ich, tun Sie mir was!" Erwiderte er: „Sie sind ein sonderbarer Mensch. Kommen Sie mit mir in die Bank. Ich werd Ihnen, sagt er, Ihre 20 Dollar auszahlen lassen." Sag ich: „Nein, mein Herr. Solche Geschäfte gibt es bei mir nicht. Und weil Sie, sag ich, mir das Geld zurückgehen wollen, will ich's just nicht nehmen.. Sie können mich dazu, sag ich, nicht zwingen." Sagt er: „Allright, nehmen Sie nicht das Geld!" Sag ich: „No, na, nehmen Sie nicht das Geld!" W<<Jm ich werde wollen, werd ich's nehmen." Sagt er: „Gehn Sie hinaus und hören Sie auf herunizuschwützen." Sag ich: „Allright. Ich geh, aber ich werde draußen stehn. In den größten Frösten werd ich draußen stehn und mein Geld bewachen. Mein unschuldiges Blut, sag ich, und das Blut meiner unschuldigen Waisen wird, sag ich, auf eure Häupter fallen. Bandit, sag ich, der Sie sind! Der elektrische Stuhl ist für Sie zu wenig. Räuber, Mörder, Gewalt!" Ich begann mit aller Kraft zu schreien. Das Ende war, daß man mu' die 20 Dollar zurückgab und daß sie mir auf dem Weg nach Hause ans der Tasche heraus gestohlen wurden. Und seit damals — so schließt der Jude, der diese Geschichte erzählt — seit damals hab ich ein Gelübde getan, nie wieder'die Schwelle einer Bank zu betreten. Es sind ausgesprochene Banditen sind das, Taschendiebe, Taschelzieher — verbrannt sollen sie werden!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.