Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 186 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 186 DIE NEUE WELT iuiiiiiiiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiimiiiimiiib I Verband demokratischer Zionisten | SS "* 5 Mittwoch, 15. April 1931, um (/,9 Uhr abend? 3 E im HenLsaal das Verbandthefmt, II. Untere 3 Augartenstraße 38 3 I Vortrag ( 5 Gegenstand: s | Eine Reise durdi Palästina | E Referent: 3 i Dr* Jakob Wefner 5 Siiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimmiiiiip beschuldigungen von einer im geheimen arbeitenden Stelle aus lanciert wurden. * Blutmärchen in einer polnischen Schule. ' Warschau, 4. April. Die jüdische Gemeinde des Städtchens R y k i hat sich an das Unterrichtsministerium mit einer Beschwerde gegen die Lehrerin der dortigen Elementarschule Helene K r u 1 i k o w s ka wegen folgenden Vorfalls gewandt: Am 25. März hat die Lehrerin während des Zeichenunterrichtes ihren Schülerinnen erzählt, daß die Juden zur Bereitung der Mazzoth Blut verwenden und daß die Juden in Warschau und anderen Städten mit Automobilen umh'erfahren, 11m polnische Kinder abzufangen und ihnen Blut zum Zwecke der Bereitung von Mazzoth zu entnehmen. Weiters erzählte sie, B e i 1 i s habe einen christlichen Knaben zum Zwecke der Blutentnahme ermordet. Beilis sei zwar vom Gericht zur Verantwortung gezogen worden, doch hätten die amerikanischen. Juden viel.Geld gesandt, um ihn vor der Kerkerstrafe zu retten. Schließlich forderte die Lehrerin die Kinder auf, auf der Hut zu sein, um nicht den Juden in die Hände zu fallen. Auf die Frage der jüdischen Schülerin Rebekka Lerner, wie es komme, daß die Mazzoth trotz der Verwendung von Blut nicht rot seien, erwiderte die Lehrerin, das käme daher, daß nur sehr wenig Blut zur Bereitung verwendet werde. In ihrer Eingabe weist die jüdische Gemeinde vor Ryki auf die Gefährdung des Friedens in der Stadt durch diese Verhetzung hin und fordert die Absetzung und Bestrafung der Lehrerin. Auch der jüdische Nationalrat hat sich der Beschwerde der jüdischen Gemeinde angeschlossen. Immer wieder die Ziöniften-Reviffloniften^ Zur offiziellen und offiziösen antirevisionistischen Kampagne. — Erlogene Schauergeschichten. Seit Veröffentlichung des MacDonald*Briefes scheinen die offizielle zionistische Leitung, ihre Propa« gandisten und ihre Presse kein anderes Arbeitsfeld für sich zu sehen als die Durchführung einer großzügigen Kampagne gegen die Zionisten* Revision nisten. Sie haben eine Generaloffensive eröffnet, die alle Merkmale der Kriegspsychose trägt. Man arbeitet mit den obligaten Mitteln der lustigen, draufgängerischen Hurra*Stimmung gegen den revisionistischen Erbfeind. Das Rüstzeug hiezu steht zur Verfügung: Lügen, Verleum« düngen, Verdrehungen von Tatsachen, kindische Denunziationen. Da reist Herr Dr. Felix Rosenblüth, Organisa* tionsreferent der Zionistischen Exekutive, durch die Länder und baut die Organisation wieder auf mit einer höchst offiziellen Attacke gegen jenen Teil der Zionisti« sehen Organisation, den die Union der Zionisten*Revisio* nisten darstellt. Der „Haolam", das hebräische Organ der Exekutive, gibt der gesamten offiziellen Presse das Stichwort zu wüsten Schimpforgien gegen die revisionisti« sehen Organisationsmitglieder. Die sozialistischen Arbeiter Palästinas melden sich auch zur Diskussion, indem sie revisionistische Arbeiter prügeln. So hat jeder seine Methode für den Krieg gegen das revisionistische Lager. Es gab eine Zeit, da sich diese Herren keine grauen Haare über die Revisionisten wachsen ließen. Sie spotteten, sprachen von oben herab über ein Häuflein „Malkon« tenter". Jetzt gehen ihnen die Nerven durch. Das Häuflein ist eine stattliche Gruppe geworden, Sitze und Pfründen sind bedroht, es liquidiert sich nicht mehr so bequem der Begriff und Sinn vom Judenstaat. Und gar: Auf den ersten Hieb bei den Wahlen in die Nationaler« Sammlung Palästinas sind die Revisionisten die zweit* stärkste Partei des Landes geworden, mit allen Anzeichen dafür, noch stärker zu werden. Die bange Sorge: „Was wird der Kongreß bringen?" konnte lange durch dessen Verschieben betäubt werden. Jetzt steht er vor der Tür. Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Und die Herren toben: Verfemung soll die Re* visionisten um ihren Kredit bringen. Und die Herren verleumden. Bisher anständige, unabhängige, objektive Organe erliegen immer mehr den offiziellen Parolen. Seit geraumer Zeit passiert es sogar dem Warschauer „Hajnt", daß er die Hetzkampagne mitmacht. Da weiß z. B. ein Warschauer jiddisches Sensationsblatt, dem sogar Politik Pikanterie-bedeutet, von wüsten Dingen aus dem Wiener Revisionismus zu berichten, von einer revisionistischen Proklamation, in der Prof. Weizmann als mit 30.000 Pfund jährlich bezahlter Verräter bezeichnet wird, von täglichen Schlägereien zwischen Revisionisten und StamsZionisten in Kaffeehäusern und Schuls, wobei Stühle nur so durch die Luft fliegen. In Warschau erfährt man es, in Wien selbst nicht. Warum? Weil die ganze Geschichte von der Proklamation und den Prügeleien von A bis Z glatt erfunden, glatt erlogen ist. Weder eine Proklamation noch eine sonstige Aeußerung ist von den Wiener Revisionisten oder irgend einer anderen Gruppe in Wien heraus« gegeben worden. Weder zu einer Auseinandersetzung noch zu Schlägereien ist «es gekommen. Nichts, rein gar nichts hat sich von alledem zugetragen, wovoa der „Hajnt" entrüstet zu melden weiß. Der „Hajnt" hat zwar in Wien einen Bericht« erstatter, der unseres Wissens nichts derlei nach Warschau berichtet hat. Wahrscheinlich aus dem Grunde, weil auch er nichts davon weiß. Aber der „Hajnt" schreibt über die erlogen« Geschichte einen — Leitartikel, bringt einen pollti« sehen Aufsatz des Chefredakteurs A. Goldberg. Der „Hajnt" zitiert aus der imaginären Proklamation einige blutrünstige Stellen, um der Weltüber die Wiener Revisionisten die Augen zu öffnen. „Jeder ehrliche Zionist", ruft der „Hajnt" aus, „wird sich still und entschlossen, mit Schauder und Ekel abwenden von jenen, die ihre Hände zu solch schmutzigen Dingen hergeben, und sich nicht einmal im Umkreis von ihnen zeigen." Also immer wieder die Revisionisten! Wie in der antijüdischen Presse der Welt an allem Unglück „der Jud" schuld hat, so in der zionistischen Presse nach neuerem Brauch „der Revisionist". Die Kampagne schreitet weiter. Ob sie den offiziellen Herren gut anschlagen Wird, ist eine andere Frage/ Der „Hajnt" in Warschau ist ein ernstes Blatt und A,. Gpldberg ist ein ernster Mann. Es ist daher mit Recht zu erwarten, daß der „Hajnt" der Wahrheit die Ehre und den Wiener Zionisten*Revisionisten Genugtuung geben wird. Feiertage im Zeichen jüdischer Not* Polen *— Litauen — Amerika. Aus Warschau ward gemeldet: Die unter den Juden Polens herrschende Wirtschaftsnot kommt anläßlich der bevorstehenden Pessachtage besonders kraß zum Ausdruck. Bei der Warschauer Jüdischen Gemeinde wurden 20.000 Gesuche um Pessachhilfe eingebracht, ungleich mehr als an irgend einem früheren Jahr. Aus den Provinzstädten treffen alarmierende Nachrichten über die ungeheure Not unter den jüdischen Massen ein. Die Zahl der bei den verschiedenen jüdischen Gemeinden eingebrachten Gesuche um Pessachunterstützungen - hat eine bisher > noch nie dagewesene Höhe erreicht. In Lodz haben sich von den insgesamt dort lebenden 40.000 jüdischen Familien nicht weniger als 12.000 in die Pessachunterstützungsliste der Jüdischen Gemeinde eintragen lassen. Es ist also fast ein Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt genötigt, an die öffentliche Mildtätigkeit zu appellieren. Unter den' Mein erfites Bankdepot« Humoreske von M, Nadir, Ich weiß nicht, wie das gekommen, ist. Wie mir der Gedanke kommen konnte, mein blutig verdientes Geld einer Bank anzuvertrauen! Aber geschehen ist es, Ende Chanukka dieses Jahres nahm ich meine schwer erarbeiteten Gelder — meine 20 Dollar — und trug sie in die Bank. Und anstatt lebendigen Geldes, womit man was man will kaufen kann, hab ich irgend ein grünes Büchel in ein gelbes Kuvert gesteckt bekommen — das war alles. Als ich das sah, zappelte mir das Herz und ich bereute schon die ganze Sache. Zunächst gefiel mir der jnnge Mann nicht, der beim Schaltfenster steht und das Geld nimmt. Ein junges Kerlchen, unverheiratet, was tu ich ihm, wenn er das Geld einsteckt und davonläuft?. Zweitens gefiel mir nicht, wie er mich behandelte: Nimmt das Geld, greift rasch irgend ein Büchel heraus, schreibt dort irgend was hinein, haut's auf den Schalter hin und singt gemütlich: „Der Nächste!" . , , Kaum hatte ich das Büchel bekommen und einen Blick hineingeworfen, gerann mir alles Blut, das ich irgendwo in den Adern hatte. Was ist das für ein Geschreibsel, wie wird er das lesen können? Woher wird er wissen, daß das 20 heißt? Ei, dacht ich, das ganze Geschäft gefällt mir nicht recht! Und ich lief wieder ans Fenster, stieß die Juden, die angestellt standen, beiseite und schrie zum jungen Mann hinein: „He," schrie ich hinein, „ich hab Ihnen soeben 20 Dollar gegeben!" „No, und was wollen Sie?", sagt zu mir das Kassierchen und spitzt sich einen Bleistift. „Ich will, daß Sie nicht so .frech sind," sag ich, „sonst kriegst du von mir über die Wangen gerieben, daß dich das gute Jahr holt." Sagt er zu mir; „Mister, was wollen Sie? Hab ich Ihnen das Büchel gegeben? Schluß." „Nichts da", sag ich, „ich will mit dir nicht meljr reden", sag ich, „Blutsauger, der du bist. Ich seh schon, sag ich, daß ich da schön hineingefallen bin. Gib mir wieder, sag ich, das Geld, und, sag ich, aus — Bruderschaft." Sagt er zu mir: „Ausgeschlossen!" Sag ich: „Ich werd dir .bald zeigen „ausg'schlossen"." Das gute Jahr wird dich holen. Schwindler, sag ich, was du bist. Bei mir, sag ich, wirst du solche Kunststücke nicht aufführen. Gib die Gelder her, sag ich, bevor, sag ich, ich die Polizei rufe und bevor ich, sag ich, Gewalt schrei. Gewaaalt, schrei ich auch schon laut, Ge—waaalt!" Wie er hört, daß ich Gewalt schreie, wird er auch schon ein bißchen weicher, der junge Mann, und will mir begreiflich machen, daß er mir jetzt das Geld nicht zurückgeben kann, daß ich zwei Wochen warten muß. So eine Vorschrift! Sag ich: .»Wennso, dann lesen Sie mir vor, was Sie in das Büchel geschrieben haben* Wir werden sehen, sag ich, ob Sie wissen, was Sie dort hineingeschrieben haben. Sie haben, sag ich, es ein wenig zu schnell gemacht. Es kriecht mir nicht in den Kopf, sag ich, daß man so rasch so viel Geld aufschreiben kann." Nimmt er von nur das Büchel und liest: Zwanzig Dollar! Sag ich: „Allright! Merken Sie sich's, das sind 20 Dollar. Und mögen die Juden, sag ich, die beim Fenster stehen, Zeugen sein. Juden, ruf ich, seid Zeugen, daß ich in der Bank zwei knisternde Zehner habe." Und ich geh mit dem Büchel nach Hause, na, versteht sich, von Schlafen keine Rede. Die ganze Nacht über träumte mir, daß Räuber die Bank überfallen, und alles bis auf einen Penny ausgeraubt haben. Einigemal in der Nacht bin ich aufgewacht und habe Gewalt geschrien. Und als es Tag geworden ist, bin ich sofort in einen Wagen gesprungen und auf die Bank losgefahren. Sie war ganz. Nicht ausgeraubt. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Aber wie ich so bei der Bank stand und das Fenster betrachtete, fiel mir ein, daß das Gitter zu schwach ist und daß man ein neues Gitter braucht. Stand ich schon so und wartete, bis der Präsident der Bank kommt. Als der Präsident kam, zog ich ihn zur Seite und sagte ihm, daß man für die Bank ein neues Gitter brauche und daß meiner Meinung nach, sag ich, das ganze Gebäude zu schwach ist. Daß man es umbauen müsse. Man muß zusehen, sag ich, daß das ganze Gebäude aus lauter Marmor bestehe. Denn Marmor, sag ich, ist hart. Sagt er zu mir: „Allright! Vielen Dank für den Rat." Sag ich; „Denken Sie um Gottes willen daran, ein neues Gebäude aus Marmor, und ein neues Gitter, daß es gut beschützt seil Ich bin speziell, sag ich, aus Bronx«